Victor Hugo (* 26. Februar 1802 in Besançon; † 22. Mai 1885 in Paris), gilt als einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller. Er schrieb Gedichte, Romane und Dramen und betätigte sich als Publizist.
Mit 14 begann er zu schreiben, sein Ziel war, "Chateaubriand zu werden oder nichts". Mit 17 (1819) gründete er zusammen mit Bruder Eugène eine literarische Zeitschrift, Le Conservateur littéraire, und erhielt eine Auszeichnung in einem Dichtwettbewerb. 1820 brachte ihm seine Ode sur la mort du duc de Berry (eines von einem Attentäter erschossenen Neffen von König Louis XVIII und potenziellen Thronerben) eine Gratifikation ein.
1822 erschien sein erster Gedichtband Odes et poésies diverses, der ihn als Royalisten auswies und ihm eine königliche Pension von 1000 Francs jährlich eintrug (von der eine bescheidene Einzelperson fast leben konnte). Nach dem Tod seiner Mutter und der Wiederverheiratung seines Vaters ehelichte Hugo 1822 die 19jährige Adèle Foucher, eine Freundin aus der Kinderzeit. Ein erstes Kind starb bald nach der Geburt.
1823 kam sein erster Roman heraus, die Schauergeschichte Han d'Islande, die ihm eine weitere Pension von 2000 Francs einbrachte. 1824 erschienen Nouvelles Odes. 1825 wurde Hugo Chevalier de la Légion d'Honneur (Ritter der Ehrenlegion) und war geladener Gast bei der Krönungszeremonie von Charles X, des jüngeren Bruders und Nachfolgers von Louis XVIII, in der Kathedrale von Reims.
Bald danach änderte er seine politische Einstellung und mutierte vom Royalisten zum oppositionellen Liberalen: 1826 erschien Bug-Jargal, ein Roman über den Sklavenaufstand, durch den Haiti 1791 von der Kolonialmacht Frankreich praktisch unabhängig wurde.
1829 schrieb er den Roman Le dernier jour d'un condamné à mort, ein Plädoyer gegen die Todesstrafe und indirekte Regimekritik. 1829 verfasste er die melodramatischen historischen Stücke Marion Delorme, das vor der Aufführung als regimekritisch verboten wurde, und Hernani. Dessen Uraufführung am 25. Februar 1830 ging als "bataille d'Hernani" (Schlacht um H.) in die Literaturgeschichte ein, als lautstark im Publikum ausgetragene Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des klassizistischen Regeltheaters und den Adepten des neuen romantischen Theaters, das vor allem die "Wahrheit" der Darstellung intendierte.
1831 publizierte Hugo den sehr erfolgreichen historischen Roman Notre Dame de Paris und die Gedichtsammlung Les feuilles d'automne. In den nächsten Jahren verfasste er hauptsächlich historische Stücke: 1833 Le Roi s'amuse (nach einigen Aufführungen verboten), 1834 Lucrèce Borgia und Marie Tudor, 1835 Angelo, 1838 Ruy Blas. Doch schrieb und publizierte er ständig auch Gedichte, die er von Zeit zu Zeit gesammelt herausgab: 1835 Les Chants du crépuscule, 1837 Les voix intérieures, 1840 Les rayons et les ombres.
1838 erwarb ein Verlag für enorme 300.000 Francs die Rechte an den bisherigen Werken Hugos. 1841 wurde er nach mehreren Anläufen endlich in die Académie française gewählt. 1843 war sein Drama Les Burgraves ein kompletter Misserfolg, der ihm für immer die Freude am Theater verdarb. 1845 ernannte König Louis-Philippe ihn zum Pair, d.h. zum Lebenszeitmitglied der Chambre des Pairs, des parlamentarischen Oberhauses (das allerdings nach der Februar-Revolution 1848 abgeschafft wurde).
1847 begann Hugo einen sozial engagierten Roman in der Manier von Eugène Sues Les mystères de Paris, der aber erst 1862 als Les Misérables fertig werden sollte. Bei der Februarrevolution war er zunächst begeistert, schlug sich nach dem Juni-Aufstand der Pariser Arbeiter aber auf die Seite des konservativen "Parti de l'ordre" und dann auf die des neugewählten Präsidenten Louis-Napoléon Bonaparte. Zum konservativen Abgeordneten gewählt, verwirrte er jedoch seine Parteifreunde durch sozial engagierte und politisch liberale Reden.
Auch sonst blieb er enorm produktiv: 1862 kam erfolgreich Les Misérables heraus, ein monumentaler melodramatischer Roman, der mit einer spannenden Handlung um den entsprungenen Galeerensträfling Jean Valjean vor allem auf das Elend der proletarisierten Arbeitermassen aufmerksam machen sollte, die Paris inzwischen be- bzw. übervölkerten. Daneben erschienen immer wieder Gedichtsammlungen (mit hohem Anteil politisch und sozial engagierter Texte): 1853 Châtiments, 1856 Contemplations, 1859 Chansons des rues et des bois und La Légende des siècles. 1866 publizierte Hugo Les travailleurs de la mer, einen Roman, der das harte Leben der Küstenfischer schildert, 1869 L'Homme qui rit (Roman), 1874 Quatre-vingt-treize, einen historischen Roman über den politischen Terror des Schreckensjahres 1793.
Obwohl er heute – mit Ausnahme von Les Misérables – nicht mehr allzu viel gelesen wird (vor allem seine oft sehr pathetische Lyrik ist weitgehend ungenießbar geworden), stellt Hugo für die Franzosen etwa das dar, was Goethe für die Deutschen ist.
Aufgelistet sind einige sehenswerte Verfilmungen von Romanen Hugos. In Klammern das Ursprungsland.
Einige Werke Hugos wurden sehr oft verfilmt, so gibt es zum Beispiel gut 50 verschiedene Verfilmungen von Les Misérables. Einzelheiten dazu finden sich auf den Seiten der einzelnen Werke.
Académie française | Autor Literatur (19. Jh.) Literatur (Französisch) Drama Roman, Epik Mann Franzose | Geboren 1802 | Gestorben 1885
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