Vichy - Eglise Saint Louis.jpg Vichy * ist eine Stadt in der französischen Region Auvergne und mit 26.528 (1999) Einwohnern nach Montluçon die zweitgrößte Stadt im Département Allier. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Vichy, dieses besteht aus elf Kantonen, sie ist Hauptort (frz.: chef-lieu) der Kantone Vichy-Nord und Vichy-Sud.
Die Stadt gilt als das bedeutendste Heilbad von Frankreich. Heute wird der Ort von jährlich ca. 30.000 Gästen besucht.
Vichy-palaisdessources.jpg Wirklich berühmt werden die Quellen von Vichy durch Madame de Sevigné, die 1676 und 1677 hierher zur Kur kommt, um das Rheuma in ihren Händen zu kurieren, was offenbar auch gelingt. Sie äußert sich zwar alles andere als begeistert über den Geschmack des Wassers, preist aber dessen heilende Wirkung. 1761 kommen zwei Töchter von Ludwig XV. hierher zur Kur. Ihr Neffe, Ludwig XVI., lässt 1787 eine neue Badeanlage an den Quellen errichten. Laetitia Bonaparte, die Mutter Napoleons, weilt hier 1799 zur Kur. Es wird ihrem Einfluss zugeschrieben, dass der Kaiser im Jahr 1812 den Parc de Sources (Quellenpark) anlegen lässt. 1830 wird das Kurhaus eingeweiht. Napoleon III. macht Vichy für einige Jahre zu seiner Sommerresidenz. In dieser Zeit wird der Ort zu einem Modebad des internationalen Adels. Es werden Parks nach englischem Vorbild und Boulevards angelegt sowie Villen, Chalets und Hotels gebaut. 1865 entsteht das Casino.
1899 bis 1903 folgt der Bau des großen Centre Thermal des Domes mit der Trinkhalle, einem 700 Meter langen Wandelgang und einem Bad im orientalischen Stil. 1903 wird das Opernhaus eingeweiht. Um 1900 kommen 40.000 Kurgäste pro Jahr nach Vichy, kurz vor dem Ersten Weltkrieg sind es fast 100.000. In den 1930er Jahren erlebt der Kurort eine weitere Blütezeit.
Ab Juli 1940 wird die Stadt während des Zweiten Weltkrieges Sitz der französischen Vichy-Regierung unter Henri Philippe Pétain - da sie als Kurort über 300 Hotels besaß und so Unterkunft für die Offiziere bot - und verwaltete die von den Deutschen nicht besetzten Landesteile Südfrankreichs. Zunächst wurde sie von einem Großteil der französischen Bevölkerung begrüßt. Bis 1944 wurde sie aber von immer mehr Franzosen abgelehnt. Mit der Befreiung Frankreichs durch die Alliierten und der Einsetzung einer provisorischen französischen Regierung unter General Charles de Gaulle am 25. August 1944 endete die vierjährige Regierungszeit des Vichy-Regimes.
Nach dem Krieg nimmt Vichy den Kurbetrieb wieder auf und erwirbt erneut den Titel Reine des villes d'eaux (Königin der Kurbäder). Doch das ändert sich in den 1970er Jahren, als bei Prominenten plötzlich andere Badeorte "in" sind. Unter Bürgermeister Pierre Coulon (1950-1967) entwickelt sich Vichy zu einer Stadt des Sports; der Fluss wird zum See Lac d'Allier aufgestaut, um Wassersportmöglichkeiten anzubieten, und es entsteht der Parc Omnisports (1963-1968). Seit 1989 ist Claude Malhuret Bürgermeister der Stadt, vorher Minister für Menschenrechte und zusammen mit Bernard Kouchner der Gründer der Organisation Ärzte ohne Grenzen.
Entwicklung der Einwohnerzahl:
Heiße Quellen
Kalte Quellen
Aus den Salzen der Quellen werden die Vichy Pastillen hergestellt, die die Verdauung fördern sollen. Das Wasser der Cèlestins-Quellen wird auch in Flaschen abgefüllt verkauft. Als Indikationen für eine Trinkkur in Vichy gelten u.a. Stoffwechselstörungen, Magen- und Darmprobleme, Erkrankungen von Leber und Gallenblase sowie Krankheiten der Harnwege.
In der Thalassotherapie ist die so genannte Vichy-Dusche bekannt, eine Duschanwendung im Liegen, die in Vichy eingeführt wurde.
Die Stadt Vichy unterhält seit 1965 eine Städtepartnerschaft mit Wilhelmshaven (Niedersachsen). Der Kontakt mit anderen Städten beschränkt sich jedoch nicht nur auf wirtschaftliche oder politische Belange. Seit 1994 besteht ein mit großer Resonanz alljährlich angenommenes Schüleraustauschprogramm zwischen dem Collège Jules Ferry in Vichy und dem Augustinus - Gymnasium in Weiden in der Oberpfalz (Bayern). Außerdem unterhält Vichy eine Partnerschaft mit Bad Tölz.
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