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Als Warschauer Aufstand bezeichnet man die militärische Erhebung durch die Polnische Heimatarmee (Armia Krajowa oder AK) gegen die deutschen Besatzungstruppen im besetzten Warschau am 1. August 1944. Er stellte die größte einzelne bewaffnete Erhebung im besetzten Europa während des Zweiten Weltkrieges dar. Dieser Aufstand sollte nicht mit dem vorausgegangenen Aufstand im Warschauer Ghetto des Jahres 1943 verwechselt werden.

Verlauf


Das militärische Ziel des Aufstandes war die Befreiung der Stadt von den deutschen Besatzern. Politisch wollte die Führung der AK, die größte und bedeutendste polnische Widerstandsorganistion im Zweiten Weltkrieg, die wiederum der polnischen Exilregierung in London unterstand, die polnische Hauptstadt aus eigener Kraft befreien, um sie noch vor Eintreffen der Roten Armee selbst zu kontrollieren. So sollte einer befürchteten späteren sowjetischen Dominanz vorgebeugt werden. Aus diesem Grund wurde die Rote Armee weder über den Beginn des Aufstandes informiert noch um Hilfe gebeten.

Geplant war, handstreichartig möglichst große Teile der Stadt unter Kontrolle zu bringen und sie drei bis vier Tage zu halten. Anschließend wollte man als Vertreter der einzig legitimen polnischen Regierung (London. In Abgrenzung zum von der sowjetischen Regierung unterstützen Lubliner Komitee (später: provisorische Regierung) ) die Rote Armee in der Hauptstadt empfangen.

Die Führung des Aufstandes lag in den Händen von General Tadeusz Komorowski (Pseudonym 'Bór'), dem Oberkommandierenden der gesamten AK. Er traf die grundsätzlichen Entscheidungen wie über den Beginn des Aufstandes und die Kapitulation. Daneben war operativer Führer Oberst Antoni Chruściel (Pseudonym 'Monter'), der Kommandeur des AK-Bereichs Warschau.

Die Deutschen Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten, die zur Niederschlagung des Aufstandes eingesetzt wurden, standen unter dem Befehl von SS-Obergruppenführer (General) Erich von dem Bach-Zelewski. Sie verübten während des Aufstandes und nach seiner Niederschlagung zahlreiche Massenmorde, nicht nur an den Aufständischen, sondern vor allem auch an der Warschauer Zivilbevölkerung. Bereits während der Kämpfe, vor allem aber nach der Kapitulation, wurde die Bausubstanz der Stadt systematisch mit Hilfe von Sprengladungen und Flammenwerfern von den Deutschen zerstört und die Zivilbevölkerung aus dem ganzen Stadtgebiet vertrieben und teilweise in Arbeits- und Konzentrationslager deportiert.

Die ersten Einheiten der Roten Armee befanden sich vor Beginn des Austandes am Weichselufer, während der Großteil der Armee nach großen Landgewinnen während der Operation Bagration noch im Nachziehen war. Die sowjetische Armee griff während des 64 Tage dauernden Aufstandes nicht in das Kampfgeschehen ein. Westalliierten Luftwaffeneinheiten, die mit Nachschub und Waffen die Aufständischen unterstützen sollten, verweigerte die sowjetische Führung die benötigte Landeerlaubnis auf ihren eigenen Flugplätzen.

Die Stärke der AK belief sich unmittelbar vor Ausbruch des Aufstandes auf ca. 50.000 Mann im Raum Warschau. Nur ein sehr kleiner Teil davon war bewaffnet. Hinzu kamen noch die Kämpfer anderer Widerstandsorganistionen wie der Armia Ludowa (dt.: Volksarmee, Abk. AL), des militärischen Armes der polnischen KP, die sich bald nach Ausbruch des Aufstandes den Kämpfenden anschlossen, und einige Überlebende des Aufstandes im Warschauer Ghetto von 1943. Zusammen umfaßten diese kleineren Organisationen noch einmal ca. 2.500 Mann, die ebenfalls schlecht bewaffnet waren. Die deutsche Garnison verfügte zur selben Zeit über etwa 20.000 Mann, allesamt schwer bewaffnet. Die Deutschen führten schnell große Verstärkungen heran, wobei massiv Artillerie, Panzer und Kampfflugzeuge zum Einsatz kamen. Mitte September waren auf deutscher Seite bereits 50.000 Mann im Einsatz.

Am 2. Oktober 1944, 64 Tage nach Ausbruch des Aufstandes, kapitulierte das Oberkommando der AK vor den Deutschen.

Die Rote Armee, welche Anfang/Mitte September erst die rechte Weichselseite Warschaus besetzen konnte, unternahm keine Aktionen zur Unterstützung der Aufständischen. Die Ursachen dafür sind unter Historikern umstritten. Es werden die Thesen vertreten, dass

  • ein Eingreifen militärtechnisch nicht möglich gewesen sei,
  • ein Eingreifen militärstrategisch aus sowjetischer Sicht nicht sinnvoll gewesen sei,
  • es seitens der sowjetischen Führung wünschenswert war, große Teile der gegenüber Moskau kritisch eingestellten polnischen Intelligenz durch deutsche Einheiten im Vorfeld des russischen Einmarsches in Warschau liquidieren respektive deportieren zu lassen, um problemloser eine Moskau freundliche Regierung installieren zu können.

Zu bedenken ist allerdings auch, daß der Roten Armee die Einnahme der Stadt erst Monate nach der Niederschlagung der Aufstandsbewegung gelang. Insofern erscheint auch die reine 'Abwarten'-These etwas zweifelhaft.

Verluste


(Alle Zahlen ungefähre Angaben)

Polnische Kräfte:

  • 10.000 Tote
  • 7.000 Vermisste
  • 25.000 Verwundete
  • 16.000 Gefangene

Deutsche Wehrmacht, einschl. Polizei und SS:

  • 10.000 Tote
  • 6.000 Vermisste
  • 9.000 Verwundete
  • 300 zerstörte Panzer, Panzerwagen und Sturmgeschütze.

Insgesamt kamen zwischen 170.000 und 250.000 Zivilisten während und unmittelbar nach dem Aufstand ums Leben (allein im Stadtteil Wola wurden 40.000 Zivilisten erschossen). Ca. 85 % der städtischen Bausubstanz Warschaus wurden durch die Kämpfe und die anschließende systematische Zerstörung vernichtet. Hinzu kommen die Zerstörungen aus dem Jahr 1939, entstanden bei deutschen Luftangriffen und den Bodenkämpfen um Warschau. Als sowjetische und polnische Truppen im Januar 1945 Warschau besetzten, fanden sie eine völlig zerstörte und menschenleere Geisterstadt vor.

Literatur


Film


Bekannt sind heute zwei verfilmte Dramatisierungen:
  • Andrzej Wajda: Der Kanal (1956. Der Film wirkt dokumentarisch, hat aber gar nicht diesen Anspruch und beschreibt, ausgehend von autobiographischen Aufzeichnungen eines Überlebenden (Jerzy Stefan Stawiński), das Schicksal einer Widerstandgruppe, die sich in die Kanalisation unter Warschau zurückziehen muss)
  • Roman Polański: Der Pianist (2002. Nach dem Drama von Władysław Szpilman. Der mit 3 Oscars ausgezeichneter Film behandelt auch den Aufstand im Warschauer Ghetto und den Warschauer Aufstand)

Siehe auch


Weblinks


Zweiter Weltkrieg (Operation) | Polnische Militärgeschichte | Aufstand | 1944 | Warschau

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