Eine Wasserrettungsstation ist ein Gebäude einer im Wasserrettungsdienst tätigen Organisation, wie der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft), dem ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) oder der Wasserwacht. Die Station steht in der Nähe von zu bewachenden Gewässern und dient den Einsatzkräften der betreibenden Organisation als Aufenthaltsort, Zentrale und Wache.
Aufgaben
Eine Wasserrettungsstation ist hauptsächlich für folgende Aufgaben zuständig:
Je nach örtlichen Gegebenheiten können diese vermindert oder ausgeweitet werden.
Als wichtigste Funktion wird von ihr aus der Dienstbetriebe in ihrem Zuständigkeitsbereich oder Wachgebiet koordiniert. Dieser Zuständigsbereich ist meist ein Badesee, Fluss- oder Strandabschnitt von bis zu 20km Länge.
Sie ist die Anlaufstelle für alle Mitarbeiter im
Wasserrettungsdienst. Dann überwacht und lenkt sie alle Funkgespräche in ihrem Bereich.
Die Mitarbeiter leisten natürlich auch Erste- und allgemeine Hilfe (z. B. Rettungen, allgemeine Hilfe für Wassersportler und Bergung).
Außerdem werden von der Wasserrettungstation im Einsatzfall Polizei, Rettungsdiensten und anderen benötigten Einsatzkräfte verständigt.
Auf der Wasserrettungsstation wird auch die gesamte Dokumentation des Dienstbetriebes durchgeführt (z. B. Boots- und Funktagebuch).
Je nach Wetterlage können auf oder bei der Station auch die Mitarbeiter im Wasserrettungsdienst fortgebildet werden.
Ausstattung
wasserrettungsstation_dlrg.jpg
Die Ausstattung von Wasserrettungsstationen kann bundesweit sehr unterschiedlich sein. Sie richtet sich meistens nach den lokalen Gegebenheiten und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln.
Bei den finanziellen Mitteln einer Wasserrettungsstation spielen vor allem die Größe und Erfordernisse des Einsatzgebietes eine Rolle. Denn umso größer das zu bewachende Gebiet, des so mehr Material und somit Geld benötigt die Station. Eine große Rolle spielen auch die gesetzliche Vorgaben (z. B. Badesstättenverodnung, Satzung), da diese meist die Mindestausstattung vorschreiben. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die eigenen finanzielle Mittel der Organisation, die die Station betreibt. Häufig bekommen die Organisationen oder Gliederungen vor Ort auch Zuschüsse im Rahmen von Landesrettungsgesetzen und/oder Landeskatstrophenschutzgesetzen und Zuschüsse durch die öffentliche Hand (z. B. Fördervereine, Spenden).
minimale Ausstattung
Für den Betrieb einer Wasserrettungsstation muss mindestens folgendes Material zu Verfügung stehen:
Betriebsfunkgeräte - stationär und Handfunkgeräte um mit allen Einheiten im Wachgebiet zu kommunizieren und Einsätze zu koordinieren. Je nach Anforderungsprofil auch
BOS-Funkgeräte, Binnenschiffahrts- und Seefunkgeräte um Schiffen Informationen zukommen zu lassen, oder sich direkt mit einem Krankenwagen oder der Rettungsleitstelle zu verständigen.
Des weiteren wird ein
Radio für den Wetterbericht und Warnungen benötigt, damit die Rettungsschwimmer rechtzeitig wissen, ob sie sich zum Beispiel auf schwere See einstellen müssen.
Auch ein
Telefon um Notrufe abzusetzen ist elementar. Damit sie das Wasser und auch das Geschehen, weit von der Station entfernt, beobachten können, brauchen die Rettungsschwimmer auf der Station
Ferngläser.
Um die Einsätze und das Geschehen im Wachgebiet später nachvollziehen zu können, muss eine Wasserrettungsstation
Formulare, Dienst- und Einsatzberichte (z. B. Funktagebuch) besitzen.
Für den Einsatzfall werden natürlich
Erste Hilfe Ausrüstung, Rettungsgeräte,
Wasserrettungsmittel, Boote und Fahrzeuge (je nach Wachgebiet) benötigt.
zusätzliche Ausstattung
Je nach Ausbildung des Personals kann auch noch erweitertes Material vorliegen:
Zum Beispiel ein
Notfallkoffer, eine Vakuummatraze oder ein
Automatisierter Externer Defibrillator (AED).
Laut
GUV-Regel 2101 muss ein Hilfeleistungsunternehmen zusätzlich auch die Möglichkeit einer Beatmung mit
Sauerstoff bereitstellen.
Rettungsgeräte
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Auf der Station kann es zum Schutz der Rettungsschwimmer bei Einsätzen im Wasser verschiedene Rettungsgeräte geben. Im Idealfall kennen alle Rettungsschwimmer, die auf der Station im Einsatz sind, die Aufbewahrungsorte und dem Umgang mit den aufgelisteten Rettungsgeräten.
Meist besitzt eine Wasserrettungsstation eins oder mehrere dieser Geräte, sodass die Rettungsschwimmer für jeden Einsatztyp das Richtige wählen können.
Außerdem sollte jeder Rettungsschwimmer seine
ABC-Ausrüstung (Maske, Schnorchel, Flossen) dabei und einsatzbereit haben, um noch effektiver Hilfe leisten zu können.
Einsatzfahrzeuge
Motorrettungsboot DLRG.jpg der DLRG am Strand von Großenbrode]]
Zusätzlich zu dem eben genannten Rettungsgeräten kann eine Wasserrettungsstation auch mit Booten oder Fahrzeugen ausgestattet sein.
Einsatzfahrzeuge für eine Wasserrettungsstation können je nach Aufgaben- und Wachgebiet sein:
Rettungsboote mit Motor und
ohne Motor um schnell, mit geringer Eigengefährdung der Rettungsschwimmer, hinaus, auf das Gewässer, zum Verunfallten zu gelangen und diesen noch auf dem Wasser versorgen zu können.
An manchen Stationen findet man auch einen
Rettungs-Jetski mit Verletztenschlitten. Dieser erfüllt den selbem Zweck wie die Rettungsboote, ist meistens aber noch schneller.
Ist eine Wasserrettungsstation für ein größeres Wachgebiet zuständig, kann sie auch mit Einsatzkraftfahrzeuge für verschiedene Zwecke ausgerüstet sein.
Bei Stationen, bei denen die Entfernungen zwischen den Wachtürmen sehr groß sind, gibt es oft ein Einsatzfahrrad, damit die Rettungsschwimmer sich schnell gegenseitig unterstüzen können oder schnell zu einem Verunfallten auf der Promenade gelangen können.
Aufbau
Je nach Größe und Aufgabenbereich kann eine Wasserrettungsstation mehrere Räume und Bereiche beinhalten.
Kleinere Wachen bestehen nur aus Wach-, Sanitäts- und einem Geräteraum. Ganz kleine Wachen können auch nur aus einem Wachraum bestehen.
Größere Wachen, die man vor allem an den Küsten von Nord- und Ostsee findet, können zusätzlich zu den oben genannten Räumen noch einen eigenen Funkraum und/oder ein Wachleiterbüro besitzen, die räumlich vom Wachraum getrennt sind. Außerdem findet man dort auch häufig eine Küche, Schlaf- und Sanitärräume, sowie eine Werkstatt, da diese Wasserrettungsstationen gleichzeitig auch die Unterkunft der Rettungsschwimmer für die Dauer ihres Aufenthalts sind.
Der Wachraum
Der Wichtigeste Raum der Wasserrettungsstation. Von hier aus beobachten die Rettungsschwimmer das Wasser und sorgen für die Sicherheit der Badegäste.
In vielen Fällen ist der Wachraum auch gleichzeitig Funkraum, sodass in ihm alle Informationen aus dem Wachgebiet und je nach Funkausrüstung, auch von darüber hinaus zusammenlaufen. Der Wachleiter koordiniert von hier die Einsätze und organisiert den Wachdienst.
Besitzt die Wasserrettungsstation ein Boot oder Fahrzeug, hält sich im Wachraum meist auch die Bootsbesatzung auf, um im Einsatzfalle sofort eingreifen zu können.
Personal
Eine Wasserrettungsstation ist je nach Wetterlage, Personallage, Aufgabenbereich und Größe folgendermaßen besetzt:
Sie benötigt immer einen
Wachleiter und einen Stellvertreter.
Besitzt die Wasserrettungsstation ein Rettungsboot oder -kraftfahrzeug sollten der Bootsführer/Kraftfahrer und die jeweilige Besatzung anwesend sein.
Wenn vorhanden, kann sich auch ein Rettungstauchtrupp auf der Station aufhalten.
Auf größeren Stationen mit eigenem Funktraum ist auch immer ein Sprechfunker anwesend. Auf kleineren Stationen übernimmt diese Aufgabe meist der Wachleiter.
Den Großteil der Mitarbeiter auf einer Wasserrettungsstation machen die
Rettungsschwimmer aus.
Zuständigkeiten und Weisungsbefugnisse
Wachleiter
Der
Wachleiter ist gegenüber allen Einheiten einer Wasserrettungsstation weisungsbefugt. In Einzelfällen kann bei Einsätzen der Wachleiter von einem Einsatzleiter Wasserrettung (EL WR) abgelöst werden.
Der Wachleiter ist gegenüber Dritten (Badegästen)
Garant im Rahmen der Tätigkeit im Wasserrettungsdienst (
Garantenstellung).
Er ist Representant der Wasserrettungsorganisation und Hausherr in der Wasserrettungsstation.
Er trägt auch die Verantwortung über die im Einsatz befindliche minderjährigen
Rettungsschwimmer bzw.
Wasserretter.
Auf der Station ist er unter anderm auch für die Einteilung des Personals, die Organisaton des Dienstablaufs und das Material zuständig.
Bootsführer
Der Bootsführer trägt die Verantwortung über das ihm zugewiesene Motorrettungsboot und dessen Besatzung. Er hat aber den Weisungen des Wachleiters Folge zu leisten, solange eine Gefahr für Boot und Besatzung ausgeschlossen ist. Im Einsatzfall kann er mit seinem Boot schnell und sicher Hilfe leisten.
Taucheinsatzführer
Der Taucheinsatzführer (TaEF) trägt die Verantwortung über einen oder mehreren Tauchtrupps. Er alleine fällt die Entscheidungen über den Taucheinsatz und dessen Durchführung und ist nur dem Wachleiter bzw. Einsatzleiter unterstellt. Allerdings kann jeder Rettungstaucher für sich selbst entscheiden, ob er zum Tauchen zu Verfügung steht.
Rettungsschwimmer/Wasserretter
Sie bilden den Hauptteil des Personals. Aufgabe der eingesetzten Rettungsschwimmer ist es, die Badegäste durch Auflärung und Präventation vor Gefahren zu bewahren. Sie leisten Hilfe bei Notfällen im und am Wasser und betreuen hilfsbedürftige Personen und Verletzte. Bei Einsätzen im Wasser müssen die Rettungsschwimmer aber immer die eigene Sicherheit beachten.
Sie sind gegenüber Dritten (Badegästen) nicht weisungsbefugt und dem Wachleiter unterstellt.
Wachtürme
Oft sind einer Wasserrettungsstation
Wachtürme angegliedert.
Da eine Wasserrettungsstation meist einen großen Bereich von mehreren Kilometern überwachen muss, aber von einem Punkt aus unmöglich den ganzen Abschnitt überwachen kann, befinden sich, in regelmäßigen Abständen von der Hauptwache entfernt Wachtürme.
Diese stehen meist erhöht, dicht am Wasser und sind mit bis zu drei Rettungsschwimmern besetzt.
Ausgerüstet sind sie meistens mit
Wasserrettungsmitteln und einer
Ersten-Hilfe-Ausrüstung.
Die Rettungsschwimmer können so von dort schnell in den Einsatz gehen und kleinere Erste-Hilfe-Fälle behandeln. Sie sind über Funk und/oder Telefon mit der Hauptwache verbunden, um bei größeren Unfällen schnell Hilfe anfordern zu können. Sie können aber auch autonom, nach Absprache mit der Hauptwache, in den Einsatz gehen.
Flaggen
wasserrettung_flaggen.jpg
Um Badegästen und Strandbesuchern auf weite Entfernung die wichtigsten Informationen über das Gewässer zu vermitteln, werden an vielen Wasserrettungsstationen und zugehörigen Wachtürmen Fahnen gesetzt. Viele Wasserrettungsorganisationen haben inzwischen das international verwendeten Kennzeichnungssystem umgesetzt.
Nach diesem wird eine
Einsatzbereite Wasserrettungsstation durch hissen einer rot-gelbe Wasserrettungsflagge signalisiert. Zusätzlich kann eine Vereinsflagge (z. B. der DLRG Adler oder das Wasserwachtszeichen) gehisst werden.
Dass
Baden und Schwimmen gefährlich ist, wird durch die obige Flaggen und einer zusätzlich rein gelben Flagge angezeigt.
Baden und Schwimmen verboten wird durch eine rein rote Flagge angezeigt.
Zur Verdeutlichung können hier alle anderen Flaggen eingeholt werden.
weitere Signalmittel
Um Strandbesucher und Schwimmer direkt auf eine Gefahr aufmerksam zu machen oder ihnen Hinweiße zu geben (z. B. Vermisstenmeldung, Gefahr), benutzen die Rettungsschwimmer außerdem noch die
Trillerpfeife um Aufmerksamkeit zu erwecken oder das
Megafon um über weite Strecken, zum Beispiel mit Booten, zu kommunizieren.
An manchen Stränden gibt es auch eine Lautsprecheranlage mit der sich der gesamt Strand beschallen lässt.
Geschichte
Die erste europäische Wasserrettungsstation nahm 1767 in
Amsterdam ihrem Dienst auf. Bereits ein Jahr später, 1768, wurde die erste deutsche Wasserrettungsstation durch die
Hamburgische Gesellschaft zur Rettung Ertrunkener in Hamburg in Betrieb genommen. Nach und nach wurden in Deutschland weitere Stationen eingerichtet, besonders nach der Gründung der
Wasserwacht im Jahre 1883 und der
Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft im Jahre 1913 wurde an den deutschen Binnengewässern und an der Küste immer mehr Stationen gegründet.
Literatur
- Deutsche-Lebens-Rettungs Gesellschaft e. V. - Präsidium (Hrsg.): Taschenbuch für Wasserretter. 1. Auflage. ecomend verlagsgesellschaft AG & Co. KG, Bad Nenndorf 2003
Wasserwirtschaft
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