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Der Vierstimmige Satz ist eine besonders häufige musikalische Satztechnik, die auf die Beteiligung von vier Stimmen, im engeren Sinne der vier menschlichen Stimmlagen (Sopran, Alt, Tenor, Bass) abzielt.

Hierbei strebt der vierstimmige Satz nach einem Ausgleich zwischen homophon-vertikaler Übereinstimmung, damit das Gesamtklangbild nicht zu unruhig wird und die Textverständlichkeit gewahrt bleibt, und polyphon-horizontaler Selbstständigkeit, um die Stimmen gesanglich und interessant zu gestalten. Deswegen haben die Stimmen i. d. R. wenig voneinander abweichende Rhythmen, unterliegen aber den Stimmführungsregeln des Kontrapunkts.

Anwendung


Vokalmusik

Häufiger Anwendungsfall des vierstimmigen Satzes ist die Schaffung eines Satzes zu einer gegebenen Melodie, z. B. für die Aufführung mit einem Chor. Hierfür muss zunächst das harmonische Potenzial der Melodie abgeschätzt, sodann eine passende Basslinie konstruiert und zuletzt die beiden Mittelstimmen hinzugefügt werden. Hierbei ist auf den natürlichen Stimmumfang der Stimmen zu achten.

Der vierstimmige Satz hat einige aus seinen Prämissen erwachsende Stereotype hervorgebracht. Da z. B. an Schlüssen der Grundton meistens bereits von Sopran und Bass belegt wird, fällt der Alt häufig, obwohl dies recht unsanglich ist, vom Leitton auf die Quinte, um einen quintenlosen Schlussakkord zu vermeiden. Der Tenor hingegen fällt an dieser Stelle oft von der Dominant-Septime auf die Terz, was sich wesentlich sanglicher ausnimmt.

Bei Sätzen für so genannte „gleiche“ Stimmen, also beispielsweise Männerchor mit zwei Tenor- und zwei Bassstimmen, ist vom Komponisten/Arrangeur stärker auf die Auswirkungen entstehender Stimmkreuzungen zu achten, da der abgedeckte Tonbereich geringer ist.

Instrumentalmusik

Das Generalbass-Spiel ist in seiner Idealform eine instrumentale Anwendung des vierstimmigen Satzes. Hier ist die Ausgangslage umgekehrt: nur die Basstimme ist gegeben, die drei Oberstimmen müssen vom Spieler anhand der Bezifferung improvisierend ergänzt werden.

Dieser Generalbass bildet eine Zusammenfassung des harmonischen Verlaufes einer Komposition. Seine Vierstimmigkeit wurde zur Grundlage des „Obligaten Accompagnements“ der nachbarocken Musik, auch und vor allem der Instrumentalmusik, insbesondere der Wiener Klassik. Bereits die Reduzierung des üblichen Streicherkorpus von fünf auf vier Stimmen im Spätbarock (die 2. Bratsche entfiel) bereitete diese Entwicklung vor.

Auf der Orgel spielt man einen vierstimmigen Satz üblicherweise so, dass die Melodiestimme von der rechten Hand im Solomanual, die Basstimme im Pedal und die beiden Mittelstimmen von der linken Hand im Hauptwerk ausgeführt werden.

Auf dem Klavier übernimmt bei einem vierstimmigen Satz die linke Hand die Bassstimme, während die drei Oberstimmen in der rechten Hand liegen. Lediglich ausnahmsweise werden auch Töne der Tenorstimme von der linken Hand übernommen. Diese Spieltechnik ist auch aus der Faktur des vierstimmigen Satzes in der Generalbasstradition begründet, wo die Basstimme allen anderen Stimmen gegenübersteht.

Geschichte


Der vierstimmige Satz entwickelte sich im 17. Jahrhundert als so genannter „Kantionalsatz“ aus homophon gestalteten Lied- und Instrumentalsätzen der Renaissance (die Sätze der Renaissance waren allerdings meistens fünfstimmig und erlaubten daher nur eingeschränkte Beweglichkeit der Einzelstimmen). Bekanntes Beispiel dieser Entwicklung ist der „Beckersche Psalter“ von Heinrich Schütz (1628, rev. 1661).

Als musterhaft gelten heute die vierstimmigen Sätze von Johann Sebastian Bach, weil sie den o. g. Forderungen voll entsprechen. Viele von Bachs Kantaten schließen typischerweise mit einem vierstimmigen Choralsatz. Seine Choral-Harmonisierungen wurden allerdings bereits zu seinen Lebzeiten nicht nur gerühmt, sondern auch kritisiert. Ihre textbezogene Expressivität stieß vor allem nach ihrer textlosen Veröffentlichung durch Carl Philipp Emanuel Bach auf Ablehnung.

Harmonisch sehr anspruchsvolle vierstimmige Sätze von Volks- und Kirchenliedern schuf später Max Reger.

Musiktheorie

 

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