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Ein Weitwinkelobjektiv ist ein Objektiv mit einer gegenüber dem Normalobjektiv kürzeren Brennweite und größerem Bildwinkel. Weitwinkelobjektive können als Wechselobjektiv an geeignete Kameras angeschlossen werden oder sind in diese fest integriert.
Eigenschaften
Dem natürlichen menschlichen Blickfeld entsprechen Objektive mit etwa 40 bis 50° Bildwinkel, die sogenannten
Normalobjektive. Das entspricht beim
Kleinbildformat einem Objektiv mit einer
Brennweite von 45 bis 60 mm, beim
Mittelformat 6x6 cm entsprechend 75 bis 85 mm. Bei kleineren Filmformaten und insbesondere kleineren
Sensorgrößen bei
Digitalkameras verringert sich die Normalbrennweite entsprechend. Objektive mit Brennweiten, die kleiner als die Normalbrennweite sind, werden als Weitwinkelobjektive bezeichnet, Objektive mit längerer Brennweite dagegen als
Fern- oder
Teleobjektive. Weitwinkelobjektive sind nicht zu verwechseln mit
Zoomobjektiven, die eine Verstellung der Brennweite erlauben, jedoch nicht zwingend eine Weitwinkel-Brennweite erreichen müssen.
Varianten
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Je nach Brennweite und dem typischen Verwendungszweck werden Weitwinkelobjektive oft in verschiedene Klassen eingeteilt:
Reportageobjektive
Reportageobjektive sind Weitwinkelobjektive mit einer so genannten leichten (kleinen) bis mittleren Weitwinkelbrennweite zwischen etwa 28 und 40 mm (bezogen auf Kleinbild) und einem Bildwinkel zwischen 60° und 75°. Sie werden auf Grund der höheren
Schärfentiefe und der noch relativ geringen Verzerrungen gerne für die
Reportagefotografie verwendet. Typische Reportagebrennweiten werden auch von den meisten preiswerten Weitwinkelobjektiven und Universalzooms (oft als
Kit-Objektiv bezeichnet) abgedeckt. In diesem Brennweitenbereich gibt es für analoge und digitale
Spiegelreflexkameras auch Objektive mit sehr hohen
Lichtstärken.
Als gemäßigte Weitwinkelbrennweiten (auf Kleinbild bezogen) gelten:
- 28 mm (diagonaler Bildwinkel 75°) und
- 35 mm (diagonaler Bildwinkel 63°).
Superweitwinkelobjektive
Large format camera lens.jpg
Als Superweitwinkelobjektive werden Weitwinkelobjektive mit Bildwinkeln über 80° angesehen. Superweitwinkelobjektive werden auch Ultraweitwinkelobjektive genannt, gängige Abkürzungen sind SWW und UWW. Solche Objektive werden gezielt beispielsweise in der
künstlerischen und
Naturfotografie, aber gelegentlich auch in der
Aktfotografie eingesetzt, um spektakuläre Effekte durch die für diese Brennweiten typischen Verzerrungen zu erzielen. Das Superweitwinkelobjektiv mit der kürzesten Brennweite, das noch relativ verzerrungsfrei und scharf abbildet, ist das
Goerz-Hypergon, das einen Bildwinkel von 130° abbilden kann. Typische Superweitwinkelbrennweiten für das Kleinbildformat sind:
- 24 mm (diagonaler Bildwinkel 83°),
- 20 mm (diagonaler Bildwinkel 94°) und
- 17 mm (diagonaler Bildwinkel 104°).
Fischaugen-Objektive
Ein
Fischaugen-Objektiv (engl.
Fisheye) ist eine spezielle Form des Superweitwinkelobjektivs, das einen Bildwinkel von 180° oder mehr erfasst und die Bilder mit sphärischer Perspektive wiedergibt. Grundsätzlich unterscheidet man hier zwei Typen: Solche, die das rechteckige Filmformat vollständig auszeichnen und solche, die auf dem Film ein kreisrundes Abbild erzeugen. Bei Kleinbild üblich sind:
- 16 mm (diagonaler Bildwinkel 180°, Vollformat)
- 7,5 mm oder 8 mm (rundes Bild)
- Ein Exot ist das Nikkor mit 6 mm Brennweite und 220° Bildwinkel, seit den 1960er Jahren in unterschiedlichen Versionen auf dem Markt, das ebenfalls ein rundes Bild erzeugt, aber dabei gewissermaßen ein Stück weit "nach hinten" schauen kann.
Weitwinkel-Zoomobjektive
Die besonderen optischen Gegebenheiten sorgten in der Vergangenheit dafür, dass Zoomobjektive für den Weitwinkelbereich sehr viel zögerlicher auf den Markt kamen als Telezooms - die Abbildungsfehler waren und sind erheblich schwieriger zu beherrschen als bei langen Brennweiten. Rechnergestützte Konstruktion und neuartige Spezialgläser erlauben heute jedoch auch brauchbare Weitwinkel-Zoomobjektive. In kritischen Aufnahmesituationen, beispielsweise in der
Architekturfotografie, haben Festbrennweiten aber immer noch Vorteile. Insbesondere die sogenannten
Superzoomobjektive, die einen sehr großen Brennweitenbereich abdecken, zeigen am kurzen Ende oft drastische Abbildungsfehler, insbesondere
Verzeichnung und Randunschärfen.
Sonstiges
Lichtstarke Weitwinkelobjektive erfordern einen sehr hohen konstruktiven Aufwand, weshalb preiswerte Weitwinkelobjektive meist eine gegenüber typischen Normalobjektiven relativ geringe
Lichtstärke aufweisen.
Um Weitwinkelobjektive an einäugigen Spiegelreflexkameras verwenden zu können, ist es erforderlich, sie in der sogenannten Retrofokus-Bauweise auszuführen. Dadurch wird die Schnittweite des Objektivs länger als die Brennweite, so daß Platz für den Schwingspiegel bleibt. Einige Spezialkonstruktionen, die nicht in Retrofokusbauweise hergestellt wurden, konnten nur an Spiegelreflexkameras verwendet werden, bei denen der Spiegel manuell arretiert werden kann. Solche Objektive wurden mit einem aufsteckbaren Sucher verwendet, da der Kamerasucher nicht verwendbar war.
siehe auch: Tilt-und-Shift-Objektiv
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