article

Die Würm-Eiszeit, auch Würm-Kaltzeit oder Würm-Glazial, ist die bisher jüngste der im Alpenraum aufgetretenen großräumigen Vergletscherungen, die über die Alpen selbst hinausgingen. Sie ist wie die meisten anderen Kaltzeiten des Pleistozäns nach einem Fluss benannt, nämlich der Würm in Bayern, einem Nebenfluss der Donau. Die Würm-Eiszeit kann auf den Zeitraum von etwa 115.000 bis 10.000 Jahre vor heute datiert werden, wobei die Angaben differieren, je nachdem, wie die langen Übergangsphasen zwischen Glazialen und Interglazialen (Warmzeiten) der einen oder der anderen Periode zugeordnet werden.

Die Vergletscherungen Nord- und Mitteleuropas, die ungefähr im selben Zeitraum stattfanden, werden als Weichsel-Eiszeit bezeichnet.

Zeitliche Einordnung


Am Ende des Gelasiums, also zu Beginn des Quartärs vor rund 2,6 Millionen Jahren, begann auf der Erde ein Eiszeitalter, das bis heute anhält. Charakteristisch für ein solches Eiszeitalter ist die Vereisung der Polkappen. Während des auf das Gelasium folgenden Pleistozäns traten wiederholt Gletscher aus den Alpen auf das nördliche Molassevorland aus und hinterließen dort Moränen und Schmelzwasserablagerungen von bis zu mehreren hundert Metern Mächtigkeit. Dabei kann eine zeitliche Staffelung in mehrere Warm- und Kaltzeiten, letztere werden oft auch "Eiszeiten" oder "Glaziale" genannt, unterschieden werden. Man teilt das Pleistozän in den Alpen heute in die Phasen des Biber-, Donau-, Günz-, Mindel-, Riß- und Würm-Glazials. In der Riß-Eiszeit (vgl. dazu Saale-Eiszeit in Nordeuropa) vollzog sich der weiteste Eisvorstoß in das Alpenvorland. Die jüngste Vorlandvereisung, die Würm-Kaltzeit, wies keine so weitgehende und geschlossene Front der Vergletscherung auf. Trotzdem ragen ihre Endmoränenzüge als Einzelloben, die den Gletscherzungen entsprechen, weit ins Vorland hinein. Wurden sie im Hochgebirge noch von Talflanken eingeengt, so konnten sich die fließenden Gletschermassen im Vorland oft zu riesigen Gletschern vereinigen.

Die in der Würm-Eiszeit gebildeten Moränen und Schotterflächen sind am besten erhalten, da seither keine ähnlichen geologischen Vorgänge mehr folgten. Die eiszeitlichen Spuren wurden nicht durch weitere Gletscher ausgeschürft oder von ihren Sedimenten überlagert. Dadurch ist für die Würm-Eiszeit eine genauere Datierung möglich als für die vorangegangenen Glazialstadien. Das Würm-Glazial endete vor rund 10.000 Jahren mit dem Beginn des Holozäns. Auf das Glazial folgte eine Warmzeit, die bis heute andauert und in der sich die Gletscher zurückbildeten. Dennoch wird das Holozän nur als Interstadial des Eiszeitalters angesehen, da die Pole und die hohen Gebirgslagen noch immer vergletschert sind.

Zur genauen stratigrafischen Chronologie vergleiche den "Schwester-Artikel" Weichsel-Eiszeit!

Räumliche Ausdehnung


Innerhalb der Würm-Eiszeit können verschiedene Vorstöße und Rückzüge der Gletscher dokumentiert werden. Dies führte zu einer staffelartigen Anordnung der einzelnen Endmoränenwälle und –kuppen. In den Tallagen sammelten sich Schotter zu Niederterrassen, in die die heutigen Flüsse nur wenig einschnitten. Der westlichste würmzeitliche Gletscher war der Rhone-Gletscher. Eine seiner Gletscherzungen bildete die heutigen Seen Bieler See und Neuenburger See in der Schweiz. Der aus dem alpinen Rheintal herausragende Rhein-Gletscher erreichte bei seinem äußersten Vorstoß Schaffhausen. In seinem fluvioglazial erodierten Zungenbecken liegt der heutige Bodensee, der deswegen als würmglazial bezeichnet werden kann. Weiter östlich folgten kleinere Loben des Iller- und Lech-Gletschers. Dessen Niederterrassenschotter weisen eine große Ausdehnung bis an die Donau auf.

Es schloss sich ostwärts der Isar-Loisach-Gletscher an und bildete die Loben von Tölz, Wolfratshausen, Starnberg und Ammersee. In dessen Zungenbecken befinden sich heute Ammersee und Starnberger See. Die von Süd nach Nord um 300 Meter abfallende und entsprechend an Mächtigkeit verlierende Niederterrasse der Münchener Schotterfläche ist Würm-Gletschern zuzuordnen. In ihrem Nordteil kam es peri- und postglazial durch Grundwasseraustritte zu großen Quellmoorbildungen wie dem Dachauer Moos und dem Erdinger Moos.

Östlich an weit nach Norden ragende Moränenausläufer des Inn-Gletschers schließen sich kleinere des Chiemsee-Gletschers an. Um Rosenheim bildete sich im Spätglazial ein großer Eisstausee, das Rosenheimer Becken mit über 150 Meter mächtigen Sedimenten. Auch der heutige Chiemsee stellt einen im Südteil aufgefüllten Schmelzwasser-Restsee dar. Der östlichste der großen würmzeitlichen Gletscher, die bis ins Vorland ragten, war der Salzach-Gletscher mit mehreren Endmoränenstaffeln. Weiter östlich gelegene Gletscher haben das Vorland nicht erreicht, sondern sich auf die Alpen beschränkt.

Siehe auch:


Literatur


  • Walter, R. (1992): Geologie von Mitteleuropa. – Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. ISBN 3-510-65149-9

Glaziologie | Historische Geologie

Weichsel-istiden | Wisconsin glaciation | Glaciación de Würm o Wisconsin | Veiksel-jääkausi | Glaciation de Würm | Würm | Weichselien | Wisconsin (zlodowacenie) | Weichsel (nedisning)

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Würmeiszeit".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld