Koenigssee_St_Bartholomae.jpg | Caspar David Friedrich 012.jpg, um 1824-1825]]
Der sagenumwobene Watzmann ist das zentrale Bergmassiv der Berchtesgadener Alpen. Er liegt im Südosten Oberbayerns im Nationalpark Berchtesgaden in den Gemeinden Ramsau und Schönau am Königssee. Das bekannte Massiv hat seinen Kulminationspunkt in der Watzmann-Mittelspitze, die mit ihren 2713 m Höhe zugleich höchster Punkt des Berchtesgadener Landes ist. Auf der bekannten Ansicht von Berchtesgaden aus, mit dem "Großen Watzmann" rechts und dem "Kleinen Watzmann" (Watzmannfrau) zur Linken, dazwischen die Watzmann-Kinder, beruht die Watzmannsage. Die Watzmann-Ostwand gilt als höchste Wand der Ostalpen.
Gipfel
Durch den
Watzmanngrat ist die Mittelspitze mit der
Südspitze (2712 m, früher auch:
Schönfeldspitze) und dem
Hocheck (2651 m) verbunden. Abgesehen von diesen drei Haupterhebungen des Massivs finden sich noch einige Nebengipfel, von denen der
Kleine Watzmann ("Watzmannfrau", 2307 m), der bedeutendste ist. Die
Watzmannkinder schließen das Watzmannkar am oberen Ende ab (der Sage nach sind es sieben; jedoch sind nur fünf als eigenständige
Gipfel ausgeprägt: 2247 m, 2230 m, 2165 m, mit 2270 m die
Watzmann-Jungfrau, 2225 m). Von untergeordneterer Bedeutung sind der
Mooslahnerkopf (1815 m), das
Falzköpfl (1915 m), der
Grünstein (1304 m), die
Grießspitze (2257 m), die
Hirschwiese (2114 m) und der
Große Hachelkopf (2066 m).
Er ist nach den Gipfeln des Hochkönigstocks (bis 2941 m) die höchste Erhebung der Berchtesgadener Alpen. Der Zugang erfolgt meist von Norden ausgehend vom Ramsauer Ortsteil Wimbachbrücke über das Watzmannhaus (1928 m) und Hocheck (2651 m); Ramsau bzw. Schönau liegen als Talorte über 2000 Höhenmeter unter dem Gipfel - damit weist der Watzmann eine für die Ostalpen sehr bemerkenswerte Höhendifferenz auf, die sogar alpenweit oft nur von Viertausendern übertroffen wird.
Geologie des Watzmannmassivs
- Siehe auch: Infos der Nationalparkverwaltung zur Geologie der Berchtesgadener Alpen
Die Gipfelregion des Watzmanns besteht aus relativ witterungsresistentem gebankten
Dachsteinkalk und
Plattenkalk. Die
Sedimente stammen aus dem jüngeren
Trias, sie wurden ab etwa 230 Mio. Jahren vor unserer Zeit in der
Tethys abgelagert. Die Schichtung des Dachsteinkalkes in Form aufeinander gelagerter Bänke ist vor allem im
Relief der Ostwand zu erkennen, wo im zentralen Wandbereich die großen „Bänder“ ihre Umgebung prägen. Die ehemals horizontalen Schichten fallen dabei heute in einem Winkel von 30 bis 40 Grad nach Nordwesten ab, da sie bei der Alpenentstehung durch
tektonische Bewegungen gekippt wurden.
Typisch für diesen Kalk ist der Fossilienreichtum, vor allem Muschelreste sind zu finden (
Kuhtritt).
Der Sockel des Gebirges besteht aus brüchigerem Ramsaudolomit. Dieser tritt besonders auf der Westseite des Gebirges im aufgeschotterten Wimbachtal und auf dem Schwemmkegel des Eisbaches zu Tage. Durch den ständigen Materialtransport aus dem Eisbachtal zu Füßen der Ostwand wird dieser Schwemmkegel den Königssee in erdgeschichtlich kurzer Zeit in zwei Hälften teilen.
Flora und Fauna des Watzmannmassivs
Der Watzmann hat aufgrund seiner großen Höhendifferenzen und der großen ökologischen Vielfalt eine besonders artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Dabei werden die Tieflagen besonders von montanen
Buchenwäldern dominiert, welche in subalpine
Mischwälder übergehen. Die obere Waldstufe wird bestimmt durch Nadelgehölze, vor allem durch
Fichte,
Lärche und
Zirbe. Allerdings wurden diese natürlichen Wälder vor allem auf der leicht zugänglichen Nordseite des Massivs wegen des starken Holzbedarfs der Berchtesgadener Saline durch Fichten-
Monokulturen ersetzt. Ab einer Höhe von etwa 2000 Metern ist kein Waldwuchs mehr möglich. Hier dominieren Zwergstrauchheiden, die beispielsweise aus der
Bewimperten Alpenrose (
Rhododendron hirsutum) gebildet werden,
Latschen- und
Grünerlengebüsche, Rasengesellschaften (Blaugras-Horstseggenrasen, Rostseggenrasen und Polsterseggenrasen) sowie Felsspalten- und Felsschuttgesellschaften.
Im Nationalpark und auch speziell am Watzmann kommen zahlreiche Pflanzenarten der Ostalpen vor, die im übrigen bayerischen Alpenraum fehlen, etwa das Wilde Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens), die Schneerose (Helleborus niger), Einseles Akelei (Aquilegia einseleana), Clusius-Schlüsselblume (Primula clusiana), Bursers Steinbrech (Saxifraga burseriana), den Dolomiten-Mannsschild (Androsace hausmannii), das Tauernblümchen (Lomatogonium carinthiacum), den Österreichischen Bärenklau (Heracleum austriacum) und das Eberrauten-Greiskraut (Senecio abrotanifolius).
Die Tierwelt des Watzmann sowie des gesamten Nationalparks Berchtesgaden ist geprägt durch verschiedene Huftiere wie das Reh, Rot- und Gamswild. Hinzu kommen alpine Tiere wie das Murmeltier, der Schneehase, das Auerhuhn und das Birkhuhn sowie das Alpenschneehuhn und das Haselhuhn, der Steinadler, der Alpensalamander sowie die schwarze Kreuzotter.
Der ebenfalls hier lebende Steinbock wurde erst in den 1930er Jahren eingebürgert und war vermutlich in den Berchtesgadener Alpen ursprünglich nicht heimisch.
Viele weitere Arten von Vögeln und natürlich auch Insekten sind in den verschiedenen Höhenlagen des Watzmann anzutreffen.
Schnee- und Eisfelder am Watzmann
Am Watzmann halten sich ganzjährig einige Schnee- und Eisfelder, von denen der so genannte Watzmanngletscher das größte und die Eiskapelle aufgrund ihrer leichten Erreichbarkeit von St. Bartholomä das bekannteste ist. Bei dem bereits von Berchtesgaden aus sichtbaren
Watzmanngletscher im oberen Watzmannkar handelt es sich nicht um einen
Gletscher im eigentlichen Sinne, sondern um ein
Toteisfeld, da keine Fließbewegung zu verzeichnen ist. Bei der
Eiskapelle dürfte es sich um das am niedrigsten gelegene ganzjährig vorhandene Schneefeld der Alpen handeln. Ihr unteres Ende liegt auf 930 Meter Höhe im oberen Eisbachtal und ist in etwa einer Stunde Fußmarsch von St. Bartholomä am Königssee erreichbar. Die Eiskapelle speist sich aus den gewaltigen
Lawinen, die im Frühjahr die Ostwand des Watzmanns hinabstürzen und sich im Wandwinkel sammeln. Bisweilen bildet sich ein torartiges Gewölbe im Eis an der Stelle, wo der Eisbach aus der Eiskapelle hervortritt. Vor dem Betreten wird dringend gewarnt, es hat hier durch herabstürzendes Eis bereits Tote gegeben. In der Ostwand selber befindet sich im so genannten Schöllhornkar ein weiteres Eisfeld,
Schöllhorneis genannt, über das bei einer Durchsteigung des
Kederbacher-Weges aufgestiegen wird. Kar und Eisfeld tragen den Namen des Müncheners
Christian Schöllhorn, der das erste Opfer der Ostwand wurde. Am 26. Mai 1890 stürzte er am oberen Ende des Eisfelds in die
Randkluft und verletzte sich tödlich. Ein weiteres kleines namenloses Schneefeld befindet sich einige Hundert Meter unterhalb der Mittelspitze ebenfalls in der Ostwand.
Watzmannsage
Häufig auf Fotos und Bildern abgebildet ist die Ansicht von Norden; von links nach rechts erscheinen die Watzmannfrau, die Kinder und der Große Watzmann (der aus den Hauptgipfeln besteht) als nebeneinander aufgereihte "Familie". Der Sage nach wurde das Land einst vom grausamen König Watzmann beherrscht, der mit seiner Frau und den Kindern Furcht und Schrecken verbreitete. Als er eine Bauernfamilie mit seinem Ross zerstampfte, fluchte die Bäuerin, dass Gott ihn und seine Familie zu Stein verwandeln solle. Danach tat sich die Erde auf, spuckte Feuer und verwandelte den König und seine Familie zu Stein. In manchen Sagen wird noch erzählt, dass der Königs- und Obersee durch das zusammengeflossene Blut der Königsfamilie entstanden sei.
Alpinismus
Die Erstbesteigung der Mittelspitze fand
1799 durch den
Slowenen Valentin Stanic statt. Die erste Überschreitung der 3 Spitzen (Hocheck, Mittelspitze, Südspitze) wurde
1868 vom Ramsauer Bergführer
Johann Grill, dem
Kederbacher, und Johann Punz durchgeführt.
Die Watzmann-Ostwand wurde zum ersten Mal 1881 ebenfalls von
Johann Grill durchstiegen.
Watzmannüberschreitung
Eine der lohnendsten und eindrucksvollsten Gratüberschreitungen der
Ostalpen ist die Überschreitung des Watzmanngrates, kurz "Watzmann-Überschreitung" genannt. Dabei werden die drei Gipfel des Hauptkammes,
Hocheck,
Mittelspitze und
Südspitze meist von Norden nach Süden überschritten. In der Regel wird diese Tour so durchgeführt, dass man am ersten Tag vom Tal (Wimbachbrücke, Parkplatz Hammerstiel, Königssee-Rodelbahn oder
St. Bartholomä kommen als Ausgangspunkt in Frage) zum
Watzmannhaus (Alpenvereinssektion München, 1928 m, 169 Schlafplätze, oft voll belegt) aufsteigt, dort übernachtet und am nächsten Tag die Überschreitung angeht.
Watzmannhaus-vom-watzmann-gesehen.jpg |
Watzmannhaus 300802.jpg
Vom Watzmannhaus wandert man zunächst zum
Hocheck hinauf, überwindet dann den exponierten und ziemlich langen
Grat, dessen höchste Erhebung die
Mittelspitze ist, und erreicht dann die
Südspitze. Von der
Südspitze, wo der Grat endet, führt ein steiler und steinschlaggefährdeter Pfad durch beeindruckende alpine Landschaftsformen hinab ins
Wimbachgrieß, einem gigantischen Schuttstrom, über den man auf einem einfachen Wanderweg parallel zum Watzmannstock wieder nach Norden in die Zivilisation zurückwandern kann. Alle Etappen zusammengerechnet benötigt man etwa 12-17 Stunden reine Gehzeit (vom Tal ausgehend über die Gipfel und wieder ins Tal zurück), abhängig von der Anzahl der Überschreiter, die an schönen Herbsttagen in die Hunderte geht. Sportlich Ambitionierte können jedoch das ganze Pensum auch an einem Tag oder sogar in weniger als sieben Stunden absolvieren.
Bis zum Watzmann-Hocheck verlangt der Weg nur selten die Zuhilfenahme der Hände und ist für jeden konditionsstarken Bergwanderer ohne größere Probleme zu meistern. Am Hocheck-Gipfel (der interessanterweise zwei Gipfelkreuze aufweist) beginnt jedoch schlagartig der ausgesetzte Grat, der den Weiterweg eine Kategorie schwieriger macht. Die Markierungen führen meist knapp unterhalb, manchmal jedoch auch direkt auf der Gratschneide über die Mittel- zur Südspitze, oft mit sagenhaften Tiefblicken direkt in die Ostwand und zum Königssee hinab. Durch die vielen Begehungen sind die Felsen ziemlich speckig abgewetzt und dementsprechend rutschig. Bei Nässe, Schnee, Eis, Gewitter oder Nebel verwandelt sich der Grat schnell in ein sehr gefährliches Terrain, auf dem schon erfahrene Bergsteiger ihr Leben verloren haben. Bei schönem Wetter ist die Tour allerdings ein Genuss, denn auch wenn hier alpine Erfahrung gefragt ist: Die Schwierigkeiten übersteigen nie den zweiten Grad der UIAA-Skala. Sportliche Bergwanderer, die trittsicher und schwindelfrei sind, sollten damit also keine Probleme haben; außerdem sind alle heiklen Stellen durch Drahtseile, Eisenstifte oder in den Fels gehauene Stufen entschärft. Die Benutzung eines Klettersteigsets zur Sicherung ist insbesondere bei Nässe und Vereisung dringend empfohlen. Einige Bergsteiger nehmen extra für den steilen Abstieg über die Südflanke einen Helm mit, da es hier bei vielen Begehern stellenweise zu Steinschlag kommen kann. Während die Mittelspitze ein sehr schroffer, ausgesetzter Gipfel ist, auf dem schnell Platzmangel entsteht, ist die Südspitze dagegen ein geräumiger, relativ ebener Gipfel, der mit seinem Rundumblick (vor allem zum direkt gegenüberliegenden Steinernen Meer) der vielleicht schönste Aussichtsgipfel des Watzmannmassivs ist. Die kleine Glocke im Gipfelkreuz der Südspitze darf gemäß der Tradition nur von Bergsteigern geläutet werden, die über die Ostwand aufgestiegen sind! An schönen Sommertagen sind verständlicherweise viele Dutzend Bergsteiger am Watzmanngrat unterwegs; dabei kann es zu Stauungen an manchen Gratstellen kommen.
Es lohnt sich, vom Watzmannhaus bereits nachts aufzusteigen, um dann bei Sonnenaufgang als Erster auf dem Hocheck zu stehen.
Alternativ kann man auch in der offenen Unterstandshütte am Hocheck übernachten (keine Lager, nur Holzbänke). Diese kleine Hütte ist jedoch bei Gewitter lebensgefährlich, da sehr exponiert. Vor dem weiteren Aufstieg vom Watzmannhaus sollte man sich vergewissern, ob die Plätze nicht möglicherweise schon belegt sind.
Des weiteren kann es sehr nützlich sein, sich bereits vor der Tour über den Zustand des Grates zu informieren, denn die Verhältnisse sind oft nur schwer vorherzusagen: Während beispielsweise im Jahrhundertsommer 2003 die Überschreitung bereits Anfang Juni fast ohne Schneekontakt möglich war, wartete der Grat Anfang September 2003 (also eigentlich zur besten Jahreszeit) mit gefährlichem Blankeis auf; doch kann es auch durchaus vorkommen, dass der Grat selbst Ende Oktober oder sogar Anfang November (z.B. 2005) noch völlig schneefrei und trocken ist.
Ostwand
höchste Wand der Ostalpen?
Die Ostwand der
Watzmann-Südspitze, auch
Bartholomäwand genannt, ist eine der berühmtesten und bekanntesten Felswände der Alpen. Ob ihr auch das Prädikat der höchsten Ostalpenwand gebührt, ist jedoch umstritten, sind doch die in der Literatur oft zitierten 1800 Meter Wandhöhe niedriger als die 1900 Meter, die der Alpenvereinsführer "
Julische Alpen" für die Westwand des
Montasch (2754m) angibt. Hier stellt sich die Frage, was man noch als Felswand und was "nur" als Steilflanke bezeichnen kann. Mit Sicherheit übertrifft die Watzmann-Ostwand an Höhe die Nordwand des
Hochstadel (2680m) in den Lienzer Dolomiten (ca. 1300-1400 Meter Wandhöhe), die Südwand des
Birnhorn (2634m) in den Leoganger Steinbergen (ca. 1400-1500 Meter Wandhöhe) und die Nordwand des
Triglav (2864m) in den Julischen Alpen (ca. 1500 Meter Wandhöhe) und ist somit - vielleicht nach der Montasch-Westwand - mindestens die zweithöchste Wand der Ostalpen.
Schwierigkeiten und Gefahren
Seit der Erstdurchsteigung
1881 durch
Johann Grill, dem "Kederbacher", und den von ihm geführten Wiener Alpinisten Otto Schück fanden hier schon an die hundert Menschen den Tod. Das sind mehr Todesopfer als bei der
Eigernordwand - allerdings kommen auch viel mehr Bergsteiger hierher, oft ohne die nötigen Fähigkeiten, und versuchen sich am Watzmann, daher die größere Unfallrate. Mit etwa 1800 Metern Höhenunterschied von der
Eiskapelle (das ist eine Eisgrotte, die von
St. Bartholomä auf einem bezeichnetem Wanderweg erreichbar ist) bis zum Gipfel ist die Watzmann-Ostwand eine der höchsten Wände alpenweit. Allerdings ist diese Riesenwand nicht besonders schwierig: Auf dem leichtesten Weg, dem
Berchtesgadener Weg, ist "nur" der
dritte Schwierigkeitsgrad gefordert, und auch das nur auf weniger als 100 Metern. Die Schwierigkeiten dieser Wand liegen vielmehr in der Orientierung, in ihren Dimensionen und in der fehlenden Möglichkeit, von Westen heranziehende Schlechtwetterfronten frühzeitig zu erkennen. Des weiteren besteht akute Steinschlaggefahr. Im Winter oder Frühjahr, wenn die Felsen von Eis oder Schnee überzogen sind und Lawinengefahr herrscht, ist die Watzmann-Ostwand (wie auch die Watzmann-Überschreitung) selbstverständlich nur absoluten Profis und Gebietskennern vorbehalten.
Routen
Abgesehen vom
Berchtesgadener Weg ziehen noch einige weitere Routen durch die Wand zur Südspitze, namentlich sind dies der
Kederbacherweg (benannt nach dem Erstdurchsteiger, obwohl die Seilschaft im oberen Teil den Weg zur Mittelspitze und nicht zur Südspitze wählte), der
Salzburger Weg, der
Münchner Weg, der
Frankfurter Weg, der
Polenweg, der
Franz-Rasp-Gedächtnisweg und noch einige weitere. Varianten sind in dieser stark gegliederten und nicht sonderlich steilen Wand oft möglich.
besondere alpinistische Leistungen
Franz Rasp war der langjährige "Hausmeister" der Ostwand: Er durchstieg mehrere Routen als erster im Alleingang und war wohl der beste Kenner der Wand. Am
1. Januar 1988 stürzte Rasp mit einem weiteren Bergsteiger ab und kam dabei ums Leben - es wäre seine 295. Durchsteigung der Wand gewesen. Heute ist
Heinz Zembsch die absolute
Autorität und
Koryphäe in der Watzmann-Ostwand: etwa 300 Mal durchstieg er schon erfolgreich die Wand und bietet seine Erfahrung jedem Ostwandaspiranten als Bergführer an. Die vielleicht größte alpinistische Leistung, die je am Watzmann vollbracht wurde, war eine Durchsteigung des
Salzburger Weges von
Hermann Buhl im Jahre
1953. Dieser Ausnahmekletterer der
1950er-Jahre trainierte für seine so berühmt gewordene
Nanga Parbat Erstbesteigung des selben Jahres und schaffte es, diese ihm neue Route allein, nachts und im Winter zu meistern, was eine unglaubliche Leistung darstellt und zu Unrecht in der alpinen Geschichte nur Insidern bekannt ist. Albert Hirschbichler rannte im Herbst 1988 von St. Bartholomä in unglaublichen 2:10:12 h durch die Ostwand zur Watzmann-Südspitze hinauf
*.
Biwakschachtel
Im oberen Wandteil der Watzmann-Ostwand befindet sich auf 2380m (unter dem "Massigen Pfeiler") eine
Biwakschachtel, die vor allem bei Wetterstürzen eine wichtige Notunterkunft darstellt.
Westwand
Der Watzmann hat auch eine
Westwand, die fast mit der gleichen Wandhöhe wie die Ostwand gegen das Wimbachtal hin abbricht, jedoch als Bergsteigerwand völlig unbekannt ist. Wegen ihrer größerer Brüchigkeit ist sie nicht so attraktiv wie die Ostwand und weist keine einzige bekannte Route auf. Manch einer hat sie schon - auch im Abstieg - durchstiegen, aber letztendlich ist die
Watzmann-Westwand ein von allen ignorierter weißer Fleck auf der Landkarte.
Andere Gipfel des Watzmannmassivs
Der bedeutendste Gipfel des Watzmannmassivs nach den Hauptgipfeln ist sicherlich die
Watzmannfrau (auch
Kleiner Watzmann) (2307 m). Dieser formschöne Gipfel ist nicht ganz leicht zu erreichen. Der einfachste Weg führt von der
Kührointalm von Norden auf den Gipfel, dabei sind an ein paar Stellen kleine Kletterpassagen (bis zum zweiten Grad) zu meistern. Eine davon, der sogenannte
Gendarm, ist sehr ausgesetzt und verlangt Schwindelsicherheit. Abgesehen davon gibt es kein größeres Problem, allerdings gibt es hier im Gegensatz zum
Großen Watzmann weder Drahtseilsicherungen noch deutliche Markierungen. Überhaupt findet der Bergsteiger hier eine viel größere Einsamkeit als am viel bekannteren Großen Watzmann, sowie eine atemberaubende Landschaft. Sehr markant ist die
Westwand der Watzmannfrau, die schon viele Tausend Wanderer, die beim Aufstieg zum Watzmannhaus die Falzalm erreichen, beeindruckt haben dürfte. Diese annähernd senkrechte Wand ist die bedeutendste Kletterwand am Watzmann. Es gibt hier Dutzende Kletterrouten verschiedener Schwierigkeitsgrade. Darunter das
Sakrische Eck, welches die erste Siebener-Kletterroute im Berchtesgadener Land ist.
Weitere Kletterrouten finden sich hauptsächlich an den Südabstürzen der Watzmannkinder sowie an den Ostwänden von Hocheck und Mittelspitze. Besonders erwähnenswert ist dabei die Wiederroute durch die Ostwand der Mittelspitze, die eine landschaftlich sehr eindrucksvolle Kletterei in den unteren Schwierigkeitsgraden darstellt. Der Mooslahnerkopf ist ein sehr schöner Aussichtsgipfel oberhalb von Kühroint, allerdings ist er strenggenommen nur eine untergeordnete Erhebung im Kamm, der von der Watzmannfrau ostwärts hinabzieht. Das Falzköpfl ist noch untergeordneter - steht doch das Watzmannhaus auf seinem Haupt, von einem Gipfel im eigentlichen Sinn spricht hier also niemand mehr. Als wenig bekannte Erhebung wird die Grießspitze (2257 m) im Südwestgrat der Watzmann-Südspitze nur selten betreten. Die Hirschwiese (2114 m) ist dagegen ein beliebter Aussichtspunkt ganz im Süden des Massivs, auf den ein Wanderweg vom Trischübelpaß, der Nahtstelle zum Steinernen Meer, heraufführt. Von der Hirschwiese zieht ein einsamer Kamm ostwärts, er trägt den Großen Hachelkopf (2066 m), der selten bestiegen wird, aber wunderbare Einblicke in die Watzmann-Ostwand erlaubt. Als kleinster und ziemlich weit vorgelagerter Gipfel darf der Grünstein (1304 m) nicht vergessen werden. Er ist aus dem Tal in kürzester Zeit erreichbar, bietet schöne Tiefblicke ins Berchtesgadener Land und ist daher touristisch sehr beliebt.
Zweit-, dritt- oder vierthöchster Berg Deutschlands?
- Siehe auch: Nördliche Kalkalpen, Liste der höchsten Berge Deutschlands, Der Watzmann ruft
Die weit verbreitete Meinung, der Watzmann sei nach der Zugspitze (2962 m) Deutschlands zweithöchster Berg, hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Im Wettersteingebirge gibt es tatsächlich sogar mehr als drei Erhebungen, die höher sind als er. Die meisten davon befinden sich im Zugspitzmassiv. Nicht alle gelten aber als eigenständige Gipfel, da sie oft nur wenige Höhenmeter aus einem Grat herausragen. Der
Schneefernerkopf (2875 m) erhebt sich jedoch deutlich als eigener Gipfel über der Schneefernerscharte (2699 m) und hat somit eigentlich das Prädikat als zweithöchster Berg Deutschlands verdient.
Weil jedoch der Schneefernerkopf zum Zugspitzmassiv gehört, kann auch der Hochwanner (2746 m) als zweithöchster Berg Deutschlands betrachtet werden. Dieser ist durch Reintal, Gatterl und Feldernjöchl sehr deutlich vom Zugspitzmassiv getrennt. Er bildet mit dem Wettersteinhauptkamm, dessen höchsten Gipfel er darstellt, ein eigenes Bergmassiv. Schaut man sich also nur ganze Bergmassive an, so stellt man fest, dass außer dem Zugspitzmassiv lediglich der Hochwanner höher ist als der Watzmann.
Um Missverständnisse zu vermeiden, sagt man am besten: Der Watzmann ist Deutschlands vierthöchster Gipfel oder dritthöchstes Bergmassiv und der höchste Berg, der mit seiner Basis vollständig auf deutschem Boden steht (alle oben genannten Gipfel sind Grenzgipfel zu Österreich/Tirol).
Weblinks
Berchtesgadener Alpen | Berchtesgadener Land | Berg in Bayern | Zweitausender
Watzmann | Watzmann | Watzmann