Die Wasseraffen-Theorie (korrekt: Wasseraffen-Hypothese) ist eine von Sir Alister Hardy 1960 begründete Hypothese, nach der die Vorfahren der Menschen in ihrer Evolution – der Hominisation – eine teilweise aquatische (wasserlebende) Phase durchgemacht haben sollen.
Das bedeutet, dass Vormenschen sich verstärkt an und in Flüssen, Seen, Meeren oder am Litoral aufgehalten haben und diese u. a. zur Nahrungsgewinnung nutzten. Nach dieser Phase – die zur Entwicklung einiger besonderer Merkmale führte – seien sie wieder stärker zum Leben an Land übergegangen. Die Hypothese besagt jedoch nicht, dass diese Vorfahren ausschließlich im Wasser gelebt hätten.
Merkmale, die mit dieser Hypothese erklärt werden können, sind insbesondere
Unabhängig davon kamen Sir Alister Hardy um 1930 die ersten Gedanken zu diesem Konzept. Er las eine Veröffentlichung, in der Besonderheiten des menschlichen Unterhaut-Fettgewebes beschrieben wurden. Dieses ist – im Unterschied zu den meisten Säugetieren – so fest mit der Haut verbunden, dass es mit angehoben wird, wenn man an der Haut zieht. Hardy, ein anerkannter Meeresbiologe, assoziierte damit die Verhältnisse bei Walen und überlegte, dass der Mensch in seine Vorgeschichte eine aquatische Phase gehabt haben könne. Im Laufe der Jahre sammelte er weitere Aspekte, zögerte aber mit der Veröffentlichung.
Erst im März 1960 publizierte Hardy seine Gedanken in dem Artikel „Was man more aquatic in the past“ in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift New Scientist.
Eine der bekanntesten Verfechterinnen der Hypothese ist Elaine Morgan, einer der bekanntesten Gegner John Langdon.
In der akademischen Welt wurde erst 1987 in Valkenburg (Niederlande) das erste Symposium zu dieser Hypothese durchgeführt, bei dem Verfechter und Gegner ihre Ansichten austauschten. Das zweite Symposium fand 1999 unter dem Titel „Water and Human Evolution“ in Gent statt.
In jüngerer Zeit fanden die Gedanken der Hypothese bei Chris Stringer (British Natural History Museum) und David Attenborough (u. a. Autor populärwissenschaftlicher Produktionen der BBC zur Hominisation) Beachtung.
Generell unterliegen Hypothesen zur Erklärung der spezifischen Merkmale des Menschen im Verlauf der Evolution einem Problem: Die Argumente beziehen sich in erster Linie auf Vergleiche an rezenten anatomischen Strukturen und an Knochenfossilien. Für die meisten evolutionsbiologisch relevanten Merkmale wäre jedoch eine Weichteilerhaltung der Fossilien notwendig, um den Beweis zu führen. Auch war es bis bisher nicht möglich, aus der Theorie überprüfbare Vorhersagen abzuleiten, die zur ihrer weiteren Untermauerung hätten beitragen können.
Dieses Problem teilt die Wasseraffen-Hypothese mit der verbreiteteren Savannen-Hypothese sowie den anderen Hypothesen zur Hominisation. Daher wurde auf dem Valkenburg-Symposium der eher geisteswissenschaftliche Weg von Plädoyers pro und contra gewählt.
Erst in jüngster Zeit wurde die Wasseraffen-Hypothese durch den Anthropologen Algis Kuliukas einer soliden wissenschaftlichen Überprüfung einschließlich eines Falsifizierungs-Tests unterzogen. Vergleichbare kritische Bewertungen einschließlich empirischer Untersuchungen fehlen bislang für die anderen Hominisations-Hypothesen.
Insgesamt stellen diese Hypothesen eher Modelle im naturwissenschaftlichen Sinn als gefestigte, überprüfbare Theorien dar. Ihr besonderer Wert liegt darin, vergangene Abläufe mehr oder weniger plausibel zu erklären.
Der Mensch besitzt als einziger Primat und neben den wasserlebenden Walen, Robben und Seekühen als einziges Säugetier ein stark ausgeprägtes, wärmeisolierendes Unterhautfettgewebe (Speckschicht). Dies gab Hardy den ersten Anstoß zu seiner Hypothese. Diese besondere Form des Fettgewebes isoliert im Wasser den Körper besser als nasse Haare. Andere Wissenschaftler sehen jedoch diese Fettschicht – zusammen mit der Haarlosigkeit und den Schweißdrüsen – als Teil eines komplizierten thermoregulatorischen Systems an. Eine weitere Erklärung für dieses Phänomen besagt, dass die Speckschicht der Nahrungsreserve diene und insbesondere den erhöhten Energiebedarf des Gehirns bei Nahrungsmangel decke.
Besonders ausgeprägt ist der Unterschied im Anteil des Fettgewebes am Körpergewebe von menschlichen Säuglingen (vergleichsweise hoher Fettanteil) im Vergleich zu Menschenaffen-Säuglingen, die eher dünn sind. Nach der Wasseraffen-Hypothese schützte dies Säuglinge vor dem Auskühlen im Wasser, wenn sie mit ihren Müttern in das Wasser gingen. Zudem ist die durchschnittliche Dichte von menschlichen Säuglingen deutlich geringer als bei anderen Landsäugern, so dass sie mehr Auftrieb haben. Eine andere Erklärung sieht dieses Merkmal als Energiereserve.
Ein wesentliches Argument für die Hypothese ist das Vorhandensein eines Tauchreflexes beim Menschen. Der Tauchreflex verlangsamt den Herzschlag beim Tauchen und sorgt dafür, dass das Hirn vermehrt mit Blut versorgt wird. Speziell beim Menschen erfolgt der auslösende Reiz durch Benetzung der Gesichtshaut mit Wasser in der Nähe der Nase. Morgan betrachtet dies als eine Anpassung an die aquatische Lebensweise. Dagegen wird eingewendet, dass ein Tauchreflex bei vielen terrestrischen Säugetieren auftauche und wahrscheinlich ein ursprüngliches Merkmal der Säugetiere sei, auch derer, die mit Sicherheit keine aquatische Phase durchgemacht hätten. Immerhin fand dieses Argument im Valkenburg-Symposium insoweit Anerkennung, dass dieses Argument eindeutig für die Wasseraffen-Hypothese spreche und von anderen Hypothesen nicht erfasst werde.
Taucht man einen Säugling unter Wasser, dann wird er kein Wasser verschlucken. Säuglinge sind fähig, den Atem anzuhalten, und erlernen das Schwimmen schnell, dies wird u. a. in Baby-Schwimmkursen genutzt. Morgan sieht darin ebenfalls eine Anpassung an das Leben im Wasser. Eine andere Interpretation dieses Verhaltens ist, dass der Schutzmechanismus noch aktiv sei, der während der Schwangerschaft das Eindringen von Flüssigkeit in die Lungen des Ungeborenen verhindert. Säuglinge verlieren nämlich diese Fähigkeit etwa mit zehn Monaten.
Bei den meisten Menschen ist vor allem zwischen den Fingern, teilweise auch zwischen den Zehen eine flache Hautpartie ausgebildet, die als Rudiment von Schwimmhäute interpretiert werden kann. Schimpansen und andere Menschenaffen sollen dieses Merkmal nicht zeigen. Bei einigen Menschen kommt es zu einer fast vollständigen Ausbildung solcher „Schwimmhäute“ (Atavismus). Diese Hautbespannungen deutet Morgan auch als „Schwimmhäute“, die während der aquatischen Phase erworben wurden und möglicherweise wieder teilweise reduziert wurden. Langdon setzt dem entgegen, dass diese „Schwimmhäute“ bei Feten aller Primaten ganz ausgebildet sind und vor der Geburt reduziert werden. Beim Menschen sei die Reduzierung der „Schwimmhäute“ deswegen unvollständig, weil der Mensch an sich neoten sei, das heißt, dass typische Merkmale jugendlicher Stadien bis ins Erwachsenenalter beibehalten werden. Dieser Einwand erklärt allerdings nicht, worin der Selektionsvorteil der Neotenie bestehen soll, falls nicht ein Leben am und teilweise im Wasser angenommen wird.
Der aufrechte Gang und die Umstrukturierung des Beckens werden als weitere Belege für die Hypothese dargebracht. Wenn sich Menschenaffen gezwungen sehen, in das Wasser zu gehen, dann richten sie sich in der Regel auf und gehen auf den Hinterbeinen. Bei einem Übergang zu einer halb-aquatischen Lebensweise böten dann Mutationen des Beckens und der unteren Extremitäten Selektionsvorteile. Zugleich werden die Arme frei für Werkzeuggebrauch analog zum Verhalten der Seeotter, ein Vergleich, den bereits Hardy anführte. Andere Erklärungen für den aufrechten Gang gehen davon aus, dass Schimpansen bei Waffengebrauch (Stöcke, Wurfsteine) sich öfters aufrichten. Zunehmende kriegerische Gruppenauseinandersetzungen hätten dann zum aufrechten Gang geführt. Wieder andere Erklärungen führen zunehmende Jagd als veränderte Selektionsbedingung an. Nach der Savannen-Hypothese bot der aufrechte Gang mehr Übersicht im Grasland – analog zu Straußenvögeln. Gegner wenden zudem ein, dass es kein wasserlebendes zweibeiniges Säugetier gibt. Zweibeinige Säugetiere (wie Kängurus und zeitweise Primaten) verwenden den aufrechten Gang zur Fortbewegung, zur Nahrungsaufnahme und um die Umgebung zu erkunden. Dagegen wird wiederum eingewendet, dass zahlreiche semiaquatisch lebende Dinosaurier, zum Beispiel Edmontosaurus, sich zweibeinig fortbewegten. Zur Anatomie der Beine wird eingewendet, dass viele Schreitvögel Unterschenkel aufweisen, die länger als die Oberschenkel sind, beim Menschen sei dies nicht der Fall. Allerdings gilt dieses Gegenargument nur für die Knochen; die funktionelle Länge des Oberschenkels ist geringer als die des Unterschenkels, da ein Teil des Oberschenkels im Gesäß verborgen ist.
Die spärliche Behaarung des Menschen wird ebenfalls als Argument für die Wasseraffen-Hypothese angeführt. Tatsächlich besitzen die am besten an das Leben im Wasser angepassten Säugetiere, die Wale, praktisch keine Behaarung. Weitgehende Nacktheit ist bei Säugern zwar selten, aber durchaus bei verschiedenen Gruppen vorhanden. Neben den Walen sind auch Seekühe und Nilpferde größtenteils unbehaart, auch der in der Erde lebende Nacktmull besitzt, wie der Name schon sagt praktisch kein Fell. Aber auch weniger an ungewöhnliche Lebensräume angepasste Säuger wie das Erdferkel, der Hirscheber, der Elefant,das Nashorn oder das Warzenschwein sind nur äußerst spärlich behaart. Zudem sind die Menschenaffen zwar noch mit deutlich längerem und flächendeckenderem Haar bedeckt als Menschen, aber auch ihre Haare stehen nur äußerst weit auseinander, und sie besitzen auch kein Unterfell wie die meisten anderen Säuger, im Grunde genommen haben Menschenaffen lediglich eine im Verhältnis zum Menschen noch stark ausgeprägte Körperbehaarung. Außerdem sind auch bei Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans viele Körperregionen nur sehr schwach, oder sogar gar nicht behaart, der direkte Unterschied zum spärlich behaarten Menschen ist an sich relativ gering. Verfechter der Wasseraffen-Hypthese ziehen ins Feld, Haarlosigkeit biete im Wasser einen geringeren Strömungswiderstand als Fell. Zudem sei die Funktion des Felles für den Schutz gegen UV-Strahlen bei amphibischer Lebensweise weniger wichtig, außer am Kopf. Die Gegenargumentation weist darauf hin, dass Robben, Fischotter und Biber als ebenfalls an das Wasser angepasste Lebewesen sehr wohl ein Fell hätten und damit gut schwämmen. Auch die frühen Wale und Seekühe werden zweifelsfrei noch ein Fell gehabt haben. Es wird auch nicht darauf eingegangen, weshalb der Mensch ausgerechnet am Kopf derart ungewöhnlich langes Haar entwickelte, denn dieses wäre für einen tauchenden Hominiden äußerst störend und Sicht-behindernd gewesen. Zudem sei die Anzahl der Haare bei Menschenaffen geringer als bei Menschen. Dagegen wird wiederum eingewandt, dass insbesondere in der Savanne Nacktheit einen erheblichen Selektionsnachteil bedeutet hätte und dass es keine Säugetiere in der Savanne gibt, die ohne Fell auskommen, ohne jedoch zu bedenken, dass etwa Elefant, Spitzmaul-und Breitmaulnashorn, Warzenschwein und Erdferkel, alles Tiere mit extrem spärlicher Behaarung, die gleichen Lebensräume bewohnen wie die frühen Hominiden. Auch die teilweise heute noch unter sehr einfachen Bedingungen lebenden afrikanischen Buschmänner kommen problemlos ohne Fell oder Kleidung in der afrikansischen Savanne aus. Bereits Charles Darwin (Descent of Man, Kapitel 20) bemerkte: „The loss of hair is an inconvenience and probably an injury to man, even in a hot climate, for he is thus exposed to the scorching of the sun, and to sudden chills, especially during wet weather (...) No one supposes that the nakedness of the skin is any direct advantage to man; his body therefore cannot have been divested of hair through natural selection“. Darwin erklärte allerdings die Nacktheit als sekundäres Geschlechtsmerkmal, da in allen Teilen der Welt Frauen weniger behaart seien als Männer.
Ein weiteres Argument ist der reduzierte Geruchssinn des Menschen. Morgan zufolge sei der Geruchssinn verkümmert, da er im Wasser kaum eine Bedeutung habe. Zwar ist die Wahrnehmung von Gerüchen im Wasser sehr gut möglich, jedoch nur mit entsprechend angepassten Riechorganen, wie bei Haien und anderen Fischen. Der Geruchssinn der Primaten ist primär jedoch an der Übertragung von Duftstoffen über die Luft angepasst. Morgan schließt daraus, dass der Geruchssinn sich zurückgebildet habe, weil er im Wasser nicht mehr nützlich war. Als Gegenargument wird genannt, dass der hypothetisch aquatische Affe nahezu die ganze Zeit im Wasser gelebt haben müsse, damit eine Reduzierung des Geruchssinnes keinen Selektionsnachteil darstelle. Aufgrund der sehr unvollständigen Anpassung des aquatischen Affen an das Wasser ist dies jedoch unwahrscheinlich. Morgan berücksichtige zudem nicht, dass sämtliche Trockennasenaffen, eine Unterordnung der Primaten, zu der auch der Mensch zählt, einen schlecht entwickelten Geruchssinn besitzen, während stark ans Wasser gebundene Säuger wie Otter, Biber, Wasserspitzmäuse oder selbst Robben einen recht guten Geruchssinn besitzen.
Von einigen Vertretern wird auch auf die für Primaten außergewöhnlichen Leistungen im Schwimmen und Tauchen hingewiesen. So sind trainierte Menschen in der Lage, mehrere Kilometer weit zu schwimmen und ohne Atemgerät über 80 Meter tief zu tauchen. Auch die Tauchzeit ist mit rund einer Minute (bei Apnoe-Technik sogar mehreren Minuten) vergleichsweise hoch. Zudem sind Menschen mit bis zu 6 km/h Geschwindigkeit im Wasser weitaus schneller als andere primär landlebende Säuger. Die dem zugrunde liegenden anatomischen Besonderheiten des Bewegungsapparates (lange, vergleichsweise strömungsgünstige Körperform, hinten liegende Extremitäten mit höherem Wirkungsgrad, Nutzung der Arme für gerichteten Vortrieb) können allerdings auch als Präadaptation des heutigen Menschen gedeutet werden, die aus einem in anderem Kontext erworbenen aufrechten Gang resultiert. Auch die Nase liegt so, dass durch das Schwimmen weniger Wasser eindringen kann.
Als Lebensraum des Wasseraffen werden nicht nur Süßwasser-Biotope diskutiert, sondern auch die Meeresküste – etwa die afrikanischen Ostküste. Dabei ist unstrittig, dass Homo sapiens viele physiologische Merkmale fehlen, die für Meeres-Säuger obligatorisch sind. Wassermangel kann er zum Beispiel nicht durch Trinken von Meerwasser ausgleichen.
Als Beleg für eine marine Episode unserer Vorfahren wird jedoch die Salinität der menschlichen Tränenflüssigkeit gewertet. Mit einem durchschnittlichen Salzgehalt von 3,5% liegt diese im Bereich des Meerwassers. Diese Konzentration ist typisch für Meeres-Säuger. Terrestrische Säugetiere haben dagegen i.d.R. deutlich weniger Salze in ihrer Tränenflüssigkeit. (Ausnahme: der Elefant, für den allerdings eine Abstammung von marinen Vorfahren vorgeschlagen wird. en.wikipedia.org)
Als Hinweis auf marine Vorfahren wird auch der – im Vergleich zu anderen Säugern – „verschwenderisch“ hohe Salzgehalt von menschlichem Schweiß interpretiert. Er könnte zum Beispiel zur Ausscheidung überflüssiger, durch die Nahrung aufgenommener Salze gedient haben. Der vergleichsweise hohe menschliche Bedarf und Gehalt von Omega-3-Fettsäuren im Gewebe des Menschen weist ebenso in diese Richtung. Diese essentiellen Fettsäuren kommen in terrestrischen Nährstoffen nur in geringen Mengen vor – im Gegensatz zu Nahrungsketten, die auf marinen Algen aufbauen.
Ein – hypothetischer – Wasseraffe könnte also ein Strandbewohner gewesen sein, der sich seine Nahrung aus dem Meer beschaffte. Der Seeotter nutzt als Nahrungsquelle vor allem marine Krebse und Muscheln. Zum Aufbrechen dieser Schalentiere verwenden die Seeotter Steine als Werkzeuge. Die Wasseraffen-Hypothese benennt für die Entstehung des Menschen also ein Biotop, in dem der Gebrauch von Werkzeugen auch für eine andere Spezies einen unmittelbaren Selektionsvorteil darstellt. Allerdings wird nicht angenommen, dass die Anpassung an das aquatische Biotop bei den Prä-Hominiden so weit wie beim Seeotter ging. Vielmehr war nach der Wasseraffen-Hypothese die partielle Anpassung an den aquatischen Lebensraum zwar eine wesentliche Voraussetzung für die Eroberung terrestrischer Biotope. Sie blieb aber lediglich eine Episode in der Evolution des Homo sapiens.
Ein in der Frühzeit der Wasser-Affen-Hypothese genanntes Argument besagte, dass man so die frühere Fossilien-Lücke (Mitte des 20. Jahrhunderts waren nur Hominiden-Fossilien datiert, die jünger als ca. 1 Million Jahre waren) erklären könne. Am und im Wasser lebende Fossilien hätten nicht so erhalten bleiben können wie die damals bekannten Funde aus Höhlen. Inzwischen sind aus dem Zeitbereich von vor 5–1 Millionen Jahren zahlreiche Fossilien bekannt, so dass diese Argumentation keine Grundlage mehr hat. Andererseits stammen diese jüngeren Funde fast ausnahmslos aus Sedimenten, die im Wasser entstanden sind, so dass gewissermaßen eine implizite Vorhersage der Hypothese bestätigt wurde.
Der Londoner Anthropologe Algis Kuliukas unterzog in seiner Master-Arbeit 2001 die Wasseraffen-Hypothese einer Untersuchung vor dem Hintergrund aktueller Forschungsergebnisse zu Hominiden-Fossilien sowie der Verhaltensforschung. Dabei modifizierte und präzisierte er das Modell zu einem „Wat-Affen-Modell“ (wading ape) zur Erklärung der zweibeinigen Fortbewegung des Menschen. Zugleich führte er Kriterien der Überprüfbarkeit an: Falls das Wat-Affen-Modell zutrifft, so müssten rezente Menschenaffen ebenfalls waten, wenn sie angeregt werden, sich in das Wasser zu begeben. Falls sie sich dagegen vierfüßig in das Wasser begeben, so wäre das Modell widerlegt.
Tatsächlich zeigten dann neue Untersuchungen an Tiefland-Gorillas, die in sumpfigem Gelände leben, ein zweibeiniges Waten beim Eintritt in das Wasser. Literatur-Recherchen zeigten, dass dieses Verhalten auch bei Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos beobachtet wurde.
Darauf folgende Untersuchungen an Bonobos in einem Wildpark bei Brüssel zeigten, dass diese (dem Menschen genetisch am nächsten verwandten) Menschenaffen an Land lediglich zu 2 Prozent den aufrechten Gang benutzten. Sobald sie teilweise im Wasser waren, stieg die Rate auf 50 Prozent. Dabei benutzten sie ihrer Arme fast immer zum Halten der Balance. Bei Bonobos, die vollständig im Wasser waren, wurde zu 92 Prozent aufrechter Gang beobachtet, und zwar fast immer ohne Unterstützung durch die Arme.
Neuere Untersuchungen des Paläoklimas von Hominiden-Fundstätten zeigen, dass das Klima dort zur Lebenszeit der Hominiden eher feucht war. Nahezu alle Fundstätten früher Hominiden, die Skelettmerkmale aufrechten Ganges zeigen oder für die aufrechter Gang durch Fußabdrücke nachgewiesen ist, weisen aquatische Sedimente und ehemalige aquatische Biotope in engem örtlichem Zusammenhang auf (Flüsse, Seen). Dies gilt für
Jigokudani hotspring in Nagano Japan 001.jpg
Im Zusammenhang mit dem teilweise vehement ausgetragenen Streit um die Wasseraffen-Hypothese stellt sich die Frage, ob die postulierte Anpassung der menschlichen Vorfahren an das Wasser ein einmaliger Vorgang in der Gruppe der Primaten wäre.
Tatsächlich gibt es mindestens zwei Beispiele für einen unabhängig erfolgten sekundären Übergang von Affen an eine semi-amphibische Lebensweise:
Beiden Beispielen gemeinsam ist, dass diese Arten zwar weiterhin primär Landbewohner sind, aber sekundär zusätzlich den Lebensraum Wasser zumindest teilweise erschlossen haben. Grundsätzlich ist also der Bauplan von Primaten auch geeignet, um eine sekundär aquatische Lebensweise zu entwickeln.
Das Beispiel der Japanmakaken von Koshima zeigt, dass bei der Diskussion von Hominisationsmodellen nicht nur die klassischen Evolutionsmechanismen (Mutation / Selektion) zu berücksichtigen sind. Vielmehr können bereits bei Affen durch Entdecken, Lernen und Tradieren neue Verhaltensweise entstehen und – unabhängig von der Vererbung – über Generationen weitergegeben werden (Meme). Solche neuen Verhaltensweisen können – wie die Japanmakaken zeigen – zu veränderten Lebensbedingungen – einschließlich einer Habitatveränderung und einer Änderung der ökologischen Nische führen und damit auf die Evolutionsvorgänge zurückwirken.
Dies kann erstaunlich rasch geschehen, im Fall der Japanmakaken innerhalb von kaum 50 Jahren. Es müssen also nicht zwingend externe ökologische Faktoren (Klimaänderungen, geologische Änderungen etc.) eingewirkt haben, vielmehr könnten neue Nahrungsvorlieben und Verhaltensweisen entstanden sein, die dann die Lebensweise und den Lebensraum der Vorfahren des Menschen änderten. Damit wären sekundär andere Umwelt- und damit Selektionsbedingungen geschaffen, die nun die Durchsetzung genetisch bedingter Anpassungen begünstigen würden.
Aquatic ape hypothesis | Hipótesis del simio acuático | Théorie du primate aquatique | Vízimajom-elmélet | 水生類人猿説 | Wateraap | Teória vodnej opice
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