Das Weber-Fechner-Gesetz besagt, dass die Stärke von Sinneseindrücken logarithmisch zur Intensität des physikalischen Reizes verläuft.
1834 bemerkte der Physiologe Ernst Heinrich Weber (1795-1878), dass ein Sinnesorgan nur dann eine merklich stärkere Empfindung ΔE registriert, wenn der Zuwachs ΔR zum vorangehenden Reiz R in einem bestimmten, gleich bleibenden Verhältnis k zu diesem steht:
Beim Tastsinn beträgt der erforderliche relative Zuwachs ΔR/R nach Webers Versuchen etwa 3 Prozent des Hautdruckes, beim Helligkeitssehen ca. 1-2 Prozent der Lichtstärke. Beim Geschmack muss die Konzentration um 10-20% steigen, um als stärker empfunden zu werden.
Beispielsweise erkennt man einen relativen Gewichtsunterschied von ungefähr 2% eines in der ruhenden Hand gehaltenen Gegenstands. Man nimmt die Gewichtszunahme eines Gegenstands von zunächst 50g erst wahr, wenn das Gewicht um 1g auf 51g angewachsen ist. Entsprechend muss 5000g Gewicht um 100g anwachsen, um schwerer zu wirken.
Der Mathematiker Gustav Theodor Fechner (1801-1887) erweiterte das Webersche Gesetz 1860 formal durch Integration unter der Annahme, dass k konstant und unabhängig von R ist:
R0 ist eine Integrationskonstante, die meist den Schwellenreiz festlegt. (2) besagt, dass bei einem linearen Anstieg der Reizstärke ihre Empfindung im Sinnesorgan nur logarithmisch anwächst. Hierbei ist c die von der jeweiligen Art des Reizes abhängige Größe.
Durch die logarithmische Adaption kann das menschliche Auge Sinneseindrücke zwischen Dämmerung und hellem Sonnenschein von bis zu 12 Zehnerpotenzen an physikalischer Leuchtdichte überbrücken. Ein freiäugig gerade noch sichtbarer Stern 6. Größe (6 mag) ist gegenüber der Sonne (-25 mag) um 31 Größenklassen oder 12¼ Zehnerpotenzen schwächer. Ein erfahrender Astronom kann in der visuellen Fotometrie Helligkeitsunterschiede zweier Sterne von nur einigen Prozent wahrnehmen (siehe Argelandersche Stufenmethode).
Bei der Beurteilung der akustischen Lautstärke ist die Gültigkeit des Weber-Fechner-Gesetzes eingeschränkt auf den Bereich mittlerer und hoher Schalldrücke. Bei leisen Geräuschen und beim Vergleich unterschiedlicher Schallsignale gelten andere Zusammenhänge.
Beim Temperatursinn hingegen nimmt die Reaktion der Thermorezeptoren annähernd linear zur Reizgröße zu. Denn hier ist weniger die "Messung" der Temperatur wichtig, als vielmehr eine Warnung vor Verbrennung oder vor Erfrieren. Ähnliches gilt für die Schmerzwahrnehmung.
Die Integration dieser Beziehung führt zur Stevensschen Potenzfunktion:
Neben der Konstanten k führt sie den Exponenten n als weiteren Fitparameter ein. Für n<1 ähnelt sie dem logarithmischen Weber-Fechner-Gesetz. Für das Helligkeitsempfinden ist n ~ 0,33.
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