Als Vorklassik wird in der Musik der erste Übergang des Zeit- und Kompositionsstils zwischen den Epochen des Barock und der Wiener Klassik bezeichnet. Er kann zeitlich auf das Musikschaffen von Komponisten um 1730 bis 1760/70 angesetzt werden.
Auch Bachs Söhne werden mehrheitlich der Vorklassik zugerechnet, indem sie sich vom Stil ihres Vaters fortentwickelten, dessen Kunst der Fuge zuletzt "nicht mehr den herrschenden Musikgeschmack bediente" (Frankfurter Wege zur Klassik, 2003). Der junge Mozart soll Impulse vom befreundeten Johann Christian Bach erhalten haben, und nicht umgekehrt.
Als weiter in die Zukunft führendes Bindeglied von der Vorklassik zu Klassik (und sogar Romantik) wird oft Antonio Salieri genannt (* 1750 bei Venedig, † 1825 in Wien). Der spätere Konkurrent Mozarts und Gründer der Wiener Musikfreunde-Gesellschaft war der gefeierte Nachfolger des vorklassischen Opern-Reformers C.W. Gluck (1714-1787).
Manche Festspiele oder Konzertreihen ordnen die Vorklassik bereits der Klassischen Musik zu, doch etwas häufiger werden ihre Werke gemeinsam mit solchen der Barockmusik aufgeführt. Dies erfolgt meist unter dem Namen "Alte Musik". Bekannt für diese Kombination sind u.a. das Händel-Festspielorchester in Halle und die Berliner Barock-Compagney. Mit der Klassik kombiniert z.B. öfter der Concentus Musicus (Wien) oder das Ensemble Camerata Köln bzw. Freiburg.
Die Vorklassiker der Mannheimer Schule stellen einen Stil der Empfindsamkeit gegen Affekt und Pathos im Barock. Sie bevorzugen einen eher homophonen Satz, eine kontrastierende Gestaltung der musikalischen Einfälle und Themen, die nun eher symmetrisch angelegt sind, sowie idiomatische Melodiefloskeln.
Eine Neuerung ist auch die "Mannheimer Rakete", dessen Dynamik in einem sich rasch steigernden Crescendo-Ausbruch besteht. Später erhält die im Barock noch starre Terrassen-Dynamik noch weitere Zwischenstufen (sforzando, diminuendo usw.)
Generell wird in der frühen Klassik statt dem polyphonen Geflecht selbständiger Stimmen die oben aufliegende Melodie zur alleinigen Trägerin des Ausdrucks. Die lineare Satztechnik wird durch eine vertikale abgelöst (Harmoniebildung statt Kontrapunkt). Die Melodiebildung ist dreiklangs-gebunden.
Die bekanntesten Komponisten sind Pergolesi, die Söhne von J.S.Bach, Gluck, Johann Stamitz, Albrechtsberger, Leopold Mozart und der frühe Joseph Haydn.
Dieser 1730 einsetzende Stilwandel zum Style galant machte auch Vivaldi bewusst, dass seine Kompositionen an Attraktivität verloren. Deshalb zog er im Alter von 63 Jahren nach Wien, um Unterstützung bei Karl VI. zu suchen (der Ende 1740 starb). Doch war Vivaldi kein Jahr mehr vergönnt: der einstmals bekannteste Musiker Europas starb 1741 völlig unbeachtet von der Musikwelt und wurde in einem Armengrab beigesetzt. An dieser Stelle, dem jetzigen Hauptgebäude der TU Wien, erinnert eine Gedenktafel an die Berühmtheit, die sich dem neuen Stil verschloss.
Von den im Barock bevorzugten musikalischen Formen – wie Passacaglia, Chaconne, Fuge, Sonate, Solokonzert, Suiten, Kantate und Passion – verlieren einige an Bedeutung. In der Hochklassik dominieren Streichquartette, Sinfonien und (Solo)-Konzerte, was sich bei der um 1750 gegründeten Mannheimer Schule (Stamitz 1717-1757, Ignaz Holzbauer 1711-1783, F.X. Richter 1709-1789 et al.) und der Wiener Schule schon abzeichnet. Erstere schafft die klassische Form des Sonatensatzes und der Sinfonie, letztere (mit Wagenseil und Monn betont in der Sonatenform das zweite Thema und die Durchführung, was dann Haydn zur Meisterschaft weiterführt.
In der Wiener Klassik (ca. 1780-1830) wird die strenge Polyphonie des Barock endgültig aufgebrochen, eine Verlagerung vom kirchlichen zum weltlichen Raum findet statt, und die Kontraste nehmen zu: extreme Tempowechsel, Sopran versus Bass, wechselnde Dynamik, überraschende Klangeffekte (Musterbeispiel: Haydns " Paukenschlag") ... Die Kompositionen haben einfachere Harmonik und streben nun klare, gefällige Formen an.
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