article

Wandertaube
Passenger_Pigeon_Audubon.jpg
: Vögel (Aves)
: Neukiefervögel (Neognathae)
: Taubenvögel (Columbiformes)
: Tauben (Columbidae)
: Wandertauben (Ectopistes)
: Wandertaube
Wissenschaftlicher Name Ectopistes migratorius Linnaeus 1766 Die Wandertaube (Ectopistes migratorius) (engl. Passenger Pigeon) ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae), die im 19. Jahrhundert vom Menschen ausgerottet wurde. Der letzte wildlebende Vogel wurde am 24. März 1900 abgeschossen. Sein ausgestopftes Exemplar wird heute in einem Museum in Columbia aufgewahrt.

Aussehen


Die Wandertauben hatten eine rostrote Brust, einen weißen Bauch und einen blaugrauen Kopf und Rücken. Die Augen waren rot gefärbt; der Schnabel war schwarz.

Ehemalige Verbreitung und Häufigkeit


Wandertauben lebten in der östlichen Hälfte Nordamerikas. Sie überwinterten in den südlichen Teilen der USA, nördlich vom Golf von Mexiko. Ihre Brutgebiete nahmen den größten Teil von Kanada und der USA östlich der Rocky Mountains ein. Sie waren sehr gesellige Vögel. Sie lebten in Kolonien, die sich über mehrere hundert Quadratkilometer erstreckten, mit bis zu hundert Nestern in einem einzigen Baum.

Schlafplätze der Wandertauben waren dadurch gekennzeichnet, dass sie mit mehreren Zentimetern von Vogelkot bedeckt waren. Äste selbst großer Bäume brachen unter der Last der Zahl der dort eingefallenen Vögel ab.

Die Wandertaube war möglicherweise einmal die Vogelart mit der größten Individuenzahl weltweit. Man schätzte ihren Bestand auf 3-5 Milliarden Tiere. Sie bildeten zum Teil riesige Schwärme. Es gibt einige Berichte von Schwärmen, die mehr als 100 Millionen Vögel umfasst haben sollen, ein Schwarm soll eine Länge von 360 Kilometern gehabt haben.

Das Aussterben


Die Wandertaube wurde in großen Stückzahlen gejagt und gegessen. So verkaufte ein Händler an einem einzigen Tag im Jahr 1855 18.000 Tauben. Der Vogelmaler John James Audubon hat das rigorose Abschlachten beschrieben:

An den Ufern des Ohio wimmelte es von Männern und Jungen, die ununterbrochen auf die beim Überqueren des Flusses niedriger fliegenden Pilger schossen. Zahlreiche wurden auf diese Weise vernichtet. Über eine Woche oder länger aß die Bevölkerung kein anderes Fleisch als das der Tauben. Während dieser Zeit war die Atmosphäre regelrecht durchtränkt von dem eigentümlichen Geruch, den diese Spezie ausströmt.
....Vor Sonnenuntergang waren wenige Tauben zu sehen, aber eine Menge Menschen mit Pferden und Wagen, Gewehren und Munition hatten bereits an den Waldrändern ihre Lager aufgeschlagen. Zwei Farmer aus der Umgebung des über hundert Meilen entfernten Russellsville hatten über dreihundert Schweine hergetrieben, um sie mit den zu schlachtenden Tauben zu mästen. Hier und da sah man Leute inmitten großen Haufen bereits erlegter Tauben beim Rupfen und Einsalzen. (zit. n. Albus, S. 12 f)

Besonders begehrt war das zarte und sehr fette Fleisch der Nestlinge. Bereits die nordamerikanischen Indianer hatten das Taubenfett als Butter- und Speckersatz genutzt. Die Jagd auf die Vögel professionalisierte sich mit dem technischen Fortschritt. Nachrichten über Nistplätze der Vögel wurde über Telegraphen weitergegeben und eine Vielzahl unterschiedlicher Jagdmethoden verwendet. Häufig fällte man die Bäume, in denen sich Hunderte von Nestern mit Jungen befanden. Abtransportiert wurden die erjagten Vögel mit der Eisenbahn. Ab 1880 brach die Population der Wandertauben zusammen.

Die Wandertaube legte immer nur ein Ei, sodass sich der Bestand nur sehr langsam wieder hätte erholen können. Die Wandertaube war eine sozial brütende Art; die Anwesenheit von Artgenossen wirkte stimulierend auf das Brutgeschäft. So sank der drastisch verkleinerte Bestand zusätzlich, weil die Einzelpaare nicht mehr in Brutstimmung kamen.

Fast alle Tiere des letzten verbliebenen Schwarms, der etwa eine Viertelmillion Individuen zählte, wurden an einem einzigen Tag im Jahr 1896 von Sonntagsjägern erlegt, denen bewusst war, dass sie den letzten wildlebenden Schwarm beschossen. Versuche, die Tauben in Gefangenschaft zu züchten, hatten keinen Erfolg. Die letzte bekannte Wandertaube, die man auf den Namen Martha getauft hatte, starb im Zoo von Cincinnati am 1. September 1914 im Alter von 29 Jahren. Ihr ausgestopfter Balg wird im Smithsonian Institution aufbewahrt.

Literatur


  • Anita Albus: Von seltenen Vögeln, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-000620-8
Siehe auch: Ausgestorbene Vögel

Weblinks


Taubenvögel | Ausgestorbener Vogel

Holub stěhovavý | Passenger Pigeon | Ectopistes migratorius | Pigeon migrateur | יונה נודדת | リョコウバト | Trekduif | Vandredue | Gołąb wędrowny | Pombo passageiro | 旅鴿

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Wandertaube".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld