Vinschgaubahn_01.jpg Die im lokalen Dialekt Vinschgerbahn genannte Vinschgaubahn (ital. Ferrovia della Val Venosta) ist eine normalspurige Bahnstrecke von Meran nach Mals in Südtirol. Die Strecke, die das Tal der Etsch erschließt, war ursprünglich als Teilstück einer Alpentransversale westlich des Brenners geplant und wurde 1906 eröffnet. Sie sollte über den Reschenpass ins Inntal und weiter bis Landeck an der Arlbergbahn geführt werden. Auch eine Verknüpfung mit der Rhätischen Bahn von Scuol-Tarasp war angedacht. Die Teilung Tirols nach dem Ersten Weltkrieg verhinderte die Verwirklichung dieser Projekte, wenn auch vereinzelte Bautätigkeiten im Raum Landeck bereits durchgeführt waren.
Ab 1918 wurde die Bahnstrecke von den Italienischen Staatsbahnen FS betrieben, die den Betrieb im Jahr 1989 einstellten. Den Personenverkehr übernahmen Autobusse des Südtiroler Automobildienstes SAD. Die Unzufriedenheit der lokalen Bevölkerung, aber auch der Touristen, mit der Zunahme des Straßenverkehrs im Vinschgau ließ jedoch die Stimmen, die nach einer Wiederinbetriebnahme der Bahn riefen, nie ganz verstummen.
Vinschgaubahn_04.jpg 1999 ging die Bahnstrecke in den Besitz des Landes Südtirol über, in den Jahren 2000 bis 2004 wurde sie unter der Führung der STA (Südtiroler Transportstrukturen AG) im Auftrag des Landes generalsaniert. Obwohl der Oberbau der Strecke auf voller Länge erneuert werden musste, erwies es sich als vorteilhaft, dass die Gleisanlagen in den Jahren zuvor nicht abgetragen wurden. Einerseits waren noch keine Grundstücke anderen Verwendungen wie dem Straßenbau zugeführt worden, anderseits war die Bahn nie ganz aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden. Weiters wurden die historischen Bahnhofs- und Haltestellengebäude originalgetreu restauriert und, wo notwendig, durch neue Bauwerke in einheitlichem modernen Design ergänzt. An mehreren Bahnhöfen werden Fahrrad-Verleihstationen eingerichtet.
Vinschgaubahn_02.jpg Der Personenverkehr ist nach Abschluss der Sanierung unter Betriebsführung der SAD Nahverkehr AG (Verkehr) und der SBA (Südtiroler Bahnanlagen GmbH - Infrastruktur) am 5. Mai 2005 wieder aufgenommen worden, dabei werden acht neue Diesel-Niederflurtriebwagen der Bauart Stadler GTW eingesetzt. Das Betriebskonzept wurde von einer Schweizer Firma erarbeitet. Die Wiedereinführung des Güterverkehrs ist jedoch vorläufig nicht vorgesehen.
Ab der Eröffnung verkehrte die Bahn im Stundentakt bei vorerst unveränderten Autobusfahrplänen im Vinschgau. Während dieser als Probebetrieb bezeichneten Phase wollte man Erfahrungen im Betrieb sammeln und allfälliges Verbesserungspotential erkennen. Seit Herbst 2005 verkehren werktags zusätzlich Eilzüge, die bis Schlanders nur in den wichtigsten Stationen halten.
Die letzte erhaltene, 1882 gebaute Dampflokomotive dieser Bahnstrecke FS 899.006 (ex kkStB 294.09 ex Bozen-Meraner-Bahn "2 Meran") war einige Zeit in Turin als Denkmal aufgestellt, befindet sich aber heute im italienischen Eisenbahnmuseum in Pietrarsa bei Neapel (derzeit nicht öffentlich zugänglich).
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