Das Vichy-Regime (offiziell: État français) war die französische Regierung nach der Niederlage der französisch-britischen Truppen vom Juni 1940 gegen das Dritte Reich im Zweiten Weltkrieg und löste die Dritte Französische Republik ab. Sie bestand formal bis 1944. Formal, das heißt staatsrechtlich unterstand ganz Frankreich bis dahin dem Vichy-Regime, mit Ausnahme von Elsass-Lothringen, das vom Deutschen Reich annektiert wurde, mit negativen Folgen z.B. für die dort lebenden jungen Männer, die Soldaten der Wehrmacht werden mussten. In den Alpen, im Südosten des Landes (u.a. Monaco und Nizza), hatten italienische Truppen ein Gebiet besetzt, was aber weder die deutsche noch die Vichy-Regierung anerkannten, sondern lediglich duldeten. Auch der Norden des Landes (Départements Nord und Pas-de-Calais) unterstand weiter einer fiktiven französischen Souveränität, auch wenn die Region de facto dem deutschen Militärbefehlshaber in Brüssel (und nicht dem von Paris) unterstand und dort alle wichtigen Entscheidungen fielen.
In der Zone occupée (= besetzte Zone), für die im engeren Sinn das Wort Occupation zutrifft, (siehe Karte: Besetztes Frankreich, mit Ausnahme der erwähnten Abweichungen) bedurften alle Gesetze etc. der Vichy-Regime der Zustimmung durch die deutsche Militärverwaltung in Paris. In der Realität hatten aber hier die deutschen Besatzer weitgehend das Sagen. Mit dem Aufkommen der Résistance ließen die Besatzer den äußeren Schein der französischen Souveränität zunehmend fallen. Das Miteinander von Besatzern und Kollaborateuren führte zu rechtlichen Verwirrungen und erleichterte es nach dem Krieg, Verantwortlichkeiten zu verschleiern. Zum Beispiel gab es verschiedene Stellen, die Deportationsbefehle unterzeichneten und die Züge in die Vernichtungslager füllten oder die die Enteignung von Juden betrieben (Arisierung, aryanisation); mit der Frage von zugehörigen Stempeln und Formularen konnten sich Bürokraten aller Ebenen lange beschäftigen.
Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika (Operation Torch, November 1942) besetzten die Deutschen das ganze Land. Die Italiener dehnten ihre Zone bis kurz vor Aix-en-Provence aus und besetzten Korsika. Von jetzt an war Vichy völlig zum Marionetten-Regime geworden, das nur noch deutsche Befehle ausführte.
Das Regime erhielt den Namen nach seinem Regierungssitz, dem Kurort Vichy in der Auvergne.
Zusammen mit dem britischen Expeditionskorps war die französische Armee nicht in der Lage, den schnellen deutschen Vorstoß nach Frankreich ("Blitzkrieg") zu stoppen (siehe Westfeldzug 1940). Daher beauftragte der französische Staatspräsident Albert Lebrun, nachdem Ministerpräsident Paul Reynaud zurückgetreten war, Henri Philippe Pétain am 16. Juni 1940 mit der Regierungsbildung und Waffenstillstandsverhandlungen.
Zur Erwiderung der deutschen Demütigung am Ende des Ersten Weltkrieges ließ Hitler den neuen Ministerpräsidenten Marschall Pétain, den französischen Kriegsheld von Verdun, am 22. Juni 1940 an dem Ort den Waffenstillstand unterzeichnen, an dem auch der Waffenstillstand des Ersten Weltkrieges unterschrieben worden war: Im historischen Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne. Durch diesen Vertrag kam es zu einer Teilung Frankreichs: Der Norden und Westen wurde von den Deutschen besetzt. Im anfangs unbesetzten Süden (etwa 40 % der Landesfläche) wurde Vichy Sitz der neuen französischen Regierung. Elsaß-Lothringen wurde rechtlich vom Deutschen Reich annektiert.
General Charles de Gaulle, der als Staatssekretär der Regierung Reynaud angehörte, erkannte die Legitimität des Vichy-Regimes und des Waffenstillstandes nicht an, richtete am 18. Juni von London über BBC einen flammenden Appell an alle Franzosen, den Kampf notfalls von den Kolonien aus fortzusetzten und gründete die France libre-Streitkräfte. Sie setzten den Kampf gegen die deutsche Besatzung zunächst von Großbritannien aus fort. Da de Gaulle die Legitimität des Vichy-Regimes und des von Pétain unterzeichneten Waffenstillstands nicht anerkannte, verurteilte das Vichy-Regime de Gaulle in Abwesenheit zum Tode, während de Gaulle von London aus die sich langsam formierende Résistance auch gegen das Vichy-Regime unterstützte.
Da die radikale französische Rechte, der der greise Pétain angehörte, die Demokratie und den Niedergang französischer Tugenden (wie sie sie sahen) für die militärische Niederlage verantwortlich machte, ersetzte er die über allen öffentlichen Gebäuden Frankreichs seit der Französischen Revolution 1789 befindliche Parole „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) durch den Wahlspruch „Travail, Famille, Patrie“ (Arbeit, Familie, Vaterland) und proklamierte eine „révolution nationale“.
Zum Ministerpräsidenten berief Pétain bis zum 13. Dezember 1940 Pierre Laval, von Februar 1941 bis April 1942 Admiral François Darlan und ab April 1942 auf Druck Hitlers erneut Laval.
Wegen der demütigenden Waffenstillstandsbedingungen musste das Vichy-Regime seine Armee drastisch verkleinern und alle schweren, aber auch viele leichte Waffen und Munition ausliefern. Die Résistance bemühte sich ihrerseits, so viel französische Waffen und Munition wie möglich vor der Übergabe zu verstecken. Das Regime verfügte, abgesehen vom unbesetzten Staatsgebiet, anfangs noch über alle Kolonien sowie nur noch über ein 100.000 Mann starkes Heer und die französische Kriegsmarine. Ca. 2 Mio. französische Soldaten blieben weiter in deutscher Kriegsgefangenschaft. Ihre Rückkehr nach Frankreich blieb Ziel einiger Bemühungen des Regimes.
Diplomatisch wurde die Regierung neben dem Deutschen Reich auch von den USA und der Sowjetunion anerkannt.
Während die deutschen Besatzungsbehörden zunächst eine Politik der ungehemmten Plünderung französischer Rüstungsgüter, Rohstoffe und Energieträger betrieben, war die Absicht des Vichy-Regimes darauf gerichtet, durch staatliche finanzielle und wirtschaftliche Kollaboration "das Land vor sozialen Unruhen" und jenem Chaos zu bewahren, das angesichts der militärischen Niederlage und fehlender privatwirtschaftlicher Verantwortung in der besetzten Zone befürchtet wurde. Um die Ministerien wieder nach Paris verlegen zu können, später nach der deutschen Ablehnung um wenigstens eine "Präsenz" in der besetzten Zone aufrecht erhalten zu können, bot das Vichy-Regime der Waffenstillstandskommission an, über die täglichen 400 Mio. Francs Besatzungskosten hinaus das wachsende französische Handelsbilanzdefizit gegenüber dem Deutschen Reich durch den französischen Fiskus zu kompensieren. Um die ökonomische Kollaboration zu organisieren, wurden nach deutschem Vorbild nach Branchen und Produkten 12 Comités d'organisation (CO) und ein Office central de répartition des produits industriels (OCPRI) gegründet, die unter der Aufsicht des Ministeriums für Industrielle Produktion nicht nur 321 französische Kapitalgesellschaften führten, die französischen Lieferungen an die deutschen Stellen und die notwendigen Rohstoffzuteilungen abstimmten, sondern freiwillig den Deutschen die Rohstoffbestände in der unbesetzten Zone angaben. Im Gegenzug erwartete das Vichy-Regime: "Durch die französisch-deutsche Kollaboration können wir eine regelrechte Abholzung der besetzten Zone verhindern."
Seit Herbst 1940 existierte die Légion française des combattants, die Kriegsveteranenorganisation, aus der Joseph Darnand gemeinsam mit hohen Offizieren im Spätsommer 1941 enttäuschte Kämpfer rekrutierte, die im Département Alpes-Maritimes eine geheime Militärorganisation unter der Bezeichnung Service d'ordre légionaire (SOL) gründeten, die bei einer weiteren italienischen Agression gegen französisches Territorium zum Einsatz kommen sollte. Bis Ende 1941 entwickelte sie sich zu einer ernstzunehmenden Streitmacht, die als Schutz Frankreichs vor externer und interner Agression im Januar 1942 den offiziellen Segen des Vichy-Regimes erhielt. Gegen Ende des Sommers 1942 rekrutierte Darnand daraus Freiwillige für die Légion volontaires français (LVF) oder Légion anti-bolchévique bzw. Légion tricolore, bei der französische Freiwillige in deutschen Uniformen gegen die Sowjetunion kämpften. Als offenkundig wurde, das im Januar 1943 Militante aus den rivalisierenden Kollaborationsparteien Parti populaire français (PPF) und Rassemblement national populaire (RNP) Kampftruppen zur Widerstandsbekämpfung zu formen suchten, strukturierte Darnand den SOL zur Milice française um.
Laval, der sich angesichts polemischer Auseinandersetzungen mit ultrakollaborationistischen Kreisen ohne persönliche Deckung sah, hatte im Dezember 1942 Hitlers Erlaubnis eingeholt, eine Truppe zu seiner persönlichen Verfügung zu bilden. So betrachtete Laval die Milice als seine persönliche Verteidigungsmacht, die von Darnand befehligt wurde, der sich jedoch primär als Gefolgsmann Pétains verstand. Bis Sommer 1943 blockte Laval alle Eingaben nach Bewaffnung der Milice noch ab. Mit wachsender Eskalation der Lage betrachtete die Waffen-SS jedoch die Milice als ideales Rekrutierungsfeld zur Aufstellung eines Batallions französischer Waffen-SS. Letztlich wurde ein Teil der Milice bewaffnet, wofür sich ihre Führungsmitglieder verpflichten mussten, neue Soldaten für die Waffen-SS zu werben. Die 30.000 Mann starke Milice, die der SS unterstellt wurde, durfte erst ab Januar 1944 in der Nordzone operieren und diente der Waffen-SS als nützliche Nebenstreitkraft vornehmlich im Kampf gegen die Résistance. Darnand stellte zusätzlich die Groupes mobiles de réserve (GMR) auf und schlug die Gründung einer Groupe franc de la garde unter seiner direkten Kontrolle zur Zerschlagung der Maquis der Glières vor, was von deutscher Seite jedoch abgelehnt wurde.
Außerdem kooperierten die französischen Behörden auch in Sachen Antisemitismus. So wurde 1942 der „Judenstern“ und Judengesetze eingeführt noch bevor die Besatzer dies überhaupt gefordert hatten. Im Juli 1942 verhaftete die französische Polizei mit 9.000 Mann auf Initiative von Vichy 20.000 Juden in Paris („grand rafle“) und sperrte sie im Vélodrôme d'hiver ein. Im gleichen Monat begann sie mit der Deportation von 130.000 ausländischen und 70.000 französischen Juden aus der Südzone über das Sammellager Drancy in die Vernichtungslager des Ostens.
Die Politik der Kollaboration sollte Vichy-Frankreich eine hervorgehobene Stellung in einem erwarteten nationalsozialistisch dominierten Europa sichern. Im Gegenzug bewirkte sie aber auch einen starken Zulauf junger Leute zur Résistance, da alle arbeitslosen Franzosen zum Service du Travaille obligatoire (STO) eingezogen werden konnten.
Diese Kooperation stellte die Nazis trotzdem nicht vollständig zufrieden. So konnten sie Pétain nicht überreden, auf deutscher Seite in den Krieg zu ziehen. Außerdem mussten die Deutschen auf den Staatschef Druck ausüben, damit er die Entlassung des pro-deutschen Ministerpräsidenten Laval im April 1942 zurücknahm.
Die Nazis verfügten über drei Schnittstellen zu ihren (mal mehr, mal weniger treuen, oft sogar übereifrigen) Kollaborateuren in Frankreich: Da war der Militärbefehlshaber für das besetzte Frankreich (MBF), der mit seinem Stab aus Wehrmachtspersonal und zivilen, eilens in Uniform gesteckten Experten im Pariser Hotel Majestic residierte, dem Oberkommandierenden des Heeres unterstellt und der neben militärischen auch für wirtschaftliche und lange Zeit sicherheitspolitische Fragen verantwortlich war. Vorwiegend politische Fragen wurden vom Botschafter Otto Abetz geregelt, der dem deutschen Auswärtigen Amt und damit dem Außenminister Joachim von Ribbentrop unterstand. Zu seinen Mitarbeitern gehörte der SS-Brigadeführer Werner Gerlach (Leiter des Kulturreferats), Karl Epting (kulturelle Angelegenheiten), der Jurist Friedrich Grimm (Propaganda) und Botschaftsrat Friedrich Sieburg (ehemaliger Korrespondent der Frankfurter Zeitung), die bereits über Erfahrungen im Vorkriegs-Frankreich verfügten. Der Botschaft gehörten neben Bürokraten und Juristen aller Ebenen in wachsendem Maße auch Wissenschaftler, vor allem Romanisten an, die sich in ihrem erträumten faschistischen Gesamtraum Westeuropas (SS-Europa) Karrieren ausrechneten. Die wichtigste solcher Denkfabriken war das "Deutsche Institut" Paris. Die meisten Mitarbeiter schafften es nach 1945, wieder Posten in der BRD bzw. DDR in ihren Disziplinen zu ergattern. Häufig stilisierten sie sich als Frankreich-Freunde ("frankophil"). Viele Einzelheiten müssen noch dringend erforscht werden, was erst möglich sein wird, wenn die archivführenden Stellen (auf deutscher oder französischer Seite) überhaupt bereit sein werden, Einblick zu geben (siehe Literatur: Geiger). Der dritte Machtbereich auf deutscher Seite bestand aus der Sicherheitspolizei (Gestapo, Juden- bzw. Résistance-Jäger und -Vernichter) und dem Sicherheitsdienst (SD), die zusammen mit der SS Heinrich Himmler unterstanden. Zwischen allen drei deutschen Machtbereichen, insbesondere zwischen der Botschaft und der SS bestand eine gewisse Rivalität, die durch eine mangelnde genaue Abgrenzung der Verantwortlichkeiten gefördert wurde. Alle drei Bereiche verfügten über Stäbe für "Kirchenfragen", "Judenfragen", "Wirtschaftsfragen" usw. Abetz und die Botschaft favorisierte Laval und den Gründer der Rassemblement national populaire (RNP), Marcel Déat, während die SS Jacques Doriot, den Chef der Parti populaire français (PPF) förderte. Gemeinsam war den deutschen Besatzungsbehörden, dass sie gar nicht daran dachten, Pétains Ziel nach einem geeinten Frankreich zu fördern, ihn nach Kräften daran hinderten, einen Einparteienstaat nach deutschem oder italienischem Vorbild aufzubauen, sondern die parteipolitischen, religiösen, regionalen und sonstigen innerfranzösischen Gegensätze förderten, um so Frankreich leichter beherrschen und ausbeuten zu können.
Ein weiterer Konflikt zwischen Großbritannien und dem Vichy-Regime entstand, als deutsche Flugzeuge im Juni 1941 die französische Kolonie Syrien überfliegend in die britischen Kämpfe zur Niederschlagung eines arabischen Aufstandes im Irak eingriffen. Daraufhin besetzten britische und freifranzösische Verbände Syrien und den Libanon, dessen nationale Führung bereits die Zusammenarbeit mit General de Gaulle als Gegenleistung für die eigene Unabhängigkeit ausgehandelt hatte (siehe Geschichte des Libanon). In Syrien und dem Libanon stellte der spätere libanesische Staatspräsident General Fouad Chehab arabische Freiwilligenverbände mit mehreren tausend Mann auf, die neben senegalesischen Eliteeinheiten einen Kern der "Armee des Freien Frankreichs" bildeten, in Nordafrika (Schlacht von Bir Hakeim) kämpften und an der Befreiung Italiens beteiligt waren. Bei der Befreiung des Libanon wurden auch jüdische Freiwillige der Palmach aus Palästina eingesetzt; der spätere israelische General Moshe Dayan wurde bei diesen Kämpfen am Auge verletzt.
Ebenso griffen die Briten mit Hilfe von südafrikanischen Kräften die französische Kolonie Madagaskar an, um zu verhindern, dass die Japaner von Madagaskar aus den Handel im Indischen Ozean stören könnten.
Die USA erkannten Vichy anfangs im vollen Umfang diplomatisch an und entsandten Admiral William D. Leahy als amerikanischen Botschafter. Präsident Franklin Roosevelt und Staatssekretär Rumpf Cordell hofften so Einfluß zu nehmen, um das besiegte Frankreich nicht vollständig in deutsche Abhängigkeit gelangen zu lassen.
Kennzeichnend für das Regime ist der Einfluß hoher Beamter. In der Zeit nach 1918 erlangte administratives Wissen zur Effizienzsteigerung sowohl in der Politik, als auch in privaten Unternehmen große Bedeutung. In Vichy wurde diese Kunst der Führung vielfach angewendet. Das betraf nicht nur ökonomische Fragen, sondern das menschliche Leben im ganzen. Typisch dafür war Maurice Papon. Es waren vor allem zwei Vichy-Institutionen, welche die "Erneuerung" Frankreichs durch Schaffung eines «totalen Menschen» vorantreiben sollten: die Schule für junge Führungskräfte in Uriage (1940–1942), aus der Hubert Beuve-Méry, Gründer von Le Monde stammte und die Carrel-Stiftung, die demographische Forschung trieb.
Mit dem Kriegseintritt der USA auf Seite der Alliierten Dezember 1941, der alliierten Landung in Nordafrika November 1942, der deutschen Kapitulation vor Stalingrad Januar 1943 und zunehmenden Aktionen der Résistance im Sommer 1943 mit Attentaten, Morden und Angriffen gegen Miliciens führten Kollaborateuren vor Augen, das eine Niederlage Deutschlands möglich und der Nazi-Mythos vom Tausendjährigen Reich Propaganda waren. Zum Ende hin wurde die Vichy-Regierung von immer mehr Franzosen abgelehnt, manche von ihnen (aber auch untergetauchte Ausländer, insbesondere Spanier und auch etliche Deutsche) kämpften aktiv in der Résistance. Historiker schätzen die Zahl der aktiven Kollaborateure, wie der tatsächlichen Résistant letztlich auf ca. 2 % der Bevölkerung.
Nach der Landung in der Normandie und der Befreiung richtete General de Gaulle am 9. September 1944 in Paris per Befehl die Republik wieder auf und bildete dort seine provisorische Regierung. Das frühere Vichy-Regime war im Schutz deutscher Soldaten zwangsweise nach Süddeutschland in das Schloss Sigmaringen geflohen, wo Laval und seine Mitarbeiter eine Etage, Pétain eine andere bewohnten und beide nicht mehr miteinander sprachen.
Pétain und Laval wurden 1945 beide von einem französischem Gericht zum Tode verurteilt, wobei Pétains Strafe später durch General de Gaulle in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Dem zum Tode verurteilten Laval, dem es gelungen war, Zyankali zu schlucken, wurde der Magen ausgepumpt, bevor man ihn vor ein Exekutionskommando stellte.
In den Tagen und Wochen der Befreiung fand eine von Anhängern der Résistance und solchen, die ihr jahrelanges Stillschweigen bemänteln oder ihre persönlichen Rechnungen begleichen wollten, eine Jagd auf vermeintliche und tatsächliche Kollaborateure und Anhänger des Vichy-Regimes statt, die als Épuration (= Säuberung) bezeichnet wurden. Maximale Schätzungen gehen von 9.000 standrechtlichen Hinrichtungen während der "wilden Épuration" und 6.763 Todesurteilen durch die Commission d'Épuration aus, wovon nur 767 Todesurteile vollstreckt wurden. Die Zahl der französischen Frauen, die wegen tatsächlicher oder vermeintlicher sexueller Beziehungen zu Besatzungssoldaten kahlgeschoren und nackt auf öffentlichen Plätzen "an den Pranger gestellt" wurden, war erheblich höher. Diese von Kommunisten und Gaullisten getrennt organisierten Säuberungen, die eine nationale Karthasis bewirken und die Spaltung der Nachkriegsgesellschaft überwinden sollten, erreichten, dass Familien lebenslänglich verfeindet oder öffentlich verfemte Familienmitglieder lebenslänglich in Kellern, Ställen, Dachböden usw. eingesperrt blieben, um der Schande aus dem Wege zu gehen. Gleichzeitig bewirkte sie den Mythos vom glorreichen Frankreich, der insbesonder von de Gaulle jahrzehntelang gepflegt wurde, hinter dem sich die Nation einerseits schloss, andererseits jede Auseinandersetzung mit den eigenen geschichtlichen Fehlern unterblieb.
Aus innen- und weltpolitischen Gründen behauptete die französische Politik bis Mitte der 1990er Jahre, dass der État français keinen französischen Rechtscharakter gehabt habe (also genaugenommen eine Besatzungsbehörde gewesen sei). Diese Behauptung, die insbesondere eine Mitverantwortung für die Beteiligung an Deportationen und Völkermord ausschliesst und im Gegensatz zu den Tatsachen steht, wurde erst in jüngerer Zeit (Juli 1995) durch eine Erklärung von Staatspräsident Jacques Chirac korrigiert, der eine Mitverantwortung französischer Behörden an den Verbrechen der Milice française und der Gendarmerie einräumte. Folgerichtig verurteilte das Oberste Verwaltungsgericht den Staat 2001 dazu, die Hälfte der Strafe zu zahlen, die der Kriegsverbrecher Maurice Papon für seine Tätigkeit in der Präfektur Bordeaux zu leisten hatte. Das Geld sollen Deportationsopfer erhalten. Erst seit diesem Urteil ist eine Mitverantwortung des heutigen französischen Staates für die Kollaboration rechtlich festgestellt. Dem entsprechend muss der Staat ebenfalls zwei Drittel der Strafe tragen, die der Eisenbahngesellschaft SNCF im Juni 2006 wegen Beteiligung an Deportationen auferlegt wurde.
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