| Weinsberg Panorama 4.jpg |
| Wappen | Karte | |||
|---|---|---|---|---|
| Wappen Weinsberg.svg | Karte Weinsberg in Deutschland.png | - | Basisdaten | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |||
| Regierungsbezirk: | Stuttgart | |||
| Region: | Heilbronn-Franken | |||
| Landkreis: | Heilbronn | |||
| Geografische Lage: | ||||
| Höhe: | 219 m ü. NN | |||
| Fläche: | 22,22 km² | |||
| Einwohner: | 11.852 (31. Dezember 2004) | |||
| Bevölkerungsdichte: | 533 Einwohner je km² | |||
| Ausländeranteil: | 9,8 % | |||
| Postleitzahlen: | 74183-74189 (alt: 7102) | |||
| Vorwahl: | 07134 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | HN | |||
| Gemeindeschlüssel: | 08 1 25 102 | |||
| Stadtgliederung: | Kernstadt und 3 Ortschaften | |||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Rathaus, Marktplatz 74189 Weinsberg | |||
| Website: | www.weinsberg.de | |||
| E-Mail-Adresse: | stadt@weinsberg.de | - | Politik | |
| Bürgermeister: | Stefan Thoma (parteilos) | |||
| Lage der Stadt Weinsberg im Landkreis Heilbronn | ||||
| Weinsberg in HN.png | ||||
Weinsberg Geologische Schichten Burgberg Mai 2005.jpg
Seit den Eingemeindungen kann die Form des Stadtgebietes am ehesten mit einem unregelmäßigen (Griechischen) Kreuz verglichen werden, wobei Weinsberg selbst den kurzen West- und den verdickten Südbalken darstellt, Gellmersbach den Nordbalken und Grantschen und Wimmental den verlängerten Ostbalken. Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 8,6 km, in West-Ost-Richtung etwa 9,3 km.
In den Jahren 1957 sowie 1989–2001 verteilte sich die Flächennutzung wie folgt (Flächenangaben in ha, Quelle 1957: Jahrbuch für die Stadt Weinsberg; 1989–2001: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg):
Der städtische Waldbesitz beträgt insgesamt 567 ha. Neben 426 ha Wald auf den Markungen Weinsbergs und seiner Teilorte besitzt die Stadt auch noch 141 ha Wald auf der Markung von Gemmingen, der am 29. Juli 1936 erworben wurde, als Ausgleich für Weinsberger Gebietsabgaben an den Staat für Militärzwecke (Erweiterung des Heilbronner Exerzierplatzes auf der Waldheide).
Die ersten sicher bekannten Siedler auf Weinsberger Gebiet jedoch waren die Römer. Durch das heutige Stadtgebiet verlief im 2. Jahrhundert eine Römerstraße, die von einem ehemaligen Grenzkastell des Neckarlimes bei (Heilbronn-) Böckingen zu einem Grenzkastell des Obergermanischen Limes bei Öhringen führte. An dieser Straße wurde unterhalb des späteren Burgberges zwischen 148 und 161 n. Chr. ein römischer Gutshof (villa rustica) errichtet, der bis zur Zerstörung durch Alamannen 234 oder 259/260 bestand. Das Badehauses dieses Gutshofes (in Weinsberg bekannt als Römerbad) wurde 1906 ausgegraben und konserviert, Teile des restlichen Gutshofes 1977.
Weiber von Weinsberg Zacharias Dolendo 16 Jhdt.jpg nach Jacques de Gheyn II, spätes 16. Jahrhundert]]
Vermutlich um das Jahr 1000 wurde die Burg Weinsberg als Reichsburg auf einem Berg an der Handelsstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall errichtet. 1140 wurde die Burg von König Konrad III. im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen belagert und musste sich, nachdem das zu ihrer Befreiung herangeführte Entsatzheer Welfs VI. von den Staufern in einer Schlacht besiegt worden war, schließlich am 21. Dezember 1140 ergeben. Dem Bericht der Kölner Königschronik zufolge wurde den Frauen auf der Burg freier Abzug gewährt unter Mitnahme von dem, was jede tragen könne. Sie trugen ihre Männer herab, denen sie so das Leben retteten, da der König sich an sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber bekannt. Die Burg (heute Ruine) heißt aufgrund dieser Begebenheit Weibertreu.
Die Staufer setzten eine Ministerialenfamilie aus dem Gmünder Raum (Sitz in Lindach) als Verwalter auf der Burg ein, die sich bald nach ihrem Sitz „von Weinsberg“ (Herren von Weinsberg) nannte und bis 1450 die Burg als Reichslehen innehatte (mit Unterbrechungen im Nutzungsrecht). Es entstand eine Vorburgsiedlung an den Hängen des Burgberges. Eine an der Handelsstraße im Tal gelegene Marktsiedlung diente der Versorgung der Burg und der umliegenden Ortschaften. Um 1200 wurde auf Veranlassung der Herren von Weinsberg auch mit dem Bau der Johanneskirche zwischen diesen beiden Siedlungen begonnen.
Zur gleichen Zeit wurde vermutlich auch die Stadt Weinsberg gegründet und mit einer Stadtmauer umgeben. 1241 setzt die schriftliche Überlieferung ein mit der Erwähnung der Stadt in einem staufischen Einkünfteverzeichnis (sogenannte Reichssteuerliste), in dem Weinsberg an 29. Stelle aufgeführt ist, ebenbürtig mit Donauwörth, Wiesbaden, Offenburg und Konstanz. Wann Weinsberg das Stadtrecht erlangte, ist unbekannt. Es muss aber vor 1283 gewesen sein, da in diesem Jahr König Rudolf I. der Stadt Löwenstein das Stadtrecht verleiht nach dem Vorbild des Stadtrechtes, das seine Vorgänger der Stadt Weinsberg verliehen hatten. Zu Beginn war Weinsberg zur Hälfte Reichsstadt, zur anderen Hälfte im Besitz der auf der Burg Weinsberg residierenden Herren von Weinsberg, die in der Stadt umfangreiche Rechte wie z.B. das Kelterrecht, das Badstubenrecht und das Recht auf die Besetzung des Schultheißenamtes hatten. Diese Rechte und das Beharren der Stadt auf ihrem Status als Reichsstadt, den sie durch Beitritt zu verschiedenen Städtebünden bekräftigte, führten zu zahlreichen Streitereien zwischen Stadt und Herren.
Weinsberg Johanneskirche von NW 2006 05 07.jpg Die im frühen 13. Jahrhundert errichtete Stadtmauer aus Buckelquadern um die Stadt schloss ursprünglich durch Schenkelmauern auch die Burg im Nordwesten mit ein. Im Gebiet zwischen diesen Schenkelmauern, unmittelbar unterhalb der Burg, standen Häuser für Priester, Ministeriale und Leibeigene der Herren. Vermutlich 1332 zerstörten die Weinsberger Bürger diesen Stadtteil und schlossen die Stadt im Westen gegenüber der Burg ab, wie Urkunden aus dem Jahr 1375 aussagen. In Ausnutzung der Abwesenheit zweier der drei Burgherren und gegen den Widerstand des dritten errichteten sie eine Mauer zwischen Burg und Stadt mit einem davorliegenden Graben, der als Burgweg heute noch existiert. Die Schenkelmauern wurden vermutlich gleichzeitig abgebrochen. Reste der Stadtmauer existieren noch im Norden und Nordosten des alten Stadtkerns; im Süden ist nur noch ein kleines Stück zu finden. Drei der Türme – Wolfsturm, Diebsturm (später Geisterturm genannt) und Küh-, Säu- oder Wachturm – sind ebenfalls noch erhalten, vom Wolfsturm in der Nordwestecke der Stadtbefestigung gleich bei der Kirche allerdings nur der Turmstumpf.
Die Streitereien mit den Herren dauerten an. Schließlich, am 22. Mai 1417, belehnte König Sigismund seinen Reichserbkämmerer Konrad IX. von Weinsberg mit der Stadt Weinsberg, die damit vom Status einer Reichsstadt zu einer den Weinsberger Herren unterstellten Landstadt abgewertet worden wäre. Die Stadt suchte Schutz in einem weiteren Städtebund, dem Weinsberger Bund vom 27. November 1420, in dem sich 33 Reichsstädte zum Schutz der Stadt Weinsberg zusammenschlossen.
Weil die Stadt sich weigerte, seine Herrschaft anzuerkennen, und auch die ihm zustehenden Abgaben nicht mehr zahlte, bewirkte Konrad IX. beim königlichen Hofgericht die am 10. Februar 1422 vom König bestätigte Acht über die volljährigen Bürger. Weil diese nichts bewirkte, folgte 1425 die Aberacht. Außerdem verhängte Papst Martin V. 1424 den Kirchenbann über sie. All das nutzte jedoch nichts, und Konrad griff zu drastischeren Maßnahmen. Er wollte die mit Weinsberg verbündeten schwäbischen Städte schädigen und erwarb zu diesem Zweck (durch Tausch gegen Weikersheim mit Pfalzgraf Otto I. von Pfalz-Mosbach) die Stadt Sinsheim, durch die einer der Hauptwege zur Frankfurter Messe führte, an dem er damit Rechte erwarb. Im August 1428 überfiel er in Sinsheim zur Messe ziehende Kaufleute und setzte 149 Kaufleute aus 20 mit Weinsberg verbündeten Städten fest, davon allein 37 aus Ulm. Die Frankfurter Messe musste ausfallen. Der König empfand das als persönliche Beleidigung und entzog Konrad seine Gunst. Die Städte einigten sich zwar im Oktober 1428 in Heidelberg mit Konrad, der König verbot ihnen aber diese Einigung. Erst 1430 kam es zu einem neuerlichen Vergleich der Parteien auf Grundlage der zwei Jahre zuvor in Heidelberg erzielten Einigung, dem der König nun zustimmte. In diesem Vertrag musste Konrad die Stadt Weinsberg als (ungeteilte) Reichsstadt anerkennen.
Bereits 1440 verlor Weinsberg den Status der Reichsstadt wieder. Der 1596 in Frankfurt am Main erschienenen Schwäbischen Chronik (Paraleipomenos Rerum Sueuicarum Liber) des Tübinger Professors Martin Crusius zufolge soll es einer Schar von Rittern unter Führung von Kunz von Bebenburg und Hans von Urbach gelungen sein, einige Männer in einem großen Weinfass („Trojanisches Fass“) in die Stadt zu schmuggeln, die dann die Tore öffneten und so die Einnahme der Stadt ermöglichten. Am 16. September 1440 verkauften sie die Stadt für 3.000 Gulden an den Pfalzgrafen bei Rhein. Da Weinsberg die von diesem geforderte Auslöse von 7.966 Gulden nicht aufbringen konnte, wurde die Stadt Teil der Kurpfalz. 1450 kaufte der Pfalzgraf den Herren von Weinsberg die Burg und die ihnen noch verbliebenen Rechte in der Stadt ab und war damit alleiniger Besitzer Weinsbergs.
Graefin Helfenstein von Matthaeus Merian d Ae.jpg d. Ä.]] Im Bauernkrieg wurden am 16. April 1525, Ostersonntag, Burg und Stadt von aufständischen Bauern eingenommen. Der in Weinsberg gefangen genommene Graf Ludwig von Helfenstein, Amtmann von Weinsberg und Obervogt über alle württembergische Bauern, wurde vor den Stadtmauern mitsamt seinen Rittern und Reisigen von den Bauern durch die Spieße gejagt und getötet. Dieses Weinsberger Blut-Ostern zog die Vergeltung des Schwäbischen Bundes nach sich, der Weinsberg am 21. Mai niederbrennen ließ. Die Stadt verlor ihre Freiheiten und das Stadtrecht, ihre Einkünfte gingen künftig direkt an die Obrigkeit. Die Bürger mussten eine jährliche Buße von 200 Gulden zahlen. Bis 1534 wurden zudem Sühnegelder für die Hinterbliebenen Helfensteins von den Weinsbergern eingetrieben. Es wurde verboten, die zerstörten Häuser wieder aufzubauen; das Verbot wurde aber noch im selben Jahr wieder aufgehoben. Der Urfehdebrief vom 17. November 1525, der dieses Verbot aufhob, bestimmte auch, dass die gesamte Stadtmauer mitsamt Türmen geschleift werden sollte, was aber nicht geschah. Nach der Rückkehr Ulrichs nach Württemberg 1534 huldigte ihm Weinsberg und nannte sich fortan wieder Stadt, wenngleich ein (neues, württembergisches) Stadtrecht erst 1553 von Herzog Christoph wieder verliehen wurde.
Im Schmalkaldischen Krieg wurde Weinsberg am 21. Dezember 1546 von Kaiser Karl V. ohne Kampfhandlungen eingenommen. In der Folge lagen von November 1549 bis Oktober 1551 spanische Truppen in der Stadt. Danach kehrte für mehrere Jahrzehnte Ruhe ein, die nur durch den Durchzug von Infektionskrankheiten – „Englischer Schweiß“ (sudor anglicus) im Jahre 1529, Pest in den Jahren 1571, 1585, 1597 und 1612 – gestört wurde. Weinsberg Marktplatz Maerz 2005.jpg Im Dreißigjährigen Krieg lagen dann mehrfach Soldaten in Weinsberg. Im September 1634 fielen kaiserliche Truppen ein, plünderten die Stadt und ermordeten zehn Menschen. 1625 und 1635 suchte erneut die Pest die Stadt heim, die bis 1640 fast zwei Drittel ihrer Einwohner verlor. Ebenfalls 1635 schenkte Kaiser Ferdinand II. Stadt und Amt Weinsberg dem Grafen Maximilian von und zu Trauttmansdorff, der beide 1646 an Württemberg zurückgab. Aufgrund dieser Episode nennen sich seine Nachfahren bis heute von Trauttmansdorff-Weinsberg. 1649 bis 1742 gehörte Weinsberg (zusammen mit Möckmühl und Neuenstadt am Kocher) hälftig zur Herrschaft Württemberg-Neuenstadt. Während dieser Zeit wurde die Stadt am 19. August 1707 durch einen großen Brand zu zwei Dritteln zerstört und danach innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut, wobei das mittelalterliche Stadtbild mit engen Gassen wegen der Weiterverwendung der für den Weinbau wichtigen Keller weitgehend erhalten blieb – trotz anderer Wünsche der mit dem Wiederaufbau befassten herzoglichen Baumeister, die ihre barocken Ideale der geraden, breiten Straßen als Sichtachsen nur am Marktplatz durchsetzen konnten. 1755 wurde Weinsberg Sitz eines Oberamtes (Oberamt Weinsberg).
1784 wurde mit der Einrichtung eines (offenen) Feuertores beim südlichen Wachturm erstmals eine Bresche in die bis dahin lückenlose Stadtmauer geschlagen. 1803 wurden die noch vorhandenen Teile des Wehrgangs abgebrochen, ab 1805 in einem jahrzehntelangen Prozess nach und nach fast die gesamte restliche Stadtmauer. In zwei Schritten wurde 1811 und 1844/45 die Straße nach Heilbronn am westlichen Stadtausgang auf eine neue, weniger steile Trasse verlegt, wozu weitere Teile der Stadtmauer und auch einige Häuser abgerissen wurden.
Weinsberg um 1803 1909 Lithographie-2.jpg 1817 setzte in der Stadt eine Auswanderungswelle vor allem nach Nordamerika ein, die bis ins späte 19. Jahrhundert anhielt. Die Gründe waren zum einen wirtschaftlicher Art (z.B. durch Missernten verursachte Not), zum anderen aber auch politischer Natur. Der später berühmte Nationalökonom Friedrich List, damals noch württembergischer Rechnungsrat, wurde im Frühjahr 1817 nach Weinsberg geschickt, um die Gründe der Auswanderungswilligen zu erforschen. Ihm wurden hauptsächlich Bedrückung durch Feudalrechte (z.B. Fronen) oder persönliche Bedrückung durch willkürlich handelnde Beamte genannt. Lists Bericht an die Regierung in Stuttgart findet seinen Höhepunkt in der Aussage, die Auswanderer „wollen lieber sklaven in Amerika seyn als bürger in Weinsperg.“ Erst Jahrzehnte später, 1892, wird in Weinsberg die letzte Auswanderung nach Nordamerika verzeichnet. Die Industrialisierung und der damit verbundene Wirtschaftsaufschwung verbesserten die Lage der Bürger.
Von 1819 bis zu seinem Tod 1862 lebte der Dichter und Arzt Justinus Kerner in Weinsberg. In seinem 1822 erbauten Haus, dem Kernerhaus, trafen sich oft mit ihm befreundete Dichter wie Ludwig Uhland, Gustav Schwab und Nikolaus Lenau und bescherten Weinsberg so den Ruf, ein „schwäbisches Weimar“ zu sein. Auch in der Heimat- und Denkmalpflege war Kerner tätig; er verhinderte den weiteren Abbruch der Burgruine und gründete für ihre weitere Instandhaltung zusammen mit 142 Weinsberger Frauen den Frauenverein Weinsberg, der 1824 vom württembergischen König Wilhelm I. mit der Burgruine belehnt wurde, die noch heute im Besitz des Vereins (inzwischen Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg) ist.
1860 bis 1862 wurde die Eisenbahnlinie von Heilbronn über Weinsberg nach Schwäbisch Hall (Hohenlohebahn) gebaut, bis 1867 deren Fortsetzung nach Crailsheim. Die Eisenbahn brachte den Fortschritt und mit einiger Verzögerung auch wirtschaftliche Prosperität in die Stadt. 1868 wurde nach jahrelangen Vorbereitungen eine Königliche Weinbauschule in Weinsberg eingerichtet, die unter anderem Namen bis heute besteht.
Plan Weinsberg 1914 von Karl Burkhardt AM.png
Nach mehreren gescheiterten Versuchen unternahm es die württembergische Regierung 1923 erneut, die Zahl der Oberämter zu verringern. Auch diese Reform scheiterte und führte zum Rücktritt der Regierung. Die weitere politische Debatte führte schließlich zu einer Mini-Reform, der 1926 als einziges Oberamt das Oberamt Weinsberg zum Opfer fiel, das mit Wirkung vom 1. April gegen den heftigen Protest der Weinsberger aufgelöst und auf die umliegenden Oberämter verteilt wurde. Weinsberg selbst wurde dem Oberamt Heilbronn zugeteilt. Die ehemalige Oberamtsstadt verlor an Bedeutung, die Heilbronn im Gegenzug dazugewann.
Die Veränderung von Staat und Gesellschaft zur Zeit des Nationalsozialismus blieb auch in Weinsberg nicht ohne Folgen. Die Stadt versuchte, den 1926 durch die Auflösung des Oberamtes erlittenen Bedeutungsverlust durch neue Funktionen im nationalsozialistischen Staat zu kompensieren. So wurde 1934 der Plan verfolgt, Weinsberg zur „Hauptstadt der deutschen Frauentreue“ ernennen zu lassen. Ein diesbezüglicher Vorstoß bei Joseph Goebbels scheiterte jedoch. Ebensowenig von Erfolg gekrönt war der 1936 von Bürgermeister Weinbrenner an die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink gerichtete Vorschlag, auf der Burgruine Weibertreu eine Schulungsstätte der NS-Frauenschaft einzurichten und die Burg so „gleichsam zur Walhalla der deutschen Frauen“ zu erheben. Zum 800. Jahrestag der Treu-Weiber-Begebenheit im Jahr 1940 wurden ab 1938 große Festlichkeiten geplant, anlässlich derer die Burg doch noch als „Walhalla der deutschen Frau“ an die Reichsfrauenführerin übergeben werden sollte. Der Beginn des Krieges am 1. September 1939 machte die Planungen zunichte.
Das Militär ließ sich verstärkt in und um Weinsberg nieder. 1934 sollte der Exerzierplatz auf der Waldheide zwischen Heilbronn und Weinsberg vergrößert werden, wozu Weinsberg 80 ha Wald unentgeltlich abgeben sollte. Die Stadt konnte jedoch erreichen, dass zwar 66 ha Wald abgegeben werden mussten, aber nicht umsonst, sondern im Wege des regulären Verkaufs. Vom Erlös wurden 1936 141 ha Wald auf Gemarkung Gemmingen gekauft, die auch 70 Jahre danach noch im Besitz der Stadt Weinsberg sind. Im gleichen Jahr wurden auch im Brühltal im Süden des Stadtgebietes 14 ha Privatgrundstücke beschlagnahmt, um dort einen Militärschießplatz anzulegen. 1937 wurde schließlich am damaligen Stadtrand ein Landwehrübungslager errichtet, das dann zu Kriegszeiten ab 1940 bis Ende März 1945 als Offiziersgefangenenlager (Oflag V A) diente.
Wie fast überall in Deutschland, fanden auch in Weinsberg Verbrechen an Behinderten und Juden statt. Im Rahmen der Aktion T4 wurden im Jahr 1940 mindestens 422 Personen aus der Weinsberger Heilanstalt nach Grafeneck gebracht, wo sie ermordet wurden. Später war die Heilanstalt eine der der Anstalt Hadamar zugeordneten Zwischenanstalten, wo Geisteskranke gesammelt und dann zur Tötung nach Hadamar gebracht wurden. 1942 wurden zwei Juden aus Weinsberg ins Ghetto Theresienstadt deportiert.
Im Zweiten Weltkrieg kam Weinsberg lange Zeit (mit Ausnahme der aus Weinsberg stammenden Gefallenen) relativ ungeschoren davon und konnte sogar viele Ausgebombte aus dem am 4. Dezember 1944 stark zerstörten Heilbronn aufnehmen. In der Endphase des Krieges, am 12. April 1945, wurde die Stadt dann doch noch durch Artilleriebeschuss und Bombardierung und die daraus resultierenden Brände großteils zerstört. Insgesamt 15 Menschen starben. 330 Häuser brannten ab, auch das Rathaus und mit ihm das Stadtarchiv, das schon bei den Bränden 1525 und 1707 dezimiert worden war. Weitere wichtige Quellen zur Stadtgeschichte gingen verloren.
Weinsberg Innenstadt von Burg 20060528.jpg Im vormaligen Landwehrübungs- und Kriegsgefangenenlager wurden von den Siegermächten nach Kriegsende ehemalige Zwangsarbeiter und andere Displaced Persons untergebracht. 1953 wurde das DP-Lager umfunktioniert zu einem Landesdurchgangslager für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten, das noch bis zum 30. November 1972 existierte. Auch Bundespräsident Horst Köhler lebte als Kind für einige Tage hier. Viele Flüchtlinge aus dem Lager ließen sich permanent in Weinsberg nieder und trugen zum Wiederaufbau der Stadt in den späten Vierziger- und den Fünfzigerjahren bei. Bis 1955 war der Wiederaufbau mit 450 Neubauten oder wieder aufgebauten Gebäuden im Wesentlichen abgeschlossen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren veränderte der Bau zweier Autobahnen und des Autobahnkreuzes die Stadt in bis dahin ungekanntem Ausmaß. Weinsberg war nun aus allen Himmelsrichtungen bequem und schnell per Automobil zu erreichen, sah sich aber auch zunehmend Verkehrslärm in bislang unbekanntem Ausmaß ausgesetzt, was Lärmschutzmaßnahmen notwendig machte.
Ab Ende der 1960er-Jahre wurde in Baden-Württemberg eine Kreis- und Gemeindereform diskutiert. Die Zielplanung der Landesregierung für diese Reform sah die Eingemeindung der Gemeinden Eberstadt (mit Hölzern), Ellhofen, Gellmersbach, Grantschen und Lehrensteinsfeld in die Stadt Weinsberg vor. Besonders in Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld stieß dies auf Widerstand. Als Alternative zur Eingemeindung gründete Weinsberg zusammen mit diesen Gemeinden am 21. Dezember 1971 den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg. Grantschen wurde zum 1. Januar 1973, Gellmersbach zum 1. Januar 1975 nach Weinsberg eingemeindet. Die Gemeinde Wimmental, die nach der ursprünglichen Zielplanung Teil der neu zu bildenden Gemeinde Obersulm hätte werden sollen, entschied sich stattdessen lieber für die Eingemeindung nach Weinsberg, die ebenfalls zum 1. Januar 1975 erfolgte.
1510 bis 1518 hatte Johannes Oekolampadius, der spätere Reformator Basels, eine Prädikantenstelle an der Weinsberger Johanneskirche inne. In Weinsberg erregte er mit seinen reformorientierten Predigten aber Anstoß und verließ die Stadt daher.
1520 kam der Heilbronner Erhard Schnepf als erster ausgesprochen evangelischer Prediger nach Weinsberg. 1522 wurde er von der österreichischen Regierung vertrieben. Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs nach Württemberg, 1534, führte Schnepf im Auftrag des Herzogs die Reformation in Württemberg durch. In Weinsberg kam diese Aufgabe dem Pfarrer Johann Geyling zu, der 1548 als Folge des Interims (Versuch einer Rekatholisierung mit geringfügigen Zugeständnissen) abgesetzt wurde. Nach dem Ende des Interims 1552 setzte sich die Reformation in Weinsberg endgültig durch.
Weinsberg wurde Teil und zunächst auch Hauptort eines evangelischen Kirchenbezirks. 1586 wurde dessen Hauptort nach Möckmühl, 1612 nach Neuenstadt am Kocher verlegt, bis schließlich 1710 ein neuer Kirchenbezirk mit Hauptort Weinsberg errichtet wurde. Von 1752 bis 1759 war der Pietist Friedrich Christoph Oetinger Dekan in Weinsberg. Während dieser Zeit entstand sein Weinsberger Predigtbuch.
Nach verschiedenen Änderungen entsprach der evangelische Kirchenbezirk Weinsberg ab 1812 dem politischen Oberamt Weinsberg und blieb von dessen Auflösung 1926 unberührt, so dass die heutigen Grenzen des Dekanats Weinsberg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die früheren politischen Grenzen widerspiegeln. Die Evangelische Kirchengemeinde Weinsberg hat heute 4.700 Mitglieder (Stand: Oktober 2004). Ihre Kirche ist die Johanneskirche. Gellmersbach hat seine eigene Kirchengemeinde, die Evangelische Kirchengemeinde St. Leonhardskirche Gellmersbach. Die evangelischen Christen in Grantschen und Wimmental gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde (Obersulm-) Sülzbach, die 1.686 Mitglieder hat, davon 530 aus Grantschen und 150 aus Wimmental (Stand: Oktober 2002).
Weinsberg St Josef Maerz 2005.jpg Wimmental war zwar ab 1504 unter württembergischer Oberhoheit, aber Besitz des Klosters Schöntal und nahm deshalb nicht an der Reformation teil. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner ist auch heute noch katholisch. Für sie gibt es eine eigene katholische Kirchengemeinde, die Katholische Kirchengemeinde St. Oswald Wimmental, die auch für Grantschen und die zwei Weinsberger Nachbargemeinden Ellhofen und Lehrensteinsfeld zuständig ist und gegenwärtig 1.600 Mitglieder hat (Stand: 2003). In Weinsberg selbst wurden erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs, durch Zuwanderung von Flüchtlingen, Katholiken in nennenswerter Anzahl ansässig. Als Folge wurde die Katholische Kirchengemeinde St. Josef Weinsberg gegründet, die auch für Gellmersbach, das Klinikum am Weissenhof und die Nachbargemeinde Eberstadt zuständig ist. 1951 bis 1954 wurde die katholische Josefskirche neu gebaut. Gegenwärtig hat die Kirchengemeinde St. Josef 2.877 Mitglieder (Stand: 2003).
Eine jüdische Gemeinde gibt und gab es in Weinsberg nicht; es sind in der Weinsberger Geschichte aber vereinzelt Juden nachgewiesen. 1298 waren Weinsberger Juden von der Rintfleisch-Verfolgung betroffen. 1418 zahlten Juden in Weinsberg 100 Gulden Judensteuer an Konrad von Weinsberg. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden wieder vereinzelt jüdische Familien ansässig, es gab aber keine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Patienten der 1903 erbauten Heilanstalt wurden von Rabbinern aus Heilbronn betreut. Am 22. August 1942 wurden mit einem großen Eisenbahn-Transport zumeist betagte Juden aus dem Stuttgarter Raum und dem Kreis Heilbronn ins Ghetto Theresienstadt gebracht, darunter auch zwei Juden aus Weinsberg.
Neuapostolische Christen sind seit etwa 1920 in Weinsberg ansässig. Eine eigene Kirchengemeinde wurde 1931 gegründet, ein neugebautes Kirchengebäude am 29. Mai 1965 eingeweiht. Die neuapostolische Kirchengemeinde Weinsberg gehört zum Kirchenbezirk Heilbronn-Pfühl der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und hat 182 Mitglieder (Stand: Jahresende 2004).
Die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde Weinsberg hat ein Einzugsgebiet von Neckarsulm bis ins Sulmtal und etwa 70 Mitglieder (Stand: 2003). Erste methodistische Prediger kamen 1851 von Heilbronn nach Weinsberg; ein eigener Gemeindebezirk wurde 1884 geschaffen.
Weitere in Weinsberg vertretene Konfessionen und Religionen sind u.a.:
Gellmersbach entschied sich im Dezember 1974 für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg und wurde zum 1. Januar 1975 eingemeindet. Der Ort hat heute 953 Einwohner.
Die Grantschener Bürger entschieden sich in einer Bürgeranhörung am 26. März 1972 für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg. Der Ort wurde am 1. Januar 1973 eingemeindet und hat heute 839 Einwohner.
Die Wimmentaler Bürger entschieden sich in einer Bürgeranhörung am 20. Januar 1974 für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg. Der Ort wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet und hat heute 589 Einwohner.
| Jahr | Einwohner | - | 1525 | 1.200 | - | 1620 | 1.600 | - | 1640 | 540 | - | 1670 | 1.060 | - | 1800 | 1.450 | - | 1810 | 1.634 | - | 1820 | 1.770 | - | 1830 | 1.904 | - | 1840 | 2.039 | - | 1845 | 2.148 | - | 1858 | 2.080 | - | 1900 | 2.479 | - | 1907 | 3.097 | - | 1920 | 3.389 | - | 1930 | 3.600 | - | 1939 | 4.555 | - | 1947 | 5.665 | - | 1952 | 5.837 | - | 1955 | 8.249 | - | 1960 | 6.979 | - | 1965 | 6.993 | - | 1970 | 7.392 | - | 1975 | 8.287 | - | 1980 | 8.799 | - | 1985 | 9.155 | - | 1990 | 10.009 | - | 1995 | 11.070 | - | 2000 | 11.350 | - |
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Die Eröffnung des Lagers für Displaced persons, später Landesdurchgangslager für Ostflüchtlinge, ließ die Einwohnerzahl in die Höhe schnellen; zeitweise lebten noch einmal halb so viele Flüchtlinge in Weinsberg wie eigentliche Stadteinwohner, 1955 z.B. 2.616 Lagerbewohner gegenüber 4.982 eigentlichen Stadteinwohnern und 651 Einwohnern des Landeskrankenhauses. Etliche dieser Flüchtlinge ließen sich auch in Weinsberg nieder, was zu Beginn der 1960er-Jahre bei abnehmendem Bevölkerungsstand im Lager zu einer Zahl von etwa 7.000 Einwohnern führte. Es folgte ein stetiges Wachstum, bis Ende 1972 durch die Schließung des Landesdurchgangslagers ein leichter Rückgang eintrat, der aber 1973 und 1975 durch die Eingemeindungen kompensiert wurde. In den 1990er-Jahren wurde erstmals die Zahl von 11.000 Einwohnern erreicht. Bis heute verzeichnet Weinsberg einen leichten Bevölkerungszuwachs durch Zuzug und weist deshalb noch neue Baugebiete aus.
Ausländer sind in Weinsberg in nennenswerter Anzahl erst seit Eintreffen der Gastarbeiter in Deutschland ansässig. Die meisten von ihnen kommen aus klassischen Gastarbeiter-Ländern wie der Türkei, Italien und Griechenland. Ihr Anteil hat sich seit Jahren um die 10 % eingependelt und betrug 2003 9,8 %, nicht mitgezählt jene, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Ebenfalls in dieser Zahl nicht berücksichtigt sind die seit 1989 in größerer Zahl auch in Weinsberg aufgenommenen Spätaussiedler, die zwar aus dem Ausland kommen, rechtlich gesehen aber Deutsche sind.
Zur Tabelle: Frühe Zahlen sind Schätzungen, Geschichtsquellen oder der Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 entnommen. Spätere Zahlen entstammen amtlichen Zählungen oder Fortschreibungen und sind im Wesentlichen dem Jahrbuch für die Stadt Weinsberg entnommen. Ab 1907 mit Heilanstalt bzw. Krankenhaus/Klinikum, 1947 bis 1970 mit Landesdurchgangslager, ab 1975 mit eingemeindeten Ortsteilen.
Weinsberg Schemelsberg Burgberg Mai 2005.jpg Durch dieses komplizierte Kommunalwahlrecht können sich Ausgleichssitze ergeben, wenn ein Wahlvorschlag in einem Wohnbezirk eine bedeutend höhere Zustimmung erfährt als im Gesamtergebnis. So auch bei der Gemeinderatswahl 2004 in Weinsberg: Die CDU war in den Ortschaften erfolgreicher als insgesamt und konnte jeweils einen der zwei pro Ortschaft reservierten Sitze erringen. Freie Wähler und SPD erhielten jeweils einen Ausgleichssitz, so dass der Gemeinderat in der Wahlperiode 2004–2009 24 Mitglieder hat. Die Mitglieder des Gemeinderats tragen als Person jeweils den Titel Stadtrat (StR) oder Stadträtin (StR'in).
Dominierende Fraktion im Weinsberger Gemeinderat ist seit ihrem ersten Antreten im Januar 1951 die Freie Wählervereinigung Weinsberg 1950. Auch SPD und CDU sind seit Jahrzehnten vertreten. Die SPD, seit 1909 mit einem Ortsverein vertreten und in den 1950ern und 1960ern zweitstärkste Fraktion (von zweien) mit bis zu 40 % der Mandate, war noch bis 1975 stärker vertreten als die CDU, die 1971 zum ersten Mal überhaupt zu Gemeinderatswahlen angetreten war, von den Eingemeindungen dann aber stark profitieren konnte und seitdem die zweitstärkste Fraktion stellt. Vierte Fraktion waren von 1984 bis 1994 Die Grünen und in deren Nachfolge ab 1994 die Unabhängige Liste Weinsberg, die aber bei der Wahl 2004 nicht mehr genügend Kandidaten fand und deswegen nicht mehr antrat. Die Wahl am 13. Juni 2004 erbrachte folgendes Ergebnis:
Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.
In jeder der drei Ortschaften gibt es einen bei jeder Kommunalwahl von der wahlberechtigten Bevölkerung zu wählenden Ortschaftsrat. Die Ortschaftsräte haben jeweils sechs Mitglieder. Auf ihren Vorschlag hin wählt der Gemeinderat für jede Ortschaft einen ehrenamtlichen Ortsvorsteher. Diese Gremien sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.
Seit der Wahl 2004 ist die FWV im Ortschaftsrat Grantschen mit vier Mitgliedern, in Gellmersbach und Wimmental mit drei Mitgliedern vertreten. Entsprechend stellt die CDU in Grantschen zwei, in Gellmersbach und Wimmental drei Mitglieder. Andere Wahlvorschläge als FWV oder CDU gab es keine.
Die Ortsvorsteher sind ab 2004:
Frühere Bürgermeister der Stadt Weinsberg waren u.a.:
Weinsberger Wappen auf Brunnen 1803.jpg
Die Bestandteile des Weinsberger Wappens (Weinstock als redendes Zeichen, Reichsadler als Zeichen der Reichsunmittelbarkeit) waren beide als Symbole der Stadt im Gebrauch, bis sie im 16. Jahrhundert in einem Wappen vereinigt wurden. In seiner heutigen Form wurde das Wappen 1958 von der Stadt festgelegt und am 12. Februar vom Innenministerium des Landes Baden-Württemberg bestätigt.
Die Weinsberger Stadtfarben sind Blau-Weiß.
Schild Weinsberger Partnerstaedte Mai 2005.jpg
Kernerhaus in Weinsberg.jpg Das Kernerhaus ist das 1822 erbaute Wohnhaus des Dichters und Arztes Justinus Kerner und später seines Sohnes Theobald Kerner, das 1907 vom Justinus-Kerner-Verein gekauft und im Folgejahr als Museum zugänglich gemacht wurde. Geöffnet Dienstag bis Sonntag (außer am ersten Sonntag im Monat) von 14–17 Uhr.
In der Nähe des Kernerhauses befindet sich das Alexanderhäuschen, Justinus Kerners Gästehaus, benannt nach Alexander von Württemberg. Geöffnet nach Voranmeldung.
Die Dokumentationsstätte Lager Weinsberg ist in der letzten noch erhaltenen Baracke des ehemaligen Lagers Weinsberg untergebracht, das von 1937 bis 1972 nacheinander als Landwehrübungslager, Kriegsgefangenenlager, Lager für Displaced Persons und Flüchtlingslager diente. Geöffnet ist es jeden ersten Sonntag im Monat von 14–17 Uhr; Eintritt frei.
Auch der international bekannte Jazzkontrabassist und Bandleader Jan Jankeje wohnt in Weinsberg.
Die Burgruine Weibertreu, auf dem Burgberg oberhalb der Stadt gelegen, wurde wahrscheinlich im 11. Jahrhundert erbaut. Sie kann gegen Eintritt besichtigt werden.
Weinsberg Johanneskirche von Sueden.jpg
Die Kirche ist im Sommer täglich, sonst nach Voranmeldung zu besichtigen.
Ein weiteres Landschaftsschutzgebiet ist der Burgberg mit der Burgruine Weibertreu, der seit dem 21. Juli 1978 das 17 ha große Landschaftsschutzgebiet Burgberg mit „Weibertreu“ (Nr. 1.25.002) bildet. Der Weinsberger Abschnitt des Sulmtals, in früheren Zeiten als landschaftlich sehr reizvoll gerühmt, wird seit dem Autobahnbau vor allem vom Autobahnkreuz dominiert. Dennoch befindet sich auch hier, in der Nordostecke des Autobahnkreuzes, ein Naturschutzgebiet, an dem Weinsberg einen kleinen Anteil hat. Das Naturschutzgebiet Wildenberg (Nr. 1.187) wurde am 16. Oktober 1992 auf dem Westteil des Wildenberges zwischen Weinsberg-Grantschen und Eberstadt, direkt südlich der A 81, eingerichtet. Der Weinsberger Anteil ist mit 1,6 ha aber ziemlich klein, verglichen mit dem 47,8 ha großen Anteil Eberstadts. Das Schutzgebiet besitzt durch mehrere geologische Aufschlüsse besondere geologische Bedeutung als Einblick in die Entstehungsgeschichte des Schilfsandsteins. Das ganze Naturschutzgebiet und ein kleines anschließendes Gebiet, insgesamt 57,5 ha, wurde zudem schon am 2. September 1991 als Schonwald (Nr. 301) ausgewiesen mit dem Ziel, die naturnahe Laubholzbestockung zu erhalten und pflegen.
Ähnlich präsentiert sich der Weibertreu-Herbst, auch bekannt als Herbstfest, das alljährlich an einem Wochenende im September oder Oktober auf dem Festplatz auf dem Grasigen Hag (nördlich der Johanneskirche) stattfindet. Das Festgeschehen findet hier im Festzelt statt. Außerdem gibt es noch eine Auswahl von Fahrgeschäften, Losbuden etc.
In unregelmäßigen Abständen, zuletzt 1994 und 2000, zieht am Wochenende des Herbstfestes ein historischer Festzug durch die Stadt. Abordnungen der Vereine repräsentieren in historischen Kostümen die Weinsberger Geschichte, die Schul- und Kindergartenkinder laufen mit; auch Fanfarenzüge aus der näheren und weiteren Umgebung, Abordnungen der Weinsberger Partnerstädte usw. sind präsent.
Im Sommer jedes geraden Jahres finden seit 1996 auf der Burgruine Weibertreu die Weibertreu-Festspiele mit Theater und Gastspielen statt. Veranstalter ist der Theaterverein Weinsberg.
Weinsberg Autobahnkreuz von Burg Maerz 2005.jpg
Die stark befahrene Bundesstraße B 39 (Heilbronn–Schwäbisch Hall) führte früher in West-Ost-Richtung mitten durch die Stadt und teilte Weinsberg praktisch in einen Nord- und einen Südteil. Die Überquerung der B 39 abseits von Ampeln war fast unmöglich, so dass über Jahrzehnte der Wunsch nach einer Umgehungsstraße wuchs, die am 13. Juli 1990 schließlich eingeweiht wurde. Von Heilbronn kommend, durchquert sie im Westen den Schemelsberg in einem Tunnel, umgeht Weinsberg im Norden entlang der Trasse der A 6 und trifft schließlich im Osten, Richtung Ellhofen, wieder auf die alte B 39. Die alte Strecke der B 39 durch den Stadtkern wurde verkehrsberuhigt. An der Markungsgrenze zu Ellhofen zweigt der Autobahnzubringer B 39a nach Süden ab, der zur Autobahnanschlussstelle Weinsberg an der A 81 (südlich des Weinsberger Kreuzes) führt.
Weinsberg liegt auch an der 1860 bis 1862 erbauten Hohenlohebahn von Heilbronn über Öhringen nach Schwäbisch Hall. Neben normalen Zügen fahren auch von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft betriebene Stadtbahnen von Heilbronn nach Öhringen und stellen so die Anbindung an das Karlsruher Stadtbahnnetz her. Die früher nicht elektrifizierte Strecke, in die schon lange nichts mehr investiert worden war und die sich signaltechnisch noch auf einem Stand von 1900 befand, wurde zu diesem Zweck bis Öhringen erstmals mit einer Oberleitung versehen. Außerdem werden neue Haltepunkte gebaut; in Weinsberg sind dies die Haltepunkte Weinsberg West (in Betrieb ab 2007) und Weinsberg/Ellhofen Gewerbegebiet (ab Frühjahr 2006), sodass Weinsberg zusammen mit dem Haltepunkt Weinsberg Bahnhof über drei Haltestellen verfügen wird. Von Juni 2003 bis Dezember 2005 wurde die Hohenlohebahn wegen der Umbauten von Heilbronn bis Öhringen im Schienenersatzverkehr betrieben.
Die 1912 gegründeten Karosseriewerke Weinsberg GmbH sind vor allem für die Wohnmobile bekannt, die sie unter dem Markennamen Weinsberg® von 1969 bis 1992 bauten. Auch für Fiat bzw. NSU wurden Autos hergestellt, u.a. in den 1960er-Jahren das Fiat Coupé Weinsberg 500. Später konzentrierte sich das Unternehmen, das im Jahr 1987 560 Mitarbeiter beschäftigte, auf die Teilefertigung und den Vorrichtungs- und Werkzeugbau. Den beginnenden Niedergang aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der Kunden konnte das Unternehmen jedoch nicht aufhalten: Im April 2002 wurde Insolvenz angemeldet. Nach über drei Jahren fand sich ein neuer Investor, der das Unternehmen zum 1. August 2005 übernahm. Von 454 Mitarbeitern zum Zeitpunkt der Übernahme 1988 sind bis zum August 2005 noch 75 übrig geblieben.
Die 1903 als Gärtnerei gegründeten Weinsberger Rosenkulturen sind eine der größeren Rosenschulen in Süddeutschland. Außer Rosen werden auch noch andere Pflanzen kultiviert und verkauft.
Im gemeinsamen Gewerbegebiet mit Ellhofen unterhält das Unternehmen SPAR Handels AG seit Jahrzehnten ein Großlager (sowie einen Eurospar-Markt). Nach der vom Bundeskartellamt im Jahr 2005 genehmigten Übernahme der deutschen SPAR durch EDEKA sollen nur Teile des Ellhofener Standorts mit etwa 300 bis 400 Arbeitsplätzen weiterbetrieben werden (Stand Mitte Dezember 2005).
Ehemalige, heute nicht mehr bestehende Weinsberger Unternehmen sind u.a. die Dampfziegelei Weinsberg, später Ziegelwerke Koch & Söhne, dann Weinsberger Ziegel GmbH (1900 gegründet, 1983 in Konkurs), auf deren ehemaligem Gelände sich heute die Erholungsanlage Alte Ziegelei befindet, die Tabakfabrik Weinsberg (1924 gegründet, Produktion von Pfeifentabaken, Gebäude in den 1970er-Jahren abgerissen) und die Chemische Fabrik Weinsberg (1909 gegründet, Herstellung von Wachspolitur, Bodencreme und Schuhcreme unter dem Markennamen Weibertreu®).
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein städtisches Gaswerk errichtet, das die Stadt mit durch Kohlevergasung selbst erzeugtem Stadtgas versorgte. Ab 20. Dezember 1962 wurde die Selbsterzeugung aufgegeben zugunsten von Gas, das durch eine neu erbaute Leitung aus Heilbronn bezogen wurde. Ab 1973 wurde auf Erdgas umgestellt. Gas- und Wasserversorgung werden von der Stadtwerke Weinsberg GmbH übernommen. Um die technische Abwicklung kümmern sich die Stadtwerke Heilbronn.
Das selbst erzeugte Stadtgas wurde auch zum Betrieb der öffentlichen Straßenbeleuchtung benutzt. Am 8. Oktober 1957 wurde mit der Umstellung auf elektrische Straßenbeleuchtung begonnen, die Anfang der 1970er-Jahre wegen der Umstellung auf Erdgas forciert werden musste und am 8. Juni 1972 abgeschlossen war. Für die Stromversorgung war früher die Energieversorgung Schwaben AG (EVS) zuständig, die heutige EnBW, die in Weinsberg seit 1964 ein Umspannwerk betreibt.
Zur Reinigung des Abwassers betrieb Weinsberg früher zwei eigene Kläranlagen. Seit 1976 benutzt die Stadt zwei gemeinsam mit mehreren Nachbargemeinden erbaute und betriebene Kläranlagen in Ellhofen und Neckarsulm.
Im Radio berichtet gelegentlich das SWR4 Frankenradio des Südwestrundfunk-Studios Heilbronn über Weinsberg.
Das Klinikum am Weissenhof wurde als Königliche Heilanstalt (für Geisteskranke) 1903 auf dem Gelände der Staatsdomäne Weißenhof eröffnet. Heute ist das Klinikum am Weissenhof ein modernes Krankenhaus für Psychiatrie (mit Abteilungen für Gerontopsychiatrie, Forensische Psychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie), Neurologie, Sucht und Psychotherapeutische Medizin. Das Krankenhaus beschäftigt über 800 Menschen und ist damit der größte Arbeitgeber in der Stadt Weinsberg.
Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau wurde als Königliche Weinbauschule 1868 gegründet und ist die älteste deutsche Wein- und Obstbauschule. Sie widmet sich der Ausbildung und der Forschung im Wein- und Obstbau, wozu sie in Weinsberg und anderen Orten diverse Obstgüter und Weinberge bewirtschaftet. Einige bedeutende Rebsorten, darunter der Kerner und der Dornfelder, wurden an der Weinbauschule gezüchtet. Die von der LVWO hergestellten Weine und Sekte werden seit 1995 unter der Bezeichnung Staatsweingut Weinsberg vermarktet.
Das Justinus-Kerner-Gymnasium Weinsberg wurde vermutlich um 1500 als Lateinschule begründet. Für 1540 ist der Bau eines neuen Schulhauses nachgewiesen. Neben der Lateinschule bestand zeitweise eine Deutsche Schule und in der Mitte des 19. Jahrhunderts für zwei Jahrzehnte eine Realschule. 1903 wurde an der Lateinschule ein Realschulzug eingerichtet. Die Schule hieß dann 1907–1909 Latein- und Realschule Weinsberg und ab 1909 endgültig Realschule Weinsberg. Nach weiteren Umbenennungen (1937 Oberschule Weinsberg, 1953 Progymnasium Weinsberg, 1955 Justinus-Kerner-Progymnasium Weinsberg) wurde die Schule schließlich ab 1970 zum Vollgymnasium ausgebaut und trägt seitdem ihren heutigen Namen.
Die Nachbarschaftshauptschule (seit 1995 mit Werkrealschule) und die 1980 gegründete Realschule Weinsberg sind zusammen mit dem Gymnasium im Bildungszentrum Rossäcker untergebracht. Eine Städtische Musikschule wurde im Januar 1993 gegründet.
Das in der Stadt ansässige Klinikum am Weissenhof bietet für seine schulpflichtigen Patienten eine Schule für Kranke in längerer Krankenhausbehandlung. Zusammen mit der Klinik Löwenstein betreibt das Klinikum auch eine Krankenpflegeschule (an der Krankenschwestern und -pfleger ausgebildet werden). Seit 1. Januar 2004 heißt die Schule offiziell Gesundheits- und Krankenpflegeschule und bildet Gesundheits- und Krankenpfleger(innen) aus.
In Weinsberg befindet sich außerdem die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO – s.o.), die zum Staatl. geprüften Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft, zum Staatl. geprüften Wirtschafter für Weinbau und zum Staatl. geprüften Wirtschafter für Obstbau ausbildet.
Die Stadtbücherei Weinsberg mit einem Bestand von 22.000 Medien steht allen Bürgern Weinsbergs und anderer Gemeinden offen. Sie wurde, in Nachfolge anderer Büchereien, am 8. März 1971 eröffnet.
Weinsberg liegt an der Burgenstraße; die Burgruine Weibertreu ist mit 26.000 Besuchern im Jahr 2004 die touristische Hauptattraktion der Stadt. Auch die Schwäbische Dichterstraße führt Besucher in die Stadt und ins Kernerhaus, das 2004 auf 2.800 Besucher kam. Schließlich liegt Weinsberg auch an der 2004 neu eingerichteten Württemberger Weinstraße, auf der man die Sehenswürdigkeiten der Weinbauregion Württemberg erreisen kann.
Die Stadt verfügt über zehn ehrenamtliche Gästeführer, die für allgemeine Stadt- und Burgführungen oder Themenführungen über z.B. den Bauernkrieg in Weinsberg, Wein oder die Frauen Weinsbergs gebucht werden können. Rund 5.000 Gäste nutzten dieses Angebot im Jahr 2004.
Die Stadtverwaltung bietet darüber hinaus in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gastronomie und Hotellerie verschiedene Besichtigungs- und Übernachtungs-Pakete an und ist bemüht, auch auf individuelle Reisewünsche einzugehen.
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