Die Vucedol-Kultur ist eine spät-äneolitische Kultur, die zwischen 3000-2200 v. Chr. (kalibriert) in Slowenien, Kroatien und Westungarn sowie in der Südslowakei und Niederösterreich bestand. Die Namensgebende Ausgrabungsstätte liegt in Vučedol-Gradac. Der Ort liegt etwa 5 Kilometer östlich der Stadt Vukovar im Osten Kroatiens.
Nahe verwandt ist die Mondsee-Kultur in Österreich.
Forschungsgeschichte
Erste Grabungen fanden
1875 durch
Karl Dezman im
Laibacher Moor (Ljubljansko Barje) statt. Wichtig waren die Grabungen durch
Richard Rudolf Schmidt 1938 in
Vucedol-Gradac, der
eponymen Fundstelle.
Siedlungen
Die Siedlungen lagen auf den Ufer
terrassen der
Donau, auf Berggipfeln (
Höhensiedlungen) und auf den Siedlungshügeln (
Tells), die teilweise bereits seit dem frühen
Neolithikum besiedelt gewesen waren.
Die Größe ist sehr unterschiedlich, Ciganica bei
Vinkovci ist mit 1800 m² die bisher größte ausgegrabene Siedlung.
In Vinkovci lagen die Häuser sehr dicht nebeneinander und waren in einem doppelten Kreis angeordnet. Die Häuser sind meist sehr leicht gebaut, mit Wänden aus einem Geflecht aus dünnen Schößlingen (um 5 cm), die mit Lehm verschmiert waren. Der Boden bestand aus Stampflehm, das Dach war vielleicht mit Schilfrohr gedeckt, obwohl die Wände der Häuser eigentlich zu dünn sind, um eine Weichdach zu tragen. Die Häuser hatten gewöhnlich ein bis zwei Räume, eine Herdstelle befand sich im Zentrum des Hauses. Möbel haben sich nicht erhalten, aber es gibt Tonmodelle von Stühlen und Tischen. Diese Gegenstände könnten aber auch in den sakralen Bereich gehören und nicht zu den üblichen Einrichtungsgegenständen gehören. In einigen Siedlungen wurden Gefäße gefunden, die in den Boden eingelassen waren und die entweder als Wasser- oder als Vorratsbehälter dienten. Die Backöfen lagen außerhalb der Häuser, wie auch unterirdische glockenförmige Vorratsgruben, die der Lagerung von Getreide dienten. Teilweise enthielten sie auch Vorratsgefäße, wurden also wohl als Erdkeller genutzt. Manchmal finden sich in diesen Gruben die Reste von Schweinen, Hunden, Kälbern und Hirschen, vielleicht Opfer, welche die Aufgabe dieser Strukturen markierten.
Bei der Siedlungen vom Laibacher Moor handelt es sich dagegen um Pfahlbauten.
Materielle Kultur
Die Keramik ist sehr feintonig und weist ein sehr reiches Formeninventar auf. Typisch sind eingeschnittene Verzierungen, die mit einer weißen Paste aus gemahlenen Schneckenschalen und
Harz gefüllt waren (Inkrustation), womit sich das Muster deutlich von der meist schwarzen, polierten Gefäßoberfläche abhebt. Selten sind rote Einlagen, die mit
Hämatit gefärbt waren. Die Gefäßoberfläche ist meist schwarz und poliert. Teilweise war auch die Innenseite besonders von Schalen so intensiv verziert, so daß sie kaum praktisch genutzt werden konnten.
Typisch sind Krüge und Tassen mit abgesetztem Hals, Füßchenschalen und Amphoren mit rundem Boden, teilweise mit
Barbotineauftrag im unteren Gefäßbereich.
Kennzeichnend sind ferner die sogenannten "Streitäxte" aus Kupfer. Sie wurden mit zweiteiligen Gußformen hergestellt.
Wirtschaftsweise
Grundlage der Ernährung bildeten Ackerbau und Viehzucht, wobei unter den Haustierknochen das Rind überwiegt. In einigen Siedlungen der späten Vucedol-Kultur, wie in Vinkovci, finden sich auffallend viele Hirschknochen, ob dies ein genereller Trend ist, kann nur durch mehr Ausgrabungen belegt werden.
In Vinkovci an der Donau waren auch Fischreste sehr häufig.
Harpunen aus Hirsch
geweih dienten vermutlich zum Fang größerer Fische.
Textilherstellung ist durch runde Webgewichte aus Ton nachgewiesen.
Transport
Vierrädrige Wagen, die vermutlich von Ochsen gezogen wurden, sind durch Tonmodelle belegt. Aus dem Laibacher Moor stammen
Einbäume. Die Besiedlung von Inseln wie
Hvar,
Korčula und
Cres belegt die Existenz seetüchtiger Schiffe.
Bestattung
Es überwiegt die Körperbestattung innerhalb der Siedlung, Brandbestattung unter einem
Grabhügel ist extrem selten und bisher nur in
Velika Humka und Humka nachgewiesen. In
Mala Gruda lag eine reiche Körperbestattung unter einem Hügel. In vielen Siedlungsgruben finden sich auch einzelne menschliche Knochen, ein Hinweis, daß
Exkarnation üblich war.
Regionale Gliederung
Man unterscheidet eine slawonische und eine Laibacher Gruppe, in Ungarn findet sich die
Zók-Gruppe, in Österreich die Melk-Gruppe. Ob die
Kosihy-Caka-Gruppe der Südslowakei noch zu Vucedol zu rechnen ist, ist umstritten.
Nachfolge-Kulturen
Einige Forscher sehen Vucedol als den Ursprung der
Glockenbecherkultur (Gimbutas) bzw. der sogenannten Begleitkeramik des östlichen Glockenbecherkreises (A. Gallay).
wichtige Fundorte
- Laibacher Moor
- Mala Gruda (Grab)
- Vinkovci
- Vucedol-Gradac
Weblinks
Vučedolska kultura
Archäologische Kultur