Unter einem Währungssystem (auch: Wechselkurssystem) versteht man ein System nationaler Währungen, zusammen mit (institutionellen) Mitteln, Regelungen und Vorschriften, die die nominalen Wechselkurse dieser Währungen untereinander in einem definierten Verhältnis oder in einer definierten Verhältnisspanne halten sollen.
Stellenweise findet man für Währungssystem auch eine Definition, die das System einer nationalen Währung beschreibt, d. h. etwa auch Auflage von Münzen und Noten, Prägerechte, etc.
Abgrenzung und Diskussion
Ein Währungssystem ist zu unterscheiden von der
Währungsunion; im Gegensatz zu dieser behalten die teilnehmenden Staaten ihre
Währungssouveränität und auch ihre nationalen
Zentralbanken. Währungssysteme dienen der Vereinfachung internationaler Wirtschaftsbeziehungen durch Verringerung des
Währungsrisikos, der
Währungs- oder der
Preisstabilität. Zu den Vorteilen eines Währungssystems gehört die Förderung des internationalen Handels; exportorientierten Nationen sichert es Chancen auf Absatzmärkten. Es birgt jedoch auch die Gefahr
importierter
Inflation; ein "floatendes" Währungssystem bietet zudem
Arbitrageuren die Chance zu sicheren Gewinnmitnahmen.
Praktische Ausgestaltung
Die Mindestanforderungen an ein Währungssystem umfassen
- kodifizierte Spielregeln
- zentrale Aufsicht
- Rechtfertigungspflicht der Mitglieder
Wo die festen Wechselkurse nicht durch Bindung an Edelmetall sichergestellt werden (Goldwährung), verpflichten sich in der Regel die Zentralbanken der beteiligten Staaten, Währungsreserven in ausreichender Menge vorzuhalten, und schwächelnde Währungen durch Stützungskäufe zu stärken bzw. übermäßig starke Währungen durch Verkäufe gezielt zu schwächen.
Beispiele
In der
Neuzeit sind mehrere große Währungssysteme aufgetreten:
- Alle Metallwährungen, d. h. Geld, welches in einem festen Verhältnis zu einem Edelmetall, typischerweise Gold, steht. Die Währungsverhältnisse sind hier fest, Eingriffe durch Notenbanken sind nicht erforderlich. Goldwährungen waren üblich bis ca. 1931.
- Das Bretton-Woods-System mit zunehmend flexiblen Wechselkursen, in dem die Währungen zunächst lose über den US-Dollar an Gold gekoppelt waren, später lediglich an den als Leitwährung akzeptierten US-Dollar (1949 - 1971)
- Die Europäische Währungsschlange (1972), ein System fester Wechselkurse zwischen sechs europäischen Ländern mit zeitweiser Bindung an den US-Dollar
- EWS (1979), mit der Kunstwährung ECU und der gegenseitigen Verpflichtung der nationalen Notenbanken, die europäischen Währungen durch Stützungskäufe und -verkäufe die Währungen in einer definierten Verhältnisspanne zum ECU zu halten
- EWS II (1999 in der Nachfolge des EWS, nach Gründung der Europäischen Währungsunion) zur Vermeidung allzu großer Schwankungen der in der EU verwendeten Nicht-EUR-Währungen gegenüber dem Euro
Aber schon in der Antike gab es große Wirtschaftsräume, in denen der Handel mit vereinheitlichten Münzen vereinfacht wurde. Exemplarisch ist das Geldwesen des
römischen Kaisers Augustus zu nennen, der für eine dezentralisierte Herstellung genormter Münzen im Reich sorgte. Hierbei handelt es sich um eine auf Edelmetallen basierende Währung; für den Handel jenseits der Grenzen des römischen Reiches dürfte diese Eigenschaft relevant gewesen sein.
Gebundene Währungen
Gebundene Währungen sichern den Wert des Geldes durch Bindung der umlaufenden Geldmenge an eine Deckung (Gold,
Devisen, Handelswechsel).
Freie Währungen
Bei freien Währungen besteht keine systematische Begrenzung der Geldmenge. Die Entwicklung der Geldmenge ist von der Zentralbank nach geldpolitischen Erwägungen zu steuern.
siehe auch
Währung | Wirtschaftspolitik