| Violoncello |
|---|
| engl.: Cello, frz.: Violoncelle |
| Klassifikation |
| Chordophon (Streichinstrument) |
| Tonumfang: |
| Range_cello.png |
| Verwandte Instrumente: |
| Violine, Viola; auch Kontrabass, Viola da Gamba |
| Musiker |
| Liste von Cellisten Kategorie:Cellist |
Das Violoncello wird vom Violoncellisten mit einem Bogen gestrichen. Im Gegensatz zur Violine und Viola wird das Instrument (mit dem Hals nach oben) aufrecht zwischen den Beinen gehalten und ruht mit einem ausziehbaren Stachel aus Metall oder neuerdings Carbonfaser auf dem Boden.
Dieses Instrument entstand nach 1650 in der Gegend von Bologna und wurde bis ca. 1850 ohne Stachel wie die Gambe mit den Beinen gehalten. Das wird auch heute noch bei Konzerten in historischer Aufführungspraxis so gehandhabt.
Das Violoncello entspricht etwa der Bauform der Violine und der Viola, besitzt aber abweichende Proportionen. Während der Korpus des Violoncellos knapp die doppelte Länge der Geige hat, haben die Zargen die vierfache Höhe. Dies erweitert den Resonanzraum und gleicht die Tatsache aus, dass das Violoncello, gemessen an seiner Stimmung, eigentlich viel größer sein müsste, wollte man die Proportionen der Violine beibehalten. Die Saiten sind eine Duodezime tiefer gestimmt als die der Violine.
Entsprechend vergrößert hätte der Korpus die dreifache Länge eines Geigenkorpus, was zu einem Instrument von den Dimensionen des Kontrabasses führen würde.
Die hohen Zargen bewirken, dass im Klangspektrum bestimmte Teiltöne, insbesondere der 1. Oberton, verstärkt werden. Daraus entsteht die charakteristische warme Klangfarbe des Violoncellos.
Weiterhin besitzt das Violoncello ein anderes Mensurverhältnis – der Begriff bezeichnet den Abstand zwischen Sattel und oberem Deckenrand im Verhältnis zum Abstand zwischen Deckenrand und Steg – als die Geige: Während bei der Violine das Mensurverhältnis 2:3 beträgt, ist es beim Violoncello mit 7:10 geringfügig größer. Der gesamte Abstand zwischen Sattel und Steg und damit die Länge der schwingenden Saite wird als Mensur bezeichnet.
Das Violoncello wird vom Geigenbauer hergestellt. Aus handwerklicher Sicht ist der Violoncellobau dem Bau der Violine sehr ähnlich. Allerdings benötigt die Herstellung eines Violoncellos etwa dreimal so viel Zeit wie die einer Geige.
Zu Baubeginn bestehen Decke und Boden aus massiven Holzplatten, die zunächst in der Mitte gefugt werden. Dabei entspricht die Dicke mindestens der Höhe der späteren maximalen Wölbung. Erst nach vollkommener Fertigstellung der Außenwölbung mit verschiedenen Handeisen wird die Innenwölbung begonnen. Diese Arbeitsschritte sind von großer Bedeutung für den späteren Klang des Cellos.
Im Gegensatz zu Decke und Boden werden die Zargen, die zusammen mit den vier Eckklötzen sowie dem Ober- und Unterklotz den Zargenkranz bilden, zunächst als plane Streifen auf die richtige Stärke gehobelt. Danach erfolgt mit Dampf und Druck auf einem speziell dafür geformten Eisen (Biegeeisen) ihre Biegung in die richtige Form. Die Klötze, an denen die Zargen festgeleimt sind, dienen als Gerüst. In den Oberklotz wird später der Hals eingelassen und eingeleimt.
Weitere Details zum Bau eines Streichinstruments finden sich im Artikel Geigenbauer.
Die Erzeugung des Tons erfolgt mechanisch durch Anstreichen der Saite mit dem Bogen oder durch Zupfen mit den Fingern. Auf dem Griffbrett befinden sich jedoch nicht, wie z. B. bei der Gitarre, Bünde. Daher muss der Violoncellist die Griffposition für eine bestimmte Tonhöhe aus dem Gedächtnis finden, indem er die richtige Stelle einer Saite mit der Greifhand niederdrückt. Durch das Niederdrücken verkürzt er die Saite, so dass sich die Frequenz ihrer Schwingung und damit die Tonhöhe ändert.
Charakteristisch für das Violoncello ist einerseits der weiche und vielfältige Klang, andererseits der große Tonumfang von rund 4 Oktaven. Werden die Saiten gezupft (pizzicato), klingt es volltönig und markant.
Die vier Saiten bringen durch ihre jeweilige Grundstimmung und Bauart die verschiedenen Klangeigenschaften des Instruments zur Geltung. Die folgende Charakterisierung kann natürlich nur subjektiv sein.
Eine Merkspruch für die Grundstimmung ist 'Ach Du Großes Cello.
Loudspeaker.png Cello strings.ogg
Das Violoncello hat, ähnlich der Violine, aufgrund der komplizierten Resonanzeigenschaften des Resonanzkörpers einen sehr unregelmäßigen Teiltonaufbau sowie ausgeprägte Formantgebiete. Darauf beruht zum Teil der ihm oft zugeschriebene kantable Charakter. Die Grundtöne der tiefsten Töne sind gegenüber den Teiltönen sehr schwach ausgeprägt und liegen circa 15 Dezibel (dB) unter den stärksten Obertönen. Auch oberhalb von 3000 Hertz (Hz) sind die Teiltöne, die bis ungefähr 8000 Hz reichen können, relativ schwach ausgeprägt. Charakteristische Formantgebiete des Violoncello liegen bei 230 Hz, zwischen 300 und 500 Hz sowie zwischen 600 und 900 Hz. Typisches Kennzeichen des Violoncelloklangs ist eine Formantsenke zwischen 1000 und 1200 Hz, in einem Bereich, in dem die Violine ihren stärksten Formanten besitzt. Dies ist einer der Gründe für den unterschiedlichen Klangcharakter der beiden Instrumente. Instrumente, die einen Formanten zwischen 2000 bis 3000 Hz besitzen, zeichnen sich durch einen hellen Klang aus. Manche Instrumente besitzen beim Spiel auf der A-Saite im Bereich um 1500 Hz einen Formanten, der das Instrument etwas in Richtung Viola (die oft einen Formant bei circa 1600 Hz besitzt) klingen lässt.
Die Einschwingzeit des Violoncellos liegt bei circa 60 bis 100 Millisekunden (Violine 30–60 ms, Kontrabass 100–500 ms). Sie kann aber durch entsprechende Bogenführung auf bis zu 250–300 ms verlängert werden, wodurch ein weicherer Klang erreicht wird. Da der Grundton später als die Teiltöne anspricht, kann bei schnellen Tonfolgen der Klang etwas „spitz“ werden. Der gegenüber der Violine etwas längeren Einschwingzeit entspricht ein längeres Ausklingen. Der Einschwingzeit analog ist der Geräuschanteil in diesem Zeitabschnitt. Weitere (erwünschte) Geräuschanteile nach dem Einschwingungsvorgang entstehen durch das Streichen des Bogens auf der Saite.
Der Dynamikbereich der Streichinstrumente liegt circa 10 Dezibel unter denen der Holzbläser. Das Violoncello deckt ungefähr einen Dynamikbereich von 35 dB ab und liegt damit knapp über der Violine mit 30 dB.
Die Richtcharakteristik des Violoncelloklangs, die allerdings nur im Nahbereich (zum Beispiel bei der Mikrofonaufnahme) von Bedeutung ist, unterscheidet sich dadurch von den anderen Streichinstrumenten, dass sie sich zwischen 2000 und 5000 Hz bevorzugt in zwei Zonen (zum Boden und senkrecht nach oben) aufteilt.
Das Violoncello wird im Sitzen gespielt. Es wird an drei Punkten gehalten: Der Stachel steht auf dem Boden, Knie und Waden stützen es von den Seiten (rechts neben der Zarge, links leicht dahinter).Es wird etwas geneigt, dass sich der Hals mit dem Griffbrett über der linken Schulter befindet und der Spieler aufrecht sitzen kann. Die linke Hand greift die Tonhöhen auf den Saiten, die rechte führt den Bogen.
Aus der Richtung des Bogenstrichs ergibt sich die grundsätzliche Einteilung in Auf-/Stoss- und Ab-/Zugstrich. Die Bogenführung nach rechts – der Ab-/Zugstrich – wird aus klanglichen und spieltechnischen Gründen eher für betonte Taktteile verwendet, der Aufstrich dementsprechend eher für unbetonte, insbesondere für Auftakte. Dies gilt seit der Entstehung des Violoncello im Barock. Allerdings sind die Unterschiede zwischen Auf-/Stossstrich und Ab-/Zugstrich mit modernem Instrument und Bogen minimal, so dass dieses Prinzip an Bedeutung verloren hat.
Die große Zahl der Stricharten lässt sich prinzipiell zwei Gruppen zuordnen:
Näheres zu diesem Thema behandelt der Artikel Strichart.
Bis zur 6. Lage bleibt der Daumen als stabilisierendes Gegenlager meist unter dem Hals. In Höhe der 7. Lage (eine Oktave über dem Saitengrundton) befindet sich das Griffbrett bereits weit über dem Korpus. Der Daumen, der hier nicht mehr den Hals umfassen kann, liegt nun mit auf den Saiten. Er kann auch zum Greifen von Tönen gebraucht werden (Daumenaufsatz, Daumenlage).
Die Lagenwechsel sind notwendige Aktionen der linken Hand, um bei der beschränkten Anzahl von vier Saiten den erforderten Tonumfang zu erreichen. Die Wahl der Lage bestimmt aber auch die Klanggestaltung eines Stücks, da derselbe Ton auf verschiedenen Saiten gespielt unterschiedlich klingt.
Beim Vibrato wird die Hand auf und ab bewegt (keine Drehbewegung um die Achse des Unterarms !), um den Ton durch wellenförmige Tonhöhenschwankungen zu beleben.
Das Flageolett entsteht durch leichtes Auflegen des Fingers auf einen Knotenpunkt der harmonischen Teiltöne der Saite. Dadurch entsteht ein weich und zart klingender, hoher Ton.
Doppelgriffe sind beim Violoncello wie bei allen Streichinstrumenten gebräuchlich. Der Bogen streicht dabei zwei benachbarte Saiten gleichzeitig, und die linke Hand greift auf einer oder auf beiden Saiten Töne. Doppelgriffe unterliegen spieltechnischen Einschränkungen. Manche sind relativ einfach, manche schwer oder überhaupt nicht ausführbar. Drei- und Vierklänge können auf dem Violoncello nur als Arpeggio ausgeführt werden.
Mit Percussion bezeichnet man die heute häufige Technik, die Finger leicht aufprallen zu lassen, statt sie weich aufzulegen. Das (natürlich nicht zu laute) Klopfen der Finger gestaltet den Anfang des Tons und unterstützt die Durchsichtigkeit der Interpretation.
Ab etwa der Mitte des 16. Jahrhunderts waren 4 Saiten häufig. Typische Stimmungen für das Bassinstrument waren F-c-g, B1-F-c-g und C-G-d-a. Die Stimmung vom B1 aus hielt sich in Frankreich und England bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, in Bologna war bis 1700 die Stimmung C-G-d-g üblich. Ab etwa 1730 überwog die Quintstimmung auf dem Ton C in ganz Europa.
1572 baute Andrea Amati in Cremona eines der ersten bekannten Instrumente, dessen Maße etwa denen des modernen Violoncellos entsprachen. Zunächst lautete die Bezeichnung des Instruments einfach Bassvioline, Bassgeige oder französisch basse de violon bzw. italienisch basso di viola da braccio, in Italien auch Violone und gelegentlich Violoncino.
Manchmal wurden diese frühen Bassgeigen bei Prozessionen getragen. Im Boden von alten Instrumenten findet man mitunter in der Nähe des Halses zwei kleine Löcher, durch die vermutlich eine Schnur gezogen und dann mit einem Tragegurt um die Schulter verbunden wurde. Dies ermöglichte den Musikern, auch im Stehen und Laufen zu spielen.
In den Zwölf Triosonaten des italienischen Komponisten Giulio Cesare Arresti aus dem Jahre 1665 schließlich erscheint in gleicher Bedeutung wie Violoncino erstmals die Diminutivform Violoncello. Violoncello heißt also wörtlich „kleine Großviola“(resp. kleiner Violone/Kontrabass).
Bekannte Geigenbauer des 16. Jahrhunderts, die bereits solche Instrumente anfertigten, sind u.a. Andrea Amati (ca. 1520–1580), Gasparo da Salo (1540–1609) und Giovanni Paolo Maggini (1581–1632). Im 17. Jahrhundert ist Antonio Stradivari (ca. 1644–1737) hervorzuheben, der den Schallkörper etwas verkleinerte und so die bis heute gültigen Maße festlegte, aber auch z.B. Domenico Montagnana und Matteo Gofriller.
Neben den herkömmlichen Viersaitern entstanden in der Frühzeit des Violoncellos um 1700 auch fünfsaitige Modelle. Auch Michael Praetorius (1619, Tafel XXI, Nr. 6) nennt eine fünfsaitige Bas-Geig de bracio in der Stimmung F1-C-G-d-a. Auf vielen zeitgenössischen Gemälden finden sich "Violoncelli" mit einer fünften Saite. Ein solches auf 1717 datiertes Instrument aus Gent befindet sich im Musée Instrumental, Brüssel. Auch J. S. Bach komponierte seine Sechste Suite für Violoncello solo D-Dur (BWV 1012) für ein Violoncello mit einer fünften Saite, auf e¹ gestimmt. Solche Instrumente werden heute Violoncello piccolo genannt, ein Begriff, der historisch jedoch fragwürdig ist.
Anders als die Gambe erhielt das Violoncello seit etwa 1800 einen Stachel an der Unterseite des Korpus. Der Stachel wurde im Orchester ab ca. 1820 häufig verwendet; Solisten spielten jedoch häufig bis ca. 1850 „stachelfrei“. Der Stachel läuft durch eine Holzbirne, die in den Unterklotz eingelassen ist. Ab etwa 1860 setzte sich die Verwendung einer Feststellschraube für den Stachel durch. Grund für dieses bauliche Veränderung war der häufigere Einsatz des Vibrato und der hohen Lagen.
In Partituren wird die Violoncellostimme unten über der Stimme des Kontrabasses notiert. Fehlt diese, nimmt sie selbst den untersten Platz ein.
Erste Solomusik für das Violoncello gibt es von Giovanni Degli Antoni um 1650 und wenig später von Domenico Gabrielli, Giuseppe Jacchini und Evaristo Felice Dall'Abaco und anderen.
Joseph_Haydn.jpg Violoncellokonzerte gehören heute zum Standardrepertoire]] Seit dieser Zeit setzte sich das Violoncello allmählich gegen die Gambe durch und bekam über den Generalbass hinaus eine eigene musikalische Bedeutung. Die Gambe kam bald darauf völlig außer Gebrauch. Um 1750 gab es außerhalb von Kirche und Hof eine lebendige bürgerliche Musikkultur. Kompositionen wurden oft nur einmal aufgeführt; das Publikum war vor allem an Neuem interessiert. So konnten die Werke der zahlreichen Komponisten häufig keinen größeren und längerfristigen Bekanntheitsgrad erreichen.
Manches hat aber auch überdauert, z.B. die mehr als 40 Violoncello-Sonaten, die Luigi Boccherini (1743–1805) komponierte. Außerdem sind von ihm zwölf Violoncellokonzerte bekannt. Diese ragen mit ihrem melodischen Glanz und ihrer spieltechnischen Brillanz auch unter den Violoncellokonzerten anderer italienischer Musiker aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts (u. a. Giovanni Battista Cirri, Luigi Borghi, Domenico Lanzetti) heraus. Die fast gleichzeitig entstandenen Violoncellokonzerte von Joseph Haydn zählen heute zu den meistgespielten Werken.
Etwa ab 1770 etablierte sich das Violoncello in den entstehenden Formen der Kammermusik. Im Streichquartett, im Klaviertrio und den davon abgeleiteten Besetzungen (-quintett, -sextett etc.) war es seitdem regelmäßig vertreten.
Der Sonatentypus für ein Melodieinstrument und Klavier, den wir heute als „klassisch” bezeichnen, wurde vor allem von Ludwig van Beethoven weiterentwickelt. Nach dem Vorbild seiner bedeutenden „Sonaten für Klavier und Violoncello“ schufen Komponisten im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über 150 Sonaten.
Von Beethoven gibt es außerdem ein „Tripelkonzert für Klavier, Violine und Violoncello“.
Johannes Brahms komponierte zwei ‚‚Sonaten für Violoncello und Klavier‘‘ sowie ein ‚‚Doppelkonzert für Violine und Violoncello‘‘, das von Beethovens Tripelkonzert inspiriert ist. Auch Camille Saint-Saëns schrieb zwei CVioloncellosonaten, des weiteren hat das Violoncello in seiner Orchestersuite ‚‚Le carnaval des animaux: fantaisie zoologique‘‘ einen Auftritt als „Le cygne“, der Schwan. Zur Gruppe wichtiger Violoncellokomponisten zählen außerdem noch Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Édouard Lalo, Eugen d’Albert, Edward Elgar sowie Max Bruch und Ferdinand Thieriot.
Allen voran sind wohl Pablo Casals, Mstislaw Rostropowitsch, Pierre Fournier, Yo-Yo Ma, Gregor Piatigorsky und, insbesondere als Interpret zeitgenössischer Musik, Siegfried Palm zu nennen. Für Rostropowitsch schrieb Dmitri Schostakowitsch zwei Konzerte; außerdem gibt es Konzerte und andere Solowerke u. a. von György Ligeti, Krzysztof Penderecki, Witold Lutosławski, Bernd Alois Zimmermann und Frangis Ali-Sade, von denen einige für Palm komponiert wurden. Von dem tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů wurden zwei Violoncellokonzerte und zahlreiche Sonaten für Violoncello verfasst. Der Zwölftontechnik für das Violoncello bedienten sich unter anderem die Komponisten Ernst Krenek und Hans Werner Henze.
Im 20. Jahrhundert begann man auch in der Violoncellomusik stark zu experimentieren. Technische Neuerung machten das Speichern der Musik auf Tonträgern möglich, die elektronisch verändert und bearbeitet werden konnten. So befassten sich im 20. Jahrhundert erstmals Komponisten mit dem Violoncello in Verbindung mit Elektronik und Tonband, aber auch mit elektrisch verstärkten Violoncelli und ähnlichen Neuerungen. Spielästhetische Grenzen wurden zum Beispiel in Helmut Lachenmanns Stück „Pression für einen Violoncellisten“ überschritten. Die dabei verwendeten ungewöhnlichen Spieltechniken wie Skordatur (Umstimmen von Saiten), Streichen dreier Saiten gleichzeitig, Trommeln mit den Fingern auf der Korpusdecke, Streichen der Saiten von unten oder Flageolett-Glissandi produzieren schwer erfassbare Geräusche.
Auch nach der Ablösung des Generalbasses in der Frühklassik änderte sich in der Wiener Klassik zunächst nichts an der Bassrolle der Violoncelli im Orchester. In seinen letzten Sinfonien trennte Wolfgang Amadeus Mozart die Violoncelli aber schon zeitweise von den Kontrabässen und komponierte für sie eigene Stimmen. Ludwig van Beethoven führte diese Idee weiter und betraute die Violoncelli mit der Melodieführung, so zu Beginn seiner 3. Sinfonie oder im 2. Satz seiner 5. Sinfonie, in dem die Celli, unisono mit den Bratschen, das erste Thema anstimmen.
Der Schriftsteller und Musikkritiker E. T. A. Hoffmann (1776–1822) äußerte sich 1812 in seiner Rezension der Coriolan-Ouvertüre von Beethoven über die neue Rolle der Violoncelli im Orchester:
Seit Beethoven wurde das Violoncello neben seinen harmoniefüllenden Funktionen oft als Melodieinstrument in der Tenorlage verwendet. Eines der ersten Beispiele dafür ist das zweite Thema im 1. Satz von Schuberts Unvollendeter.
Zu den schönsten Orchestersoli für die Violoncelli zählt der dritte Satz der Sinfonie Nr. 3 in F-Dur, op. 90 von Johannes Brahms. Auch Pjotr Iljitsch Tschaikowski (zum Beispiel im 2. Satz der Symphonie pathétique), Antonín Dvořák (8. Sinfonie, Anfang), Claude Debussy (eine Passage im ersten Satz von „La Mer“) und viele andere Komponisten haben dem Instrument dankbare Aufgaben zugedacht.
Im Ballett „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinski (1882–1971) haben die Violoncelli im zweiten Stück „Die Vorboten des Frühlings – Tänze der jungen Mädchen“ mit ihren Staccatorhythmen einen markanten Auftritt.
Lehrbücher des Violoncellospiels schrieben Michel Corrette, Jean Louis Duport, Bernhard Romberg, Friedrich Dotzauer, Friedrich Kummer und Sebastian Lee. Bedeutende moderne Violoncelloschulen wurden unter anderem von Susanne Hirzel, Hans-Peter Linde, Antal Friss, Egon Saßmannshaus, Gerhard Mantel und Werner Thomas-Mifune veröffentlicht.
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