| Weberknechte | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stammgruppe: | Urmünder (Protostomia) |
| : | Häutungstiere (Ecdysozoa) |
| : | Gliederfüßer (Arthropoda) |
| : | Kieferklauenträger (Chelicerata) |
| : | Spinnentiere (Arachnida) |
| : | Weberknechte |
In Mitteleuropa sind etliche Arten der Weberknechte gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sie wegen ihrer Lebensweise besonders leicht mit Bodenfallen gefangen werden können und ihre ökologischen Ansprüche daher im Gegensatz zu den echten Webspinnen relativ gut untersucht sind. Des weiteren muss man annehmen, dass Weberknechte sehr ortstreu und daher besonders empfindlich sind. Sie haben ein großes Potenzial für die Bioindikation, das aber mangels Interesses an den Spinnentieren nur selten genutzt wird.
Fälschlicherweise werden Zitterspinnen (Pholcidae) manchmal als Weberknechte bezeichnet.
Wie alle Spinnentiere (Arachnida) besitzen sie acht Beine, die bei vielen Arten extrem lang sind. Bei Mirobates stygnoides beispielsweise können die Beine das 25fache der eigentlichen Körperlänge ausmachen. Daneben gibt es allerdings auch viele Arten ohne diese auffallende Verlängerung der Beine, oder mit sogar – für Spinnenverhältnisse – regelrechten Stummelbeinen, die bei einigen Arten kaum länger als der Körper sind. Im Falle eines Angriffs kann sich der Weberknecht von einem Bein trennen (Autotomie), das dann, immer noch zuckend, den Angreifer verwirren soll. Bei jungen Tieren wird dieses Bein in der Regel innerhalb von zwei bis drei Häutungen regeneriert.
Die Pedipalpen vieler Arten sehen oft aus wie Beine, sodass vom unbedarften Beobachter auch fünf Beinpaare gezählt werden. Sie können (bei den Laniatores) zu einschlagbaren Fangorganen ausgebildet sein, dienen aber meist dem Tasten, der Fortpflanzung oder (bei der Nahrungsaufnahme) als Gliedmaßen, die den Kieferklauen (Cheliceren) die Nahrung zuschieben.
Die Kieferklauen sind dreigliedrig und bei einigen Gruppen sehr groß und auffällig; im kräftigen und langen ersten Grundglied werden sie waagerecht wie Dornen nach vorne getragen. Giftdrüsen fehlen allerdings, Weberknechte verspeisen ihre Beute lebend. Ein unter der Lupe auffälliges Merkmal aller Weberknechte ist ein ausgeprägter Hügel, der die Augen trägt. Dieser Augenhügel kann auch zu einem relativ langen Stiel ausgebildet sein, so dass viele Weberknechte unter dem Binokular gesehen geradezu als Stielaugen zu bezeichnen sind. Der Sehsinn ist relativ schlecht entwickelt, auch wenn ultraviolettes Licht wahrgenommen wird. Welche Rolle dies bei diesen nachtaktiven Tieren spielt, ist unklar.
Der Körper einiger Arten ist mit teils bizarren und farbenprächtigen Dornen und Zacken besetzt, die sich nur unter dem Mikroskop erkennen lassen. Welche Funktion diese Körperfortsätze haben, die an Krokodile oder Warane erinnern, ist noch ungeklärt.
Auch bei Weberknechten kann es einen Geschlechtsdimorphismus geben. Männchen der Laniatores sind auffällig dunkler als die Weibchen, da ihre Chitinhülle dicker ist. Außerdem besitzen sie meist eine deutlich stärkere Skulpturierung.
Wer sie beobachten möchte, sollte sich in einer warmen und trockenen Spätsommernacht in den Wald begeben, um dort 1 bis 3 Stunden nach Sonnenuntergang am besten liegend oder kniend mit einer Taschenlampe den Boden anzuleuchten. Die gut getarnten Tiere sind häufig erst nach einer gewissen Gewöhnungszeit zu entdecken, dann bemerkt man aber bald hunderte auf kleinstem Raum. Die Aktivität ist aber sehr witterungsabhängig.
Ihre Lebensweise ist wohl auch ein Grund für ihre Gefährdung. Die Intensivierung der Forstwirtschaft und der Landwirtschaft, und der rapide Verlust von Biotopen wie Hecken, Knicks und Bruchwäldern dürfte den Weberknechten nicht förderlich sein.
| Weberknecht 1.jpg |
| Weberknecht Opilio parietinus.jpg |
| Parasitismus.jpgnymphen parasitierter Weberknecht]] |
| Weberknecht_Spec_Dorsal_und_Seitenansicht.jpg |
Die Eier legt das Weibchen in kleine Löcher oder Spalten am Boden, bei einigen südamerikanischen Vertretern der Gonyleptidae wurde eine Brutpflege beobachtet, bei der das Männchen ein Nest baut und es, sowie die Eier und die Jungtiere vieler Weibchen, mit denen es sich gepaart hat, bewacht.
Klassischerweise werden sie als Schwestergruppe der Milbenartigen (Kapuzenspinnen und Milben) eingesetzt, wobei sich dies allein auf die Begründung stützt, dass bei diesen Gruppen das zweite Laufbeinpaar etwas länger ist als die übrigen. Das ehemals gute Argument der geißellosen Spermien wird dadurch hinfällig, dass die ursprünglichen Kapuzenspinnen eindeutig begeißelte Spermien besitzen.
Eine alternative Vorstellung (Shultz 1990) ordnet die Weberknechte als Schwestergruppe eines aus Skorpionen, Pseudoskorpionen und Walzenspinnen bestehenden Taxons ein. Hier basiert die Hauptbegründung auf den Ansatzstellen der Beinmuskulatur und dem Aufbau des Mundvorraums.
Intern werden die Weberknechte klassischerweise in die drei Unterordnungen Cyphophthalmi, Palpatores und Laniatores aufgeteilt. Nach phylogenetischen Untersuchungen bildet jedoch die Gruppe der Palpatores keine natürliche Gruppe, sondern umfasst lediglich Stammlinienvertreter der Cyphophthalmi, deshalb werden beide ursprünglichen Taxa zu den Cyphopalpatores zusammengefasst.
Siehe auch: Systematik der Gliederfüßer
Opilió | Opiliones | Opiliones | Lukit | Opiliones | Opiliones | ザトウムシ | Šienpjoviai | Hooiwagens | Kosarze | Opiliones | Сенокосцы | Косци
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Weberknecht".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world