Als Vordertaunus bezeichnet man den südlichen, direkt an Frankfurt am Main grenzenden Teil des hessischen Mittelgebirges Taunus. Einige Vordertaunusstädte, darunter Bad Homburg, Königstein im Taunus, Kronberg im Taunus und Bad Soden am Taunus, sind für ihre ausgedehnten Villenviertel bekannt.
Zum Vordertaunus gehören die Städte des ehemaligen Obertaunuskreises, also der südlich des Taunuskamms gelegene Teil des heutigen Hochtaunuskreises (Friedrichsdorf, Bad Homburg vor der Höhe, Oberursel, Steinbach, Kronberg im Taunus und Königstein im Taunus) sowie die nicht am Main gelegenen Städte und Gemeinden des Main-Taunus-Kreises (Eschborn, Schwalbach am Taunus, Sulzbach, Bad Soden am Taunus, Liederbach am Taunus, Kelkheim, Eppstein und Hofheim am Taunus).
Im geographischen Sinne gehört auch die Stadt Wiesbaden zum Vordertaunus, und die Sozialstruktur in den Stadtteilen am Südhang des Gebirges ähnelt durchaus der in den genannten Gemeinden, im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter dem Begriff jedoch nur den westlichen Teil des Frankfurter „Speckgürtels“ ohne die Landeshauptstadt.
Die unmittelbare Nachbarschaft zum Frankfurter Stadtgebiet machen den sonnenreichen Südhang des Taunus zu einem beliebten Wohngebiet der Oberschicht. Der Vordertaunus ist neben dem Münchener Süden die reichste Region in Deutschland. Als teuerste Wohngebiete gelten dabei u.a. Bad Homburg, Kronberg, Königstein und Bad Soden.
Bad Homburg ist außerdem die größte der Vortaunusstädte und ein wichtiges suburbanes Zentrum für den nördlichen Teil des Vordertaunus. Das traditionelle Zentrum des südlichen Teils ist Frankfurt-Höchst, von wo drei in den Vortaunus führende Regional- und S-Bahn-Strecken ausgehen und wo sich bis 1987 Parlament und Kreisverwaltung des Main-Taunus-Kreises befanden. Höchst selbst liegt jedoch am Main und ist auch von der Wirtschafts- und Bewohnerstruktur nicht mit den genannten Gemeinden vergleichbar.
Die Schienenstrecken von Frankfurt in den Vordertaunus entstanden teilweise sehr früh: die Sodener Bahn bereits 1847, die Homburger Bahn 1860 und die Kronberger Bahn 1874. Die überregional bedeutsamere Main-Lahn-Bahn (über Hofheim nach Limburg) folgte dagegen erst 1877. Die Königsteiner Bahn kam 1901 hinzu. Die Frankfurter Lokalbahn AG eröffnete 1899 eine Dampfbahn von Oberursel bis Hohemark und 1910 elektrische Vorortbahnen von Frankfurt nach Bad Homburg und Oberursel. In jüngerer Zeit (1972) entstand noch die Limesbahn nach Schwalbach und Bad Soden. Von 1899 bis 1971 fuhren in Bad Homburg außerdem Straßenbahnen.
Dem Straßenverkehr stehen dagegen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, als Radialen ins Frankfurter Stadtzentrum führen die Stadtautobahnen A 661 (Bereich Bad Homburg/Oberursel), L 3005 (Bereich Kronberg, Eschborn, Schwalbach) und B 8 (Bereich Königstein, Kelkheim, Bad Soden), als leistungsfähige Querverbindungen dienen die Autobahnen A 66/A 5 am „unteren“ sowie die B 455 am „oberen“ Rand des Siedlungsbands, ergänzt durch dazwischen verlaufende Parallelen wie die L 3014 („Limesspange“) von Kelkheim bis Eschborn oder die L 3015 von Bad Soden nach Oberursel.
Doch bereits im späten 19. Jahrhundert entwickelten sich Kronberg, Homburg und Königstein zu beliebten Villenvororten der schnell wachsenden Großstadt. 1852 eröffnete in Homburg eine Spielbank, die zusammen mit der seit 1860 bestehenden Eisenbahnverbindung zum Aufstieg Homburgs zur international bedeutenden Kurstadt beitrug. Auch das bereits 1847 an das Eisenbahnnetz angeschlossene Soden gehörte im 19. Jahrhundert zu den großen europäischen Heilbäder, ebenso die nahegelegenen Städte Wiesbaden („Weltkurstadt“) und Bad Nauheim.
Schüler des Frankfurter Städelschen Kunstinstituts gründeten 1858 die Kronberger Malerkolonie, die ebenfalls zur Aufwertung des Vordertaunus beitrug, einige Künstler ließen sich sogar für den Rest ihres Lebens in Kronberg nieder. 1868 gründeten Frankfurter Naturfreunde am dem Großen Feldberg den Taunusklub, der bis heute einer der größten Wandervereine in Deutschland ist.
Auch das Kaiserhaus unterstützte diesen Prozess: Wilhelm II. wählte das Homburger Schloss zu seiner Sommerresidenz, seine Mutter Victoria das Kronberger Schloss Friedrichshof zu ihrem Witwensitz.
Die Entwicklung zu einer dichtbebauten Vorstadtlandschaft, wenn auch einer der attraktivsten ihrer Art, begann mit Einsetzen der Suburbanisierung um 1960, als aufgrund des gestiegenen allgemeinen Wohlstands und der Massenmotorisierung große Nachfrage nach Eigenheimen „im Grünen“ entstand, die durch die verbesserten Verkehrsverhältnisse auch weiter als bisher von den Frankfurter Arbeitsstätten entfernt sein konnten. Zwischen 1960 und 1980 wuchsen manche Vordertaunusgemeinden auf das Dreifache ihrer Größe an. Seit Mitte der 80er Jahre ist eine gewisse Sättigung erreicht, die Gemeinden wachsen nur noch langsam, da nur noch wenige neue Bauflächen ausgewiesen werden. Die Verknappung des Baulandangebots führte jedoch in diesem ohnehin begehrten Wohngebiet zu immer weiter steigenden Bodenpreisen, die Wohnungsmieten im Vordertaunus liegen heute teilweise über denen in Frankfurter Innenstadtbezirken.
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