Die Wahlforschung ist eine Teildisziplin der Politischen Soziologie und untersucht u.a. das Wahlverhalten der Wahlberechtigten und ihr Demokratieverständnis. Erhoben werden auch die Einstellungen der Bürger zu aktuellen Themen und die Popularität von Kandidaten und Parteien. Wahlforschung wird vor Wahlen häufig in Form von Umfragen veröffentlicht. Wahlforschung umfasst aber auch Hochrechnungen und Wahlanalysen nach Wahlen.
Am häufigsten werden quantitative, standardisierte Befragungen verwendet, da sie Aussagen über die gesamte Wählerschaft ermöglichen. Befragt wird eine repräsentative Auswahl (sample) der Gesamtwählerschaft. Die Auswertung der Daten erfolgt mit statistischen Methoden.
Qualitative Methoden sind für das Testen von Argumentationslinien und Kommunikationsstrategien vor einer Wahl geeignet. In Fokusgruppen kann z.B. die Akzeptanz einer Plakatlinie bzw. eines Fernsehspots überprüft werden. Fokusgruppen ermöglichen es die Kommunikationsstrategie auf Zielgruppen abzustimmen.
Netzwerkanalysen beleuchten die Kommunikationsnetzwerke bestimmter Zielgruppen. Sie können für die Steuerung der Kommunikation bei Wahlen eingesetzt werden.
Hochrechnungen werden an Wahlabenden erstellt und häufig von TV-Stationen in Auftrag gegeben. Sie errechnen auf der Basis bereits ausgezählter Stimmkreise das voraussichtliche Endergebnis. Aggregatdatenanalysen verwenden tatsächliche Wahlergebnisse, anhand derer statistische Zusammenhänge analysiert werden. Ein Beispiel für die Anwendung von Aggregatdatenanalysen ist die Wählerstromanalyse.
Eine Schätzung ohne Befragung von Wählern stellt folgendes Verfahren dar: Thomas Gschwend vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) und Helmut Norpoth haben ein Modell entwickelt, das ihnen zuverlässige Prognosen eines Wahlausgangs ermöglicht, ohne Wähler zu befragen. Anhand von Daten der letzten drei Wahlen, der mittleren Popularität des Spitzenkandidaten und einem Faktor "Abnutzungserscheinung der Regierung" liefern sie zum Teil präzisere Ergebnisse als die der etablierten Wahlforschungsinstitute. Umstritten bleibt jedoch, ob Wahlverhalten im komplexen politischen System der Bundesrepublik anhand von nur einer veränderlichen Variablen - der Kanzlerpopularität - erklärt werden kann.
Große Wahlforschungsinstitute (mit wichtigen Auftraggebern aus der Medienbranche):
Die wissenschaftlichen Wahlforschungsinstitute liefern in der Regel eher Hintergründe über Wahltrends.
In Österreich sind vor allem folgende Forschungsinstitute mit Wahlforschung befasst:
Die Statistik Austria sowie die Statistischen Dienste der Bundesländer liefern nach österreichischen Wahlen häufig gut aufbereitete Daten. Außerdem führen viele österreichische Marktforschungsinstitute vor Wahlen Umfragen durch, die sich vor allem auf die Popularität von Parteien und Personen konzentrieren.
In der Schweiz ist u.a. das gfs.bern in der Wahlforschung tätig.
Das starke Interesse der Medien an Wahlumfragen führt zu einer häufigen und zeitnahen Veröffentlichung von Umfrageergebnissen. Daher ist der "Manipulationsspielraum" von Wahlumfragen nur sehr begrenzt.
Wegen ihres vermuteten Einflusses auf den Wahlausgang ist in verschiedenen europäischen Ländern (Frankreich, Portugal, Spanien, Ungarn) die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen ein bis zwei Wochen vor der Wahl untersagt. In Deutschland existiert kein solches Verbot, da es mit der im Grundgesetz garantierten Informations- und Pressefreiheit nicht vereinbar wäre. Ebenso wenig gibt es in Österreich ein Verbot. Die Veröffentlichung von Ergebnissen von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe über den Inhalt der Wahlentscheidung (Exit Polls, Wählernachfragen) ist aber auch in Deutschland vor Schließung der Wahllokale unzulässig (§ 32 Abs. 2 Bundeswahlgesetz). In Österreich dürfen vor dem Schließen der Wahllokale weder Exit Polls noch Hochrechnungen veröffentlicht werden.
Naturgemäß spielt auch die Präferenz des Auftraggebers einer Wahlumfrage (Landesregierungen, Medien) in gewissen Maßen eine Rolle bei der "Interpretation" der Wahlantworten der Befragten bzw. werden Umfragen, die nicht dem Wunsch des Auftraggebers entsprechen, nicht veröffentlicht.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Wahlforschung".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world