Vinzenz von Paul (* 24. April 1581 in Pouy (heute Saint-Vincent-de-Paul in der Nähe von Dax in der Gascogne (Südfrankreich); † 27. September 1660 in Paris) war Priester und gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas.
Er studierte von 1594 bis 1597 in Dax (Südfrankreich) und anschließend in Toulouse (ebenfalls Südfrankreich) von 1597 bis 1604 Theologie.
Er wurde im Jahre 1600 im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und war dann jahrelang, auch auf eher abenteuerliche Weise, auf der Suche nach einer einträglichen kirchlichen Pfründe. 1608 kam er nach Paris und allmählich, durch die Begegnung mit den Ärmsten der Gesellschaft, durch persönliche Krisen und die geistliche Begleitung des späteren Kardinal de Berulle vollzog sich in ihm eine Wandlung. Er wurde ein hingebungsvoller Pfarrer, später Hauskaplan von Margerete (geschiedene Gattin von Heinrich IV.), Hauslehrer und Hauskaplan bei der adeligen Familie de Gondi. Er begleitet diese Familie auf ihre verschiedenen Güter und lernt dabei die seelsorgliche Not der Landbevölkerung kennen. Um Abhilfe zu schaffen beginnt er Missionen in den Pfarren zu predigen. Bald findet er Helfer und 1625 wird daraus die Kongregation der Mission, auch Lazaristen oder Vinzentiner genannt.
1617 gründete er in der Pfarre Chatillon les Dombes die erste Confrérie des Dames de la Charité, die "Bruderschaft der Damen der christlichen Liebe", eine karitative Frauenvereinigung, die sich um Arme und Kranke sorgte.
Den Damen wurde die Arbeit in den Caritasgruppen, vor allem in Paris, bald zu viel und zu schwer, so dass junge Landmädchen als Helferinnen angestellt wurden. Louise de Marillac, eine enge Mitarbeiterin von Vinzenz von Paul nahm dieser Helferinnen an und allmählich wurde daraus die Gemeinschaft der Töchter der christlichen Liebe. Sie sind heute mit rund 24.000 Mitgliedern unter dem Namen AIC (Association Internationale de Charité) die größte Frauengemeinschaft der katholischen Kirche. Daneben gibt es viele andere Frauengemeinschaften auf der ganzen Welt, die ebenso die Regel des hl. Vinzenz befolgen und als Vinzentinerinnen oder Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul gelten. Die Vinzentinerinnen waren auch das Vorbild für die von Mutter Teresa gegründete Ordensgemeinschaft. 1840 gründete Anna Weißebach nach dem Vorbild des hl. Vinzenz in Deutschland die Elisabeth-Vereine, aus denen die heutigen Caritas-Konferenzen Deutschlands hervorgegangen sind.
Er wurde im Jahr 1737 heiliggesprochen.
Vinzenz’ Engagement für Kranke, Bettler, Findelkinder, verwahrloste Jugendliche, Geisteskranke, Sträflinge, Flüchtlinge und Vertriebene ist beispielhaft. Dabei tat Vinzenz immer nur das Notwendige: Das, was die Situation ihm als den Willen Gottes zeigte, aber da hatte er, wie es Dom Helder Camara einmal ausdrückte, „Antennen der Liebe“, die ihn jede Notsituation deutlich erkennen ließen. Vinzenz hatte keine Bücher geschrieben und keine wunder gewirkt, aber er war demütig und treu, groß in seiner Einfachheit und Gottverbundenheit. Es ging Vinzenz nicht nur um Beseitigung der seelischen Not, er akzeptierte auch das alltägliche Elend nicht. In einer Zeit, in der niemand sich für die vielen Notleidenden zuständig fühlte, praktizierte er täglich Nächstenliebe. Vinzenz war revolutionär in seinem sozialen Denken und Handeln, er war der soziale Vorkämpfer des 17. Jahrhunderts. Wo die Gesellschaft von damals weggeschaut hat, dort hat er geholfen. Parallelen zu heute bieten sich an. Vinzenz ist ein zeitlos moderner Heiliger.
Vinzenz Reliquien werden in der Kirche St. Lazare in Paris, sein Herz in der Mutterhauskapelle der Vinzentinerinnen in Paris, Rue du Bac, aufbewahrt.
Die im 19. Jahrhundert von Frédéric Ozanam gegründete karitativ tätige Vinzenzgemeinschaft trägt seinen Namen.
Leitsatz des Hl. Vinzenz von Paul: „Wir sind berufen, die Güte Gottes sichtbar werden zu lassen.“
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