Wellenreiten.jpg auflaufende Welle kurz vor dem Überschlagen.]]
Wasserwellen sind eine spezielle Wellenform. Es handelt sich dabei um Oberflächenwellen, an der Fläche zwischen Wasser und Luft. Die Oberflächenspannung des Wassers (oder allgemeiner der Flüssigkeit) bestimmt die Eigenschaften der so genannten Kapillarwellen mit Wellenlängen kleiner 2 cm. Die Gravitation bildet Schwerewellen mit Wellenlängen von bis zu 1000 km, wenn Wasser durch Einwirkung einer Störung zum Schwingen angeregt wird. Beispiele für Störungen sind der Wind, der verantwortlich ist für den Seegang auf den Meeren. Ins Wasser geworfene Steine und Strömungshindernisse erzeugen Wellen, fahrende Schiffe begleitet eine Bugwelle. Seebeben können Tsunamis hervorrufen.
Die Grenzfläche ist äußerst instabil. Kleine Störungen, wie links im Bild durch eine kleine Erhebung angedeutet, stauchen die Stromlinien des Windes. Dadurch verringert sich der Druck (Strömung nach Bernoulli und Venturi) und der Wellenberg vergrößert sich.
Die Wellenbildung erfolgt wegen des großen Dichteunterschieds von Wasser und Luft unsymmetrisch. Ein Beispiel für die Ausbildung einer symmetrischen Grenzfläche bei Wasser mit nur geringfügig unterschiedlicher Dichte zeigt das Radarbild (rechts oben). Von links strömt oben warmes Meerwasser an kaltem Wasser (unten) vorbei. An der Grenzfläche bilden sich mittelgroße Wirbel (Englisch eddies), in die das kalte Wasser von unten und das warme Wasser von oben einströmen.
Das Bild (rechts unten) zeigt eine Satellitenaufnahme des indischen Ozeans. Die feinen Strukturen sind Oberflächen-Wasserwellen, während die langperiodischen Strukturen oben rechts von Grenzflächenwellen zwischen Wasserschichten unterschiedlicher Temperatur herrühren.
Eine typische Wasserwelle in tiefem Gewässer relativ zur Wellenlänge weist breite Wellentäler und schmale Wellenberge auf, die von lokalen kreisförmigen Strömungen getragen wird. Die Umlauf-Periode der Strömungen entspricht der Periode der Wasserwelle , siehe Animation rechts. Mit zunehmender Tiefe nehmen die Radien der Kreisströmungen ab.
Bei Wellenlängen kürzer als einige Zentimeter bestimmt die Oberflächenspannung die Ausbreitungsgeschwindigkeit. Für die sogenannten Kapillarwellen gilt:
Darin bedeuten die Oberflächenspannung und die Dichte der Flüssigkeit.
Hierin ist dc/dλ die Dispersion der Phasengeschwindigkeit. Je nach Vorzeichen und Betrag des Differentialquotienten ist die Gruppengeschwindigkeit kleiner, größer oder gleich der Phasengeschwindigkeit. Aus historischen Gründen haben sich in der Optik dafür die Bezeichnungen normale Dispersion: dc/dλ > 0 und anomale Dispersion: dc/dλ < 0 eingebürgert.
Dispersion_c(f).jpg | Dispersion_c(L).jpg Die Abhängigkeit der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Beziehung (1) von der Wellenlänge bzw. der Frequenz zeigen die beiden Abbildungen rechts. Zusätzlich ist die Abhängigkeit von der Wassertiefe (in der Zeichnung mit d statt h bezeichnet) angegeben. Hier gilt:
Die Dispersion von Kapillarwellen ist kleiner als Null und deshalb anomal:
Bezeichnet T die Periode mit der Frequenz f = 1/T, folgt mit c = λ/T aus (3):
Die Dispersion wird maximal, die Phasengeschwindigkeit ist von der Wassertiefe unabhängig:
Wellen mit großen Wellenlängen breiten sich schneller aus und besitzen eine größere Periode als solche mit kleinen Wellenlängen. Bei einer Wellenlänge von 1 km beträgt die Ausbreitungsgeschwindigkeit ca. 140 km/h und die Periode 25 s, bei einer Wellenlänge von 100 m ca. 50 km/h und 8 s. Da zusätzlich die kurzperiodischen Wellen stärker gedämpft werden, nimmt man Sturmwellen in entfernten Gebieten als langperiodische Dünung wahr.
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit zeigt keine Dispersion, das heißt sie ist unabhängig von der Wellenlänge. Deshalb ist die Phasengeschwindigkeit genauso groß wie die Gruppengeschwindigkeit:
Nähert sich eine Welle einem langsam ansteigenden Ufer, verringert sich mit sinkender Wassertiefe die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellenfront. Die nachfolgenden Wellen überrollen die Wellenfront, bis auch sie abgebremst werden. Die Wellenlänge nimmt ab, als Folge der Energieerhaltung vergrößert sich die Höhe der Welle, die Amplitude . Die Wasserwellen türmen sich auf. Sie brechen bei einer mittleren Wassertiefe von ca. = 1,3*.
Die erweiterte Fassung von Gleichung (3) berücksichtigt die Dichte beider Phasen, bezeichnet mit ρ1 und ρ2:
Siehe auch Interne Wellen
Gezeitenwellen sind Wellen, die durch die Tide verursacht werden.
An der Schichtung von leichtem Süßwasser auf schwerem Salzwasser beobachtet man Grenzflächenwellen, deren Auswirkungen auf Schiffe als Totwasser bezeichnet werden. Fährt ein Schiff in die Zone ein, kann es bei ausreichendem Tiefgang Bugwellen auf der Oberfläche der Salzwasserschicht erzeugen. Es verliert deutlich an Fahrt, ohne dass an der Wasseroberfläche Wasserwellen zu erkennen wären.
Als Grundsee wird eine kurze, steile und überbrechende Wasserwelle bezeichnet, deren Wellental bis auf den Grund reicht.
Bei der Planung von Schiffen ging man bisher davon aus, dass Wellen mit einer Höhe von mehr als 15 m ausgesprochen selten auftreten würden. Satellitenbeobachtungen wiesen aber nach, dass Riesenwellen (Kaventsmann, Freak Wave) mit Höhen von mehr als 30 m mehrmals im Jahr zu beobachten sind.
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