Volkstum: die Gesamtheit aller Lebensäußerungen eines Volkes, die seine volkliche Eigenart, seinen Volkscharakter, kennzeichnen. Das Wort Volkstum wurde zuerst 1810 vom Turnvater Jahn als deutsche Übersetzung des Fremdwortes Nationalität angewendet, obwohl sich 'volkstümlich' bereits bei Herder findet." (Der Große Brockhaus, Band 4 S-Z, 1938)
Volkstümlich wurde in einem gewissen Gegensatz zu "elitär" benutzt. "Volkstümliche Literatur" war z.B. die Populärliteratur gegenüber "gehobener Literatur". Es hatte auch demokratische, antimonarchistische Beiklänge - ein König, der sich in seinem Handeln nicht abgehoben ("hochmütig") gab, wie Friedrich August III. von Sachsen, war ein volkstümlicher Monarch.
Der Begriff wurde ab 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches immer propagandistischer (im 'Volkstumkampf) und inflationierte.
Im Nationalsozialismus wurde er aggressiv umgedeutet (vgl. Volk). Adolf Hitler setzt in Mein Kampf den Begriff "Volkstum" mit dem Begriff "Rasse" gleich: Da das Volkstum, besser die Rasse, eben nicht in der Sprache liegt, sondern im Blute.
Nach 1945 war der Begriff "Volkstum" entsprechend anrüchig geworden und wurde im Deutschen tunlichst vermieden, auch in der DDR, wo hingegen der "Volks"-Begriff neu umgedeutet wurde ("Volksdemokratie", "Volkspolizei" u.a.m.) - Bert Brecht: Das Volk ist nicht tümlich. Im engeren volkskundlichen Sinne erschien er gelegentlich weiterhin (das Volkstum der Donauschwaben, Sorben o.ä.), ist aber heute außer (wieder propagandistisch) bei der Neuen Rechten abgekommen.
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"Volkstum".
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