| Weißdorn | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Bedecktsamer (Magnoliophyta) |
| : | Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida) |
| : | Rosenähnliche (Rosidae) |
| : | Rosenartige (Rosales) |
| : | Rosengewächse (Rosaceae) |
| : | Kernobstgewächse (Maloideae) |
| : | Weißdorn |
Die einzelnen Arten sind dagegen sehr schwer zu unterscheiden, da sie sich zum einen in viele Unterarten und Varietäten aufspalten (Sippenbildung), zwischen denen es wiederum Übergangsformen gibt, und zum anderen sämtliche Arten zumindest innerhalb der einzelnen Regionen leicht und oft miteinander bastardieren. Je nach Zählung kann sich so die in Beschreibungen der Gattung angegebene Anzahl der Arten bis auf das 10-fache der oben angegebenen 200 steigern.
Von den drei ursprünglichen Arten sind zwei allgemein bekannt: der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata (Poir.) DC.) (Syn.: C. oxyacantha auct.). Fast ausschließlich nur in der Fachliteratur erwähnt wird der Großkelchige Weißdorn (Crataegus rhipidophylla Gandoger) (Syn.: Crataegus rosiformis Janka, C. curvisepala Lindm.). Populärwissenschaftliche Bestimmungsbücher und selbst Lexika dagegen beschreiben nur die beiden erstgenannten Arten oder behaupten sogar fälschlich, es gebe nur zwei Arten in Mitteleuropa.
Ausschließlich nur in der Fachliteratur erwähnt werden die drei Kreuzungs-Arten: Der Großfrüchtige Weißdorn (Crataegus macrocarpa Hegetschw.), entstanden aus dem Großkelchigen und dem Zweigriffeligen Weißdorn, der Mittlere Weißdorn oder Bastard-Weißdorn (Crataegus media Bechst.), entstanden aus dem Eingriffeligen und dem Zweigriffeligen Weißdorn; sowie der Verschiedenzähnige Weißdorn (Crataegus subsphaericea Gand.) (Syn.: C. kyrtostyla Fingerh.), entstanden aus dem Eingriffeligen und dem Großkelchigen Weißdorn. Sie können gebietsweise einen großen Anteil der Weißdorn-Flora darstellen und, wie die drei erstgenannten Arten, vergleichsweise artenreine Bestände bilden. Ob es sich bei ihnen um mittlerweile eigenständige Arten oder doch nur um Hybride handelt, könnte nur durch umfangreiche Vergleiche der Phäno- und/oder der Genotypen der jeweils beteiligten Arten festgestellt werden. Soll in schriftlichen Darstellungen der Kreuzungscharakter der Arten betont werden, wird, wie bei Kultur-Kreuzungen, ein `x ´ in den botanischen Namen eingefügt (z.B.: Crataegus x macrocarpa Hegetschw.).
Von den drei ursprünglichen Arten und zumindest einer Kreuzungsart werden auch Unterarten (subspecies - ssp.) beschrieben. So umfasst der Großkelchige Weißdorn in Mitteleuropa mindestens die Unterarten Crataegus rhipidophylla Gand. ssp. rhipidophylla und Crataegus rhipidophylla Gand. ssp. lindmanii (Hrabětová) K.I.Chr. (Lindmans Weißdorn) sowie Übergangsformen zwischen beiden, der Zweigriffelige Weißdorn die Unterarten Crataegus laevigata (Poir.) DC. ssp. laevigata und Crataegus laevigata (Poir.) DC. ssp. palmstruchii (Lindm.) Franco (Palmstruchs Weißdorn) sowie Übergangsformen, und der Eingriffelige Weißdorn die Unterarten Crataegus monogyna Jacq. ssp. monogyna und Crataegus monogyna Jacq. ssp. nordica Franco (Nördlicher Weißdorn) sowie Übergangsformen. Vom Großkelchigen Weißdorn sind die Unterarten Crataegus macrocarpa nothossp. macrocarpa und Crataegus macrocarpa nothossp. hadensis (Hrabětová) K.I.Chr. (Gekrönter Großfrüchtiger Weißdorn) beschrieben.
Während die Weißdornarten nur in wenigen Bundesländern stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind, so ist die Vielfalt des Weißdorns doch gefährdet. Insbesondere im Laufe der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden in den ländlichen Regionen ein Großteil der die Felder und Weiden begrenzenden Hecken beseitigt, und mit ihnen ein wichtiger Lebensraum des Weißdorns vernichtet. Im Zuge der Ökologie-Bewegung wurde dieser Trend angehalten und etliche Hecken neugepflanzt. Bei diesen Neupflanzungen wurden jedoch in der Regel deutschlandweit einheitliche Baumschulware verwendet, dem Gebiet angepasste Ökotypen wurden nicht berücksichtigt. Beim Weißdorn betraf dies obendrein nur die Arten Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn, die anderen Arten wurden gar nicht gepflanzt. In den letzten Jahren hat aber auch hier eine Umbesinnung stattgefunden; es soll nun auf die Anpflanzung aller Arten geachtet und generell nur Pflanzgut verwendet werden, das von gebietstypischen Beständen im gleichen Naturraum gewonnen wurde.
Neben den heimischen Arten finden sich in Mitteleuropa auch wildwachsende Exemplare fremder Arten. So führt beispielsweise die “Liste der wildwachsenden Gefäßpflanzen des Landes Berlin” den nordamerikanischen Hahnensporn-Weißdorn (Crataegus crus-galli L.) als `in den vergangenen 10 Jahren spontan auftretend, aber weder gegenwärtig noch zu einem vergangenen Zeitpunkt als etabliert nachgewiesen´. Ob sich solche Arten auf Dauer ansiedeln können, bleibt abzuwarten.
Fachleute, die auf diese Seite stoßen, werden dringlichst um die Erstellung eines Artikels zum Großkelchigen Weißdorn gebeten! Eine Beschreibung dieser Art sowie der Kreuzungsarten und der diversen Unterarten scheint für die allgemeine Öffentlichkeit nicht auffindbar zu sein.
Die getrockneten Blüten und Blätter (nach einigen Quellen auch die Früchte) werden als Tee oder alkoholischer Auszug bei Herz- und Kreislaufstörungen angewendet (siehe nächster Abschnitt, `Naturheilkunde´).
Das Holz ist sehr hart und fest und wird seltener für Schnitz- und Drechslerarbeiten und häufig noch für manche Werkzeugstiele (z.B. in der Schmiede) verwendet.
In Gärten und Parks ist der Weißdorn aufgrund seiner schönen Form und Blätter und seines üppigen Blüten- und Fruchtschmuckes eine beliebte Zierpflanze, die in vielen Kultursorten gezüchtet wird. So gibt es neben einfachen weißblühenden Ein- und Zweigriffeligen Weißdornen auch rotblühende Sorten (Rotdorn); Sorten mit gefüllten Blüten, ebenfalls in weiß (C. laevigata “Plena”) und rot (C. monogyna “Karmesina Plena”, C. laevigata “Paul´s Scarlet”); Sorten mit schmaler, aufrechter Form (C. monogyna “Stricta”); und viele andere. Verwendet wird der Weißdorn sowohl als Solitärpflanze wie als Heckenpflanze. Er ist ein hervorragendes Heckengehölz, das auch strengen Schnitt sehr gut verträgt; dann blüht er allerdings nicht so üppig. Der ökologische Wert des Weißdorns ist sehr hoch, er ist ein bedeutender Nahrungsspender und Lebensraum für zahlreiche Kleintiere. In Mitteleuropa bietet er ca. 150 Insektenarten, gut 30 Singvogelarten und vielen kleinen Säugetieren eine Lebensgrundlage (zum Vergleich: Eichen ca. 300, Hainbuchen ca. 30 Insektenarten).
Als Zierpflanzen werden auch gerne asiatische und besonders nordamerikanische Arten verwendet. Sie haben oft größere Früchte und eine bessere Herbstfärbung; beliebt ist hier der nordamerikanische Hahnensporn-Weißdorn (C. crus-galli L.), der beides mit den längsten Dornen (bis 8 cm) aller Weißdorne verbindet. Ihr ökologischer Wert ist allerdings vergleichsweise gering (zum Vergleich: Die Früchte des Lavalls Weißdorn (C. x lavallei Hér. ex Lav.) werden von 4 mitteleuropäischen Singvogelarten gegessen).
In ländlichen Räumen war der Weißdorn aufgrund seiner Langlebigkeit, seiner sehr guten Schnittverträglichkeit und natürlich seiner Dornen eine wichtige Pflanze der Grenzhecken, die Felder, Wiesen, Wege und Grundstücke voneinander trennten. Davon ist nicht viel geblieben (siehe oben, `Der Weißdorn in Mitteleuropa - Mitteleuropäische Arten´).
Früher wurde der Eingriffelige Weißdorn auch als Veredelungsunterlage für Birnen verwendet, da er aber für Feuerbrand anfällig ist, ist man inzwischen davon abgekommen. weißdorn.jpg
Weißdorn steigert einerseits die Kontraktionskraft des Herzens, anderseits erweitert er die Gefäße, insbesondere Herzkranzgefäße und verbessert so die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Man spricht hier von einem positiv inotropen Effekt. Die meisten Herzerkrankungen sind auf einen Sauerstoff-Mangel des Herzmuskels zurückzuführen. Insbesondere Angina Pectoris und der Herzinfarkt gelten als Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Die Wirkung ist also einerseits mit Digitalis, andererseits mit einem ACE-Hemmer vergleichbar, allerdings über völlig andere Wirkmechanismen und bei anscheinend viel besserer Verträglichkeit, da die unerwünschten Wirkungen der Herzglykoside entfallen. Mögliche Indikationen sind die Herzinsuffizienz, ein zu hoher oder aber auch ein zu niedriger Blutdruck. Er findet aber auch breitere Anwendung, z.B. bei Nervosität.
Weißdorn kann auch vorbeugend beliebig lange eingenommen werden, selbst bei Überdosierung sind keine Nebenwirkungen bekannt. Die Verträglichkeit während der Schwangerschaft ist nicht genau untersucht.
Die Wirkung beruht hauptsächlich auf Procyanidinen (OPC). Weitere Inhaltsstoffe sind Vitexin, Vitexin-2-rhamnosid und Acetylvitexin-2-rhamnosid. Hyperosid, Rutin und Spiraeosid gehören zu den Flavonoiden. Die Wirkung tritt im Vergleich zu anderen herzwirksamen Substanzen verzögert ein. Zur Herstellung werden die Enden der Zweige mit den Blüten und Blättern abgeschnitten und getrocknet, um daraus Fertigpräparate oder Tee herzustellen.
In der Homöopathie findet Weißdorn als sogenannter Crataegus-Komplex Anwendung.
Der Weißdorn wurde im Jahre 1990 zur Heilpflanze des Jahres gekürt.
Als Heilmittel wird er in unserem Kulturraum erstmals im 1. Jahrhundert nach Christus von Dioskurides erwähnt. Die Verwendung von Heilkräutern wie beispielsweise Weißdorn ist aber auch Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auch von Indianerstämmen in Amerika ist bekannt, dass sie Weißdorn verwendeten.
Der Neuntöter (Lanius collurio) ist ein Vogel und hat seinen Namen daher, dass er Insekten an den Dornen als Vorrat aufspießt, um sie später aufzubrauchen.
Bertolt Brecht dichtete in der Dreigroschenoper (3. Akt, 'Lied aus der Gruft'):
Nun hört die Stimme die um Mitleid ruft
Macheath liegt hier nicht unter'm Hagedorn
nicht unter Buchen nein in einer Gruft
hierher verschlug ihn des Geschickes Zorn
Auch in Marcel Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ spielt der Weißdorn und seine Blüte eine bedeutende Rolle.
Im Folgenden eine Auswahl der etwa 200 Weißdorn-Arten (Crataegus):
Insekten:
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