Ein Vierervektor ist ein Vektor in der 4-dimensionalen Raumzeit der relativistischen Physik, dessen 4 Koordinaten sich entsprechend der Lorentztransformation kontravariant ändern, wenn er in ein anderes Inertialsystem transformiert wird. Ein Vierervektor ist ein Tensor 1. Stufe.
Die Phänomene der Zeitdilatation und Längenkontraktion ergeben sich im Vierervektor-Formalismus durch Lorentztransformation eines speziellen Vierervektors, des Ortsvektors.
Das Inertialsystem, in dem sich ein Beobachter befindet, wird auch als Bezugssystem bezeichnet. Bezugssysteme sind z.B. die Erde oder ein Raumschiff, das sich relativ zur Erde bewegt (jeweils idealisiert, d.h. real nur für kurze Zeit). Es kann sich aber auch um ein Labor oder ein Elektron handeln, das in diesem Labor eine kreisförmige Bahn beschreibt.
Im folgenden wird gezeigt, wie Vierervektoren in verschiedenen Bezugssystemen dargestellt werden, und wie diese Darstellungen mit der Lorentztransformation zusammenhängen.
Seien S und Inertialsysteme. Man kann sich so ein Inertialsystem vereinfacht als eine Plattform vorstellen, die sich mit konstanter Geschwindigkeit durch den (leeren) Raum bewegt. Auf jeder dieser Plattformen befindet sich ein Beobachter. Ein Ort auf der Plattform S werde durch die Koordinaten x,y, eine bestimmte Höhe durch die Koordinate z beschrieben. Der Beobachter hat eine Uhr, die die verstrichene Zeit t misst. Die Plattform definiert also eine Basis in der Raum-Zeit.
Um die Koordinaten x,y,z eindeutig festzulegen, sei der Beobachter auf der Plattform als im Ursprung des Koordiantensystems ruhend angenommen. Das System des ruhenden Beobachters wird mit S bezeichnet. Die räumliche Ausdehnung des Beobachters ist für die folgenden Überlegungen nicht wichtig, somit wird angenommen, dass er sich am Ort mit den Koordinaten x=0 und y=0 befindet.
Ein Ereignis in dem System S wird durch die Koordinaten x,y,z,t beschrieben. Ein solches Ereignis ergibt sich z.B. wenn der Beobachter eine Kerze anzündet. Es geschieht zu einer Zeit t, die Kerze befindet sich dann in einer Höhe z über dem Boden der Plattform, und da sie vom Beobachter angezündet wird, am Standort des Beobachters, d.h. es ist x=0 und y=0.
Relativ zu diesem Beobachter bewege sich eine andere Plattform mit konstanter Geschwindigkeit.
Auf der Plattform befinde sich ein anderer Beobachter. Er befindet sich relativ zu seiner Plattform in Ruhe und er verwende die Koordinaten .
Es wird angenommen, dass sich der Beobachter in im Ursprung seines Koordinatensystems befindet und dass die beiden Koordinatensysteme zum Zeitpunkt deckungsgleich waren.
Der Ortsvektor des Systems S beinhaltet sowohl die Zeitkoordinate t als auch die Raumkoordinaten x,y,z eines Ereignisses.
In kontravarianter Darstellung sieht er folgendermaßen aus: und in kovarianter Darstellung: (gilt so nur in der Speziellen Relativitätstheorie).
Man verwendet die Darstellung ct anstatt t für die Zeitkoordinate, da dann ct und x,y,z die gleiche physikalische Dimension haben. c ist das Symbol für die konstante Vakuum-Lichtgeschwindigkeit.
Dass ein Vierervektor ist, ergibt sich daraus, dass er ein Koordinatenvektor zu einer orthonormalen Basis des Minkowski-Raums ist und sich dementsprechend kontravariant mittels einer Lorentz-Transformation bei Basiswechsel ändert. Das Skalarprodukt des Minkowskiraums wird mit obiger Konvention
Für eine eindimensionale Bewegung des Systems mit der Geschwindigkeit v entlang der x-Achse von S ergibt sich z.B. folgendes Transformationsverhalten:
Die Bedeutung dieser Transformation ist folgende: misst ein Beobachter in S für ein Ereignis in eine Zeitdifferenz , so misst der Beobachter in für das gleiche Ereignis die Zeitdifferenz . Dabei werden und entsprechend der oben angegebenen Transformation berechnet.
Für jeden der beschriebenen Beobachter bewegt sich das andere System, während er sich relativ zu seinem System in Ruhe befindet. Entsprechend der allgemein gebräuchlichen Konvention wird S als das ruhende, als das bewegte System betrachtet.
Der Vierervektor der Geschwindigkeit ergibt sich durch Differentiation des Ortsvektors nach der Eigenzeit .
In dem Kapitel über Zeitdilatation wird die Bedeutung der Eigenzeit beschrieben.
Da der Ortsvektor bereits ein Vierervektor ist, folgt hieraus, dass auch der Geschwindigkeitsvektor ein Vierervektor sein muss.
Genauere mathematische Begründungen findet man in der Literatur über Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie (vgl. die Literaturhinweise am Ende des Artikels).
Im folgenden wird gezeigt, wie sich der Geschwindigkeitsvektor aus dem Ortsvektor berechnen lässt:
Der Ortsvektor wird folgendermaßen dargestellt:
Die Eigenzeit ist folgendermaßen definiert:
Die Relationen zwischen der Eigenzeit eines bewegten Systems und der Zeit dt eines ruhenden Beobachters können folgendermaßen geschrieben werden
bzw. mit
Dabei wurde die in der Speziellen Relativitätstheorie verwendete Größe eingeführt.
Mit diesen Voraussetzungen lässt sich nun der Vierervektor der Geschwindigkeit berechnen:
Mit den bisher betrachteten Vierervektoren lässt sich die relativistische Mechanik beschreiben (Viererimpuls, Viererkraft). Eine weitere Anwendung der Vierervektoren (insbesondere in der Gestalt von Differentialoperatoren) findet man in der relativistischen Quantenmechanik (Klein-Gordon-Gleichung, Dirac-Gleichung).
Die Energie eines Teilchen bildet zusammen mit dessen Impuls den Energie-Impuls-Vierervektor.
In der Elektrodynamik kann man das elektrische Potential und das magnetische Potential zu einem Vierervektor zusammenfassen.
Dies gilt auch für die elektrische Ladungsdichte und den elektrischen Stromfluß .
Durch diese Darstellung wird offensichtlich, dass der Magnetismus nur eine relativistische Erscheinung der Elektrizität ist.
Der Viererableitungsoperator hat folgende Gestalt:
Ist der Wert für größer Null, so spricht man von einem zeitartigen Vektor. Ist er kleiner Null, so spricht man von einem raumartigen Vektor. Ist der Wert für gleich Null, so wird von einem lichtartigen Vektor gesprochen.
Ein zeitartiger Vektor kann zwei kausal zusammenhängende Ereignisse verbinden, zB im Minkowski-Raum zwei Ereignisse auf der Weltlinie eines unbeschleunigten Körpers. ist dann das Quadrat der zwischen diesen Ereignissen für diesen Körper verstrichenen Eigenzeit.
Ein raumartiger Vektor kann zwei räumlich getrennte Punkte auf einem Körper verbinden. ist dann der räumliche Abstand dieser Punkte im Ruhesystem des Körpers, die Ruhelänge dieser Strecke.
In der Allgemeinen Relativitätstheorie existiert ein Metriktensor , so dass gilt:
In der Speziellen Relativitätstheorie hat der Metriktensor die folgende Form:
Dies ist kein Skalarprodukt im mathematischen Sinne, da es nicht die Eigenschaft der positiven Definitheit besitzt.
Quadrivector | Four-vector | Nelivektori | Quadrivecteur | 4元ベクトル | Czterowektor | Quadrivetor | Vektor četverec | เวกเตอร์สี่มิติ | Véctơ-4
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