Die Vielfachsteuerung ist die bei den Schweizer Bahnen verwendete Form einer Wendezugsteuerung.
Diese wird in den meisten Fällen nicht nur zur Bildung eines Pendelzuges verwendet, sondern auch zum Ansteuern einer zweiten baugleichen Lokomotive. Dadurch kann eine Lokomotive von einer anderen Lokomotive oder einem Steuerwagen aus ferngesteuert werden und muss somit nicht zwingend an der Zugspitze laufen.
Des Weiteren ist es möglich, auf Strecken, welche eine höhere Zughakenlast erlauben als die Lokomotive aufbringen kann, durch Mehrfachtraktion mit nur einem Lokomotivführer die Züge zu befördern.
Die ersten Steuerungen wirkten direkt auf den Stufenschalter. Für jede Stufe musste eine Kabelader vorhanden sein, was schwere Kabel zur Folge hatte. Ebenso konnte man nur Fahrzeuge, welche den gleichen Geschwindigkeitssprung pro Stufe hatten, vielfachsteuern.
Durch die Einführung der Lastansteuerung über die Stromstärkeregelung wurde die Vielfachsteuerung zwischen verschiedenen Fahrzeugen möglich.
Dank der Entwicklung der Elektronik ist heute die Vielfachsteuerung auf elektronischem Weg möglich. Deshalb ist heutzutage die Kommunikation zwischen den verschiedenen Rechnern der Fahrzeuge bedeutungsvoller als die Leistungsansteuerung der Fahrzeuge selber.
Die verschiedenen automatischen Kupplungen an den Fahrzeugen sind heute das grösste Hindernis für die Vielfachsteuerung unterschiedlicher Fahrzeuge. Da keine internationalen Regelungen für den Aufbau oder die Anschlussmöglichkeiten bestehen, hat jeder Hersteller beziehungsweise jede Bahnverwaltung eine andere Vielfachsteuerung entwickelt oder bestellt.
Heutzutage ausgelieferte Fahrzeuge haben fast alle eine Vielfachzugsteuerung, welche zumindest ermöglicht, Fahrzeuge gleicher Bauart untereinander vielfachzusteuern.
Die ++/+/0/-Steuerung anstelle der Stufenschalter-Steuerung ist das eigentliche Herzstück dieser Vielfachsteuerung, denn erst durch die Last- statt der Stufen-Steuerung ist die Verbreitung möglich gewesen, da keine Abhängigkeit zwischen den Stufen und der Geschwindigkeit mehr besteht. Bei Pendelzügen hat das am Zugschluss arbeitende Fahrzeug Zugkraftbegrenzungen.
Beliebig mischbar sind maximal 20 angetriebene Achsen oder 4 arbeitende Lokomotiven.
Die SBB Re 4/4II, SBB Re 421, SBB Re 4/4III, SBB Re 6/6, BLS Re 465 (nicht aber die SBB Re 460) sowie SBB RBe 540 sowie den daraus abgeleiteten Hochleistungs-Triebwagen der Privatbahnen BDe 4/4 sind mit der Vielfachsteuerung VST IIId ausgerüstet. Mit einem als Dolmetscher zwischeneingereihte BLS Re 465 lassen sich auch die BLS Re 4/4 sowie die BLS Ae 4/4 vielfachsteuern.
Die Triebwagen SBB RBDe 560 sowie deren Derivate 561 und 562 wie auch die SOB RBDe 566 können nur unter sich vielfachsteuern, es sei denn, die Triebwagen werden als Steuerwagen eingestellt.
Auch nicht freizügig einsetzbar ist die SOB Re 446, die ehemalige SBB Re 4/4IV.
Die meisten Steuerwagen der SBB sind für die VST IIId eingerichtet.
Ein Spezialfall ist der Einheitswagen III-Pendelzug, der selber eine spezielle Steuerleitung hat. Es ist aber im AD ein Übersetzer für die VST IIId eingebaut.
Die SBB Re 450, die dazugehörenden Doppelstocksteuerwagen, wie auch die SBB RABe 514 sind mit diesem System ausgerüstet.
Die SBB Re 460 wie auch die BLS Re 465 verwenden diese Steuerung. Mit ihr sind vier arbeitende Fahrzeuge möglich. Der Einheitswagen IV-Steuerwagen Bt sowie der IC-Doppelstocksteuerwagen unterstützen dieses System ebenfalls.
Zulässig sind 4 arbeitende Triebfahrzeuge. Das System wird von der BLS Re 465 , BLS Re 4/4 wie auch der BLS Ae 4/4 unterstützt.
Die modernen Diesellokomotiven SBB Am 841 und SBB Am 843 haben eine Vielfachsteuerung, mit der baugleiche Lokomotiven in Doppeltraktion gefahren werden können.
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