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Die Vorgeschichte oder Urgeschichte bezeichnet die Menschheitsgeschichte vom Auftreten der ersten Steinwerkzeuge vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis zu den ersten Schriftzeugnissen, die den Beginn der Frühgeschichte markieren. Dementsprechend unterschiedlich datiert das Ende der Vorgeschichte in den Regionen der Welt. Wo schriftliche Aufzeichnungen fehlen, tragenarchäologische und naturwissenschaftliche Methoden, z.B. die Paläoanthropologie oder die Geowissenschaften, beispielsweise mit dem Bodenradar zur Kenntnis dieser Zeitabschnitte bei.

Der Zeitraum vom Beginn der Menschheit bis zur Einführung der Metallurgie, (in Mitteleuropa vor etwa 4.000 Jahren), wird als Steinzeit bezeichnet. In Mitteleuropa werden zuerst Kupfer, dann Bronze und schließlich Eisen verarbeitet. In anderen Regionen fehlen Kupfer- und/ oder Bronzezeit.

Zeitliche Einordnung und Untergliederung der Menschheitsgeschichte


Die Steinzeit ist in Abschnitte gegliedert. Generell wird zwischen Altpaläolithikum, Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum, Mesolithikum und Neolithikum unterschieden, wobei die einzelnen Abschnitte weltweit unterschiedlich benannt, definiert und datiert sind. Die klassische Unterscheidung war das Zeitalter des "geschlagenen Steins" und das des "geschliffenen Steins". Letzteres ist seit John Lubbock ein Kennzeichen des Neolithikums (=Jungsteinzeit), das in Mitteleuropa etwa um 5500 v. Chr. begann. Allerdings gibt es sowohl in Irland als auch in Schweden bereits im Mesolithikum geschliffene Steinbeile. Merkmale der Jungsteinzeit sind die Domestizierung von Tieren und Pflanzen, Sesshaftigkeit sowie Herstellung und teilweise der Gebrauch von Keramik. Im vorderen Orient gibt es jedoch sesshafte Bauerngesellschaften, die noch keine Keramik nutzen (akeramisches Neolithikum, PPN A und B). In den meisten anderen Regionen der Welt handelt es sich bei der Neolithisierung allerdings eher um einen Prozess, der sich teilweise über Tausende von Jahren erstreckt. Fest steht, dass die "nahrungsproduzierende" Wirtschaftsweise große sozio-ökonomische Veränderungen mit sich brachte. Einen ähnlichen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte ist die Entdeckung der Metallurgie (Kupferzeit,Chalkolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit) und schließlich die Entwicklung der Hoch- Sumer und Schriftkulturen, z. B. in Europa Kreta Frühgeschichte.

Die Tabelle zeigt die archäologische Einteilung, wie sie für Mitteleuropa üblich ist. Die ältesten Funde stammen jedoch aus Afrika, denn dort stand die Wiege der Menschheit. Die ältesten, sicher datierten Funde in Europa sind nicht älter als 700.000 Jahre.

Erdgeschichtlich fällt die Altsteinzeit etwa mit dem Pleistozän, die folgenden Epochen mit dem Holozän zusammen.

 

Epoche Zeitraum in Mitteleuropa Untergliederung in Mitteleuropa Charakteristika in Mitteleuropa Menschenarten
Altsteinzeit oder Paläolithikum 700.000 - 8000 v. Chr. Zeit der Jäger und Sammler. Zu Beginn Geröllgeräte ("chopper tools") und später Faustkeile. Die Steingeräte werden zunehmend komplexer und spezialisierter. Um 35.000 erste Belege von Kulten und Kunst in Europa. Hominidenarten:
Homo erectus, Homo sapiens präsapiens, Homo heidelbergensis, Homo neandertalensis, gegen Ende Homo sapiens sapiens
Mittlere Steinzeit oder Mesolithikum 8000 - 5500 v. Chr. Kennzeichnend für die Zeit nach dem Ende des Pleistozäns in Europa. Die Jäger und Sammler besitzen eine hochstehende Werkzeugkultur mit Stein- und Knochenwerkzeugen, sowie neuen Fernwaffen wie Pfeil und Bogen und ernähren sich viel mehr als je zuvor von Fisch. Homo sapiens sapiens
Jungsteinzeit oder Neolithikum 5500 - 2200 v. Chr. Die Entstehung des Neolithikums wird mit dem Nahen Osten in Verbindung gebracht. Von dort stammen die ältesten Belege von Getreideanbau vor etwa 11.500 Jahren. Die neue Wirtschaftsweise, statt sammelnd und jagend ("aneignend") nun "produzierend", setzt sich sechs Jahrtausende später in Mitteleuropa durch. Das Jungneolithikum bedeutet mit der secondary products revolution, die lokal auch das Auftreten erster Kupfergegenstände umfasst, einen wichtigen Einschnitt. Homo sapiens sapiens
Bronzezeit 2200 - 800 v. Chr. Die Einführung der Metallurgie im Orient ermöglicht die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen (Gold, Kupfer, Bronze). Erste Schriftquellen im Vorderen Orient/ Ägäis. Homo sapiens sapiens
Eisenzeit seit ca. 800 v. Chr. Homo sapiens sapiens
 

Kritik am Dreiperiodensystem

Die Unterteilung der Geschichte in Steinzeit, Bronzezeit, und Eisenzeit, das Dreiperiodensystem, ist heute ein in den Grundzügen nach wie vor gültiges Konzept, wird aber inzwischen kritisch betrachtet. Die Unterteilung gilt als zu grob und unspezifisch, denn gerade am Übergang von der Stein- zur Metallverwendung sind die Übergänge fließend, und die unterschiedenen Zeiträume sind alles andere als verhältnismäßig oder wohlproportioniert. So fehlt regional das in Europa existierende aber kurze Mesolithikum. In manchen Regionen ist der Gebrauch von Kupfer bereits im Neolithikum belegt.

Weitere Kritiker sind die Kreationisten, die nicht nur diese Unterteilung, sondern die Zeitberechnungen, besonders die Existenz und Datierung der Altsteinzeit, überhaupt in Frage stellen.

Ur- oder Vorgeschichte


Der kulturelle Hintergrund der Menschwerdung ist der eigentliche Gegenstand der Vor- oder Urgeschichte. Diese läuft in zwei miteinander verschränkten Ebenen ab: Einer kulturellen und einer biologisch-evolutionären. Zu verschiedenen kulturellen Epochen sind oben bereits für die einzelnen Unterabschnitte ins Detail gehenden Artikel angeführt. Dennoch soll hier ein zusammenhängender erster Überblick insbesondere über die kulturelle Evolution des Menschen gegeben werden. Die biologische Evolution wird im Artikel Hominisation behandelt, auf einzelne Menschenarten wird hier daher nur stark vereinfachend eingegangen.

Paläolithikum

Homo habilis und Geröllgeräteindustrie
Die Menschheitsgeschichte beginnt in Afrika vor ca. 6 Millionen Jahre mit der Entwicklung des aufrechten Ganges durch die Australopithecinen. Für die Ursachen gibt es viele Theorien. Einige vermuten eine Anpassung an Steppenregionen, die vorher bewaldet waren. Der aufrechte Gang hätte nicht nur eine bessere Sicht ermöglicht, sondern den zusätzlichen Effekt, dass nun die Hände zunehmend für andere Dinge als die Fortbewegung frei wurden:

Die ersten Angehörigen der Gattung Homo (Hominiden) lebten vor ca. 2,6-2 Millionen Jahren.

Homo erectus und Faustkeilindustrie
Gegen Ende der Zeit, also ca. 1 Million Jahre vor heute, traten zwei wesentliche Neuerungen auf: Die Menschen lernten, das Feuer zu nutzen, und begannen vermutlich mit der aktiven Jagd auf Tiere, nachdem sie sich vorher primär von Pflanzen und Aas genährt haben dürften. Auch wurde der Homo habilis nun endgültig von einer anderen Art, dem Homo erectus abgelöst, der sich vor ca. 1,5 Millionen Jahren zu entwickeln begonnen hatte ("Olduvai-Hominid 9", ca. 1,2 - 1,5 Mio Jahre). Diese Art war so erfolgreich, dass sie sich massiv ausbreiten konnte: Über ganz Afrika, Kleinasien, Süd- und Mitteleuropa (nah verwandte Art Homo heidelbergensis, 600.000 vor heute; Homo erectus bilzingslebensis vor 400.000 Jahren), und über Indien bis ins heutige China und nach Südostasien ("Java-Mensch" Pithecanthropos bereits vor ca. 1,6 Mio Jahren), wobei die Ausbreitungsrichtung nach Norden offenbar von gesteigerten kulturellen Fähigkeiten abhing, die den klimatisch schwierigeren Bedingungen contra bieten konnten.

Homo erectus verbesserte zunächst die Steingeräte: Zunehmend wurden nun auch die kleineren Abschläge von den Kernsteinen verwendet, an den Kanten retuschiert (nachbearbeitet) und damit für andere Aufgaben nutzbar. Einen regelrechten Technologiesprung gab es vor ca. 1.5 Mio Jahren: Nun wurden auch die Kernsteine weitaus feinfühliger bearbeitet, und vor allem an zwei Seiten so behauen, dass sie eine Spitze ausbilden: Die Faustkeile blieben neben den bearbeiteten Abschlägen wichtigstes Werkzeug des Altpaläolithikums bis etwa 130.000 vor heute.

Neben der bereits erwähnten Feuernutzung war die Jagd auf Tiere eine wichtige Entwicklung, um das reduzierte pflanzliche Nahrungsangebot außerhalb Ostafrikas auszugleichen. Systematische Jagd auf Groß- und Kleinwild entwickelte sich ab ca. 1 Mio Jahre vor unserer Zeit, als "Abfallprodukte" der Nahrungsbeschaffung erhielt der Mensch nun auch weitere Rohmaterialien: Felle, die vor Kälte schützten, Knochen, die als Werkzeuge Verwendung fanden. Werkzeuge aus Holz und anderem vergänglichen organischen Material sind für diese zweite Hälfte des Altpaläolithikums zu erwarten, naturgemäß archäologisch aber kaum nachweisbar: Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa zwei hölzerne Speere mit einem Alter von 370.000 Jahren aus Schöningen.

Neandertaler und Abschlaggeräte
In Europa entwickelte sich aus dem Homo erectus (möglicherweise aus oder parallel zum Homo heidelbergensis) vor etwa 300.000 Jahren der Neandertaler, eine auf die spezifischen Umweltbedingen der letzten Eiszeit hervorragend angepasste Menschenart.

Die Neandertaler stellen sich heute (entgegen früherer Annahmen) als kulturell entwickelt dar: Bei ihnen sind in Mitteleuropa zum ersten Mal kultische Praktiken nachweisbar, so sind z.B. Bestattungen mit Grabbeigaben belegt, was zeigt das der Neandertaler sprachfähig war. In der Gudenushöhle (Niederösterreich) wurde sogar eine Knochenpfeife gefunden. Die Neandertaler entwickelten eine Technik der Steinbearbeitung, bei der nicht mehr (nur) die Kerne der Steine das Werkzeug ergaben, sondern bei der die vom Stein abgehauenen Abschläge selbst Werkzeug (Klingen) waren bzw. weiterbearbeitet wurden.

Homo sapiens
Neben (oder aus) dem Homo erectus entwickelte sich eine neue Menschenform, der Homo sapiens. Nicht abschließend geklärt ist, wie weit er sich unabhängig von lokal vorhandenen Menschentypen entwickelte; man tendiert jedoch zunehmend dazu, ihn als eine Art zu begreifen, die, vor 150 - 200.000 Jahren in Afrika entstand, sich (nach Homo erectus) von dort über die Welt ausbreitete. Der Homo sapiens verfeinert zunächst weiter die Methoden der Steinbearbeitung; teilweise ähneln sie denen der Neandertaler. Ob deren Verschwinden auf Konflikte mit dem anatomisch modernen Menschen zurückzuführen ist, bleibt umstritten; in Europa könnten sich die 2 Arten vor 30.000-40.000 Jahren begegnet sein, was einige Prozente "neandertalisches" Erbgut erklären würde.

Bemerkenswert sind die ersten Zeugnisse abstrakten (symbolischen) Denkens, die sich am prägnantesten in der Höhlenmalereien ausdrückt, deren älteste auf etwa 35.000 Jahre datieren. Als künstlerische Erzeugnisse (s.auch Kunst) gelten jedoch schon mit Gravuren verzierte Knochenobjekte aus Südafrika (Blombos-Höhle), deren älteste auf etwa 77.000 Jahre datieren. Auch sie stammen vom anatomisch modernen Menschen (= H.s.s.). Die Erzeugnisse der Kunst sind Belege einer Religion, die als wesentliche Voraussetzung die Sprachfähigkeit hat.

Mesolithikum und Neolithikum

Die Grundlagen unserer heutigen Zivilisation entstanden vor allem nach dem Ende der letzten Eiszeit. Die Klimagürtel der Erde verschoben sich nach Norden; in Mitteleuropa setzte die Bewaldung (Waldzone) ein. Nach einer Übergangsphase nacheiszeitlicher Jäger und Sammler (Mesolithikum, in Mitteleuropa etwa 8.000 und 5.500 Jahren vor Chr.), setzen Neuerungen ein, die tiefgreifende sozio-ökonomische Veränderungen mit sich brachten.

Entscheidendes Merkmal der "Neolithischen Revolution" ist die Veränderung der Wirtschaftsweise. Nach Mitteleuropa gelangt die Domestikation von Tieren und Pflanzen vor mehr als 7000 Jahren. Die Mensch sind sesshaft und benutzen Keramik. Auch in der Steintechnologie gibt es Neuerungen; man entdeckt den Schliff von Stein.

Siehe auch


Literatur


  • Martin Kuckenberg: Vom Steinzeitlager zur Keltenstadt - Siedlungen der Vorgeschichte in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1446-8
  • Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. C. Bertelsmann, München 1991

Weblinks


Ur- und Frühgeschichte

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