| Wappen | Karte | - style="background:#ffffff;" | Wappen_Weingarten.png | Position Weingarten in Germany.png |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg |
| Regierungsbezirk: | Tübingen |
| Region: | Bodensee-Oberschwaben |
| Landkreis: | Ravensburg |
| Gemeindeart: | Große Kreisstadt |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 465,5 (Rathaus) m ü. NN |
| Fläche: | 12,17 km² |
| Einwohner: | 23.643 (30. Sept. 2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 1.946 Einwohner je km² |
| Ausländeranteil: | 12,1 % |
| Postleitzahlen: | 88240 - 88250 (alte PLZ: 7987) |
| Vorwahl: | 0751 |
| Kfz-Kennzeichen: | RV |
| Gemeindeschlüssel: | 08 4 36 082 |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Kirchstraße 1 88250 Weingarten |
| Website: | www.weingarten-online.de |
| Politik | |
| Oberbürgermeister: | Gerd Gerber |
| Weingarten1917.jpg | |
| Panorama_wgt.jpg | |
Bis 1865 wurde der Name Weingarten nur für das Kloster Weingarten verwendet, die umgebende Ortschaft hieß Altdorf. Der Name wird vom fränkischen alach für "Kirche" hergeleitet, es handelte sich also um einen Ort mit eigener Pfarrkirche.
Altdorf war (vermutlich unter anderem Namen) schon im späten 5. Jahrhundert von Alamannen besiedelt. Aus der Merowingerzeit stammt das Gräberfeld von Weingarten, das annähernd vollständig untersucht werden konnte. Die Funde lassen durch ihren Reichtum auf einen alamannischen Herrensitz schließen. Spätestens im 8. Jahrhundert wurde Altdorf wie ganz Alamannien Teil des Fränkischen Reichs. Um die Mitte des 9. Jahrhunderts kam das mittlere Schussental als Grafschaft Schussengau in Besitz des schwäbischen Zweiges der Welfen, die in Altdorf gegenüber dem Martinsberg eine Pfalz errichteten, ihre neue Stammburg.
Um 935 gründeten die Welfen in Altdorf ein Frauenkloster, das als Grablege (Familiengrab) ihres Geschlechts bestimmt war, aber bereits 1053 durch einen Brand zerstört wurde. Die Nonnen wurden zunächst auf den Martinsberg umgesiedelt.
1056 gründete Welf IV. nach der Verlegung der Burg ins benachbarte Ravensburg auf dem Martinsberg ein neues Benediktinerkloster, das mit Mönchen aus Altomünster besiedelt wurde; die Altdorfer Nonnen besiedelten im Gegenzug das Kloster Altomünster. Der Name Kloster Weingarten ist um 1123 belegt. Die Mönche beschäftigten sich u. a. mit der Buchmalerei, ihr berühmtestes Werk ist das so genannte Berthold-Sakramentar (1217, heute in der Pierpont Morgan Library in New York).
In der Ortschaft Altdorf entwickelte sich ab dem 13. Jahrhundert ein Markt. Unter König Rudolf von Habsburg wurde die Entwicklung zu einer Stadt aber durch Errichtung der Landvogtei Oberschwaben (später Landvogtei Schwaben) gehemmt, deren Sitz zunächst im benachbarten Ravensburg war, nach Zerstörung der dortigen "Veitsburg" im Dreißigjährigen Krieg 1647 aber nach Altdorf verlegt wurde. Die Landvogtei wurde zumeist an Fürsten oder Adlige verpfändet, darunter die Reichstruchsessen von Waldburg. In einer kaiserlichen Urkunde von 1377 wurde Altdorf zwar das Recht auf einen regelmäßigen Wochenmarkt gewährt, der allerdings bestehende Märkte innerhalb einer Meile (7,4 km) – und damit den Ravensburger Markt – nicht gefährden durfte. Auch eine Stadtbefestigung wurde untersagt. Die Nachbarstadt Ravensburg zog in dieser Zeit als Freie Reichsstadt zahlreiche Einwohner aus Altdorf an, darunter die späteren Ravensburger Handelsfamilien und Patriziergeschlechter Holbein und Humpis. Weingarten_Idealplan.jpg Das Kloster Weingarten wurde dagegen 1274 zur Reichsabtei erhoben und erwarb im Laufe der Zeit großen Landbesitz vom Allgäu bis zum westlichen Bodensee. Dieser Besitz umfasste zuletzt 306 km², damit war Weingarten nicht nur eines der reichsten Klöster in Süddeutschland, sondern regierte auch größerer Gebiete als die meisten Reichsstädte. 1715 wurde die romanische Klosterkirche von 1124–1182 größtenteils abgerissen; an ihrer Stelle wurde 1715-1724 eine große, reich ausgestattete barocke Basilika erbaut, die inmitten einer idealtypischen Klosteranlage stehen sollte. Der Idealplan des Klosters wurde jedoch nur teilweise in die Wirklichkeit umgesetzt. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgelöst und wurde zunächst Besitz des Hauses Oranien-Nassau.
Altdorf selbst war ab 1452 Teil der habsburgischen Verwaltungseinheit Vorderösterreich und blieb bis 1805 Sitz der Landvogtei Schwaben, als es nach dem Pressburger Frieden zum Königreich Württemberg kam und wurde zunächst Sitz eines Oberamtes. Auch das Kloster Weingarten wurde 1806 durch Napoleon seinem Verbündeten Württemberg zugeschlagen. 1810 kamen Altdorf und Weingarten zum Oberamt Ravensburg.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Altdorf zum Militärstandort mit mehreren Kasernen (deren letzte Ende des 20. Jahrhunderts geschlossen wurde). Wie in der Nachbarstadt Ravensburg entwickelte sich auch eine bedeutende Maschinenbauindustrie. 1865 wurde Altdorf nach dem Namen der Abtei in Weingarten umbenannt und zur Stadt erhoben. 1922 wurde in einem Teil der Klostergebäude wieder eine Benediktinerabtei gegründet.
Zur Zeit des Nationalsozialismus (1939) wurde Weingarten nach Ravensburg eingemeindet. Die rivalisierenden Nachbarstädte wurden allerdings nach Kriegsende 1946 wieder getrennt.
Seit 1949 dient der größte Teil der ehemaligen Klostergebäude der Lehrerausbildung (seit 1962 als Pädagogische Hochschule). Ein Teil des Hauptgebäudes ist von der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Katholische Akademie gepachtet, eine Einrichtung der Erwachsenenbildung, ein weiterer Teil durch das Benediktinerkloster belegt.
Bestrebungen zu einer erneuten Verbindung mit Ravensburg während der Gemeindereform der 1970er Jahre stießen auf massive Gegenwehr der Weingartener Bevölkerung und wurden darum nicht verwirklicht. Die Einwohnerzahl überschritt 1973 die Grenze von 20.000. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung vom 1. Januar 1974 beschloss.
2004 fanden in Weingarten die Heimattage Baden-Württemberg statt.
| Jahr | Einwohnerzahlen |
|---|---|
| 1233 | 1 |
| 1823 | 2.234 |
| 1843 | 3.116 |
| 1849 | 3.267 |
| 1855 | 3.011 |
| 1861 | 3.038 |
| 1. Dezember 1871 ¹ | 4.128 |
| 1. Dezember 1880 ¹ | 5.232 |
| 1. Dezember 1900 ¹ | 6.678 |
| 1. Dezember 1910 ¹ | 8.077 |
| 16. Juni 1925 ¹ | 7.299 |
| 16. Juni 1933 ¹ | 8.385 |
| Jahr | Einwohnerzahlen | ||
|---|---|---|---|
| 17. Mai 1939 ¹ | 10.381 | ||
| 13. September 1950 ¹ | 11.858 | ||
| 6. Juni 1961 ¹ | 14.783 | ||
| 27. Mai 1970 ¹ | 17.831 | ||
| 31. Dezember 1973 | 20.566 | ||
| 31. Dezember 1980 | 21.991 | ||
| 27. Mai 1987 ¹ | 20.918 | |-31. Dezember 1990 | 22.987 |
| 31. Dezember 1995 | 23.366 | ||
| 31. Dezember 2000 | 23.604 | ||
| 30. September 2005 | 23.643 |
Im 19. Jahrhundert zogen auch Protestanten nach Altdorf bzw. Weingarten. 1825 wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet, die zum Dekanat Ravensburg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehört. 1883 konnte sich die Gemeinde ihre eigene Stadtkirche erbauen. Architekt war Christian Leins. In der Gemeinde wirken heute mehrere Pfarrer. Heute befindet sich auch eine Verwaltungsstelle des Kirchenbezirks Ravensburg in Weingarten.
Neben den beiden großen Kirchen ist in Weingarten auch die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage vertreten.
Die Stadt Weingarten ist Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Mittleres Schussental.
Das Wappen (ohne den Herzschild) wurde dem Flecken Altdorf 1555 verliehen. Die Löwen verweisen auf die Welfen, der schwarze Doppeladler auf das Heilige Römische Reich, die Farben sowie der rote Schild mit silbernem Balken auf die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich. Das Wappen Altdorfs enthielt keinen Hinweis auf das Kloster Weingarten.
Mit der Erhebung zur Stadt und der Umbenennung in Weingarten wurde dem Wappen 1865 der Herzschild hinzugefügt, der eine sprechende Wappenfigur aus dem Wappen der Reichsabtei Weingarten zeigt: einen Rebstock, dessen Windungen die Form eines Abtsstabs ergeben (siehe auch Wappen von Unterwaldhausen).
Weingarten Basilika von Nordwesten.jpg | Weingarten_Basilika_Langhaus_Decke.jpg | Weingarten Kloster Fruchtkasten.jpg
Die umgebenden barocken Klostergebäude werden von der Benediktinerabtei Weingarten, der Pädagogischen Hochschule und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart genutzt. Die Hochschulgebäude sind weitgehend zugänglich, die Abtei und deren mittelalterlicher Kreuzgang sind nur selten im Rahmen besonderer Ausstellungen und Führungen zu besichtigen. Der barocke Fruchtkasten (Kornspeicher) des Klosters von 1688 ist seit 1972 Sitz der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule. Die Höfe der Klosteranlage werden im Sommer für Open-Air-Aufführungen der Klosterfestspiele genutzt.
Das Alamannenmuseum Weingarten beherbergt die reichhaltigen archäologischen Funde aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld von Weingarten und ist eines der größten Spezialmuseen zur Geschichte der Alamannen.
Das "Schlössle" wurde um 1550 als Verwaltungssitz der vorderösterreichischen Landvogtei Schwaben im Stil der Renaissance erbaut. Im 18. Jahrhundert war es Wohnsitz der kaiserlichen Landrichter (aus dieser Zeit stammen reiche barocke Stuckaturen von Franz Schmuzer), im 19. und frühen 20. Jahruhundert diente es als Wohngebäude für Offiziere. Seit 2001 ist im Schlössle das Stadtmuseum untergebracht, das die Geschichte der Stadt und des Klosters darstellt. Im Dachgeschoss finden Wechselausstellungen statt, der Hof wird im Sommer für Theateraufführungen der Klosterfestspiele genutzt.
Das Fasnetsmuseum der Plätzlerzunft zeigt über 50 lebensgroßen Figuren und viele weitere Gegenstände und Dokumente zur Geschichte der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Weingarten.
Die Hauptfasnet beginnt am Abend vor dem Gumpigen Donnerstag mit der "Brunnenputzede". Am Gumpigen Donnerstag, dem Haupttag, wird die Fasnet verkündet, es werden die Schüler befreit, der Oberbürgermeister abgesetzt und der Narrenbaum auf dem Münsterplatz gesetzt. Der Tag endet mit dem Hemdglonkerumzug, bei dem jedermann im Schlafanzug oder Nachthemd durch die Innenstadt laufen darf. Am Fasnetssonntag findet der große Fasnetsumzug statt mit Weingartner Narrenfiguren wie den Plätzlern (seit 1868 bildlich verbürgt), den Lauratalgeistern oder den Bockstallnarren und vielen Gastgruppen aus der Umgebung. Am Fasnetsdienstag wird abends die Jungfrau Fasnet zu Grabe getragen und unter Tränen auf dem Münsterplatz verbrannt.
Der Blutritt wurde 1529 erstmals schriftlich erwähnt und bereits damals als Brauch „von alt her“ bezeichnet. Zum Auftakt des Blutrittes nehmen an Christi Himmelfahrt Tausende von Pilgern an einer abendlichen Lichterprozession zum Kreuzberg (seit 1890) teil. Am Blutfreitag beginnt dann ab ca. 7.00 Uhr morgens der Blutritt, an dem rund 3.000 Reiter in Frack und Zylinder und zahlreiche Musikkapellen teilnehmen. Der Blutritt wird an den Straßen der Stadt von etwa 30.000 Pilgern und Zuschauern verfolgt. Der Kinofilm Die Blutritter (2004) von Douglas Wolfsperger zeigt Teilnehmer und Pilger am Blutritt und ihr Leben in der Region.
Die Hauptpunkte des Festes sind:
Straßen: Weingarten liegt an den Bundesstraßen 30 und 32. Die nächsten Autobahnzugänge liegen bei Ulm (A 8) und bei Wangen im Allgäu (A 96).
Eisenbahn: Weingarten liegt zwar an der Strecke der Württembergischen Südbahn, wird aber aufgrund der Entfernung der Strecke zur Stadtmitte nicht von Zügen des Nah- und Fernverkehrs der Deutschen Bahn AG bedient, die im nur wenig weiter entfernten Bahnhof Ravensburg halten. Seit 1998 wird in Weingarten jedoch der Haltepunkt Weingarten/Berg der privaten Bodensee-Oberschwaben-Bahn GmbH & Co. KG (BOB) betrieben.
Straßenbahn (Bähnle): Im Jahre 1888 wurde eine 4,2 km lange dampfgetriebene Straßenbahnstrecke (Spurweite 1000 mm) zwischen Ravensburg und Weingarten eröffnet, die 1910 elektrifiziert wurde. 1911 erfolgte eine 2,4 km lange Erweiterung bis Baienfurt. Am 23. Februar 1959 wurde die Strecke Ravensburg–Weingarten stillgelegt, im Juni 1959 folgte die Reststrecke Weingarten – Baienfurt.
Das bedeutendste Unternehmen in Weingarten ist das Maschinenbau-Unternehmen Müller Weingarten AG mit Standorten in den USA, Europa, Russland und der Volksrepublik China.
Der 1976 gegründete Kunstverlag Weingarten ist national und international einer der führenden Anbieter von Bildkalendern.
Die CHG-MERIDIAN Deutsche Computer Leasing AG gehört zu Europas größten Leasing-Unternehmen im Bereich der Informations-Technologie. Das Unternehmen wurde 1979 in der Nachbargemeinde Berg gegründet und hat seit 2003 seinen Hauptsitz in Weingarten.
Das Druckhaus Ulm–Oberschwaben druckt mehrere Ausgaben der regionalen Tageszeitung Schwäbische Zeitung, die regionale Wochenzeitung INFO, das Wochenblatt sowie verschiedene Amtsblätter mit kleineren Auflagen. Insgesamt 100 Mitarbeiter sind dort mit der Herstellung von wöchentlich rund 2 Millionen Zeitungsexemplaren beschäftigt.
Die Niederlassung BRIEF Ravensburg der Deutschen Post AG hat ihren Sitz in Weingarten und betreibt dort das Briefzentrum für den Postleitzahlenbereich "88...". Diese Niederlassung verwaltet auch den Postleitzahlenbereich "89..." und das Briefzentrum in Neu-Ulm.
Die Stiftung Körperbehinderten-Zentrum Oberschwaben ist Träger einer Sonderschule für Körper- und Geistigbehinderte mit Schulkindergarten für Kinder mit Körperbehinderung. Die Schule für Körperbehinderte umfasst die Bildungsgänge Förderschule, Hauptschule und Realschule.
Das Körperbehinderten-Zentrum Oberschwaben hat neben der oben genannten Heimsonderschule auch Wohnheime und Werkstätten. Ferner gibt es eine Sozialstation der Zieglerschen Anstalten.
Die Geschichte des stadteigenen Krankenhauses 14 Nothelfer geht zurück bis aufs Jahr 1474.
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