WalbKont1.JPG]] Walburga (eigentlich Valborg, auch Walburg, Waltpurde, Walpurgis, Walpurga, in Frankreich bekannt als Vaubourg, Falbourg, im normannischen Le Perche Gauburge = wehrhafte Burg) ; * mutmaßlich um 710 im südenglischen Wessex (soviel wie "Westsachsen"); † mutmaßlich 25. Februar 779, nach anderen Quellen 780 in Heidenheim (Mittelfranken)) war eine in Süddeutschland tätige Missionarin sowie Vorsteherin des Benediktinerklosters von Heidenheim. Walburga gilt als die Tochter des westsächischen christlichen Unter-Königs im angelsächischen Reich, Richard von Wessex, und wird von den meisten Quellen als eine Nichte des Bonifatius bezeichnet, was historisch jedoch nicht belegbar ist. Da die Heiligenbiografien des Mittelalters auch ideologische Propaganda waren, sind sie aus wissenschaftlicher Sicht mit Vorsicht zu genießen: Geschichte mischt sich mit Legende. Dies zumal im Falle der Walburga, die als eine der tragenden Säulen der christlichen Deutschland-Missionierung gilt.
Beeindruckt mag es sie haben, als ihre beiden Brüder Wunibald und Willibald dem Ruf ihres Onkels(?) Bonifatius auf das Festland gefolgt waren. Beide pilgerten zunächst nach Rom, Willibald sogar nach Jerusalem, die beiden bis heute bedeutendsten Wallfahrten des Christentums. Anschließend ließen sie sich im päpstlichen Auftrag im heutigen süddeutschen Raum zwecks Mission nieder: Wunibald in Heidenheim (Mittelfranken) und Willibald in Eichstätt als Gründer des dortigen Bistums, dem er mehr als 45 Jahre lang bis zu seinem Tod 781 als Bischof vorstand.
Nachdem ihr Bruder Wunibald sie während eines Besuchs in der Heimat für die Mission hatte gewinnen konnen, überquerte auch Walburga den Ärmelkanal und ging vermutlich bei Antwerpen in Flandern an Land. Bei dieser Überfahrt waren wohl auch die junge Nonne Hugeburc, die später eine Vita von Walburgas Brüdern Willibald und Wunibald verfasste, Walburgas Verwandte Lioba und andere Nonnen zugegen. Die Fahrt verlief stürmisch und das Schiff geriet in Seenot. Der Legende nach soll Walburga die ganze Zeit im Gebet knieend an Deck verbracht haben, bis das Schiff heil in den Hafen von Antwerpen einlief. Daher gilt sie bis heute als Schutzpatronin der Seeleute und Schutzheilige gegen Sturm.
Ihre neue Heimat befand sich zunächst in Tauberbischofsheim in Württemberg, wo sie in dem von Lioba geleiteten Kloster Nonne wurde.
Nach dem Tod ihres Bruders Wunibald von Heidenheim 761 übernahm Walburga das von ihm etwa zehn Jahre zuvor gegründete Männerkloster Kloster Heidenheim, einen wichtiger Missionsstützpunkt; wenig später kam ein Frauenkloster hinzu. Durch die Leitung dieses mächtigen Doppelklosters wurde Walburga zu einer der bedeutendsten Frauen des christlichen Europas und ist ein prominentes Beispiel für die Entfaltungsmöglichkeiten, die vor allem das alles andere als "finstere" frühere Mittelalter für begabte und engagierte Frauen aus der Oberschicht bereit hielt. Der 754 im friesischen Dokkum erschlagene Bonifatius soll übrigens einer der ersten gewesen sein, der gezielt Frauen für seine Missionsarbeit heran zog.
Der Walpurgisbiograf Wolfhard von Herrieden berichtet rund 200 Jahre später von zwei Wundern, die Walburga in dieser Zeit gewirkt haben soll. Demnach soll sie einmal ein Kind mit Hilfe dreier Ähren vor dem Verhungern gerettet haben und ein anderes Mal erfolgreich einen tollwütigen Hund beruhigt haben. Auch von Krankenheilungen und der Rettung einer im Kindbettfieber danieder liegenden Wöchnerin wird berichtet. Daher gilt sie bis heute neben vielerlei anderen Zuständigkeiten auch als Schutzheilige gegen Krankheiten und Seuchen, Tollwut, Hungersnot und Missernte sowie als Patronin der Kranken und der Wöchnerinnen, aber auch der Bauern. Wie in vielen Legenden könnte auch in diesen Geschichten ein Körnchen Wahrheit stecken, da die kluge und umfassend gebildete Walburga durchaus heilkundliche Kenntnisse gehabt haben könnte.
Der genaue Todestag Walburgas ist nicht eindeutig belegbar. Das von den Heidenheimer Klosterannalen auf den 25. Februar 779 festgelegte Sterbedatum ist umstritten, in Frage käme auch ein Datum in 780. Ihr Bruder Willibald, Bischof von Eichstätt, soll ihr in der letzten Stunde beigestanden haben; die beiden Klöster in Heidenheim fielen an ihn zurück und wurden später geschlossen. Walburga geriet für die nächsten einhundert Jahre in Vergessenheit.
In der Folgezeit wurde der aufblühende Reliquien-Kult um Walburga vor allem durch den elitär geprägten, machtbewussten Benediktinerorden, Bischöfe und Adel forciert und gefördert, um ein Gegengewicht gegen die äußert populären "Volksheiligen" zu setzen und den Führungsanspruch des Adels innerhalb der christlichen Welt dauerhaft zu befestigen. Einen Höhepunkt erreichte der Walburga-Kult im 11. Jahrhundert unter dem Kölner Erzbischof Anno II., der Walburgas Hirnschale und Reisestab um 1069 nach Kloster Walberberg im heutigen Bornheim bei Bonn verbrachte; noch heute werden sie in der Pfarrkirche des Ortes, der seine Entstehung und Namensgebung überhaupt erst der Beherbergung der Reliquie verdankt, verwahrt. Bereits im Jahre 912 hatte die Nonne Liubila zusammen mit ihrer Schwester ein Kloster in Monheim gegründet, stellte es unter den Schutz der Hl. Walburga und erbat sich hierfür Reliquien. Vor allem im ausgehenden Mittelalter, das geprägt war durch schwere Seuchen und Hungerepidemien, erreichte der Walburga-Kult als Nothelferin und Schutzpatronin vor allem in Deutschland sowie im nördlichen Frankreich große Ausmaße. Bis heute finden sich Reliquien, Wallfahrts- und Erinnerungsstätten der Heiligen nicht nur in Eichstätt, Monheim und Walberberg, sondern u.a. auch in Köln, in Overath, im Eifelort Usch, an Orten in Österreich und der Schweiz, in den Niederlanden sowie besonders häufig in der Normandie und in belgischen Städten wie Antwerpen und Furnes. Walburga wurde insbesonders von weiblichen Klostergemeinschaften verehrt, so auch im Stift Essen, auf Deckel des Theophanu-Evangeliars steht sie der Äbtissin Theophanu bei. Selbst in kleinen Dörfern und auf Bergen finden sich vor allem sogenannte Walpurgiskapellen als bis heute bliebte Wallfahrtsziele. An den Küsten Flanderns und der Normandie erbat sich die bedrängte Bevölkerung von Walburga vor allem Beistand gegen marodierende Piraten. Einige Walburga-Orte, wie St Walburga im westfälischen Werl, liegen an der Pilgerstrecke des Jakobsweges.
Seit 1042 soll unter Walburgas Reliquienschrein alljährlich von Oktober bis Ende Februar eine Flüssigkeit, das sogenannte Walpurgisöl, austreten. Es kann bis heute in Fläschchen abgefüllt von gläubigen Pilgern erworben werden. Vor allem am 25. Februar, Walburgas katholischem Gedenktag, strömen zahlreiche Pilger zu dem wundertätigen Schrein in Eichstätt. Was wirklich unter diesem als Kondensat hervorquillt, bleibt vage und das Geheimnis der Benediktinerinnen. Glaube wird vermutlich auch hier, wie so oft in Fragen der Religion, Berge versetzen. Seit dem 15. Jahrhundert wurde Walburga auch auf Gemälden stets mit dem Fläschchen abgebildet. 2000 schuf der oberfränkische Bildhauer Ernst Steinacker vor der Walpurgiskapelle auf dem nach Walburga benannten Berg Walberla oder Ehrenbürg in Kirchehrenbach bei Forchheim eine moderne Bronzestatue der Schutzheiligen mit Reisestab und umgehängtem Ölfläschchen.
Anders als im deutschen Kulturraum wird in England der 1. Mai als Gedenktag der Walburga bzw. Walpurga gefeiert. In Deutschland erinnert nur noch der Name Walpurgisnacht an die Heilige.
In jüngerer Zeit beginnen auch evangelische Christen und weltliche Politikerinnen sich für die Person der Walburga zu interessieren. So feierten bei der Einweihung der Bronzestatue der Walburga auf dem Walberla am 1. Mai 2000 evangelische und katholische Christen, Pastorinnen, Dekanats-Frauenbeauftragte und die SPD-Politikerin Renate Schmidt zum ersten Mal in der Geschichte des Ortes gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto: "Starke Frauen braucht das Land - Walburga, eine mittelalterliche Heilige und Frauen von heute". Eines war Walburga - wenn denn ihre überlieferte "Vita" wirklich authentisch ist - in der Tat: eine gemäß ihrem Namen wahre "Trutzburg" des Christentums und eine echte Europäerin.
Des Weiteren gibt es seit dem Jahre 1919 im sauerländischen Menden das Walburgisgymnasium - eine katholische, staatlich anerkannte Privatschule in Trägerschaft der "Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel".
Frau | Weiblicher Vorname | Heiliger | Abt | Gestorben 779
Saint Walpurga | Valpurgo | Walburga | Valburg | Walpurgis | Helleg Walburga | Walburga | Heliga Valborg
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