Warner Oland, eigentlich Johan Verner Ölund (* 3. Oktober 1879 in Nyby, Västerbottens län, Schweden; † 6. August 1938 in Stockholm, Schweden), war ein schwedisch-amerikanischer Schauspieler.
In den USA erlangte er große Bedeutung als Charlie-Chan-Darsteller.
Da ihm die Verkörperung finsterer Charaktere durch seine klassische Ausbildung leicht fiel, war Warner Oland bald ein gefragter Darsteller für Schurken und Ausländer. Ungeachtet seiner skandinavischen Herkunft wurden Olands markante Gesichtszüge, die er öffentlich auf die russische Abstammung seiner Mutter zurückführte und die mit Schminke leicht noch betont werden konnten, in den USA als typisch ostasiatisch wahrgenommen, und in der Mehrzahl seiner nun folgenden Filme wurde er als Fernöstler bzw. als fernöstlicher Schurke eingesetzt. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war in den USA ein scharfer antichinesischer und antijapanischer Rassismus verbreitet, der sich innenpolitisch in diskriminierenden Gesetzen und im Film durch die Verbreitung von Klischees niederschlug, die das Image dieser Minderheiten weiter beschädigten. Filme, in denen Fernöstler nicht als Perverse, Kriminelle oder Prostituierte dargestellt wurden, blieben in Hollywood bis in die 1950er Jahre seltene Ausnahmen. Obwohl bereits seit der Stummfilmzeit hoch talentierte Schauspieler asiatischer Herkunft zur Verfügung standen, dauerte es noch länger, bis Asiatenrollen – besonders Hauptrollen und andere attraktive Rollen – nicht mehr mit zurechtgeschminkten weißen Schauspielern besetzt wurden.
Seine Karriere als Asiatendarsteller begann Warner Oland 1917 in den Film „Patria“, in dem er neben Irene Castle und Milton Sills einen verbrecherischen japanischen Baron spielte. Nach Auftritten als Inder („The Naulahka“, 1918) und Russe („The Mysterious Client“, „The Yellow Ticket“, 1918) erschien er 1919 in dem Film „The Lightning Raider“ erstmals als Chinese. Die Hauptrollen in diesem Actionfilm um einen Kunstdiebstahl spielten Pearl White und Boris Karloff. Weitere Filme, in denen Oland teils als Weißer, teils als Fernöstler erschien, folgten, darunter der Kriminalfilm „East is West“ (1922), einer Regiearbeit von Sidney Franklin, der 1937 den bedeutenden – unter chinesischen Bauern spielenden – MGM-Film „Die gute Erde“ inszenieren sollte. 1923 erschien Oland mit einer kleinen Rolle in „The Children’s Children“ von Sam Wood, dem hochbegabten jungen Regisseur, der 1939 ungenannt neben Victor Fleming Regie in der Selznick-Produktion „Vom Winde verweht“ führte. 1926 trat Oland in Alan Croslands Abenteuerfilm „Don Juan“ neben John Barrymore in der Rolle des Cesare Borgia auf. Olands erste Tonfilmrolle war die des André Lescaut in Alan Croslands „Manon Lescaut“-Film „When a Man Loves“ (1927), in dem Dolores Costello die Manon spielte und John Barrymore ihren Liebhaber Des Grieux. Gleich danach stand Oland für Michael Curtiz vor der Kamera; Curtiz setzte ihn von da an häufiger ein („A Million Bid“, 1927; „Good Time Charlie“, 1927; „Mandalay“, 1934).
Der bekannteste Film, in dem Warner Oland auftrat, war Alan Croslands Tonfilm „Der Jazzsänger“ (1927). Oland spielt in diesem frühen, im Vitaphone-Verfahren aufgenommenen Musikfilm neben Al Jolson einen jüdischen Kantor, dessen Sohn von einer Karriere als Jazzsänger träumt. Nach verschiedenen weiteren Rollen wurde Oland 1929 für die Titelrolle des Thrillers „The Mysterious Dr. Fu Manchu“ engagiert. Weitere Auftritte als Dr. Fu Manchu schlossen sich an („The Return of Dr. Fu Manchu“, 1930; „Daughter of the Dragon“, 1931, mit Anna May Wong). 1931 stand Oland in Josef von Sternbergs Kriegsfilm „Dishonored“ erstmals gemeinsam mit Marlene Dietrich vor der Kamera; 1932 folgte „Shanghai Express“. 1935 spielte er in Stuart Walkers Gruselfilm „Werewolf of London“ einen der ersten Werwölfe der Filmgeschichte.
Bereits 1931 war Warner Oland erstmals in der Rolle erschienen, mit der er am weitesten bekannt wurde: als der gerissene, Aphorismen ausstreuende chinesisch-hawaiianische Detektiv Charlie Chan. „Charlie Chan Carries On“ war der erste aus einer Serie von zahlreichen Charlie Chan-Filmen, die die Fox Film Corporation bzw. Twentieth Century Fox von 1931 bis 1941 produzierte und deren Titelrolle bis zu dessen Tode immer mit Oland besetzt wurde. Oland nahm dafür chinesischen Sprachunterricht und bereiste zu Studienzwecken China (1935). Daneben trat er in verschiedenen weiteren Filmen auf, z. B. in dem MGM-Film „The Painted Veil“ (1934), in dem er neben Greta Garbo einen chinesischen General spielt, der sich in Zeiten der Cholera den lebensrettenden Maßnahmen der weißen Kolonialherren widersetzt.
Warner Oland, der an Alkoholismus litt und starker Raucher war, starb 58-jährig während einer Reise in sein Geburtsland Schweden an einer Lungenentzündung, die durch ein Lungenemphysem erschwert wurde. Sein Nachfolger in der Rolle des Charlie Chan wurde Sidney Toler.
Oland war seit 1907 mit der Bühnenautorin und Portraitmalerin Edith Gardener Shearn verheiratet, die ihm zuliebe die schwedische Sprache erlernte und die ihn bei der Übersetzung von Werken Strindbergs unterstützte, die sie 1912 gemeinsam veröffentlichten. Wegen seines Alkoholismus verließ sie ihn im August 1937. Bis dahin hatte das Ehepaar gemeinsam einen historischen Bauernhof bei Southborough, Massachusetts bewirtschaftet. Olands Asche wurde nach seinem Tod auf den örtlichen Friedhof überführt.
Schauspieler | Filmschauspieler | Schwede | US-Amerikaner | Mann | Geboren 1879 | Gestorben 1938
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