Viernheim ist eine mittlere Industriestadt am Stadtrand von Mannheim und befindet sich im Wirtschafts- und Ballungsraum Rhein-Neckar-Dreieck. Sie ist die zweitgrößte Stadt im Kreis Bergstraße. Seit 1994 trägt sie auch den Titel Brundtlandstadt, da sie an einem Modellprojekt zur Energieeinsparung teilnimmt.
Geografie
Viernheim liegt in der
Oberrheinischen Tiefebene. Nördlich des Viernheimer Walds, in Lampertheim, beginnt das
hessische Ried. Östlich von Viernheim liegt die Stadt Weinheim. Dort beginnt die Bergstraße, sowie der Anfang des
Odenwalds.
Nachbargemeinden und -kreise
Viernheim grenzt im Norden an die Stadt
Lampertheim (in
Hessen), im Nordosten an die Städte
Hemsbach und
Weinheim, im Süden an die Gemeinde
Heddesheim (alle 3 im
Rhein-Neckar-Kreis), sowie im Westen an die kreisfreie Stadt
Mannheim (alle
Baden-Württemberg).
Stadtgliederung
Da die meisten umliegenden Orte nicht bedeutend kleiner sind und fast alle in einem anderen Land liegen (was Viernheim selbst auch vor einer möglichen Eingemeindung bewahrte), wurde kein Ort eingemeindet. Sämtliche städtischen Erweiterungen gingen von der Kernstadt aus und das Stadtgebiet bildet eine relative Einheit. Dennoch werden umgangssprachlich zur besseren Orientierung verschiedene Stadtgebiete unterschieden, deren Abgrenzungen jedoch nicht genau festgelegt sind. Hierzu gehört die Innenstadt, nördlich der
Nibelungenstraße/
Wormser Straße die Nordstadt, dort wiederum westlich der Straße
Am Stockfeld die Nordweststadt, östlich der
August-Bebel-Straße die Oststadt, westlich der
Kreuzstraße/
Am Königsacker die Weststadt, im Süden am Rhein-Neckar-Zentrum das Tivoli, südlich der OEG-Schienen das Gebiet Hinter den Zäunen, im Nordosten nördlich der
Friedrich-Ebert-Straße und östlich der
Lorscher Straße das Industriegebiet sowie das in den letzten Jahren neu entstandene Neubaugebiet Bannholzgraben östlich der
Janusz-Korczak-Allee (L 3111). Dazu kommt noch das Sportgebiet West westlich der A 6, die beiden jeweils eine Straße umfassenden Außensiedlungen Neuzenlache und Ziegelhütte südlich der A 659 sowie die Aussiedlerhöfe nordöstlich der Stadt.
Geschichte
Geschichte Viernheims
Viernheim hat sich aus einem karolingischen Königshof entwickelt.
777 n. Chr. war die erste urkundliche Erwähnung „Virnheims“ im
Lorscher Codex, dem Urkundenbuch des
Klosters Lorsch. Durch Schenkungen gelang es
1165 dann in Besitz des Klosters Lorsch. Die Besitzungen des Klosters wurden
1232 an die Erzbischöfe von Mainz übergeben, Viernheim jedoch gelangte erst
1308 in Mainzer Besitz.
1439 erfolgte dann eine Verpfändung an die Abtei
Schönau, die es
1533 wiederum an die
Kurpfalz verkaufte. Nach dem
dreißigjährigen Krieg kam man
1650 wieder an
Kurmainz und ging im Rahmen des
Reichsdeputationshauptschlusses
1803 an das
Großherzogtum Hessen über, aus dem
1918 der
Volksstaat Hessen wurde. Dort wurde man zunächst der Amtsvogtei
Lorsch zugeordnet. Als
1821 Landratsbezirke geschaffen wurden, wurde Viernheim
Heppenheim zugeordnet. Von
1832 bis
1839 erfolgte ein Intermezzo unter
Bensheimer Zugehörigkeit. Ab
1848 gehörte man dann zum
Landkreis Heppenheim, der
1938 mit Bensheim zum heutigen
Kreis Bergstraße zusammengelegt wurde.
1948 wurden der Gemeinde durch das neu gegründete Land
Hessen die
Stadtrechte verliehen.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Viernheim ein Bauerndorf. Missernten und Hungersnöte ließen 1852 458 Menschen nach Nordamerika auswandern. Mit der Industrialisierung und der Eröffnung der Oberrheinischen Eisenbahn 1887 wandelte sich der Ort dann zu einer Arbeiterwohngemeinde, da viele Einwohner Arbeit in den Fabriken der Nachbarstädte Mannheim und Weinheim fanden. Jedoch blieben viele Arbeiter weiterhin nebenerwerblich Bauern. Die Ansiedelung von Industrie in Viernheim selbst begann mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Weinheim-Worms 1905, verstärkte sich jedoch nach dem zweiten Weltkrieg weiter, wodurch die Bevölkerungszahl stark anwuchs. Auch durch die gute Verkehrslage an drei Autobahnen entwickelte man sich so zu einer mittleren Industriestadt. 1994 erfolgte die Ernennung zur Brundtlandstadt, der Teilnahme an einem Modellprojekt zur Energieeinsparung.
Einwohnerentwicklung
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Religionen
Kirche Sankt Aposteln Viernheim 100 2821.jpg
Viernheim gehörte lange zum
Erzbistum Mainz. Durch wechselnde Herrschaften im
15. und
16. Jahrhundert mussten die Bürger aufgrund des
Augsburger Religionsfriedens sieben mal die Religion wechseln. Mit der Rückkehr zu
Kurmainz blieb die Konfession dann allerdings die
römisch-katholische. Anfang des
20. Jahrhunderts bekamen die zugezogenen evangelischen Bürger erstmals ihre eigene Kirche in Viernheim.
Heute gibt es in Viernheim die vier katholischen Kirchengemeinden St. Marien, St. Aposteln, St. Michael und St. Hildegard, die zum Dekanat Bergstraße-West des Bistums Mainz gehören, und die beiden evangelischen Gemeinden der Auferstehungskirche und der Christuskirche, die zum Dekanat Bergstraße-Süd der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gehören.
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Viernheim noch eine freie evangelische Gemeinde, sowie Gemeinden der Evangeliumschristen-Baptisten, der Neuapostolischen Kirche und der Zeugen Jehovas. Der Islam ist mit einer Moschee, der Eyüp-Sultan-Moschee, vertreten. Eine jüdische Gemeinde gibt es in Viernheim seit der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr. Die Synagoge in der Hügelstraße wurde im Rahmen der Reichskristallnacht zerstört.
Politik
Stadtverordnetenversammlung
Die
Stadtverordnetenversammlung hat 45 Sitze und wird in direkter Wahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Als Besonderheit hat der Wähler die Möglichkeit des
Kumulierens und
Panaschierens. In der aktuellen Stadtverordnetenversammlung stellt die
CDU die stärkste Fraktion.
Bei der Kommunalwahl am 26. März 2006 ergaben sich folgende Verhältnisse:
| CDU | 48,5 % | +1,5 | 22 Sitze | -1
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| SPD | 43,9 % | +1,4 | 20 Sitze | +1
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| Die Grünen | 5,4 % | −0,2 | 2 Sitze | 0
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| Viernheimer Liste | 2,1 % | +0,2 | 1 Sitz | 0
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Bürgermeister
An der Spitze der Stadt steht der Bürgermeister, der von der Bevölkerung in direkter Wahl für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt wird. Der seit 1997 amtierende Bürgermeister ist Matthias Baaß (
SPD). Die nächste Bürgermeisterwahl ist für
2009 geplant.
Ihm zur Seite gestellt ist der Erste Stadtrat, sowie 11 ehrenamtliche Beigeordnete. Sie alle werden von der Stadtverordnetenversammlung für eine Amtszeit von sechs resp. fünf Jahren gewählt und spiegeln daher parteipolitisch die jeweiligen Mehrheitsverhältnisse zum Zeitpunkt der Wahl wieder.
Der Bürgermeister, der Erste Stadtrat und die 11 Beigeordneten bilden zusammen den Magistrat der Stadt.
Die Bürgermeister seit 1822 (vorher sind von 1649-1822 insgesamt 8 Schultheißen nachgewiesen):
Wappen
Das
Wappen wurde
1926 eingeführt. Im oberen Feld ist der hessische Löwe zu sehen, der die Zugehörigkeit zum Land
Hessen ausdrückt. Im linken unteren Feld ist das
Mainzer Rad zu sehen, das für die lange Zugehörigkeit zu
Kurmainz steht. Im rechten unteren Feld ist eine gotische Vier zu sehen – das alte Viernheimer Ortszeichen –, die als so genanntes „redendes Bild“ auf den ersten Teil des Ortsnamens Viernheim anspielt, obwohl sich der Ortsname nicht von der Zahl „Vier“, sondern möglicherweise vom
althochdeutschen
firni, „alt, aus der Vorzeit“, oder dem
keltischen
vernos, „Erle“, herleitet.
Städtepartnerschaften
Viernheim unterhält mit folgenden Städten und Gemeinden eine
Städtepartnerschaft:
Für die folgende Stadt hat Viernheim die Patenschaft für die in der Bundesrepublik lebenden ehemaligen Bürger übernommen: Altrohlau, Landkreis Karlsbad, Sudetenland (Tschechien) (seit 1968)
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
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Straßenverkehr
Viernheim liegt an der
A 659, welche direkt nach
Mannheim und
Weinheim führt, aber auch den direkten Zugang zu drei weiteren Autobahnen, der
A 5, der
A 6 und der
A 67, bietet. Durch die beiden Autobahnkreuzungen
Viernheimer Kreuz und
Viernheimer Dreieck ist Viernheim auch vielen Autofahrern bekannt.
ÖPNV
Im öffentlichen Personennahverkehr gibt es die Stadtbahn der
MVV OEG AG, welche nach
Mannheim und
Weinheim sowie weiter nach
Heidelberg fährt. Außerdem gibt es noch zwei Stadtbus-Linien der
Stadtwerke Viernheim und eine Regionalbus-Linie des
Busverkehr Rhein-Neckar nach
Worms. Alle öffentlichen Verkehrsmittel sind im
Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) integriert.
Bahnverkehr
Viernheim ist Endpunkt der
1905 eröffneten
Eisenbahnstrecke Weinheim-Viernheim, die ursprünglich weiter über
Lampertheim nach
Worms führte, um die Verbindung der
Weschnitztalbahn nach Worms herzustellen. Wegen geringer Nachfrage dieser Verbindung wurden jedoch
1960 der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt und durch Busbedienung ersetzt sowie die Gleisanlagen zwischen Viernheim und Lampertheim abgebaut (der Streckenverlauf ist heute noch als breite Schneise im Wald erkennbar). Lediglich der Güterverkehr zwischen Weinheim und Viernheim wurde bis Ende
2002 von der Deutschen Bahn fortgeführt, jedoch im Juli 2004 von der
MVV-Tochter ConTrain reaktiviert. Der alte Bahnhof beherbergt heute eine kommunale Freizeit- und Begegnungsstätte, die den Namen
Treff im Bahnhof (T.I.B.) trägt.
Ansässige Unternehmen
Neben diversen Industriegebieten mit vielen Firmen ist als bekannteste Gewerbeansiedlung das
1972 eröffnete
Rhein-Neckar-Zentrum, ein großes und überregional bekanntes Einkaufszentrum, zu nennen.
Weitere namhafte Unternehmen wie Kaufhof oder Lackiererei Gutperle usw. sind hier in den Industriegebieten ansässig!
Medien
In Viernheim gibt es zwei regionale
Tageszeitungen:
Die folgenden kostenlosen Anzeigenzeitungen werden in Viernheim wöchentlich verteilt:
Folgende regionale Medien sehen Viernheim als Teil ihres Empfangs- bzw. Verbreitungsgebiets:
Bildung
Die Viernheimer Schullandschaft deckt die elementaren Bereiche der Allgemeinbildung ab.
- Grundschulen:
- Schillerschule
- Goetheschule
- Nibelungenschule
- Grund-, Haupt- und Realschule:
- Gesamtschule (Haupt-, Realschule und Gymnasium):
- Alexander-von-Humboldt-Schule
- Privatschule:
- Albertus-Magnus-Schule – Gymnasium in Trägerschaft des Bistum Mainz
Weitere Schulen mit spezifischeren Profilen sind in den Nachbarstädten zu finden.
Die nächsten Hochschulen befinden sich in der Nachbarstadt Mannheim und in Heidelberg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Kirchen
- St. Apostel Kirche
- St. Marien Kirche
Parkanlagen
- Tivoli Park
- Viernheimer Vogelpark
Bauwerke
- Apostelkirche (im Besonderen)
- Diverse andere Kirchen beiderlei Konfessionen
- evangelisch
- Auferstehungskirche
- Christuskirche
- katholisch
- Kirche St. Aposteln
- Kirche St. Marien
- Kirche St. Michael
- Kirche St. Hildegard
- Kriegerdenkmal in der Weinheimer Straße
Regelmäßige Veranstaltungen
- Februar: Fastnachtsumzug oder Straßenfastnacht (im jährlichen Wechsel)
- Mai: Tanz in den Mai; Traditionelles Maifest bei der Feuerwehr
- August: Viernheimer Triathlon (1,5 / 46 / 10)
- September: Innenstadtfest
- November: Kerwe
- Dezember: Weihnachtsmarkt
- Juli: Erstes Wochende traditionelles Siedlerfest der Siedlergemeinschaft Viernheim
- Juli: CdG-Sommerfest in bayrischem Stil
- August: MGV- Gartenfest (erstes Wochenende im Aug.)
- Pfarrfeste der Viernheimer Gemeinden
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Ehrenbürger
Die Stadt Viernheim hat folgenden Personen das
Ehrenbürgerrecht verliehen:
- 1948: Prof. Dr. Ludwig Bergsträsser, Vorsitzender der 1. hessischen Nachkriegsregierung (1883–1960)
- 1948: Hans Mayr, Rektor (1864–1958), Verfasser der "Chronik der Stadt Viernheim"
- 1949: Dr. Karl Alter, Erzbischof von Cincinnati (1885–1977)
- 1965: Dr. Nikolaus Hattemer, Dekan (1900–1970)
- 1973: Anton Darmstadt, Pfarrer (1900–1981)
- 1975: Hans Mandel, Bürgermeister (* 1917)
- 1975: Michael Bugert, Ehrenstadtrat (1905–1989)
Bedeutende Bürger der Vergangenheit
- Karl Müller, Lehrer und Heimatforscher, Ersteller der Ahnenkartei (lagert im Stadtarchiv)
- Edmund Rieß, Priester, OStD, Mitbegründer und langjähriger Direktor der AMS Viernheim
Literatur
- Chronik der Stadt Viernheim, von Hans Mayr, Mannheim 1949,
- Der Geländeraub in Viernheim 1934 (Wegnahme der Allmend), Denkschrift zur Frage der Wiederherstellung der Allmende in der Gemeinde Viernheim, Kommission zur Wiedergutmachung des Unrechts von 1934 (Hg.), verfaßt von Franz Josef Haas 1. und Adam Haas 6., Viernheim 1948
- Illustrierte Geschichte Stadt Viernheim, ISBN 3-923003-82-X
- Viernheimer Wörterbuch "Wie gered't sou gebabblt" von Hans Knapp,
- Viernheim zwischen Weimar und Bonn - Demokratie und Diktatur in einer deutschen Kleinstadt - 1918-1949 Autorin Brigitte Perker
Weblinks
Ort in Hessen
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