Walterburleygriffin.jpg Walter Burley Griffin (* 24. November 1876 in Maywood, Illinois; † 11. Februar 1937 in Lakhnau, Indien) war ein US-amerikanischer Architekt und Landschaftsgestalter. Sein weitaus bekanntestes Werk ist der Bebauungsplan für die australische Hauptstadt Canberra. Bekanntheit erlangte er aber auch für die Entwicklung des L-förmigen Grundrisses und des Carport sowie für die erstmalige Verwendung von Stahlbeton. Er war durch die sogenannte Prairie School beeinflusst und entwickelte daraus einen eigenen modernen Stil. Während fast seiner gesamten beruflichen Laufbahn arbeitete er eng mit seiner Ehefrau Marion Mahoney Griffin zusammen. Während 40 Jahren entwarfen die Griffins über 350 Gebäude, Landschafts- und Stadtgestaltungsprojekte, auch entworfen sie neue Baumaterialien, Inneneinrichtungen, Möbel und andere Haushaltgegenstände.
Im Juli 1901 bestand Griffin die Architekturlizenzprüfung des Staates Illinois, die ihm die Aufnahme der Tätigkeit als Architekt erlaubte. Er begann in Oak Park beim berühmten Frank Lloyd Wright zu arbeiten. Obwohl er es nie zum Partner brachte, hatte Griffin bei zahlreichen von Wrights Projekten die Bauaufsicht inne. Ab 1905 steuerte er zu Wrights Gebäuden auch die Gestaltung der Umgebung bei. Wright erlaubte seinen Angestellten, selbst kleinere Aufträge anzunehmen. Griffins Liebe zu Wrights Schwester Maginel blieb trotz Heiratsantrag unerwidert.
Zu Beginn des Jahres 1906 eröffnete Griffin sein eigenes Architekturbüro, nachdem es mit seinem Arbeitgeber zu Auseinandersetzungen gekommen war. 1905 war Wright während fünf Monaten in Japan unterwegs gewesen, während dieser Zeit hatte Griffin die Leitung übernommen. Als Wright zurückkehrte, warf er Griffin vor, seine Kompetenzen überschritten zu haben, da er zahlreiche Aufträge abgeschlossen und bei mehreren seine eigenen Pläne eingebracht hatte. Zur Finanzierung der Reise hatte Wright bei Griffin Geld geliehen und er versuchte, seine Schulden mit japanischen Kunstwerken zu begleichen. Griffin ahnte, dass Wright ihn nicht zu seinem Partner machen würde und kündigte.
Griffins erster unabhängiger Auftrag war die Landschaftsgestaltung für die State Normal School in Charleston (Illinois), die heutige Eastern Illinois University. Im Herbst 1906 entwarf er das erste Wohnhaus mit einem L-förmigen Grundriss. Die L-Form war sehr günstig und einfach zu bauen. Ab 1907 folgten weitere 13 dieser Häuser im Chicagoer Stadtviertel Beverly. Sieben davon entstanden an einer Straße, die heute als Walter Burley Griffin Place bezeichnet wird. Es ist die größte Häufung von Griffins kleineren Gebäuden, die heute noch existieren (mittlerweile unter Denkmalschutz).
1911 heiratete er Marion Lucy Mahony. Sie war Angestellte in Wrights Architekturbüro gewesen und arbeitete mittlerweile bei Hermann Von Holst, der zahlreiche Projekte Wrights übernommen hatte, nachdem dieser 1909 unerwartet nach Europa gereist war. Mahony überzeugte Von Holst, Griffin mit der Landschaftsgestaltung einiger dieser Projekte in Decatur zu beauftragen. Nach der Heirat trat Mahony in Griffins Firma ein.
Zwischen 1899 und 1914 entwarf Griffin in Chicago über 130 Pläne für Gebäude, Bauzonenordnungen und Landschaften in den Staaten Illinois, Iowa, Michigan und Wisconsin. Nachdem Griffin 1906 das Architekturbüro von Frank Lloyd Wright verlassen hatte, kühlte sich das Verhältnis in der Folge merklich ab. Nach dem Gewinn des Wettbewerbs für die Gestaltung von Canberra und der daraus resultierenden Schlagzeile auf der Frontseite der New York Times, sprachen Griffin und Wright nie mehr miteinander. Wann immer Griffin in späteren Jahren ein Gesprächsthema war, spielte Wright Griffins Verdienste herunter und nannte diesen abschätzig „Zeichner“.
I have planned a city that is not like any other in the world. I have planned it not in a way that I expected any government authorities in the world would accept. I have planned an ideal city - a city that meets my ideal of the city of the future.(Ich habe eine Stadt geplant, die keiner anderen auf der Welt gleicht. Ich habe sie nicht so geplant, wie ich erwartete, dass irgendeine Regierung der Welt sie akzeptieren würde. Ich habe eine ideale Stadt geplant – eine Stadt, die meinem Ideal der Stadt der Zukunft entspricht.)
1913 wurde Griffin eingeladen, um das Gelände zu inspizieren. Während seine Ehefrau die Leitung des Architekturbüros übernahm, reiste er im Juli nach Australien. Während er dort war, erhielt Griffin von der University of Illinois das Angebot, die Architekturabteilung zu leiten. Doch gleichzeitig handelte er mit der Regierung einen Dreijahresvertrag aus, um in Australien bleiben zu können und die Umsetzung seines Planes zu beaufsichtigen. Griffin wurde zum „Federal Capital Director of Design and Construction“ (Direktor für Design und Bau der Bundeshauptstadt) ernannt. In dieser Position beaufsichtigte er die Detailplanung von North und South Canberra, hatte jedoch mit politischen und bürokratischen Hindernissen zu kämpfen. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 geriet er unter Druck, den Umfang und die Größe des Projekts zu reduzieren, da die Regierung Geldmittel in die Kriegsanstrengungen fließen ließ. Verschiedene Teile seines Grundentwurfs wurden weggelassen (drei Straßenachsen und eine Eisenbahnlinie) oder geändert (Verschiebung eines Marktgeländes von North Canberra nach South Canberra).
Das Bautempo war langsamer als erwartet, teils wegen der mangelnden Geldmittel und teils wegen einer Auseinandersetzung zwischen Griffin und Bürokraten der Bundesregierung. Während seines Aufenthaltes in Australien wurden zahlreiche von Griffins Designideen Presse kritisiert. Auch die Tatsache, dass ausgerechnet ein US-Amerikaner die neue Hauptstadt entworfen hatte, sorgte bei australischen Architekten und in der Presse für Missfallen. 1917 kam eine Untersuchungskommission zum Schluss, dass diese Burleys Autorität unterminiert hatten; die gelieferten Daten, auf die sich seine Arbeit stützte, waren ungenau und teilweise falsch gewesen. Im Dezember 1920 schließlich legte er seine Arbeit am Canberra-Projekt nieder, nachdem er erfahren hatte, dass einige dieser Bürokraten, die ihn behindert hatten, in das Federal Capital Advisory Committee berufen worden waren, das von Premierminister Billy Hughes eingesetzt wurde, um den weiteren Verlauf der Arbeiten zu überwachen. Man bot Griffin die Mitgliedschaft, dieser lehnte jedoch ab. Griffin hatte einige Gebäude für Canberra selbst entworfen, doch keines wurde je verwirklicht. Das Grab von General William Throsby Bridges am Mount Pleasant ist das einzige dauerhafte Bauwerk Griffins, das in Canberra verwirklicht wurde.
Knitlock diagram-MJC.png 1916/17 entwickelte und patentierte Griffin ein Element-Bausystem namens „Knitlock“. Obwohl ursprünglich dafür vorgesehen, wurde in Canberra kein einziges Knitlock-Gebäude errichtet. Die ersten Gebäude dieser Art entstanden auf dem Grundstück der Griffins in Frankston. Frank Lloyd Wright entwickelte ein ähnliches System und stützte sich dabei auf Griffins Design.
1919 hatte das Ehepaar Griffin die „Greater Sydney Development Association“ (GSDA, Entwicklungsgesellschaft Groß-Sydney) gegründet und zwei Jahre später in North Sydney in 259 Hektar großes Grundstück erworben. Ziel der GSDA war die Entwicklung einer idyllischen Gemeinde mit einem architektonischen Stil, der sich im Einklang mit der natürlichen Umgebung befindet. Als Geschäftsführer der GSDA entwarf Walter Burley Griffin bis 1935 sämtliche Gebäude in der Gegend und verwendete dabei sein Knitlock-System. Das Miteinbeziehen des ursprünglichen Buschlandes in die Planungen war damals ein neuartiges Konzept. Andere Projekte Griffins während dieser Zeit waren der Melbourner Vorort Eaglemont sowie die Städte Leeton, Griffith und Culburra Beach in New South Wales. Während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre entwarf Griffin im Großraum Sydney mehrere Müllverbrennungsanlagen.
Während der GSDA-Tätigkeit waren die Griffins mit der Anthroposophie in Berührung gekommen. Über Kontakte dieser Bewegung sicherten sie sich den Auftrag für den Bau der Universitätsbibliothek in der indischen Stadt Lakhnau. Walter Burley Griffin zog 1935 nach Indien, seine Frau folgte im Jahr darauf. Seine Pläne dieser Zeitperiode gelten als höchst originell und umfassten zusätzliche Universitätsgebäude, ein Denkmal für König Georg V., Wohnhäuser, Paläste sowie ein Verwaltungs- und Druckzentrum für die Zeitung Pioneer. Er entwarf auch Pavillons für die United Province Exhibition des Jahres 1937. Während seines Aufenthaltes in Indien schrieb Griffin zahlreiche Zeitungsartikel über Architektur, besoners über Verbesserungen bei der Belüftung.
Im Februar 1937 fiel Griffin von einem Baugerüst und zog sich einen Riss der Gallenblase zu. Einige Tage später starb er nach einer erfolglosen Operation an Peritonitis. Zu Griffins Lebzeiten war noch kein vom ihm geplantes Gebäude in Indien verwirklicht worden. Seine Ehefrau beaufsichtigte die Vollendung des Pioneer-Zentrums, schloss das Büro in Indien, übergab die australische Niederlassung an Griffins Partner Eric Nicholls und kehrte nach Chicago zurück, um ihre Memoiren zu schreiben.
Mann | US-amerikanischer Architekt | Geboren 1876 | Gestorben 1937
Walter Burley Griffin | ウォルター・バーリー・グリフィン | Walter Burley Griffin
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