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VHS ist ein von der Firma JVC entwickeltes analoges und zuerst 1976 in Japan auf den Markt gebrachtes Aufzeichnungs- und Wiedergabesystem für Videorekorder. Die offizielle Leseart Video Home System ist ein Backronym, die Abkürzung stand ursprünglich für Vertical Helical Scan (senkrecht-spiralförmige Abtastung) und beschrieb die verwendete Aufzeichnungsmethode auf dem Magnetband. Nach anderen Berichten stand es für Victor Helical Scan; JVC (Victor Company of Japan) nennt sich innerhalb Japans einfach Victor.

VHS - Kassette.jpg

Kassetten


Eine VHS-Kassette enthält ein langes Magnetband, welches von einer Spule auf eine andere gewickelt wird. Dabei läuft es langsam an der schnell rotierenden Kopftrommel des Videorekorders vorbei. Die Kassetten können (bei den meisten als Leerkassetten verkauften Fabrikaten) durch Herausbrechen einer Lasche vor dem Löschen der enthaltenen Aufnahmen geschützt werden, eine erneute Aufnahme ist dann durch Abdecken mit einem Stück Klebeband möglich.

Technische Daten


Das Auflösungsvermögen beträgt in horizontaler Richtung um die 240 Bildpunkte bzw. Linien, vertikal wird die maximale mögliche sichtbare Auflösung von (je nach Farbfernsehsystem) 576 oder 480 Bildpunkten genutzt. Die Video-Bandbreite beträgt etwa 3 MHz.

Bei der Aufzeichnung in NTSC wird eine andere Bandgeschwindigkeit als bei PAL und SECAM verwendet, weshalb zwar in jedem Land gekaufte Leerkassetten verwendet werden können, die auf den Kassetten angegebene Laufzeit dann aber nicht mehr stimmt. Die gängigen VHS-Kassetten haben meist Laufzeiten von etwa 2 bis 4 Stunden, seltener 5 Stunden, und werden mit E- (für PAL/SECAM) bzw. T- (für NTSC) und der auf den Standard Play-Modus (SP) bezogenen Spielzeit in Minuten gekennzeichnet, wobei die tatsächliche Zeit häufig einige Minuten länger ist. Leerkassetten unter 2 Stunden Laufzeit sind teilweise sogar teurer als längere, besonders bei kommerziell bespielten Kassetten gibt es auch die verschiedensten Sonderlängen. Viele Geräte verfügen über einen Long Play-Modus (LP), in dem durch Reduzierung der Bandgeschwindigkeit und somit auch der Qualität (besonders beim Bildsuchlauf kann sich dies zeigen) die Laufzeit verdoppelt wird, somit sind mit einer E-300-Kassette etwa 10 Stunden möglich. Beim Abspielen solcher Aufnahmen auf VHS-Geräten ohne LP-Modus werden diese mit starken Störungen und teilweise der doppelten Geschwindigkeit abgespielt. Seltener gibt es auch einen Extended Play-Modus (EP), der noch längere Laufzeiten ermöglicht.

Bei vielen Geräten wird der Beginn einer Aufnahme durch ein Index-Signal markiert, wodurch später ein leichter Zugriff auf eine bestimmte Bandstelle ermöglicht wird. Teilweise können diese auch während der Aufnahme an beliebigen Stellen eingefügt werden.

Im englischsprachigen Raum ist bei der Veröffentlichung von Spielfilmen auf VHS „Pan & Scan“ üblich, bei dem ein beträchtlicher Teil des Bildinhalts verloren geht, im deutschsprachigen Raum war dies bis Anfang der 1990er-Jahre üblich, danach häufig Letterbox mit den bekannten schwarzen Balken. Anamorphes 16:9 ist möglich, aber wegen der Kompatibilität zum 4:3-Format besonders bei kommerziell bespielten Kassetten meist nicht üblich.

Versionen von VHS


Es existieren viele verbesserte Versionen von VHS; am wichtigsten ist wohl S-VHS, ein weiterentwickelter, analoger Standard, und D-VHS, der digitales Video auf einer VHS-Kassette speichert. Des weiteren existiert auch noch eine Variante namens W-VHS, die sich zur analogen Aufzeichnung von HDTV-Sendungen eignet. Die beiweitem größte Verbreitung, auch bei kommerziell bespielten Kassetten, erlangte jedoch das Standard-VHS.

VHS HQ (High Quality) ist eine technisch leicht verbesserte Version des ursprünglichen VHS-Standards mit einer Schaltung zur Bildverbesserung und mit diesem voll kompatibel. VHS-Kassetten können auch auf S-VHS-Geräten abgespielt werden, umgekehrt wegen der höheren Signal-Bandbreite jedoch nur bei wenigen Geräten. Aus diesem Grund gab es auch keine bespielten S-VHS-Kassetten zu kaufen. VHS-C ist eine Version für Camcorder mit verkleinerten Kassetten, die mittels Adaptern auch in herkömmlichen VHS-Videogeräten abspielbar sind; auch von S-VHS gibt es eine solche Version (S-VHS-C).

Geschichte


In den Jahren ab 1980 wurde VHS zum allgemein anerkannten Standard im Heimbereich, nachdem es sich auf dem Markt gegen Sonys Betamax und Grundigs Video 2000 durchgesetzt hatte, die nach Ansicht vieler Experten technisch bessere Systeme darstellten. Ein Hauptgrund für den Erfolg waren die von den anderen Firmen verlangten Lizenzgebühren, während JVC bei der Lizenzvergabe deutlich großzügiger war als die Konkurrenz. Dies führte zum Formatkrieg. Man sagt auch, dass die breite Verfügbarkeit von Pornografie auf VHS entscheidend zu dessen Erfolg beigetragen hat.

Über die Entstehung von VHS (insbesondere die geheime Entwicklung und den Widerstand gegen das japanische Handelsministerium) und die Gründe des Erfolgs in Japan gegenüber Sonys Betamax gibt es den japanischen Dokumentarfilm „Hi wa Mata Noboru“, auf englisch „Dawn of a New Day: The Man Behind VHS“.

Nachdem VHS an die 20 Jahre lang das beherrschende Heimvideo-System war, wurde es ab etwa 2000 nach und nach von der DVD abgelöst, besonders wie auch aufnahmefähige Versionen derselben große Verbreitung fanden und dabei eine meist deutlich bessere Bildqualität boten. Es ist jedoch fraglich, ob die Video-DVD angesichts des immer schnelleren technischen Wandels ebenfalls eine so lange Zeit überdauern wird. Ab etwa 2003 wurden mehr DVD- als VHS-Videos verkauft, auch im Jahr 2006 ist VHS jedoch noch nicht völlig vom Markt verschwunden.

Kopierschutz


Der VHS-Standard wurde vom Entwickler und Rechteinhaber JVC im Jahre 1985 auf Druck der Filmbranche redefiniert (und je nach Standpunkt verbessert oder verschlimmert). VHS-Lizenznehmer durften nur noch Videorekorder mit AGC (Automatic Gain Control) bauen. Ursprünglich gedacht für eine Verbesserung des Bildsignals auf Empfangsseite durch automatische Aussteuerung, konnte diese Technik genutzt werden, um den von der Firma Macrovision Corporation entwickelten analogen Kopierschutz (Macrovision) zu implementiern. Der größte Teil der in Kopierwerken der Filmindustrie hergestellten Kaufvideokassetten enthält das Macrovision-Signal, welches die AGC des empfangenden Videorekorders verwirrt. Durch wechselnde Hell-Dunkel-Signale in der Austastlücke wird die AGC angeregt, die Helligkeit ständig nachzuregeln. Das Ergebnis sind durch starke Schwankungen von Helligkeit und Farbsättigung unbrauchbare Kopien von solchen mit Macrovision versehenen Leih- oder Kaufvideokassetten.

Reines Abspielen von Macrovision-Kassetten vom Videorekorder zum Fernseher funktioniert ohne Störungen, da der Fernseher das gesamte Rücklaufsignal durch Generatoren selbst aufbaut. Aus Sicht der Filmindustrie wurden sogenannte Raubkopien erschwert, aus Sicht des Verbrauchers wurde das ansonsten prinzipiell zulässige Herstellen von Privatkopien – selbst von Sicherungskopien einmal gekaufter Kassetten – erschwert bis unmöglich gemacht. Eine Entfernung der Störsignale ist zwar technisch recht einfach, der Verkauf von entsprechenden Zusatzgeräten wurde jedoch um 2003 in den meisten EU-Ländern verboten.

Weblinks


Videobandformat

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