| Gemeine Akelei | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Hahnenfußartige (Ranunculales) |
| : | Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) |
| : | Isopyroideae |
| : | Isopyreae |
| : | Akeleien (Aquilegia) |
| : | Gemeine Akelei |
Die Gemeine Akelei wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit in vielfältiger Form in der Medizin verwendet. Aufgrund der ihr zugeschriebenen Symbolik ist sie außerdem auf zahlreichen mittelalterlichen Tafelgemälden zu finden.
In anderen Sprachen wird auf die Ähnlichkeit des Honigblatts zu einer Taube angespielt. So wird im englischsprachigen Raum die Akelei als "Columbine Flower" bezeichnet. Auch manche deutsche Volksnamen spielen auf die Ähnlichkeit der fünf Blütenblätter zu fünf im Kreis sitzenden Vögeln an: So wird die Blume je nach Region auch "Taubenblume", "Tauberln" oder "Fünf Vögerl zusamm" genannt.
Der Volksmund bezeichnet die Akelei auch als "Elfenhandschuh" und "Frauenhandschuh", als "Kapuzinerhütli" oder "Pfaffenkäpple". Auf die ihr zugeschriebenen liebesfördernden Wirkungen spielen die volkstümlichen Bezeichnungen "Venuswagen" und der in der Schweiz gebräuchliche Name "Schlotterhose" an.
Die Blätter der Gemeinen Akelei sind bläulich-grün. Die grundständigen Blätter sind lang gestielt und bis zu zwei Drittel dreiteilig eingeschnitten. Die einzelnen sogenannten Blattlappen sind stumpf gekerbt. Die Stängelblätter ähneln in ihrer Form den grundständigen Blättern, ihre Stiellänge nimmt jedoch ab, je weiter oben sie sich am Stängel befinden. Die Blätter vergilben bald nach der Blütezeit.
Die als Gartenpflanze kultivierten Sorten der Gemeinen Akelei gibt es neben dem dunklen Blau der Wildform auch mit weißen, rosa, roten und purpurnen Blüten. Strahlend weiße Blüten hat beispielsweise die Sorte "Nivea". Daneben gibt es auch Zuchtformen der Gemeinen Akelei, die zweifarbig sind, und solche mit gefüllten Blüten. Zu den von der Royal Horticultural Society empfohlenen Akelei-Sorten gehört beispielsweise die Zuchtform "Nora Barlow", die pomponförmige gefüllte und altrosa und weiß gefärbte Blüten hat.
Die Akelei gehört zu den Pflanzen, bei denen Staub- und Fruchtblätter zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen. Über diesen Mechanismus stellen die Pflanzen sicher, dass die Narben der Blüte durch den Pollen einer anderen Pflanze bestäubt werden. Als sogenannte vormännliche Pflanze (Proterandrie) reifen bei der Akelei zuerst die Staubblätter. Daher wird, solange die Blüte sich noch in ihrem vormännlichen Stadium befinden, der Hinterleib der Hummeln mit Pollen eingestäubt. Sind die Blüten bereits älter und damit weiblich, nehmen die dann reifen Narben den Pollen auf, den die Hummeln von anderen Akeleipflanzen mitbringen.
Kurzrüsselige Hummeln beißen gelegentlich den Sporn der Akelei von außen an und holen sich den Nektar, ohne dabei die Blüte zu bestäuben. Ist das Loch vorhanden, finden sich auch bald Bienen ein, die gleichfalls als "Nektardiebe" den Nektar aufnehmen, ohne eine Bestäubung vorzunehmen.
Mit dem Verblühen der Blüten bilden sich die nach oben gerichteten Balgfrüchte aus, die auf den verlängerten elastischen Fruchtstielen sitzen. Während des im Juli beginnenden Reifungsprozesses dieser Balgfrüchte trocknen die Fruchtwände aus, und durch diesen Trocknungsprozess öffnen sich die Balgfrüchte ruckartig entlang ihrer längsverlaufenden Bauchnaht. Dabei werden die jeweils oberen Samen fortgeschleudert. Dieser Mechanismus wird als Austrocknungsstreuung bezeichnet. Typischer ist jedoch, dass die Samen der Gemeinen Akelei durch Wind oder Tiere verstreut werden. Der Wind löst die Samen aus den geöffneten Früchten und trägt sie mit sich fort. Bei Tieren verhaken sich die Balgfrüchte mit ihren behaarten Oberflächen für einen kurzen Moment im Fell der Tiere, um bei der Ablösung vom Tierfell ruckartig wieder nach oben zu schnellen. Dieser Rückstoß bewirkt, dass die Samen aus der Balgfrucht herausgeschleudert werden (sogenannte Semachorie).
Die Art hat je nach Zuordnung zwei oder drei Unterarten:
Gelegentlich wird die Schwarze oder Schwarzviolette Akelei auch als Unterart (A. v. ssp. atrata) bezeichnet. Von anderen Taxonomen wird sie jedoch als eigene Art (A. atrata) eingeordnet. Sie hat braunviolette/braunpurpurne, selten weiße Blüten und ist in den Kalk-Alpen, dem Alpenvorland und der Schwäbischen Alb zu finden.
Häufige Begleitpflanzen der Gemeinen Akelei sind die Stinkende Nieswurz und das Leberblümchen.
In einigen Landschaften haben sich die Pflanzen in neuer Zeit wieder ausgebreitet, was zum Teil auf die Verschleppung von Samen zurückgeführt wird. Zu Lebensraumverlusten kommt es, wenn weit auseinander stehende Laubholzbestände in Nadelholzreinkulturen umgewandelt oder wenn Magerwiesen aufgeforstet werden.
Die Gemeine Akelei verträgt eine einmalige Mahd sehr gut. Wird dagegen an ihren Standorten häufiger gemäht oder intensiver geweidet, wächst sie nicht mehr nach.
Die pflegeleichte Gemeine Akelei, die allerdings schon um 1900 als altmodische Blume galt, ist heute noch häufig in Gärten zu finden. Sie gedeiht besonders gut an lichten bis halbschattigen Stellen im Garten, die einen humosen Boden aufweisen, und wird häufig mit Farnen und Anemonen kombiniert.
Genauso häufig wie die Gemeine Akelei findet man jedoch in europäischen Gärten langspornige Akeleisorten. Diese sind nicht auf die Gemeine Akelei zurückzuführen. Es handelt sich meistens um Hybriden nordamerikanischer Akeleiarten, die nach 1800 zunehmend in Europa eingeführt wurden.
Die in der Gemeinen Akelei enthaltenen Isochinolinalkaloide sind starke Reizgifte. Sie können auf der Haut Brennen, Rötung, Blasenbildung und eventuell sogar die Entstehung von Nekrosen auslösen.
Während heute Gartenbücher davor warnen, dass Akelei giftige Verbindungen enthält, schreibt Tabernaemontanus in seinem 1588 erschienen New Kreuterbuch:
In der Volksmedizin wurde die Akelei nur gelegentlich verwendet. Typische Anwendungsbereiche waren Menstruationsbeschwerden, Augenerkrankungen, Hals- und Rachenentzündungen sowie Gallenbeschwerden. Der Saft der im Mörser zerstoßenen Blätter sollte gegen Grind und Hautausschläge helfen und - wenn er in Fisteln geträufelt wurde - deren Abheilung bewirken. In einigen Gegenden des Siegerlandes wurde die Akelei im Frühjahr gesammelt und als Wildgemüse gegen Krebs gegessen. Die getrockneten, gepulverten Blätter waren auch einer der wesentlichen Bestandteil einer im Dillkreis verwendeten Krebsarznei - wirksam war sie allerdings nur, wenn man die Pflanze schweigend gesammelt hatte. Die giftigen Wirkstoffe der Samen wurden außerdem früher gegen äußere Körperparasiten eingesetzt. Ein Sud der Samen sollte beispielsweise gegen Läuse helfen.
Auf dem Genter Altar stehen so die singenden und musizierenden Engel auf einem Fußboden, dessen Fliesen abwechselnd ein aus Akeleien gebildetes Ornament, das Lamm Gottes mit der Kreuzesfahne, das Zeichen IHS und die kabbalistische Ligatur zeigen. Die Darstellung der Blume Akelei dürfte daher als Lobpreisung und Anrufung Christi zu deuten sein, was auch ihre häufige Anbringung neben anbetenden Stiftern und Heiligen erklärt. Als Hinweis auf Christus kommt die Akelei auch in Gemälden vor wie:
Seltener wird die Akelei auf Maria bezogen. Sie ist auch dann eigentlich ein christliches Symbol und weist auf die wunderbare Mutterschaft Marias hin. Das gilt auch für die oben erwähnte Einhorntafel im Dom zu Erfurt, wo das Einhorn (=Christus) in den Schoß Mariens flüchtet.
Die Akelei kann aber auch den Heiligen Geist symbolisieren, worauf auch der volkstümliche Name Taubenblume hindeutet. Im Wallraf-Richartz-Museum, Köln hängt ein Triptychon mit der Anbetung der Könige, auf deren Mitteltafel ein Strauß mit sieben Akeley-Blüten auftaucht. Der unbekannte mittelalterliche Maler hat die taubenähnlichen Blüten in die Nähe des weiter links befindlichen Taubensymbols gerückt, die sieben Blüten symbolisieren damit auch die "sieben Gaben des Heiligen Geistes" und verweisen auf die "sieben Schmerzen Mariens". Damit leiten sie auf die Kreuzigungsdarstellung auf dem rechten Flügel des Triptychons hin. Als Hinweis auf die sieben Gaben des Heiligen Geists sind auch die aufgeblühten sieben Akelei zu verstehen, die auf Hugo van der Goes Portinari Altar neben dem Jesuskind stehen. Nach Marianne Beuchert ist das noch anders zu deuten: Die in der jüdischen Kabbala wurzelnde christliche Zahlensymbolik zeigt sieben geöffnete Blüten als Signatur für die sieben Kardinaltugenden des Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Furcht des Herrn (Jesaja 11,2).
Offenbar angeregt durch den volkstümlichen italienischen Namen "Amor nascosto" (=Geheime Liebe) haben vor allem italienische Maler die Akelei in einem etwas anderen Zusammenhang gedeutet. Auf dem "Frauenporträt "La Colombine" von Francesco Melzi, das sich heute in der Eremitage von Sankt Petersburg befindet, ist die Akelei Sinnbild für eine heimliche Liebe und Verführung. Auf Melzis Bild ist eine verführerische schöne Frau mit entblößter Brust zu sehen, die in ihrer Hand eine Akelei mit einer geöffneten Blüte und zwei hängenden Knospen hält. Im Bildhintergrund rankt ein efeublättriges Leinkraut (Cymbalaria muralis) an der Wand entlang. Dieses Leinkraut wird im Code Rinio als umbilicus veneris, also als Nabel der Venus bezeichnet. Von der Kunstgeschichte wird das Bild daher als Darstellung einer geheimen Liebe ("amor nascosto") gedeutet.
Eine ähnliche Bedeutung hat die Akelei auf dem im Louvre befindlichen Bildnis der Margherita Gonzaga von Pisanello. Auch Leonardo da Vinci malte die Gemeine Akelei neben Bacchus, und auf einer nicht erhaltenen Zeichnung, deren Kopie in der Bibliothek von Schloss Windsor aufbewahrt wird, zeigt er Akelei neben Leda mit ihren Kindern.
Nach Marianne Beuchert ist nicht auszuschließen, dass das Dreiblattornament der gotischen Kirchenfenster Akelei und nicht Klee bedeutet.
Die Kunst, die nach dem 16. Jahrhundert entstand, hat die religiöse und sexuelle Symbolik der Akelei zunehmend vergessen. Die Akelei erscheint in den späteren Jahrhunderten nur noch selten in profanen Stillleben.
Lange vor dem Christentum galt die zarte Blüte als Aphrodisiakum der Männer. In Europa waren vor allem die Samen Bestandteil vieler Hexensalben. Doch auch die Meskaki-Indianer Nordamerikas kochten aus Ginseng, Glimmererde, Schlangenfleisch, Gelatine und Akelei einen Liebestrank.
Im Altertum glaubte man, Löwen fräßen die Akelei im Frühling, um ihre Körperkräfte zu steigern. Botaniker nannten die Blume demzufolge Herba Leonis.
Im Volksglauben gilt ein aus der Akelei bereiteter Trank als wirksam gegen die durch Zauberei bewirkte Impotenz:
Nach dem Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens geht allerdings der Einsatz von Akelei als Potenzmittel eher auf gelehrte literarische Überlieferung (Tabernaemontanus und Matthioli, 1563) zurück als auf einen deutschen Volksaberglauben.
Deutlicher noch als bei anderen Pflanzensymbolen sind die symbolischen Bedeutungen der Gemeinen Akelei gegensätzlich. Auf der einen Seite interpretierte man den gesenkten, nickenden Blütenkopf als Zeichen für Demut und Anbetung. Man sah darin auch die Sorgen der Jungfrau Maria symbolisiert, da man in dem französischen Namen Ancholie die Verkürzung von Melancholie sah. In der Renaissance zählte die Akelei daher zu den Begräbnispflanzen. Gleichzeitig symbolisierte die Akelei Sexualkraft, Unbeständigkeit oder auch den verlassenen Liebhaber. Einer jungen Frau im 17. Jahrhundert einen Akeleistrauß zu schenken, galt aufgrund der sexuellen Symbolik der Pflanze als Unschicklichkeit.
Hahnenfußgewächse | Heilpflanze
Columbine | Ancolie | Wilde akelei | Orlik pospolity | Akleja
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