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Volksfront bezeichnet in der Sprache der kommunistischen Parteien ein Bündnis der Arbeiterbewegung mit dem liberalen Bürgertum

Theorie


Nach der strengen marxistischen Theorie des Klassenkampfes sind Proletariat und Bürgertum eigentlich antagonistische Klassen, die sich bekämpfen müssen. Während der Revolution von 1848/49 meinten Marx und Engels allerdings, dass sich das Proletariat dem Bürgertum anschließen sollte, um mitzuhelfen, bürgerliche Freiheitsrechte zu erkämpfen, deren Wert auch für die kommunistischen Theoretiker unbestritten war. Gleichzeitig hofften Marx und Engels die Arbeiterklasse würde den Sieg der bürgerlichen Revolution ausnutzen können und sie bis zur proletarischen Revolution fortsetzen.

Praxis


Als Volksfront wurde das von der Komintern (Kommunistische Internationale) ab 1934 beworbene Aktionsbündnis aus Sozialdemokraten, Kommunisten, Sozialisten und bürgerlichen Kräften zum Kampf gegen den Faschismus, für "Demokratie und Frieden", bezeichnet; den Kern dieser Volksfront sollte die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, die sogenannte Einheitsfront bilden. Zuvor machte die umstrittene "Sozialfaschismusthese" eine Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten schwierig. Das Scheitern der sozialistischen Parteien gegenüber dem Nationalsozialismus in Deutschland ließ eine Zusammenarbeit in anderen Ländern geboten erscheinen.

Seit den 30er Jahren, als sich faschistische Regierungen in Europa vermehrten, wurde eine Volksfront von vielen befürwortet, um den gemeinsamen Gegner gemeinsam zu bekämpfen. Es blieb aber immer zweifelhaft, ob die Kommunisten ehrlich mit politischen Gegnern zusammenarbeiten wollten, oder ob die Volksfront für sie nur eine Möglichkeit der Propaganda und der Einflussnahme war.

Andere Beispiele für Volksfronten finden sich in Frankreich 1936 und 1937/38 (unter Léon Blum), Spanien 1936 unter (Francisco Largo Caballero, siehe Frente Popular) und Chile 1970-1973 (unter Salvador Allende). In diesen drei Staaten war es in freien Wahlen zu Volksfrontregierungen gekommen, allerdings konnten diese die gewaltsamen Machtübernahmen der faschistischen Regime von Henri Philippe Pétain, Francisco Franco Bahamonde und Augusto Pinochet nicht verhindern.

In der Nachkriegszeit wurden unter sowjetischem Einfluss auch so genannte Volksfront-Bündnisse geschaffen, die auch als Vaterländische Front oder als Nationale Front wie in der DDR in Erscheinung traten; dabei waren die kommunistischen Parteien die unbestrittene Führungsmacht.

Aktuelle organisatorische Zusammenschlüsse von Sozialdemokraten, Kommunisten und bürgerlichen Kräften sind die linken Wahlkoalitionen in Italien seit den 90er Jahren (L'Ulivo 1996 und 2001, in größerem Maßstab L'Unione 2006).

Verwendung des Begriffs in aktuellen politischen Debatten


In innenpolitischen Debatten wird dieser Begriff aus den 30er Jahren immer wieder verwendet, allerdings meist vom konservativen Lager an die Adresse der Linken, zuletzt auch jedoch von Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen der Beteiligung des CDU-Politikers Georg Milbradt an den Demonstrationen der Gewerkschaften und der PDS gegen Hartz IV.

Volksfrontstrategie


Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Volksfrontstrategie ein beliebtes politisches Mittel zur verschleierten Durchsetzung kommunistischer Ziele in den von Sowjets besetzten Gebieten (z.B. Ungarn, Polen, SBZ) über eine Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten und bürgerlichen Parteien.

Andere Verwendungen des Begriffs


Als Volksfront bezeichneten sich ferner, in völlig anderem Zusammenhang, die nach Unabhängigkeit von der UdSSR und Demokratie strebenden nicht- bzw. antikommunistischen Bewegungen in einigen Sowjetrepubliken Ende der 1980er Jahre.

Der Begriff Volksfront ist außerdem die Selbstbezeichnung diverser Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt (z.B. Volksfront zur Befreiung Palästinas, PFLP).

An den Begriff der Volksfront knüpfte ferner die ursprünglich als Vorfeldorganisation der KPD/ML für die Bundestagswahl 1980 gegründete Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg an, welche sich nach der um den Slogan „Stoppt Strauß“ zentrierte Wahlkampgne zu einer formell parteiunabhängigen, sich dem Themenbereich Antifaschismus widmenden Organisation wandelte.

Teile der neonazistischen Szene streben seit einiger Zeit größere Bündnisse an und bezeichnen diese als „Volksfront von rechts“.

Literatur


  • Dieter Nohlen und Rainer-Olaf Schultze (Hg.): Lexikon der Politikwissenschaft, München 2002.
  • Birgit Schmidt: Wenn die Partei das Volk entdeckt. Anna Seghers, Bodo Uhse, Ludwig Renn u.a. Ein kritischer Beitrag zur Volksfrontideologie und ihrer Literatur, Münster 2002, ISBN 3-89771-412-4
  • Ursula Langkau-Alex: Deutsche Volksfront 1932-1939 - Zwischen Berlin, Paris, Prag und Moskau, Berlin, Akademie Verlag. 3 Bände - Band 1: Vorgeschichte und Gründung des Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront, 2004, ISBN 3-05-004031-9; Band 2: Geschichte des Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront, 2004, ISBN 3-05-004032-7; Band 3: Dokumente, Chronik und Verzeichnisse, 2005, ISBN 3-05-004033-5

Politischer Begriff | Politisches Schlagwort | Arbeiterbewegung

Popular Front (France) | Frente Popular | Front populaire | 人民戦線 | Volksfront

 

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