Der ist ein Sportverein aus der österreichischen Bundeshauptstadt Wien und betreibt heute hauptsächlich die Sportarten Leichtathletik und Tennis. Bekannt und sporthistorisch wertvoll ist jedoch vor allem die ehemalige Fußballsektion des Vereins.
Gegründet wurde der Verein von in Wien ansässig gewordenen Engländern bereits im Jahr 1892 unter dem Namen Vienna Cricket Club Wien. Die einzige Sportart die anfangs betrieben wurde war natürlich das englische Cricket. Schon im Jahr 1882 gründete sich ein Verein mit dem Namen Vienna Cricket Club, ob es zwischen den beiden Vereinen einen ursächlichen Zusammenhang gegeben hat lässt sich heute jedoch nicht mehr klären. Als man bei den Engländern erkannte, dass der Cricketsport in Österreich keine Zuseher anlockte und fast zeitgleich der Fußballsport immer mehr aufkam, entschlossen sich die Cricketer ihren Verein um diese Sektion zu erweitern und änderten den Vereinsnamen in First Vienna Cricket and Football-Club. Nachdem die Cricketer sich bisher nicht polizeilich angemeldet hatte, entschloss man sich 1894 die Gründungsunterlagen bei der Vereinsbehörde einzureichen. Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins war der Brite John Gramlick, der spätere Gründer des Challenge-Cup.
Am 29. November 1894 folgte auf der Jesuitenwiese im Prater das Rückspiel, das die Cricketer wieder mit 4:0 für sich entschieden. Die Vienna musste auf das dritte Derby, das am 14. April 1895 stattfand, warten um ihren ersten sportlichen Erfolg über die Praterleute feiern zu können. Das Spiel endete übrigens mit dem damaligen „Standardergebnis“ von 4:0 für die Vienna.
1898 gewannen die Cricketer das anlässlich des 50-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz-Josef auf der Hohen Warte ausgetragene Jubiläums-Turnier vor der Vienna, dem SC Baden und dem FC 98 Wien. Dieses Turnier war das erste Großturnier in Wien, an dem 12 Mannschaften zu je sechs (!) Spielern teilnahmen.
Bereits ein Jahr zuvor, 1897 kam es auf Initiative des Vorstandsmitgliedes des Vienna Cricket and Football-Club, John Gramlick zur Einführung des Challenge-Cup. Dieser nach dem Pokalsystem ausgetragene Bewerb war offen für alle Vereine des Kaiserreichs und wurde inoffiziell als erste Meisterschaft der Österreich-Ungarischen Monarchie angesehen. Die Cricketer waren nach einem 7:0 Finalerfolg am 21. November 1897, auch der erste Gewinner des Wettbewerbs. Das zweite Finalspiel gegen den ewigen Konkurrenten First Vienna FC im Jahr 1900 verloren die Praterkicker mit 0:2. Am 19. Mai 1902 wurde mit einem 2:1 Sieg gegen den ungarischen Finalisten Budapesti Torna Club der Titel zum zweiten Mal in den Prater geholt. Da die Cricketer ihr viertes Finale 1904 gegen den Wiener AC klar mit 0:7 verloren, blieb dies dann auch der letzte große Erfolg der Blau-Schwarzen.
1904 Jahr kam es zur Gründung der Fußball-Union und zur Ausrichtung des Tagblatt-Pokals. Auch in diesem, nach Meisterschaftsmodus über 12 Runden ausgetragenen Bewerb, spielten die Cricketer eine große Rolle, belegten letztendlich jedoch mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Wiener AC den zweiten Platz.
Dieses Verhalten der Vereine war typisch für die damalige Schwäche sowohl der ÖFU als auch des ÖFV. Beide Verbände wurden auf Initiative der Cricketer bzw. der Vienna gegründet, sobald es aber darum ging die eigenen Vereinsinteressen zu bewahren, lehnten sich die mächtigen Vereine (zu denen auch der Wiener AC gehörte) gegen den jeweiligen Verband auf. Aus diesem Grund dauerte es auch bis zum Jahr 1911, bis endlich eine geordnete, mit vorgegebenen Pflichtterminen verordnete, erfolgreiche erste Meisterschaft durchgeführt werden konnte.
Die vielzitierte Mär, die den Vienna Cricket & Football-Club zum direkten Vorgänger der Wiener Austria machte, entspricht nicht der Realität, da beide Vereine bis 1936 zeitgleich existierten. Wohl aber wurden Fußballer, Funktionäre und der sogenannte Spielwitz zu den Veilchen transferiert, womit man sie zumindest als moralischen Vorgänger betrachten kann.
Der Aderlass an Spielern, die 1911 zum Wiener Amateur SV abwanderten, ließ bei den Cricketern für Meisterschaft 1911/12 keine große Hoffnung auf Erfolge aufkommen. In der gesamten Saison erreichten die Schwarz-Blauen nur zwei Punkte ohne einen einzigen Sieg. Auch der Konkurrent AC Viktoria Wien hatte mit Finanz- und Aufstellungsproblemen zu kämpfen und so schlossen sich die beiden Vereine nach dem 24. September 1911 zusammen. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal vier Runden absolviert. Der Vienna Cricket & FC behielt seinen Namen und die Vorherrschaft im Fusionsverein, die Spiele des AC Viktoria wurden annulliert. Trotz der Konzentration der Kräfte der beiden früheren Konkurrenten belegten die Cricketer nur den 11. und letzten Tabellenplatz und stiegen damit in die 2. Klasse A ab.
Der Cricket and Football-Club brachte auch den ersten Fußballstar Österreichs hervor. In dieser, was den Fußballsport anging, noch sehr ruppigen und auf bullige Kämpfer ausgerichteten Zeit, sorgte der Engländer George Blackeye mit seiner filigranen und feinen Art Fußball zu „spielen“ für Entzücken unter den Anhängern. Der als Dribblerkönig bezeichnete Blackeye verfügte aber auch über einen scharfen Schuss und so wurde der im Privatberuf als Direktor einer Wiener Baufirma tätige Brite, zum ersten Fußballliebling der Wiener.
Den Gegenpart zu Blackeye stellte der Ire William Flavin dar. Der berühmte aber auch für seine ruppige Spielweise berüchtigte Remplerkönig der Cricketer sorgte für den ersten Spielabbruch in der österreichischen Fußballgeschichte und schuf 1897 mit einem schweren Foul am Vienna-Spieler Lambacher, der sich einen Schlüsselbeinbruch zuzog, auch einen Präzedenzfall in Bezug auf Sportunfälle. Das Gericht hatte den Cricketspieler, im von Lambacher angeregten Prozess mit der vereinfacht dargestellten Begründung freigesprochen, dass Fußball eben Sport sei und Verletzungen in Kauf genommen werden müssten.
Eine markante Fußballpersönlichkeit der Jahrhundertwende war auch der gebürtige Sachse Rudolf Wagner. Er spielte zuvor beim Wiener FC 1898 und verstärkte dann die Cricketer sowohl als Feldspieler als auch als Tormann. Bekannt wurde der Kopfballspezialist und spätere Nationalspieler für Österreich aber nicht nur wegen seines Fußballspiels, galt er doch, vor allem bei den Damen als der Schönling unter den damaligen Kickern.
Der erste echte Wiener bei den Cricketern war Max Johann Leuthe, der sich so sehr zu allem Anglophilem hingezogen fühlte, dass er sogar seine beiden Vornamen in Mac John ändern ließ. Leuthe beherrschte vor allem den sogenannten „Fersler“, der damals nach ihm sogar in „Maxler“ umgetauft wurde. Leuthe wurde später Starspieler des Wiener AC und spielte auch zwei mal in der österreichischen Nationalmannschaft. Nach seiner Fußballerkarriere wurde er ein bekannter Sportjournalist und bedeutender Karikaturist.
Der bekannteste "Steinzeitkicker" der Cricketer war jedoch zweifelsfrei Hugo Meisl. Dieser kam im Jahr 1900 als 19jähriger zum Verein und spielte bis 1905 bei den Cricketern. Meisl, ein mannschaftsdienlicher aber nicht überdurchschnittlicher Spieler, konnte als Fußballspieler zwar keine Bedeutung erlangen, kam jedoch später als internationaler Schiedsrichter, Funktionär, Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft, Generalsekretär des ÖFB und FIFA-Delegierter zu Weltruhm.
Der First Vienna Cricket and Football-Club brachte bis 1912 mehrere Nationalspieler und bekannte Namen hervor, darunter Ludwig Hussak (14-facher Teampspieler, ab 1912 Amateure), Charles Stanfield, der als Spieler des österreichischen Nationalteam vier Tore beim 5:4 Erfolg der Österreicher über die Ungarn am 9. Oktober 1904 beisteuerte (das fünfte Tor erzielte Klubkollege Richard Bugno), und Viktor Löwenfeld, der als letzter gewachsener Cricketer den Einzug in die österreichische Nationalmannschaft schaffte und 1918 sein letztes Länderspiel absolvierte.
Erfolge
Österreichischer Fußballverein | Ehemaliger Fußballverein | Sport (Wien)
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