VanGogh 1887 Selbstbildnis.jpg | Maison natale de Vincent Van Gogh.jpg
Vincent Willem van Gogh * (* 30. März 1853 in Groot-Zundert (heute: Zundert) bei Breda, Niederlande; † 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise, Frankreich) gilt als einer der Begründer der modernen Malerei. Der gebürtige Niederländer wurde vor allem von französischen Künstlern beeinflusst. Er hinterliess rund 800 Gemälde und über 900 Zeichnungen, die allesamt in den letzten zehn Jahres seines Lebens entstanden waren. Während er zu Lebzeiten nur wenige Bilder verkaufen konnte, erzielten seine Werke seit den 1980er Jahren bei Auktionen Rekordpreise. Darüberhinaus hat der Maler einen umfangreichen Briefwechsel geführt, der nicht nur Hinweise auf sein malerisches Werk gibt, sondern teilweise auch literarisches Niveau erreicht. Van Goghs Werke übten starken Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen aus, wobei dies bei Künstlern des deutschen Expressionismus am deutlichsten sichtbar wird.
Er wohnt in Haag zur Untermiete und unterhält einen regen Kontakt mit den in der Stadt lebenden Verwandten seiner Mutter. Da der Leiter der Filiale mit den Leistungen seines Lehrlings sehr zufrieden ist, wird Vincent im Sommer 1873 mit einem guten Zeugnis in die größere Londoner Filiale versetzt. Nach einem Besuch bei seinen, inzwischen nach Helvoirt in Brabant umgezogenen Eltern, fährt Vincent nach Paris. Tief beeindruckt von den Gemäldesammlungen des Louvre und anderer Ausstellungen reist er weiter nach London, wo er sich im Stadtteil Brixton ein Zimmer in einer Pension mietet. Seine Zimmerwirtin ist die aus Südfrankreich stammenden Ursula Loyer, die dort mit ihrer Tochter Eugenie wohnt und eine frühe Form eines Kindergarten betreibt. In seiner Freizeit besucht er die Kunstmuseen der Stadt und beschäftigt sich mit den Bildern von Thomas Gainsborough, Joshua Reynolds, John Constable und William Turner. Es entstehen verschiedene Zeichnungen nach Londoner Motiven. Im Sommer 1874 verbringt er einen kurzen Urlaub bei seinen Eltern, denen erstmals eine Wesensveränderung an ihrem Sohn auffällt. Die heitere und optimistische Lebenseinstellung hat sich zu einer eher ernsten und grüblerischen Wesensart gewandelt. Vincent erzählt seinen Eltern von seiner unglücklichen Verliebtheit zu der Tochter seiner Vermieterin. Zurück nach London fährt er mit seiner Schwester Anna, die sich dort eine Anstellung suchen möchte. Sie wechseln die Wohnung innerhalb Londons, was aber keine Gemütsaufhellung bei Vincent hervorruft. Er fängt an, sich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen und lässt sich im Oktober 1874 in die Pariser Filiale versetzen. Da die Versetzung keine Veränderung bewirkt, reist Vincent am Ende des Jahres noch einmal nach London, kehrt aber im Mai 1875 endgültig in das Pariser Stammhaus zurück. Hier fällt er Kunden und Kollegen durch eine von religiösen Strukturen beeinflusste radikale Kunstauffassung negativ auf. Anfang 1876 wechselt in seiner Firma der Besitzer. Die künstlerischen Grundanschauungen zwischen Vincent und den neuen Besitzern erweisen sich als unvereinbar, was zu Vincents eigener Kündigung im April 1876 führt. Van Gogh Age 19.jpg Noch einmal kehrt er nach England zurück. In der Privatschule des Reverend Stokes in Ramsgate, später in Isleworth, bekommt er eine unbezahlte Anstellung als Hilfslehrer für die Fächer Französisch, Deutsch und Arithmetik gegen frei Kost und Logis. Eine schlecht bezahlte Stelle findet er bei dem Methodisten Pfarrer Jones als Lehrer und Hilfsprediger. Seine erste, mit großer Begeisterung gehaltene Predigt im November 1876, markiert Vincents kompromisslose Hinwendung zum Evangelium. Gleichzeitig verstärkt sich sein Interesse an der Malerei. Nach dem Weihnachtsurlaub bei seinen, nach Etten versetzten Eltern, überreden sie ihn, nicht mehr nach England zurückzukehren.
Es folgt ein dreimonatiger Aufenthalt in Dordrecht, wo sich Vincent als Gehilfe in einer Buchhandlung verdingt. Im Frühjahr 1877 fährt er nach einer Aussprache mit seinen Eltern nach Amsterdam, um sich auf die Aufnahmeprüfung der Theologischen Fakultät vorzubereiten. Er wohnt bei seinem Onkel Johannes und erhält Unterricht in Latein, Griechisch und Theologie. Da ihm die Studien sehr schwer fallen und er der Meinung ist, dass viele theologischen Formalien für die Verbreitung des christlichen Glaubens an die Menschen überflüssig sind, beendet er den Versuch, Theologie zu studieren. Stattdessen reist er im Juli 1878 nach Brüssel und besucht ein dreimonatiges Seminar für Laienprediger, wird aber in der Abschlussprüfung als ungeeignet eingestuft.
Ab Dezember 1878 lebt er in der Borinage, einem südbelgischen Steinkohlerevier, in dem die Menschen in extremer Armut und dürftigsten Lebensbedingungen wohnen. Er lässt sich zuerst in Pâturages bei Mons nieder, später lebt er Wasmes und Cuesmes. Er hilft Kranken und liest Bergarbeitern aus der Bibel vor. Da er meint, nicht das Recht auf bessere Lebensbedingungen als die von ihm betreuten Menschen zu haben, verschenkt er alles Entbehrliche an noch Bedürftigere und lebt bis zum Juli 1880 unter äußerst ärmlichen Bedingungen. Es entstehen viele Zeichnungen von den Bergleuten und ihren Arbeitsbedingungen. Obwohl sein Bruder, inzwischen erfolgreicher Kunsthändler in Paris, seine Lebensweise missbilligt, schickt er ab dem Sommer 1880 regelmäßig Geld zum Lebensunterhalt. Er wird es bis zu Vincents Lebensende beibehalten. Im Herbst 1880 entschließt sich Vincent van Gogh endgültig, Künstler zu werden.
Er kehrt im April 1881 zu seinen Eltern in das Pfarrhaus nach Etten zurück. In den Sommerferien bekommt die Familie Besuch von Kee Vos, Vincents Kusine. Der über mehrere Wochen geplante Besuch endet vorzeitig mit der Abreise von Kee und ihrem Sohn nach Amsterdam, da sich Vincent in sie verliebt und es zu unerwiderten Annäherungsversuchen seinerseits kommt. Um sich den Vorwürfen seiner Familie zu entziehen, besucht Vincent seinen Onkel, den Maler Anton Mauve, in Den Haag und bittet ihn um Unterstützung seiner künstlerischen Ziele. Dieser führt Vincent in die Technik der Aquarellmalerei ein und schenkt ihm die dafür notwendigen Materialien.
Zurück in Etten entstehen eine Reihe von Aquarellen und weitere Zeichnungen sowie die ersten Ölmalereien. Er fährt im Dezember 1881 nach Amsterdam in dem vergeblichen Versuch, Kee Vos noch einmal zu treffen.
Im Januar 1882 zieht er nach Den Haag und studiert intensiv bei seinem Onkel Mauve. Die Ausbildung endet abrupt im März, da Mauve in alter Tradition darauf besteht, dass Vincent seine Fähigkeiten anhand von Gipsmodellen verbessert, dieser aber der Meinung ist, dass nur das Zeichnen in der Natur und nach lebenden Modellen ihn weiterbringt. Sein Onkel Cornelis bestellt zwanzig Federzeichnungen mit Stadtansichten von Den Haag und verkauft sie erfolgreich in seiner Kunsthandlung. Vincent lernt die Prostituierte Clasina Maria Hoornik kennen, die er nur 'Sien' nennt, mit der er längere Zeit zusammenlebt und die ihm auch Modell steht. Im Sommer kehrt er in das Atelier von Mauve zurück. Er beschäftigt sich mit der Technik der Ölmalerei und den Problemen der Farbtheorie. Seine Palette ist wie in der ganzen Holländischen Periode mit dunklen, erdigen Farben durchsetzt.
Um sich völlig der Malerei zu widmen, trennt er sich von Sien und zieht in die Nordholländische Provinz Drenthe in das Moordorf Hoogeveen. Die einsame Landschaft bedrückt und fasziniert ihn, ebenso wie den deutschen Maler Max Liebermann, der oft hier gearbeitet hat.
Von der Einsamkeit überwältigt, kehrt Vincent im Dezember zu seinen Eltern nach Nuenen zurück, wo er bis zum November 1885 bleibt und wo fast zweihundert Gemälde entstehen. Er bezieht ein Atelier neben dem Pfarrhaus, wo er den Auftrag des Goldschmiedes Charles Hermans aus Eindhoven, der sein Esszimmer mit sechs Bildern verschönern möchte, ausführt. Ab Oktober 1884 hat er auch einige Amateurmaler aus Eindhoven als Schüler. Eine Affäre mit Margot Begemann wird nach einem Selbstmordversuch der jungen Frau beendet. Die Trauer zieht am 26. März 1885 mit dem Tod des Vaters in das Pfarrhaus und belastet Vincents Gemüt auf das Schwerste. Im April entsteht mit dem Gemälde Die Kartoffelesser das Hauptwerk seiner Holländischen Periode. Im Schaufenster des Farbenhändlers Leurs in Den Haag werden erstmals Werke von Vincent ausgestellt.
Im November 1885 zieht er nach Antwerpen, wo er im Januar an der Ecole des Beaux-Arts an den Zulassungsprüfungen teilnimmt. Da inzwischen die Pariser Kunstwelt auf die Bilder Vincents aufmerksam geworden ist, beschließt er, im Pariser Atelier von Fernand Cormon Unterricht zu nehmen und verlässt Antwerpen noch vor der Bekanntgabe der für ihn negativen Prüfungsergebnisse im März 1886. Er kehrt nicht mehr nach Belgien und Holland zurück.
Unverzüglich nimmt er seine Studien im Atelier von Fernand Cormon auf. Hier lernt er seine Malerkollegen Toulouse-Lautrec und Bernard kennen. Durch Theos Kontakt findet Vincent Zugang zum Impressionismus und den wichtigsten Vertretern Renoir, Pissarro, Degas, Signac, Sisley, Monet und Seurat. Unter ihrem Einfluss wird seine erdig-dunkle Palette heller und sonniger. Es entstehen in den folgenden zwei Jahren über zweihundert Gemälde mit Motiven aus dem Stadtleben von Paris, der Seine und dem ländlichen Umfeld. Ein Höhepunkt sind die zahlreichen Selbstporträts, die Generationen von Psychiatern zu variationsreichen Deutungen veranlassen. Ein zentraler Treffpunkt der Impressionisten ist neben dem Geschäft des Künstlerbedarfshändlers Image:Van Gogh - Portrait of Pere Tanguy 1887-8.JPG das „Café du Tambourine“ am Boulevard de Clichy, mit deren Besitzerin, Agostina Segatori, Vincent eine Affäre hat und von der er ein Porträt malt. Er stellt mit einigen Kollegen dauerhaft Bilder im Café aus. Einer der Künstler ist Paul Gauguin, der vorher in Pont-Aven in der Bretagne gelebt hat. Gauguin, der mit einem ebenso schwierigen Charakter wie Vincent ausgestattet ist, lehnt den Impressionismus als künstlerische Verirrung ab, lobt aber Vincents Gemälde als „ehrliche und wahre Kunst“ und prophezeit, dass „die Welt von seinen Bildern reden wird“. Die differierenden künstlerischen Meinungen führen zu hitzigen, bis in die späten Nachtstunden dauernden Diskussionen zwischen den Künstlern. Auch Vincent experimentiert mit neuen Maltechniken. So entstehen einige Gemälde im Stil des Pointillismus, von Gauguin als „Wissenschaftskleckserei“ verspottet, werden aber von Vincent als für ihn falscher Weg erkannt. Aussichtsreicher sind die Versuche mit „ Japonaiserien“, Gemälde nach japanischen Farbholzschnitten. Besonders fasziniert ist er von den Bildern Katsushika Hokusais. Von Tanguy erhält er im Frühjahr 1887 zwei Porträtaufträge, so dass man den Pariser Aufenthalt als glücklich und fruchtbar bezeichnen könnte, wenn nicht einige Probleme im Zusammenleben der Brüder van Gogh das Bild trüben würden.
Aus der engen Wohnung ziehen sie im Juni 1886 in die Rue Lepic 54 um, wo Vincent ein eigenes Atelier zur Verfügung steht. Er wirft Theo vor, sich nicht hinreichend um den Verkauf seiner Bilder zu bemühen. Ein sicher unfairer Vorwurf, denn trotz aller Versuche ist der aktuelle Kunstgeschmack des Pariser Publikums gegen Vincents Kunst wie auch die Bilder der Impessionisten überwiegend ablehnend eingestellt. Dies ist einer der Gründe, die ihn veranlassen, Paris im Februar 1888 in Richtung Provence zu verlassen. Auch der Einfluss von Gauguin, der von einem späteren Umzug in das vermeintliche Paradies der Südsee träumt und über die Lebenskraft der Sonne philosophiert, trägt dazu bei. Ein weiterer Grund liegt in der Faszination, die die japanische Kunst auf Vincent ausübt. Die hellen, farbigen Holzschnitte inspirierten ihn, eine 'japanische' Landschaft zu suchen, und in seinen Vorstellungen vom Süden glaubt er sie zu finden.
Obwohl Vincent zahlreiche Bilder zu seinem Bruder nach Paris schickt, ist die Lagermöglichkeit in seinem Zimmer bald erschöpft, und er mietet im Mai den rechten Flügel des aufgrund seines Außenanstrichs 'Gelbes Haus' genannten Gebäudes mit vier Zimmern. Es fehlt ihm aber an Geld für die Möblierung, und so werden die Räume bis zum September nur als Lagerraum für seine Bilder genutzt. Auf die begrenzten Geldmittel ist auch die verstärkte Zeichentätigkeit ab dem Sommer zurückzuführen.
Fahrten in die Umgebung Arles führen ihn auch in den Wallfahrtsort Saintes-Maries-del-la-Mer wo die Skizzen zu seinen Image:Vincent Willem van Gogh 042.jpg entstehen, die er als Vorlage für die im Atelier gemalten Gemälde nutzt. Die Brücke von Langlois erinnert ihn sicher an seine holländische Heimat. Inzwischen hat er auch zu einigen Einwohnern der Stadt einen engeren Kontakt, und sie stellen sich ihm gerne als Modell zur Verfügung. So entstehen z.B. die Meisterwerke Image:Vincent Willem van Gogh 026.jpg, Image:Vincent Willem van Gogh 059.jpg und Image:Vincent Willem van Gogh 089.jpg. Im August malt Vincent die Bilderserie der Sonnenblumen, die am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts in die Geschichte der Kunstauktionen eingehen werden.
Ende Juli stirbt sein Onkel Vincent in Holland und hinterlässt Theo eine beträchtliche Summe seines im Kunsthandel erworbenen Vermögens unter ausdrücklicher Ignorierung Vincents. Theo überweist ihm trotzdem eine größere Summe dieser Erbschaft, die Vincent ab dem September endlich in die Lage versetzt, die Möblierung des gelben Hauses abzuschließen. Dadurch tritt sein Traum, mit seinen befreundeten Kollegen aus Paris eine Künstlerkolonie ein 'Atelier du Midi' zu gründen, wieder in den Vordergrund. Die Resonanz seiner Pariser Freunde ist allerdings negativ und stürzt Vincent wieder in eine depressive Krise. Lediglich Paul Gauguin, der mittellos wieder in Pont-Aven wohnt, sagt nach längerem Zögern zu, falls Theo die Reisekosten nach Arles übernimmt.
Vincents Bilder haben sich im September sichtbar verändert. Es entstehen, in teils bedrohlich wirkenden Farben, die Nachtbilder Image:Vincent Willem van Gogh 015.jpg, Image:Vincent Willem van Gogh 076.jpg und Image:Starry Night Over the Rhone.jpg. Auch sein für die bevorstehende Ankunft von Gauguin gemaltes und ihm gewidmetes Image:VanGogh-self-portrait-dedicated to gaugin.jpg wirkt mit seinen kühlen Farben wenig lebensfroh.
Im Gelben Haus stürzt sich Vincent hektisch in die Veränderung für Gauguins Ankunft. Er streicht das für ihn bestimmten Zimmer neu und hängt seine Sonnenblumenbilder auf, um eine harmonische Atmosphäre zu schaffen. Jedoch zeigt sich schon kurz nach Gauguins Ankunft am 23. Oktober, dass die gegenseitigen Auffassungen sowohl in künstlerischen Fragen wie auch im Bereich der menschlichen Kommunikation nicht vereinbar sind. Die Tage in dem exakt zwei Monate dauernden Zusammenleben beider sind oft mit heftigen Diskussionen, mit Streit und Verbitterung ausgefüllt. Zum endgültigen Bruch kommt es am 23. Dezember. Nach einem heftigen abendlichen Streit verlässt Gauguin mit der Drohung, Arles am nächsten Tag zu verlassen, das Haus, kurz danach gefolgt von Vincent. Sehr viel später wird Gauguin behaupten, er sei von ihm mit einem Rasiermesser bedroht worden, jedoch erwähnt er am folgenden Tag diesen angeblichen Umstand mit keinem Wort. Vincent kehrt nach Hause zurück und fügt sich, in einem, möglicherweise durch verzweifelte Aggression gegen sich selbst gerichteten Anfall, eine Verletzung am Ohr zu. Es kann sich nicht um die vollständige Abtrennung der von mehreren Arterien durchbluteten Ohrmuschel handeln, denn diese Verletzung hätte er auf Grund des zu erwartenden hohen Blutverlustes kaum überlebt. Bei dem, was Vincent nach seiner Selbstverletzung einer Prostituierten in einem Taschentuch überreicht, handelt es sich möglicherweise um einen Teil des Ohrläppchens. Von dieser Frau alarmiert, findet die Polizei Vincent blutend und bewusstlos im Bett und veranlasst seine Einlieferung in das örtlichen Krankenhaus. Theo van Gogh wird von Gauguin vor dessen Abreise benachrichtigt und fährt sofort nach Arles an Vincents Krankenbett. Er erfährt von dem behandelnden Arzt, dass neben der Verstümmelung auch mehrere Schübe von nicht näher definierten Anfällen behandelt worden seien und dass Vincent auf dem Wege der Genesung sei.
Da es anscheinend weder für die Art der Selbstverletzung noch die der Krankheit von Vincent zeitgenössische, gesicherte Zeugnisse gibt, wird seit langer Zeit mit verschiedenen Theorien und Thesen spekuliert. Vincent selber spricht in einigen Briefen von epileptischen Anfällen, aber auch der hohe Verbrauch an Absinth könnte zum Krankheitsbild beigetragen haben.
Vincent wird noch einige Male bis zu seiner Abreise aus Arles im Mai 1889 mit Erfolg im Krankenhaus behandelt, wobei sich sein Zustand zunehmend verbessert. Auslöser dieser Abreise ist eine Petition von Bürgern an den Bürgermeister mit der Bitte, Vincent auf Grund der Ereignisse vom Dezember sowie seines 'unheimlichen' Verhaltens im Krankenhaus zu internieren. Obwohl seine Freunde zu ihm halten, verlässt Vincent tief gekränkt die Stadt und begibt sich auf die Empfehlung seines Arztes in die unweit von Arles gelegene Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mousole in Saint-Rémy-de-Provence.
Als Vincent dort am 8. Mai 1889 als Patient zwei Zimmer bezieht, diagnostiziert Doktor Théophile Peyron in einer ersten Diagnose eine Form von Epilepsie. Nach der heute überwiegenden Meinung muss es sich jedoch um eine Psychische Erkrankung gehandelt haben. Er richtet sich in einem Zimmer ein Atelier ein, und er malt einige Bilder des vor dem Fenster liegenden Gartens im Innenhof des Gebäudes. Diese Aktivität verbessert seinen Zustand deutlich. Anfangs in Begleitung seines Pflegers Georges Poulet darf Vincent die Klinik verlassen, um in der schönen Umgebung von Saint-Rémy unter freiem Himmel zu malen. Es entstehen Bilder von Feldern in kräftigen gelben Farben, Olivenbäumen, Schwertlilien und Zypressen. Unterbrochen von kleineren Anfällen und gelegentlichem Aussetzen seiner Erinnerung arbeitet er unermüdlich ohne intensivere Kontakte zu Menschen außerhalb der Klinik.
Im Juni malt er die als Hauptwerk dieser Periode geltende Sternennacht. So dynamisch und ungewöhnlich ist die Maltechnik dieses Bildes, dass gelegentlich die Meinung zu hören ist, in dem Bild sei bereits eine Vorahnung des im Juli erfolgenden Rückfalls abzulesen. Während einer Phase geistiger Umnachtung versucht er, Farben aus seinen Farbtuben und Lösungsmittel zu verschlucken. Dieser Zusammenbruch mit schrecklichen Halluzinationen und einer nachfolgenden tiefgehenden Depression verhindert für die nächsten sechs Wochen jegliche weiter Tätigkeit außerhalb des Krankenhausbereichs. Nach dem Abklingen der Symptome fürchtet Vincent die Einsamkeit während seiner Arbeit in der Landschaft und verlässt das Krankenhausgelände nicht mehr. Vor den deprimierenden Eindrücken der dunklen Gänge und kargen Zimmern mit ihren vergitterten Fenstern flüchtet er sich in die selbstgewählte Isolation in seinen Krankenräumen, die er mit Kopien seiner früher gemalten Werke und einer Serie von sechs Selbstbildnissen füllt, die für Psychoanalytiker und Psychiater eine wertvolle Quelle zur Diagnose seines Seelenzustandes sind. Manche Psychiater diagnostizieren aus seinem Briefwechsel, seiner extrem unterschiedlichen Schaffenskraft, den verwendeten Begriffen des Leiters der Anstalt und den Bildern van Goghs eine manisch-depressive Erkrankung (bipolare affektive Störung).
In den folgenden Monaten bis zum Mai 1890 entstehen Bilder mit religiösen Themen sowie Kopien nach Bildern und Zeichnungen von Rembrandt, Delacroix und Millet. Im Februar 1890 erfährt Vincent von dem ersten längeren Artikel über sein Gesamtwerk in einer renommierten Kunstzeitschrift. Der Kunstkritiker Albert Aurier hatte in der Januarausgabe der Zeitschrift 'Mercure de France' einen Artikel mit dem Titel 'Les Isolés, Vincent van Gogh' geschrieben. Gleichzeitig erhält Vincent die Nachricht über den Verkauf seines Bildes Der rote Weinberg an die Malerin Anna Boch in Brüssel. Auf dem sechsten 'Salon des Independants' in Paris ist er mit zehn Gemälden vertreten, die mit viel wohlwollender Aufmerksamkeit besprochen werden. Möglicherweise infolge dieser Nachrichten erleidet Vincent einen neuen schweren Anfall, der diesmal für zwei Monate bis zum April anhält.
Freunde von Theo van Gogh machen ihn auf den Arzt und Kunstsammler Dr. Paul Gachet in Auvers-sur-Oise in der Nähe von Paris aufmerksam. Dieser Arzt ist bereit, sich um Vincent zu kümmern, der nach dem Abklingen des schweren Anfalls fest entschlossen ist, das Krankenhaus Saint-Paul-de-Mousole zu verlassen. Über Paris reist Vincent im Mai 1890 nach Auvers-sur-Oise.
Am 6. Juli besucht er seinen Bruder Theo in Paris. Er kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Es gibt Differenzen zwischen Theo und den Inhabern der Kunsthandlung, sein Neffe Vincent Willem ist schwer erkrankt, und Theos Wohnung wird, auch hervorgerufen durch eine immense Zahl unverkaufter Gemälde Vincents, wieder einmal zu eng. Nach einem Streit bricht Vincent seinen Besuch ab und kehrt deprimiert nach Auvers zurück. Die optimistische Lebensfreude der vergangenen Wochen weicht wieder depressiveren Zügen in seinen Briefen und Bildern. Seine Stimmungsschwankungen und Phasen tiefer Traurigkeit verstärken sich. Neben Bildern mit immer dunkler gefärbten Regenwolken wie Image:Vincent Willem van Gogh 041.jpg oder Heuschober an einem Regentag stehen lebensfrohere Bilder wie das am Nationalfeiertag entstandene Image:Vincent Willem van Gogh 017.jpg. Doch trotz einiger Rückschläge gibt es für die kommenden dramatischen Geschehnisse scheinbar keine Anzeichen. In seinem letzten Brief an Theo vom 23. Juli bittet er noch um die Zusendung von Farben und Leinwand.
Am Abend des 27. Juli kehrt Vincent abends nach Hause zurück. Seine Wirtsleute, die Familie Ravoux, bemerken, dass Vincent offensichtlich an starken Schmerzen leidet und rufen Dr. Gachet und einen zweiten Arzt. Es wird bald festgestellt, dass sich eine Pistolenkugel in Vincents Brust befindet und dass es nicht möglich ist, sie zu entfernen. Neben der Notversorgung beschränken sich die Ärzte auf den Versuch einer Schmerzlinderung. Ein Brief Dr. Gachets an Vincents Bruder wird durch einen Boten nach Paris gebracht, und Theo kommt sofort nach Auvers an das Sterbebett. Den Tag verbringen die Brüder mit dem Austausch von Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in Holland. Mit den Worten „Ich wünschte, ich könnte so sterben“ verschied Vincent van Gogh in den ersten Morgenstunden des 29. Juli 1890.
Die Image:Grave of Vincent van Gogh.jpg erfolgt auf dem Friedhof von Auvers im Beisein von Freunden und Künstlerkollegen. Der Sarg ist mit Dahlien und den geliebten Sonnenblumen bedeckt. Die Grabrede hält Dr. Gachet, wird aber von seinen Tränen am Reden gehindert und bricht seine Hommage an den Freund vorzeitig ab.
Theo van Gogh überlebt seinen Bruder um sechs Monate. Nach seinem Tod in Utrecht wird sein Leichnam im Jahre 1914 umgebettet und an die Seite seines Bruders nach Auvers überführt.
Über den Selbstmord Vincent van Goghs gibt es zahllose Spekulationen, Mythen und Legenden. Kräftig an der Verklärung mitgewirkt haben Schriftsteller wie Irving Stone, Kunsthistoriker wie Julius Meier-Graefe und auch Vincents Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger, die neben ihrer verdienstvollen Tätigkeit als Hauptnachlassverwalterin und Herausgeberin der ersten Ausgabe der Briefe Vincents, einiges zur Legendenbildung beitrug. Einem breiten Publikum wurde Vincent mit allen Klischees, vor allem durch den Film Vincent Van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft von Vicente Minelli, nahegebracht. Dem Selbstmord Vincent van Goghs liegen sicher eine Reihe verschiedener Auslöser zugrunde. Durch die Heirat Theos und die Geburt des Neffen Vincent Willems fürchtete Vincent zunehmende Probleme in seinen wirtschaftlichen Angelegenheiten. Theo hatte ihm in den vergangenen zehn Jahren mit zahllosen Materiallieferungen und Geldtransfers die intensive Beschäftigung mit der Malerei erst ermöglicht. Eine Verlagerung der Prioritäten hin zu Theos Familie hätte aus Vincents Sicht eine weitere künstlerische Tätigkeit erschwert oder verhindert. Den Zuwendungen des Bruders stand zu dem Zeitpunkt keine realistische Aussicht auf einen Ausgleich durch den Verkauf seiner Bilder gegenüber. Die seelische Belastung durch die anhaltende Erfolglosigkeit war ein häufiges Thema in seinen Briefen. In einigen seiner Briefe deutete er seine Hoffnung an, nach seinem Tode doch noch eine wesentliche Wertsteigerung seiner Gemälde zu erreichen, wie das bei einem seiner Vorbilder Jean-François Millet nach dessen Tod im Jahre 1875 der Fall gewesen war. Der Aufstieg zu dem Maler der teuersten Gemälde aller Zeiten sollte erst im nächsten Jahrhundert beginnen.
Typisch an den späteren Werken sind pastoser Farbauftrag (malen mit dick aufgetragenen, pastenähnlichen Farben) und sein spontaner Pinselduktus (Pinselführung), die starke Farbigkeit und Farbsymbolik. Von manchen als "Falschfarben" charakterisiert, da sie kein "realistisches" äußeres Abbild der gemalten Objekte darstellen, sind sie vielmehr Ausdruck für van Goghs Wahrnehmung der Welt, dem Wesen der Dinge. Die Farben entsprechen emotionalen Stimmungen und Konflikten, wahrscheinlich auch intensiverem Farbempfinden, wie es in Manien oft vorkommt. Auch sonst scheint sein Nachtcafe von Leidenschaft und Ruhelosigkeit zu erzählen, die Bilder Straße mit Zypressen oder Sternennacht erscheinen "chaotisch" und voller Dynamik, in Kreisen voller Bewegung strukturiert. Van Gogh gehört aber auch zu den ersten Malern, die den Komplementärkontrast von Farben gezielt einsetzten, was sich beispielsweise in Bildern wie Boote von Saintes-Maries zeigt. Er imitierte die Farbigkeit und Form, transformierte sie jedoch in seine Art der Beobachtung der Welt. Man vermag auch Ausdrucksformen einer bipolaren Störung und seiner zerrissenen Persönlichkeit in solch bewusst starken Farbkontrasten zu sehen. Bilder wie Blick auf Arles unterstreichen seine Verwandtschaft zum Expressionismus. Eines seiner letzten Bilder, Das Getreidefeld mit den Raben wirkt unharmonisch, dissonant und in seiner starken und dennoch nicht fröhlichen Farbigkeit besonders beunruhigend, was auf seinen psychischen Zustand angesichts seines nahenden Suizids hinweisen könnte.
Mann | Niederländer | Maler | Niederländischer Maler | Landschaftsmaler | Reformierter | Geboren 1853 | Gestorben 1890
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