| Wissenschaftlicher Name
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| Heteroptera
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Die Wanzen (Heteroptera) sind Insekten und gehören zur Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera).
Von den weltweit etwa 40.000 bekannten Arten leben in Europa zirka 1000. Die Ordnung der Heteroptera verfügt über eine sehr hohe Formenvielfalt. Wanzen sind auch hinsichtlich ihrer Lebensweisen und Lebensräume sehr vielgestaltig. So gibt es Pflanzensauger, eine Reihe von räuberisch lebenden Arten aber auch Ektoparasiten. Sie finden sich in den verschiedensten Biotopen wie Wiesen, Waldränder und Wald bis hin zu menschlichen Wohnungen.
Verbreitung und Lebensraum
Wanzen sind weltweit verbreitet. Es gibt kaum Lebensräume, in denen keine Wanzen existieren. Die einzelnen Arten können unterschiedlich stark ausgeprägte Standortsansprüche aufweisen. Allgemein sind die meisten Wanzenarten wärme- und trockenheitsliebend
xerothermophile. Einige Arten bevorzugen feuchtere Standorte (
hygrophil), andere leben in Mooren (
tyrphophil), in Sandlebensräumen (
psammophil) oder in Salzlebensräumen (
halophil). Es gibt außerdem aquatische Arten, die im Wasser leben sowie
epineustischen Arten, welche auf der Wasseroberfläche existieren. Einige Arten aus der Familie
Meerwasserläufer Halobatinae, Gattung Halobates, leben als einzige Insekten sogar permanent auf dem offenen Ozean.
Anatomie der Wanzen
Wanzen bestehen wie alle Insekten aus drei Körperabschnitten, die ihrerseits aus drei oder mehr einzelnen
Segmentabschnitten zusammengesetzt sind: Kopf (
Caput), Brust (
Thorax) und Hinterleib (
Abdomen).
Kopf
Pyrrhocoris apterus1.jpg (
Pyrrhocoris apterus)]]
Alle zu den Wanzen gehörenden Gruppen sind durch einen Saugrüssel gekennzeichnet.
Dieser ist nicht wie bei den
Zikaden (Auchenorrhyncha) und
Pflanzenläusen (Sternorrhyncha) in den Kehl- beziehungsweise Brustbereich verlagert, sondern sitzt direkt am Kopfbereich an.
Am Kopf befinden sich meist viergliedrige Fühler oder
Antennen. Bei einigen Arten wie beispielsweise den
Bodenwanzen (Lygaeidae) und den
Erdwanzen (Cydnidae) sind zwischen den Fühlergliedern oft verlängerte Zwischenstücke vorhanden, welche echte Glieder vortäuschen. Im Bereich des Scheitels zwischen den
Komplexaugen liegen Einzelaugen (
Ocellen), die bei manchen Familien fehlen können. In der Mitte vor den Komplexaugen und der Stirn befindet sich die Stirnschwiele (
Clypeus). Sie wird beiderseits von den Wangen (
Paraclypei) flankiert. An der Kopfunterseite befinden sich die oft eine Längsrinne bildenden Wangenplatten (
Bucculae), in welcher der Ansatz der Mundwerkzeuge, die einen Rüssel (
Rostrum) bilden, liegt. Die stechend-saugenden
Mundwerkzeuge bestehen aus einer drei- oder viergliedrigen Röhre (
Labium, Unterlippe), die auf der Oberseite über eine schmale Längsrinne verfügt. Diese wird am Ansatz außen von der Oberlippe (
Labrum) abgedeckt. Beiderseits inserieren Stechborsten (
Mandibeln), welche an ihrer Spitze scharfe Zähnchen besitzen und mit deren Hilfe winzige Löcher in Pflanzen oder Beutetiere gebohrt werden. Die Mandibeln umgeben die
Maxillen, die wiederum zwei Kanäle, einen Nahrungskanal und einen Speichelkanal umgeben.
Brust
Streifenwanze2.jpg (
Graphosoma lineatum)]]
Der Brustabschnitt (Thorax) ist in drei Segmente geteilt: Prothorax, Meso- und Metathorax. Jedes dieser Segmente trägt ein Beinpaar. Der Rückenteil des Prothorax wird als
Halschild (Pronotum) bezeichnet. Der Rückenteil des Mesothorax heißt Schildchen (
Scutellum). Beide Elemente sind bei den verschiedenen Wanzenfamilien vielfach sehr unterschiedlich gestaltet. Das Schildchen kann bei einigen Arten, zum Beispiel bei den
Schildwanzen, die Flügel bis zur Hinterleibsspitze überragen. Die entsprechenden Brustabschnitte auf der Bauchseite werden als Pro-, Meta- und Metasternum bezeichnet; die seitlichen jeweils Pro-, Meso- und Metapleuren. Die Metapleuren tragen die Öffnungen der charakteristischen Duftdrüsen der Wanzen sowie ein Paar Atemöffnungen (
Stigmen). Meso- und Metathorax sind die flügeltragenden Elemente. Die
Vorderflügel sind teilweise, etwa bis zu Zweidrittel, verhärtet (
sklerotisiert) und bestehen aus einem harten vorderen Bereich (
Corium) sowie einer häutigen hinteren
Membran. Man spricht in diesem Fall von Halbdecken (
Hemielytren). An der Innenseite des Coriums befindet sich ein Areal, welches als
Clavus bezeichnet wird. Die Hinterflügel sind immer vollständig häutig, können aber auch fehlen. Die Beine folgen in ihrem Aufbau dem Schema der
Insektenextremitäten. Sie bestehen aus der Hüfte (
Coxa), dem Schenkelring (
Trochanter), Schenkel (
Femur), Schiene (
Tibia) und Fuß (
Tarsus). Der Fuß verfügt über Krallen, Haftlappen und Haaren an der Spitze. In Anpassung an ihre spezifischen Lebensweisen können die Beine zu Lauf-, Sprung-, Fang- oder Schwimmbeinen umgestaltet sein.
Hinterleib
Rotbeinige_Baumwanze_(Pentatoma_rufipes)_1.jpg (
Pentatoma rufipes)]]
Der Hinterleib der Wanzen besteht aus elf Segmenten sowie dem nichtsegmentalen Endabschnitt des
Pygidiums. Die Segmente sind mehr oder weniger stark abgeflacht. Sie bilden rückenseitig (
dorsal) das
Tergum beziehungsweise die einzelnen
Tergite, bauchseitig (
ventral) das
Sternum oder die einzelen
Sternite. Die festen Tergite und Sternite sind über dehnbare Intersegmentalhäutchen miteinander verbunden. Die seitlichen Anteile der Segmente, das
Connexivum, können sehr in die Breite. Deren Ausbildung und Farbmuster sind vielfach bestimmungsrelevant. Bei den Männchen ist das neunte Segment Träger der Geschlechtsorgane, welche sich bei den Weibchen auf das achte und neunte Segment verteilen. In bestimmten Segmenten liegen die Atemöffnungen (Stigmen). In der Regel sind acht Paare in den vorderen Hinterleibssegmenten ausgebildet. Bei landlebenden Wanzen sind die Atemöffnungen mit einer Verschlussapparat mit eigener Muskulatur versehen.
Lebensweise der Wanzen
Ernährung
Wanzen sind hauptsächlich Pflanzensauger, es gibt jedoch auch eine Reihe von räuberisch lebenden Arten oder auch
Ektoparasiten, die wie die
Bettwanze (
Cimex lectularius) Blut saugen.
Fortpflanzung und Entwicklung
Elasmucha grisea 20050608 916 part.jpg betreibt Brutpflege]]
Die einzelnen Wanzenarten paaren sich in unterschiedlicher Weise. Die ausgefallenste ist jene der Bettwanzen, wobei das Männchen das Weibchen ohne Werbeverhalten überfällt und sofort begattet.
Sichelwanzen sitzen stundelang auf den Weibchen und umklammern es mit den Beinen. In antagonistischer Stellung paaren sich viele
Baumwanzen (Pentatomidae),
Feuerwanzen (Pyrrhocoridae),
Randwanzen (Coreidae) und
Stelzenwanzen (Berytidae).
Netzwanzen (Tingidae) sitzen rechtwinklig zueinander. Bei den
Rindenwanzen sitzt das Männchen unter den Weibchen.
Die Weibchen etlicher Wanzenarten verfügen über einen gut ausgebildeten Legebohrer (Ovipositor). Damit werden die Eier in die Erde oder in Pflanzenteile eigebohrt. Viele Arten besitzen dagegen nur einen stark zurückgebildetetn Legeapparat. Diese Arten verscharren die Eier in geeignetem Substrat oder kleben sie in Gruppen von meist 20 bis 30 Eiern an beispielsweise Pflanzenteile an. Die Weibchen der mediterranen Randwanze Phyllomorpha laciniata kleben ihre Eier oft auf die Flügel der Männchen. Die Weibchen mancher Arten fügen den Eipaketen spezielle Ballen zu, in denen sich symbiontische Bakterien befinden. Die frisch geschlüpften Larven zum Beispiel der Kugelwanze Coptosoma scutellarum, saugen diese auf. Sie werden in einem besonderen Mitteldarmabschnitt gespeichert. Etliche Arten der Wanzen betreiben Brutpflege, wie beispielsweise die Stachelwanze Elasmucha grisea. Die Eier werden von den Muttertieren bis zum Schlüpfen der Jungen und auch noch einige Zeit danach bewacht und zeitweise mit dem Körper bedeckt. Bei der tropischen Raubwanze Triatoma flavida besaugen die Jungtiere das Muttertier. Bei Gefahr wenden die Larven dem Angreifer ihren Hinterliebsrücken mit den Duftdrüsen entgegen.
Wanzen machen bei der Entwicklung vom Embryo zum erwachsenen Tier (Imago) meist fünf durch Häutungen getrennte Larvenstadien ohne Puppenstadium durch. Damit sind Wanzen hemimetabol. Dabei werden die Larven dem ausgewachsenen Tier schrittweise immer ähnlicher.
Systematik der Wanzen
Stenodema laevigatum (aka).jpg)]]
Die Systematik der Wanzen ist noch nicht abgeschlossen. Früher teilte man die Wanzen nach ihrer Lebensweise in die Gruppen Hydrocorisae (Wasserwanzen), Amphibiocorisae (Wasserläufer) und Geocorisae (Landwanzen). Inzwischen unterscheidet man 23 Unterfamilien in 6 Teilordnungen (siehe
Systematik der Wanzen).
Bedeutung
Vor allem unter den
Raubwanzen (Reduviidae) gibt es Überträger verschiedener Krankheiten, wie beispielsweise die
Chagas-Krankheit, die unter anderem von
Rhodnius-Arten übertragen wird. Zur Schadwirkung einiger Arten beim Menschen und ihrer Funktion als Krankheitsüberträger siehe
Triatominae.
Wenige der vielen Hundert Wanzen können bei Massenauftreten Schäden an Kulturpflanzen anrichten. Die Bekanntesten sind beispielsweise der Spitzling (Aelia acuminata) an Getreide, die Beerenwanze (Dolycoris baccarum) an Beerenobst oder die Kohlwanze (Eurydema oleraceum) an Kohl.
Referenzen
- Ekkehard Wachmann: Wanzen beobachten - kennenlernen. J. Neumann - Neudamm, Melsungen 1989, ISBN 3-7888-0554-4
Weiterführende Literatur
- Erwin Stresemann, Hans-Joachim Hannemann, Bernhhardt Klausnitzer, Konrad Senglaub: Exkursionsfauna von Deutschland, 3 Bde., Bd 2, Wirbellose, Insekten, Gustav Fischer Verlag, 1999, ISBN 3-827-40922-5
- Ekkehard Wachmann, Albert Melber, Jürgen Deckert: Wanzen Band 2 : Cimicomorpha: Microphysidae (Flechtenwanzen), Miridae (Weichwanzen). Goecke & Evers, Keltern, 2004, ISBN 3-931-37457-2
- Martin Mahner: Systema Cryptoceratorum Phylogeneticum (Insecta, Heteroptera). Stuttgart: E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Zoologica Heft 143. ISBN 3-510-55029-3
- N.M. Andersen: The semiaquatic bugs (Hemiptera, Gerromorpha). Phylogeny, adaptations, biogeography and classification. (Entomonograph, vol 3). Scandinavian Science Press, Klampenborg 1982.
- R.T. Schuh, J.A. Slater: True bugs of the world (Hemiptera: Heteroptera). Classification and natural history. Cornell University Press, Ithaca 1995.
Weblinks
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