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vorderlader.png Der Vorderlader ist die ursprüngliche Form der Feuerwaffe. Ein typischerweise glatter, gebohrter Lauf wird mit Treibladung und Projektil durch die Mündung geladen. Das hintere Ende des Laufes ist fest verschlossen und verfügt nur über ein relativ kleines Zündloch, durch das ein mittels Lunte (Luntenschloss), Feuerstein (Steinschloss), Radschloss oder Zündhütchen (Perkussionswaffe) erzeugter Funke oder Feuerstrahl die Treibladung zündet. Vorderladerfeuerwaffen werden klassisch mit Schwarzpulver und einem Bleigeschoss geladen. Dazu kommt oft noch ein Schusspflaster zur Abdichtung. Vorderladerkanonen verwendeten als Geschosse unter anderem Stein- oder Eisenkugeln sowie Fragmentgeschosse wie Kartätschen.

Entwicklung der Vorderladerhandwaffen


Gezogene Läufe

Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatten die Waffen der Soldaten primär glatt gebohrte Läufe. Man hat schon im 17. Jahrhundert erkannt, dass gerade Rillen das Geschoss stabiler fliegen lassen und entwickelte recht schnell danach Züge und Felder, die im Lauf eine gewisse Umdrehung machten und so dem Geschoss eine Rotation um seine Längsachse mitgab, die es im Flug stabilisierte und die Genauigkeit signifikant steigen ließ, aber nicht die Reichweite, da die Gewehre mit gezogenem Lauf kürzer sein mussten. Das Laden eines Vorderladers mit gezogenem Lauf ist problematisch, da das hierfür benötigte passgenaue Geschoss von der Mündung her den ganzen Lauf hinuntergestoßen werden muss. Zunächst wurden daher Rundkugeln mit gefetteten Schusspflastern in den Lauf gestoßen. Die Pflasterränder wurden beim Schuss in die Züge des Laufes gepresst und übertrugen so den Drall. Da das Laden hierbei jedoch relativ viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, benutzten lange Zeit nur Jäger und Scharfschützen gezogene Vorderladerwaffen.Delvigne.jpg Im militärischen Bereich blieb die glattrohrige Muskete trotz ihrer Ungenauigkeit wegen ihrer wesentlich höheren Schussfrequenz bei gleicher Reichweite erste Wahl. Zugleich wurde intensiv an Verfahren experimentiert, eine Kugel schneller in den gezogenen Lauf zu bekommen.

Henri Gustave Delvigne, ein französischer Offizier, war der erste, der versuchte, das gezogene Gewehr zu einer Waffe zu entwickeln, die für die gesamte Infanterie geeignet ist. Er erkannte, dass das Geschoss nach dem Einbringen in den Lauf seine Form ändern musste und entwickelte eine kleine Pulverkammer, auf der das (runde) Geschoss auflag und mit mehren kräftigen Stößen so ellipsoid verbreitert wurde, dass es den Zügen folgte. Das verformte Geschoss veränderte zwar auch die Flugbahn auf Kosten der Genauigkeit, zeigte aber Erfolg versprechende Prinzipien auf.

Thouvenin, ein französischer Oberst, griff das Prinzip auf. Er hatte die Idee, das unterkalibrige (d. h. minimal kleiner als der Laufdurchmesser) Langgeschoss auf einem Dorn in der Schwanzschraube des Laufes mit kräftigen Stößen mit dem Ladestock so zu erweitern, dass es sich beim Schuss in die Züge presst. Es wurden keine runden Kugeln mehr verwendet und das Pulver lag um den Dorn herum. Das System hatte den Vorteil, dass man die Gewehre leicht umrüsten konnte, indem man nur die Schwanzschraube ersetzte.Thouvenin.jpg Das System hatte aber auch Nachteile: Es musste sehr viel Kraft aufgewendet werden, um das Geschoss auf dem Dorn zu erweitern, und die Reinigung um den Dorn herum stellte sich als schwierig heraus. Auch war der Dorn fehleranfällig und konnte brechen. Trotzdem funktionierte dieses System beeindruckend gut, so dass die Französischen Jäger 1846 damit ausgerüstet wurden.[[Bild:Minies.jpg|thumb|left|Amerikanisches Minié-Geschoss ohne Culot, Links: vor dem Abschuss
Mitte: nach dem Abschuss
Rechts: Bodenfund aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg]]

1849 wurde mit dem Minié-Geschoss das Problem von Hauptmann Claude F. Minié elegant gelöst. Das Geschoss war zylindrisch, mit einer konischen oder runden Spitze und leicht unterkalibrig , so dass es sich leicht laden ließ. Der Boden des Geschosses wies eine kleine Mulde auf, die eine kleine Eisentasse enthielt; diese sorgte dafür, dass das Geschoss sich beim Schuss etwas verbreiterte und in die Züge griff. Diese kleine Änderung vervielfachte die mögliche Kampfentfernung und hatte einen großen Einfluss auf die Kriegsführung (z. B. im Krimkrieg 1854 und im amerikanischen Bürgerkrieg), da man die vorhandenen Musketen nur mit Zügen und Feldern ausstatten musste, was vergleichsweise schnell ging. Das Hinterlader-Zündnadelgewehr stand aber schon in den Startlöchern, die Vorderlader abzulösen.

Im Jahre 1852 erfanden ein englischer Geschützfabrikant, Herr Wilkinson, und ein österreichischer Artillerieoffizier, Hauptmann Lorenz, gleichzeitig, aber unabhängig voneinander, eine neue Methode, den Durchmesser eines lose passenden Langgeschoßes durch die Kraft der Entzündung so zu vergrößern, daß es fest im Lauf saß und den Zügen folgte. Diese Methode bestand darin, durch die Entzündung das Geschoß der Länge nach zusammenzupressen, anstatt es auszudehnen. Das Kompressionsgeschoss hat eine schwere Geschossspitze, ist relativ lang und hat zwei bis drei tiefe Rillen. Der Explosionsdruck verringert die Länge des Geschosses, was wiederum zu einer Verbreiterung des Durchmessers bis zur Laufwand führt und das Geschoss die Züge nimmt.

Schlosse

Gegen 1610 wurde das Steinschloss in der Schnapphahn-Variante erfunden, und in der Weiterentwicklung zum Steinschloss mit kombinierter Batterie und Pfannendeckel setzte es sich bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts durch. 1804 wurde das Knallquecksilber erfunden, das das Zündhütchen für das Perkussionsschloss ermöglichte. Das Steinschloss wurde durch die zuverlässigere Perkussionszündung ersetzt. Ein Hahn schlug auf das Zündhütchen, das auf einem Piston saß und die Pulverladung im Lauf entzündete. Die bauliche Ähnlichkeit zum Steinschloss führte zu einer schnellen Einführung des Perkussionsschlosses, da die Steinschlosswaffen einfach zu aptieren (d. h.umzubauen) waren.

Kanonen


Die ersten Vorderladerkanonen waren Steinbüchsen – zweigeteilte Büchsen, die eine Pulverkammer hatten und einen Flug. Erst wurde das Schwarzpulver (damals noch Mehlpulver) geladen und dann verdämmt. Anschließend wurde die bis zu 350 kg und mehr wiegende Steinkugel eingesetzt. Diese wiederum wurde mit flachen Keilen und Lehm verpisst und verschoppt, d. h. die Zwischenräume zwischen der unebenen, grob behauenen Steinkugel und der Wand des Fluges mussten abgedichtet und die Kugel fixiert werden. Anschließend wurde der Lehm trocknen gelassen und dann erst gefeuert. Kanonen-lafette-burg-felsenstein_1-1024x768.jpg, Sachsen: Kartaune auf Wandlafette]]So kam man auf gut einen Schuss pro Tag! Man ging immer mehr von den schmiedeeisernen Stabringgeschützen zu gegossenen Bronze-Geschützen über. Die Geschütze entstanden in verschiedenen Größen, und es bildete sich immer mehr die Form heraus, die die Vorderladerkanonen noch drei Jahrhunderte behalten sollten. Es entstanden die Kartaunen. Mit Voderladerkanonen zu schießen, war immer sehr gefährlich. Glimmende Pulverreste im Lauf konnten sich bei dem notwendigen Durchwischen des Rohres nach jedem Schuss entzünden. Schuld daran war der frisch zugeführte Sauerstoff. Das kostete so manchem Kanonier den Arm. Verhindert wurde das dadurch, dass der Richtschütze mit einem ledernen Daumenschutz das Zündloch zuhielt. Auch die gegossenen Kanonen konnten nicht dauerhaft schießen. Die Rohre erhitzten sich so stark, das die Ladungen schon beim Einführen zu explodieren drohten; die Anzahl der Schüsse, die in einer Stunde abgegeben werden durften, wurde begrenzt. Im Laufe der Zeit wurde das Material besser, so dass die Limits heraufgesetzt werden konnten. Die Rohre selbst erfuhren bis zur Einführung des Hinterladers keine bedeutenden Entwicklungen, lediglich die Zündarten änderten sich. Es wurde häufiger auch ein Steinschloss anstelle der Zündschnur und der Lunte eingesetzt. Mit der Erfindung des Minié-Geschosses kamen auch gezogene Kanonenläufe und die damit einhergehende Genauigkeit auf.

Heute/Sport


Vorderlader werden heutzutage in erster Linie sportlich geschossen, militärisch ist der Vorderlader technisch völlig überholt, da die Ladegeschwindigkeit zu gering ist und weil ab einer bestimmten Kalibergröße der Ladevorgang nur noch mit einem nicht vertretbaren Aufwand durchgeführt werden kann (zum Beispiel bei Schiffsgeschützen mit einem Kaliber von 400 mm). An Genauigkeit übertreffen Schwarzpulverwaffen allerdings oft die Patronenwaffen mit Nitrotreibmitteln. Heute noch werden in England Vorderlader-Disziplinen mit Entfernungen von 900 Yards geschossen, das sind 822,96 Meter. Lediglich Waffen wie Granatwerfer sind noch militärisch eingesetzte Vorderlader.

Ein weiterer Nachteil der Vorderlader (mit Ausnahme derer mit Perkussionszündung) ist die deutliche Verzögerung zwischen Betätigung des Auslösers und dem eigentlichen Schuss. Je nach verwendeter Zündtechnik kann dies bis zu einer halben Sekunde betragen.

Zudem stellt der Vorderlader bei schneller Schussfolge auch eine Gefahr für den Schützen dar. Im Lauf verbliebene Glut vom letzten Schuss kann die neu eingefüllte Ladung zur vorzeitigen Zündung bringen, was meist beim Verdichten der Treibladung geschieht, also während der Ladestock in den Lauf geführt wird.

Gerade diese diversen Eigenheiten, denen man mit Geschick und Sorgfalt entgegenwirken muss, machen den Reiz des Vorderladers als Sportwaffe aus. In Deutschland wird diese Sonderform des Schießsportes und Variante der Brauchtumspflege (z. B. auch Böllerschießen) beispielsweise von der Schwarzpulverinitiative vertreten. Diese ist nach dem Sprengstoffrecht ein staatlich anerkannter Schießsportverband.

Siehe auch: Brown-Bess

Literatur


  • Thomas Fatscher/Helmut Leiser: Ausarbeitung zum neuen Waffenrecht. Krüger Druck+Verlag, Dillingen/Saar 2003, ISBN 3000120009

Weblinks


Handfeuerwaffe | Geschütz | Aufbau/Funktion von Handfeuerwaffen | Aufbau/Funktion von Geschützen | Schießsport

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