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Weiblichkeit (auch seltener: Fraulichkeit) steht als Schlagwort oder Begriff immer einem anderen Begriffspol, der „Männlichkeit“, gegenüber; entweder konträr (dann gibt es Zwischenformen) oder kontradiktorisch (dann schließt Eines das Andere aus: Was „nichtweiblich“ ist, ist dann immer „männlich“), vgl. auch Yin und Yang.
Biologie
„Weiblichkeit“ lässt sich
biologisch als „die Zugehörigkeit zum
weiblichen Geschlecht“ definieren, oder über die Produktion weiblicher
Gameten, welche bei
Mehrzellern in der Regel mit dem Legen von
Eiern oder der
Geburt von Nachwuchs einhergeht.
Zoologisch vgl.
Weibchen.
Soziologie und Sozialpsychologie
Soziologisch bzw.
sozialpsychologisch gesehen kommt neben dem biologischen
Geschlecht ein weiterer Faktor hinzu: die
Geschlechtsrollenkonformität (vgl.:
Soziale Rolle). Als
weiblich, fraulich oder
feminin gelten die – und nur die –
Frauen, die den
Vorstellungen des jeweiligen soziokulturellen Umfeldes von „Weiblichkeit“ entsprechen. Auf diese Weise entstehen
Paradoxa wie das Attribut „unweibliche Frau“. Da es für manche Menschen schwer ist, zu verstehen, dass sich Menschen nicht in dieses binäre Raster einteilen lassen, werden Erklärungen für nicht-konforme Frauen (und Männer) in der Biologie gesucht. Die Nicht-Konformität des
Genders mit dem biologischen Geschlechtes wird zumeist negativ bewertet. Ein Beispiel ist die Vorstellung der sog.
Virago, mit welchem Frauen diffamiert werden, welche körperlich oder durch ihr Verhalten nicht der „Weiblichkeitsnorm“ entsprechen.
„Weiblichkeit“ bedeutet auch die
Projektion eines Bündels von
Normen, die von der
Gesellschaft oder
Gruppen einer Gesellschaft für
Mädchen und
Frauen gesetzt werden. Wie andere Normen kann man sie für sich zum Beispiel auch anders
definieren, sich mit ihnen sogar vollkommen
identifizieren oder sie ganz ablehnen.
Diese Normen bezüglich der Weiblichkeit betreffen Aussehen, Verhalten, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Rechte und Funktionen in der Gesellschaft usw. und leiten sich aus den Geschlechtermodellen, bei Menschen weiblichen Geschlechts dem Frauenbild usw. ab.
„Weiblichkeit“ unterliegt dem sozialen Wandel – so wie auch die Vorstellungen von Männlichkeit einem Wandel unterliegen (vgl. Zeitgeist). So werden in den letzten Jahrzehnten seit der 68er - Bewegung so genannte androgyne Ausdrucks- und Verhaltensweisen von Frauen in der westlichen Welt geduldet oder teilweise sogar anerkannt.
Der Soziologe Ferdinand Tönnies, der die Frauenbewegung begrüßt hat, hielt in „Gemeinschaft und Gesellschaft“ 1887 die Beobachtung fest, dass gerade zu seiner Zeit, aber auch sonst in vielen Kulturen das „Weibliche“ der Gemeinschaft, das „Männliche“ der Gesellschaft zugeordnet wird. Die frühe deutsche Soziologie umging dann dies umstrittene Thema lieber, ungeachtet subtiler Beiträge z. B. von Georg Simmel.
Anfang der 60er Jahre untersuchte Betty Friedan (USA) in ihrem Werk: Der Weiblichkeitswahn die Produktion und Reproduktion traditioneller Frauen- und Mutterrollen beispielsweise durch Werbung.
In seinem Werk Die männliche Herrschaft beschreibt der französische Soziologe Pierre Bourdieu 1998 den langwährenden Prozess der Vergesellschaftung des Biologischen und der Biologisierung des Gesellschaftlichen in den Körpern und in den Köpfen. Demnach sind die Geschlechter vergesellschafteter Habitus. Weiblichkeit ist konstruiert und wird durch symbolische Wege der Kommunikation und Machtausübung sowie durch Anerkennung männlicher Dominanz perpetuiert.
Kulturelle Vorstellung von „Weiblichkeit“
Weiblichkeit im westlichen Kulturraum
Als Nachwirkung der
Frauenbewegung lässt sich heute nur noch begrenzt von einem bestimmenden Rollenbild sprechen. Überblicksweise kann man folgende Ansichten im Kulturraum Mitteleuropas als weit verbreitete
Vorurteile über das, was „besonders weiblich“ sei, aufführen:
- Konformität mit dem jeweils (oft nur teilweise) geltenden Schönheitsideal:
- Aussehen: Tadelloser Teint, tadellose Nägel; gepflegte Magerkeit, jedoch Figurbetonung (vgl. Diät): prominenter Busen (vgl. Brustvergrößerung), schmale Taille (bis hin zur „Wespentaille“), eher üppiger Po; kleine Füße; Langhaarigkeit bei sonst sparsamer Körperbehaarung (vgl. dazu Locken, Dauerwelle, Zopf, Haarmensch); – siehe auch: Lifting, Schönheitschirurgie, Sexbombe;
- Kleidung: typischerweise Kleid (aber auch: Schürze, Bikinis, Korsagen); schmale, gegebenenfalls spitz zulaufende Schuhe; bei Säuglingen lange noch Rosa als Farbe (die gegenüber dem Hellblau für männliche Babys jedoch bis ins Erwachsenenalter von Frauen getragen wird) u. a. m.
- Konformität mit dem gesellschaftlich erwarteten Geschlechtsrollenverhalten:
- Verhalten: Freundlichkeit (auch: Mitleid); Fügsamkeit; Heiterkeit (bereitwilliges Lächeln in der Konversation); „soziale“ eher als „technische“ Fähigkeiten, Handfertigkeit und feinmechanisches Geschick (gegenüber 'männlicher' Kraft und grobmechanischer Patentheit); Spontaneïtät (gegenüber 'männlichem' Organisationsgeschick); Zaghaftigkeit (gegenüber 'männlichem' Mut); zurückhaltende, wenig ausladende Bewegungen, gesenkter Blick.
- Arbeitsleben: kein Ergreifen körperlich anstrengender und gefährlicher Berufe (vgl. hier auch: Hausfrau und „Häuslichkeit“).
Dem gegenüber tritt, im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturen, seit dem 20. Jahrhundert „Fruchtbarkeit“ zurück, obwohl die Diskussionen um mehr Kinder (vor allem der eigenen Nation) immer wieder auftauchen (d. h. Kinderreichtum – vgl. Fertilität, Fruchtbarkeitssymbole, Oligoteknie, Venus von Willendorf).
Auffallend ist, dass die Farben Rosa und Pink stets mit Weiblichkeit assoziiert werden, und daher bei Männern Bekleidung in diesen Farben als "unmännlich" oder schwul gilt, allerdings tragen Männer in der modernen Mode auch gelegentlich rosa.
Weiblichkeit im Islam
Zur theologischen Grundlegung
Der
Koran erkennt die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau (
Fürwahr, eure Aufgabe ist in der Tat verschieden. Sure 92:4) und betont die Unterordnung der Frau unter den Mann (
Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Sure 4:34,
Doch die Männer stehen eine Stufe über ihnen. Sure 2:228). Zu der Unterschiedlichkeit gehört, dass es Aufgabe der Frau sei, Nachwuchs zu gebären (
Eure Frauen sind ein Saatfeld für euch; darum bestellt euer Saatfeld wie ihr wollt. Sure 2:223), während der Mann für den Unterhalt zuständig ist.
Soziale Sanktionen gegen Ehefrauen werden gerechtfertigt (''Und jene, deren
Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Sure 4:34).
Reale Kulturdifferenzen
In der Realität weitgehend islamischer Gesellschaften sind durchaus unterschiedliche
Frauenrollen aufzufinden, wenn man sich vergleichend z.B. Algerien, dem nördlichen Nigerien, Saudi-Arabien, Pakistan oder Indonesien zuwendet. Auch innerhalb einzelner Staaten - etwa Ägyptens - finden sich große Differenzen zwischen einer Weltstadt wie Kairo und den Beduinen der Wüste. Alle diese Differenzen sind auch in anderen
Kulturkreisen auffindbar, etwa Nordeuropas oder Chinas, wenngleich mit anderen sozialen Differenzierungen.
Feminismus
Die wesentliche Kritik des islamischen
Feminismus am westlichen ist dessen Postulierung einer
Gleichheit zwischen Mann und Frau, die es so gar nicht gebe, und die in der Praxis nur dazu führe, dass Frauen an männlichen Maßstäben gemessen würden (z. B. Erfolg im Beruf und
Karriere). Solche Kritik ähnelt durchaus einigen christlichen oder konservativen Standpunkten im 'Westen'.
Siehe auch
Soziale Rolle | Politischer Begriff | Geschlechterforschung
Femininity | Féminité | Женственность