Walter Bluhm (* 5. August 1907 in Berlin; † 2. Dezember 1976 in München) war ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher.
Theater
Nach dem Schulabschluss absolvierte Bluhm zunächst eine
Buchhändler-Lehre. 1924/25 ließ er sich schließlich an
Max Reinhardts Seminar in Berlin zum Schauspieler ausbilden. 1924 debütierte er in einer Aufführung von
William Shakespeares
Kaufmann von Venedig in Berlin. Es folgten Bühnenstationen in Stuttgart (Württembergische Wanderbühne), Darmstadt (Landestheater), Gera (Reussisches Theater) und Berlin (Dr.-Robert-Klein-Bühnen, Staatstheater, Volksbühne).
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den Bluhm von 1939 bis 1945 als Frontsoldat erlebte, fand er abermals in seiner Geburtsstadt Berlin eine künstlerische Heimat. Bluhm spielte an den dortigen Bühnen sowohl komische Chargenrollen als auch tragische Helden wie den „George“ in John Steinbecks Von Mäusen und Menschen (Schloßpark-Theater, 1948), den „Schmock“ in Gustav Freytags Journalisten (Schillertheater, 1954) und den „Mollfels“ in Christian Dietrich Grabbes Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (Schloßpark-Theater, 1955).
Film
Nach einigen Auftritten in Kurzfilmen von
Oskar Fischinger (
Studie Nr. 10) und
Leopold Lindtberg (
Wenn zwei sich streiten, 1932) gab Bluhm 1934 in
Robert A. Stemmles Komödie
Glückspilze sein Spielfilmdebüt. In den Folgejahren fand er bei der
UFA ein reiches Betätigungsfeld. Bluhm spielte neben
Heinrich George in der
Gerhart Hauptmann-Verfilmung
Biberpelz, neben
Ralph Arthur Roberts in
Der Maulkorb (nach
Heinrich Spoerl), in
Frank Wisbars
Gottfried Keller-Verfilmung
Das Fähnlein der sieben Aufrechten, unter der Regie von
Boleslaw Barlog in
Seinerzeit zu meiner Zeit sowie unter der Regie des umstrittenen
Karl Ritter in
Pour le Mérite.
Nach Kriegsende findet Bluhm schnell erneut Aufgaben beim Film. Zunächst wirkte er bei DEFA-Produktionen wie Gerhard Lamprecht Irgendwo in Berlin und Kurt Maetzigs Die Buntkarierten mit, nach 1949 nur noch in bundesdeutschen Produktionen. Bluhm verkörpert zumeist leidgeprüfte, ängstliche und feinsinnige Charaktere. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen Robert A. Stemmles Nachkriegssatire Berliner Ballade (mit Gert Fröbe als „Otto Normalverbraucher“), Robert Siodmaks Kinoversion von Gerhart Hauptmanns Ratten (mit Maria Schell und Curd Jürgens), Josef von Bákys Drama Hotel Adlon, Eduard von Borsodys Abenteuerfilm Liane, das Mädchen aus dem Urwald, der Jerry Cotton-Thriller Mordnacht in Manhattan, der Edgar Wallace-Krimi Die Bande des Schreckens und Harald Reinls Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse.
Fernsehen
Ab Mitte der
60er Jahre wandte sich Bluhm verstärkt der Arbeit beim
Fernsehen zu. Er spielte in Fernsehfassungen bekannter Bühnenstücke wie
Tirso de Molinas
Don Gil von den grünen Hosen (Regie: Boleslaw Barlog), in anspruchsvollen Fernsehfilmen wie
Karl Fruchtmanns Kriegsdrama
Kaddisch nach einem Lebenden, in Literaturverfilmungen wie
Eugen Yorks
Spätsommer (nach
Max Dreyers Novelle
Altersschwach) und
Wolfgang Staudtes
Die Person (nach
Manfred Bieler), im Krimi-Mehrteiler
Der rote Schal (nach
Wilkie Collins), in Boulevardkomödien wie
Wecken Sie Madame nicht auf! (Regie:
Wolfgang Spier) sowie Fernsehserien wie
Derrick. 1970 spielte er als gutmütiger wenngleich griesgrämiger Theaterinspizient neben
Grethe Weiser eine der Hauptrollen in der Vorabendserie
Theatergarderobe. In
Korbinian Köberles Fernsehfilm
Herr der Schöpfung (1976; u.a. mit
Michael Degen) wirkte Bluhm bereit deutlich von seiner schweren
Krebserkrankung gezeichnet. Es sollte seine letzte Produktion werden – am 2. Dezember desselben Jahres erlag er in München dieser Krankheit.
Synchronisation
Einem breiten Publikum ist Bluhm nicht zuletzt durch seine hohe und nasale Stimme in Erinnerung, die ihn zu einem gefragten und vielbeschäftigten
Synchronsprecher gemacht hatte. 1936 wurde er bei einem von den
Metro-Goldwyn-Mayer-Studios veranstalteten Stimmcasting als Synchronsprecher des Komiker
Stan Laurel für die deutsche Fassung von
Way out West (
Zwei ritten zusammen) ausgesucht. Von da an wird Bluhm zum deutschen Standardsprecher für Laurel. Wie bei kaum einer anderen Paarung von Hollywoodstar und Synchronsprecher wurde Bluhm bis auf wenige Ausnahmen für alle Eindeutschungen Laurels eingesetzt, im Falle des Filmes
Zwei ritten nach Texas sogar für vier verschiedene deutsche Fassungen, die mit einem Abstand von insgesamt 38 Jahren entstanden (1937, 1952, 1965 und 1975) – die Synchronisation von
Oliver Hardy teilten sich hingegen insgesamt drei Schauspieler (
Will Dohm 1937,
Arno Paulsen 1952 und 1965,
Michael Habeck 1972). Daneben lieh Bluhm auch anderen international bekannten Schauspielern wie
Bourvil (
Die Abenteuer der drei Musketiere),
Jack Elam (
Der 4. Mann),
Buster Keaton (
Wildwest ),
Peter Lorre (
Welt der Sensationen,
In 80 Tagen um die Welt) und
Burgess Meredith (
Der Kardinal,
Sturm über Washington) seine markante Stimme. Populär war er auch als Sprecher des „Mr. Stringer“ (
Stringer Davis) in insgesamt fünf Kriminalfilmen nach
Agatha Christie (
16 Uhr 50 ab Paddington,
Der Wachsblumenstrauß,
Mörder ahoi!,
Vier Frauen und ein Mord und
Die Morde des Herrn ABC) sowie als glückloser ägyptischer Architekt „Numerobis“ im
Zeichentrickfilm Asterix & Kleopatra.
Filmografie (Auswahl)
Film
Fernsehen
- 1964 Don Gil von den grünen Hosen
- 1966 Spätsommer (mit Martin Held)
- 1969 Kaddisch nach einem Lebenden
- 1970 Die Person
- 1970 Theatergarderobe
- 1973 Der rote Schal
- 1974 Wecken Sie Madame nicht auf
- 1976 Derrick: Kalkutta
Weblinks
Schauspieler | Synchronsprecher | Deutscher | Mann | Geboren 1907 | Gestorben 1976