Wanderer.png Wandern ist eine Form des Gehens, eine Sportart oder Freizeitbeschäftigung, die in der Natur ausgeübt wird. Alta_via_meranese_2005-05.JPG Man unterscheidet dabei zwischen "zweckfreiem" und "zweckgebundenem" Wandern. Zweckfreies Wandern dient dem Selbstzweck, der Erbauung oder Ertüchtigung, während zweckgebundenes Wandern früher zumeist speziellere Gründe hatte wie Forschung, Arbeitssuche, Walz, Flucht oder Handel.
Eine Fernwanderung, auch Weitwanderung, Trail oder Trekking genannt, führt über größere Strecken. Beliebte europäische Fernwanderwege sind z. B. der Jakobsweg in Spanien, der Jurahöhenweg in der Schweiz, der Rennsteig im Thüringer Wald, der Harzer Hexenstieg im Nationalpark Harz, die Europäischen Fernwanderwege oder die Walserwege, in Polen der Karpatenweg.
Wandern ist besonders in den Ländern, die an die Alpen grenzen, sehr beliebt. Verschiedene Routen führen längs und quer über die Alpen, z. B. die Via Alpina, in der Schweiz die Alpenpassroute, der Trans Swiss Trail 1 von Norden nach Süden, der Trans Swiss Trail 2 von Osten nach Westen oder der Kulturweg der Alpen.
Als erster historisch dokumentierter "zweckfreier" Wanderer gilt der Italiener Francesco Petrarca, der 1336 mit seinem Bruder den Mont Ventoux (1.900m) bestieg. Über viele Jahrhunderte nach ihm sind nur wenige weitere Wanderungen dieser Art dokumentiert. Erst mit der Aufklärung, namentlich mit Albrecht von Hallers Gedicht Die Alpen (1729) und Jean-Jacques Rousseaus Julie ou la Nouvelle Héloïse (1761), kam beim Bildungsbürgertum eine neue Naturbegeisterung auf.
Die neue Art der Fortbewegung, das Wandern, wurde zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums vom Adel. Aufrecht im Gang blickte man nun in die Welt und beobachtete Volk und Natur ungetrübt von Kutschenfenstern. Unzählige aufklärerische Wanderer erkundeten im dritten Drittel des 18. Jahrhunderts Europa zu Fuß und schrieben ihre Erkenntnisse möglichst objektiv nieder. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den sozialen und politischen Gegebenheiten der druchwanderten Gebiete. Als schillernstes Beispiel gilt oftmals der Leipziger Johann Gottfried Seume, der 1801 zu einer Fußreise nach Sizilien aufbrach und nach neun Monaten über Paris nach Leipzig zurückkehrte.
Anschließend an die Aufklärung übernahmen die Romantiker das Wandern und prägten sein Bild bis heute. Im Unterschied zu den Aufklärern war ihr Blick nicht mehr auf die sozialen und politischen Gegebenheiten gerichtet, sondern primär auf das eigene Innere. Sie suchten die Einsamkeit, um in ihr den Kosmos in sich selber zu finden.
Im 19. Jahrhundert wurden zunehmend weniger Städte erwandert, sondern man ließ sich in Kutschen oder mit der Eisenbahn zu den Ausgangspunkten in der Natur bringen, wo man auf immer mehr vorgegebenen Strecken lief. Wurden die Aufklärer noch angefeindet oder schief angeschaut, so machten die Romantiker das Wandern salonfähig.
Andwil_Alpstein.jpg Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Institutionalisierung des Wanderns durch Wandervereine und Gebirgsvereine. Diese meist bürgerlichen und heimatverbundenen Vereine leisteten Pionierarbeit in der Erschließung der Natur durch Wanderwege, Wegweiser, Karten, Schutzhütten und Aussichtstürme. 1864 wurde mit dem Badischen Schwarzwaldverein der erste deutsche Mittelgebirgsverein gegründet.
1883 in Fulda gegründet, ist der Deutsche Wanderverband die Dachorganisation der Gebirgs- und Wandervereine in Deutschland. Seine Mitgliedsorganisationen markieren und betreuen ehrenamtlich ca. 200.000 km Wanderwege. Im Verband sind 56 Gebietsvereine mit insgesamt 600.000 Mitgliedern organisiert. Zu den Satzungsaufgaben gehören neben der Wegearbeit und der Pflege des Wanderns auch Naturschutz-, Jugend-, Familien- und Kulturarbeit.
Die 1895 in Wien gegründeten Naturfreunde ermöglichten erstmals das Wandern für eine proletarische Schicht. Mit starker sozialistischer Prägung eröffneten sie erste Naturfreundehäuser, in denen proletarische Wanderer billig übernachten konnten. Heute gibt es in Deutschland rund 450 Naturfreundehäuser - 1001 Nacht sind weltweit möglich.
Zur gleichen Zeit kam die Jugendbewegung auf, die 1901 in die Wandervogelbewegung mündete. Die Wandervögel waren meist jugendliche Schüler und Studenten, die aus den Städten in die Natur flohen und durch eine neue Lebensweise gegen die wilhelminische Gesellschaft aufbegehrten.
Bergwandern wird zur Höhenwanderung, wenn sie in größerer Höhe ohne starke Höhenunterschiede verläuft. Von Überquerung oder Übergang spricht man, wenn ein Gebirgspass zu übersteigen ist und der Weg meist von einer Schutzhütte zur nächsten führt.
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