Aschenputtel-Richter.JPG - Zeichnung von Adrian Ludwig Richter]] Volksmärchen stellen eine traditionelle Form des Märchens dar. Sie basieren auf mündlich überlieferten Stoffen, und gehen im Gegensatz zum direkt niedergeschriebenen Kunstmärchen auf unbekannte Dichter zurück.
Merkmale: Unbestimmtheit von Raum und Zeitangaben („Es war einmal ...“) ; Sprechende Tiere und Pflanzen; Phantasiewesen wie Riesen und Zwerge, Hexen, Zauberer und (gute oder böse) Feen; wunderbare Ereignisse inmitten des Alltäglichen; Wiederholungsstruktur (z.B. drei zu lösende Rätsel oder sonstige Aufgaben). Im Mittelpunkt steht vielfach ein Held, der sich aus seiner anfänglichen Benachteiligung (er ist z.B. ein Stiefkind, der Jüngste, der Dümmste) befreit bzw. von Helfern befreit wird und zu Glück und Wohlstand gelangt. Neben dieser optimistischen kann im Märchen auch die entgegengesetzte Weltsicht herrschen (Beispiel: Von dem Fischer un syner Frau); die Bezeichnung als Antimärchen (A.Jolles, 1950) kennzeichnet diesen Typus jedoch als die Ausnahme. Neben dem Zaubermärchen existieren vielfältige Formen des Schwanks und des Tiermärchens („Die Kluge Bauerntochter“, „Der Hase und der Igel“). Neuere Nachdichtungen von Volksmärchen haben vielfach parodistischen Charakter (z.B. bei Janosch).
Die Ausgangslage ist meist gekennzeichnet durch eine Notlage, eine Aufgabe oder ein Bedürfnis. Eine Aufgabe kann etwa darin liegen, einen kostbaren Gegenstand zu finden, ein Rätsel zu lösen oder einen verwunschenen Menschen zu erlösen. Um die Aufgabe zu bewältigen, muss der Held oft sein Leben aufs Spiel setzten. Neben dem Helden treten auch weitere typische Gestalten auf. Hierzu gehören der Gegner, der Helfer, der Neider, der Ratgeber und der Gerettete bzw. der zu rettende. Während des Ablaufs der Geschichte können immer wieder magische oder übernatürliche Elemente auftauchen.
Charakteristisch erscheint insbesondere auch der häufig anzutreffende Gegensatz zwischen Gut und Böse, wobei in aller Regel die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. Märchen haben oft einen durchaus grausamen oder gewalttätigen Inhalt und sind daher in ihrer Wirkung auf Kinder umstritten.
Gebr-Grimm.jpg]] Die ältesten europäischen Volksmärchensammlungen stammen von Giovanni Francesco Straparola (Ergötzliche Nächte, 1550), Giovanni Battista Basile (Pentameron, 1634) und Charles Perrault (1696/97). Die deutschsprachige Volksmärchentradition beginnt im 17. Jahrhundert mit Johannes Praetorius. Weltgeltung erlangt haben aber insbesondere die 1812 veröffentlichten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm (die Brüder Grimm). Weitere bekannte deutsche Märchensammler und -dichter waren Ludwig Bechstein (1801-1860) mit seinem Deutschen Märchenbuch (1854) und Johann Karl August Musäus (1735-1787) mit seinen Volksmärchen der Deutschen (1782-1786).
Zum Typ der Volksmärchen ist auch die orientalische Sammlung „Tausendundeine Nacht“ zu rechnen, deren Ursprünge bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, die aber erst im 16./17. Jahrhundert in Ägypten niedergeschrieben wurde.
Daneben werden noch Schreckmärchen, deren Absicht eine Belehrung, und Formelmärchen, in denen sich ein bestimmtes Motiv wiederholt, genannt.
Eine besonderen Typus stellt das Feenmärchen dar. Feen (franz. fée = Fee, v. lat. fata = Schicksal) sind gutartige oder boshafte Frauen aus einem übernatürlichen Reich, die mit normalen Menschen in Berührung treten. Oft sind diese Frauen Zauberinnen oder in Anlehnung an Naturgeister oder Schicksalsgöttinnen, die den Menschen begleiten, konzipiert. Das Motiv der Fee als Patin tritt oft auf.
Feenmärchen stehen in der Tradition ägyptisch-indischer Zaubererzählungen, persischer Geister- und arabisch-orientalischer Dämonenmärchen (vgl. 1001 Nacht, Peris und Dschinen). Seit der Zeit der Kreuzzüge (12. Jahrhundert) verschmolzen sie mit einheimischen, insbesondere auch keltischen Vorstellungen (im Deutschen Sprachraum Alben oder Elfen). Daraus ergab sich die Idee eines Feenreichs, in das die Feen auch geliebte irdische Männer entführen.
Im internationalen Vergleich ist festzustellen, dass gleiche Motive in unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen auftauchen. Teilweise ist dies sicherlich mit gegenseitigen Beeinflussung zu erklären. Soweit eine solche auszuschließen ist - etwa weil die betroffenen Kulturkreise zumindest zur Entstehungszeit der Märchen keinen Kontakt hatten -, wird als Erklärungsansatz häufig die von Carl Gustav Jung entwickelten sog. Archetypenlehre herangezogen. Hiernach verfügt die Menschheit über ein Kollektives Unbewusstes mit bestimmten gemeinsamen Grundvorstellungen.
Bekannte Märchenmotive sind z.B.:
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