| Strukturformel | |
|---|---|
| H2O2.jpg | |
| Allgemeines | |
| Name | Wasserstoffperoxid |
| Andere Namen | Perhydrol, Wasserstoffhyperoxid, Wasserstoffsuperoxid |
| Summenformel | H2O2 |
| CAS-Nummer | 7722-84-1 |
| Kurzbeschreibung | farblose Flüssigkeit |
| Eigenschaften | |
| Molmasse | 34,02 g/mol |
| Aggregatzustand | flüssig |
| Dichte | 1,11 g/cm³ (20 °C, 30%ig) |
| Schmelzpunkt | -26 °C (30%ig) |
| Siedepunkt | 107 °C (30 %ig) |
| Dampfdruck | 18 hPa (20 °C) |
| Löslichkeit | unbegrenzt in Wasser |
| Sicherheitshinweise | |
| R- und S-Sätze | R: 34 |
| MAK | 1 ml/m³ bzw. 1,4 mg/m³ |
Heute wird Wasserstoffperoxid durch das Anthrachinon-Verfahren hergestellt. Dazu wird Anthrahydrochinon mit Luftsauerstoff unter Druck zu Wasserstoffperoxid und Anthrachinon umgesetzt.
(Disproportionierung)
Dabei wird eine Energie von 196.2 kJ/mol freigesetzt. Diese Zersetzungsreaktion wird unter anderem durch Mn2+- (siehe Nachweis), oder andere Schwermetallionen, I-- und OH--Ionen katalysiert. Daher werden H2O2-Lösungen im Handel mit Stabilisatoren (unter anderem Phosphorsäure) versetzt. Es ist ein starkes Oxidationsmittel, unter Verminderung der Oxidationsstufe von -I auf -II entsteht als Reaktionsprodukt nur Wasser. Schwer abzutrennende oder störende Nebenprodukte fallen nicht an, was seine Anwendung im Labor vereinfacht.
Gegenüber stärkeren Oxidationsmitteln (beispielsweise Kaliumpermanganat) kann es auch als Reduktionsmittel wirken.
Wasserstoffperoxid ist eine sehr schwache Säure, seine anorganischen Salze und organischen Ester sind die Hydroperoxide und Peroxide.
Nachweis als Chromperoxid (CrO(O2)2)
Aus der Festprobe machen. Chromtrioxid CrO3 ergibt mit Wasserstoffperoxid im stark sauren Bereich (pH<0) das intensiv blau gefärbte Chromperoxid, welches sich in Ether löst. Hierzu Kaliumdichromat mit verd. H2SO4 ansäuern und 1 cm hoch mit Ether überschichten (Abzug!), Probe dazu geben und schütteln. Die Ether-Phase färbt sich bläulich.
Nachweis als Peroxotitanyl(IV)-Ion ()
Der Nachweis mit Titangelb ist ein sehr empfindlicher. (Farblose) Titan(IV)ionen ergeben schon mit Spuren von Wasserstoffperoxid das intensiv orangegelb gefärbte Peroxotitanyl-Ion. Umgekehrt kann man daher auch mit Wasserstoffperoxid eine Substanz auf Titan(IV) prüfen.
Weltweit ist die größte Anwendung in der umweltfreundlichen Bleiche von Zellstoff zu sehen. Zellstoff wird aus Holz gewonnen und das darin enthaltene Lignin mit H2O2 gebleicht. Hauptverwendung von Zellstoff ist die Herstellung von Papier, Servietten, Taschentücher etc.
Wasserstoffperoxid bzw. wasserstoffperoxidhaltige Bleichmittel, wie etwa ein Peroxyessigsäure-Wasserstoffperoxid-Gemisch, werden in der Werbesprache auch mit dem Kunstwort Aktiv-Sauerstoff bezeichnet.
In der Mikrosystemtechnik nutzt man die sog. Knallgasreaktion zur Bildung von H2O für die thermische Oxidation (nasse Oxidation) der Silizium-Waferoberflächen (SiO2).
H2O2 spielt eine Rolle in industriellen Prozessen bei der Herstellung von Epoxidharzen und der Reinigung von Abwässern.
In Verbindung mit Salzsäure kann es bei der Herstellung von gedruckten Leiterplatten (Platinen) zum Entfernen des Kupfers verwendet werden.
Als Energie- beziehungsweise Sauerstofflieferant (Zersetzung etwa über Braunstein) kam es in konzentrierter Form bei Raketenantrieben (etwa: Max Valier, Messerschmitt Me 163) und U-Boot-Antrieben (Walter-U-Boot) zum Einsatz. Auch wurde Wasserstoffperoxid, das mit Hilfe von Kaliumpermanganat zersetzt wurde, als Treibstoff für die Treibstoffpumpen der A4 verwendet. Unzersetztes Wasserstoffperoxid wurde als bei Normaltemperatur flüssiger Sauerstoffträger in britischen Raketen (z.B. Black Arrow) benutzt und verbrannte dort mit Kerosin.
Wasserstoffperoxid neigt zu unkontrollierter Zersetzung. So starben am 16. Juli 1934 Dr. Kurt Wahmke und 2 Techniker in Kummersdorf bei der Explosion eines mit Wasserstoffperoxid betriebenen Triebwerkes. Aufgrund der Gefährlichkeit in Einsatz und Handhabung (Ätzwirkung, unkontrollierte Zersetzung, Explosion bei Verunreinigungen in Tank und Leitungssystem) ist der Gebrauch heute auf Kleinraketentriebwerke (Rekordversuche, Steuertriebwerke) beschränkt.
Der Untergang des russischen Atom-U-Boots Kursk 2000 wurde Gerüchten zufolge verursacht durch das Auslaufen von Wasserstoffperoxid aus einem Tank in einem Torpedo und die anschließende Reaktion mit Kupferteilen, die zum Zerbersten des Torpedos führte.
Es wird in Aquarien zum Zuführen von Sauerstoff benutzt, dies geschieht in einem Oxidator.
In der Kriminalistik kann es als Nachweis für bspw. herausgewaschenes Blut genutzt werden.
Es entsteht bei zahlreichen biochemischen Prozessen, ist jedoch ein Zellgift. Deswegen baut in Zellen das Enzym Katalase H2O2 ab.
Auf viele prokaryontische Kleinstlebewesen wirkt H2O2 stark toxisch (daher auch die desinfizierende Wirkung).
In der Biologie wird es experimentell zur Herbeiführung des programmierten Zelltodes von isolierten eukaryontischen Zellen genutzt.
Falls man Wasserstoffperoxid auf die Haut bekommt, sollte man die Stelle mit Wasser gut spülen (Verdünnung). Niemals versuchen die Stelle mit Hilfe von Laugen (Natronlauge) zu neutralisieren!! Es ist unmöglich (zeitlich) die geeignete Konzentration zur Neutralisierung zu erreichen. Weiter können Laugen die Haut wesentlich stärker schädigen als Säuren, vor allem Wasserstoffperoxid. Zur Not auch mit in Wasser gelöstem Backpulver reinigen, um Verletzungen vorzubeugen.
Peròxid d'hidrogen | Hydrogen peroxide | Peróxido de hidrógeno | Vetyperoksidi | Peroxyde d'hydrogène | מימן על-חמצני | Hidrogen peroksida | Perossido di idrogeno | 過酸化水素 | Hydrogenium peroxydatum | Vandenilio peroksidas | Ūdeņraža peroksīds | Waterstofperoxide | Hydrogenperoksid | Nadtlenek wodoru | Peróxido de hidrogênio | Пероксид водорода | Hydrogen peroxide | Väteperoxid | Nước ôxy già | 双氧水
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