In der neoklassischen Finanzierungstheorie ist der vollkommene Kapitalmarkt eine Konstruktion von Annahmen, die zur Vereinfachung theoretischer Modelle verwendet wird.
Ein theoretischer Kapitalmarkt gilt dann als vollkommen, wenn alle folgenden Bedingungen erfüllt sind:
Aus diesen Bedingungen folgt, dass ein gleichgewichtiger vollkommener Kapitalmarkt keine Möglichkeit der Arbitrage bietet, er ist arbitragefrei.
Der vollkommene Kapitalmarkt ist eine der grundlegenden Annahmen für viele in der Finanzierungstheorie wichtige Modelle wie beispielsweise das Capital Asset Pricing Model, die Arbitrage Pricing Theory und das Modigliani-Miller-Theorem. Auch in der makroökonomischen Analyse findet dieses Annahmenkonstrukt Verwendung, wie zum Beispiel in der monetären Wechselkurstheorie und der Ricardianischen Äquivalenz.
Ist eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, spricht man von einem unvollkommenen Kapitalmarkt (auch: imperfekter Kapitalmarkt). Durch die Abweichung von diesen strikten Voraussetzungen können Modelle erstellt werden, die das tatsächliche Marktgeschehen deutlich realistischer abbilden können.
Unter der Voraussetzung sicherer Erwartungen sind abweichende Soll- und Habenzinssätze der bedeutendste Fall für Marktunvollkommenheiten. Investition und Finanzierung sind dann nicht mehr beliebig austauschbar, sondern mit zusätzlichen Kosten verbunden, ebenso können verschiedene Alternativen zu unterschiedlichen Zahlungsströmen und damit von der Marktverzinsung abweichenden Renditen führen. Weiterhin können Transaktionskosten und der Einfluss der Nachfrageseite auf die Preisgestaltung modelliert werden.
Wird auch die Annahme sicherer Erwartungen zu Gunsten von Unsicherheit aufgegeben, entstehen insbesondere Modelle, die sich aus dem Vorhandensein asymmetrischer Informationsverteilung ergeben. Bekannt geworden ist vor allem das vom Nobelpreisträger George A. Akerlof untersuchte Lemons Problem, das auch auf Kapitalmärkte übertragbar ist.
Allgemein bekannt ist in diesem Zusammenhang der Vorgang der Preisdifferenzierung. Dieser findet in realen Kapitalmärkten beispielsweise bei Finanzierungskonditionen Anwendung, die an die Bewertung durch Ratingagenturen gekoppelt werden.
Im Bankenbereich kommen weitere Unvollkommenheiten zum Tragen:
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"Vollkommener Kapitalmarkt".
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