Das Wülfing-Museum befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Tuchfabrik "Johann Wülfing & Sohn" in Radevormwald-Dahlerau im Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.
Die Firma Johann Wülfing & Sohn als Namensgeber
Die Gründung des namensgebenden Unternehmens wurde
1674 in
Lennep vollzogen. Auf Grund der
napoleonischen Kontinentalsperre zogen die damaligen Eigentümer zu Beginn des
19. Jahrhunderts an die
Wupper in den heutigen Ortsteil
Dahlerau. Dies geschah in erster Linie wegen der an dieser Stelle günstig zu errichtenden
Wasserräder. Im Zuge der
Industriellen Revolution wuchs der Produktionsstandort kontinuierlich an, die dort stationierten Wasserkraftanlagen wurden nach und nach durch
Dampfmaschinen und moderne
Laufwasserkraftwerke ersetzt. Innerhalb des Ensembles der ehemaligen Tuchfabrik befindet sich ein Gebäude aus dem Jahre
1838, das bis zum
Konkurs des Unternehmens das älteste in Betrieb befindliche
Fabrikgebäude Deutschlands war. In unmittelbarer Nähe zur Fabrik baute das Unternehmen viele Werkswohnungen, so dass an dieser Stelle ein kleines Stadtviertel entstand. Bis zur Einstellung des Betriebes
1992 produzierten
Johann Wülfing & Sohn hochwertige
Wolltuche aus
Kammgarnen, gemischt mit ebenso hochwertigen
synthetischen Fasern. Das Unternehmen verarbeitete seine Materialien vom
Rohstoff bis hin zur fertigen
Kleinserie eines
Herrenanzuges als
Warenmuster für die
Konfektion. Der Grund für diesen Erfolg lag in der langen
Unternehmenstradition, beispielsweise unterhielt
Johann Wülfing & Sohn ein großes
Archiv für
Stoffproben, aus dem immer wieder neue
modische Trends für die kommende
Saison geschöpft werden konnten. Zu diesem Zweck legte man eine
Kollektion von etwa 1000
Mustern auf, die in der hauseigenen Musterweberei produziert wurden. Aus den Stoffproben fertigte man Herrenanzüge der unterschiedlichsten Größen. Die
Kunden des Unternehmens begutachteten die produzierten
Kleidungsstücke und wählten dann etwa 200 Muster aus, die dann in Großserie hergestellt wurden. Die nicht mehr benötigten Anzüge wurden ab Werk an interessierte Endkunden verkauft.
Der letzte Eigentümer des Unternehmens war der Radevormwalder Ehrenbürger Fritz Hardt.
Wegen der erheblichen
Brandgefahr in den Produktionsstätten wurde in den Wülfingschen Betrieben schon sehr früh die
Elektrische Beleuchtung eingeführt. Der dazu notwendige
Elektrische Strom wurde mit Hilfe der im Unternehmen vorhanden
Wasserturbinen und Dampfmaschinen sowie an die
Transmissionen angeschlossenen
Generatoren erzeugt. Der Überschuss an
Drehstrom von bis zu 140
kW bei 5000
Volt wurde in das im Aufbau befindliche
Stromnetz abgegeben, das in der Zeit bis
1911 ebenfalls dem Unternehmen gehörte. Der Generator von
1903 diente bis
1946 zur Deckung des Eigenbedarfes und wurde dann stillgelegt. Er befindet sich immer noch am Originalstandort und produziert bei Vorführungen von einem
Elektromotor angetrieben den elektrischen Strom für einige
Glühlampen. Eine modernisierte
Francis-Turbine von
1922 ist ebenfalls noch vorhanden, die innerhalb eines
Laufwasserkraftwerkes etwa 250 kW leistet.
Museum
Die auf dem
Fabrikgelände noch befindliche Dampfmaschine war eine liegende Verbund-Maschine mit zwei
Zylindern. Sie wurde
1891 gebaut und war bis
1961 im Einsatz. Die über 300
PS leistende Maschine versorgte die Fabrik über
Transmissionen mit mechanischer Energie und die weitere Umgebung über den ebenfalls noch vorhandenen Generator mit elektrischem Strom. Weil sich ihre Eigentümer nach ihrer Stillegung nicht von ihr trennen mochten, verblieb sie bis heute an ihrem Standort. Das Museum zeigt die Dampfmaschine mit ihrer vollständigen Ausrüstung,
Maschinen zur Textilherstellung sowie als Besonderheit ein
Labor zur
Qualitätssicherung in der
Textilindustrie. Das benachbarte noch in Betrieb befindliche
Laufwasserkraftwerk von
1922 kann ebenfalls besichtigt werden. Das Museum selbst wird von ehemaligen und heute pensionierten Mitarbeitern von
Johann Wülfing & Sohn betrieben, die auf diese Art und Weise die alte Tradition fortführen. Von den Maschinen sind im Museum zwei 80 Jahre alte
Jacquard-Webstühle mit
Lochkartensteuerung vorhanden, die wegen ihrer flexibelen Betriebsweise schon zuvor in der Musterweberei eingesetzt wurden.
Wissenwertes
Auf dem weiteren Betriebsgelände hat sich ein gemischter
Gewerbepark angesiedelt, unter anderem auch eine kleine
Spinnerei für
Spezialtextilien.
Dahlerau im Allgemeinen und das Museum im Besonderen ist Bestandteil einer Route des "Bergischen Rings". Mit historischen Fahrzeugen werden überall im Bergischen Land historische Stationen angefahren, die Route "Tuchmacher-Tour" hat unter anderem die Wülfing-Fabrik zum Ziel.
Öffnungszeiten des Museums: Samstags und Dienstags sind von 9:30 bis 12:30 Mitarbeiter im Museum anzutreffen, zusätzlich ist das Museum in den Monaten April bis Oktober jeden 2 und 4. Sonntag von 11:00 - 17:00 geöffnet.
Literatur
- Benjamin Obermüller: Zwischen Sonderweg und Branchentrend. Die Kammgarnspinnerei Johann Wülfing & Sohn im Nationalsozialismus (1933 bis 1939), Der Andere Verlag , Tönning u.a. 2006, ISBN 3-89959-470-3.
- Benjamin Obermüller: Zwischen Sonderweg und Branchentrend. Die Kammgarnspinnerei Johann Wülfing & Sohn in den Jahren 1933 bis 1939, in: Romerike Berge 56 (2006), S. 17-26.
- Benjamin Obermüller: Kammgarn geriet in tiefe Krise. Die Kammgarnspinnerei Johann Wülfing & Sohn 1933 bis 1939, in: Geschichte und Heimat 72 (2005),5, Bl. 1-2.
Weblinks
Museum in Nordrhein-Westfalen | Sehenswürdigkeit im Oberbergischen Land | Textilindustrie