Vevey (phonetisch: *) ist eine Stadt und Hauptort des gleichnamigen Distrikts des Kantons Waadt in der Schweiz. Der frühere deutsche Name Vivis wird heute kaum mehr verwendet. Zur Römerzeit hiess der Ort Viviscus.
Die Stadt am Nordostufer des Genfersees war früher ein bedeutender Handelsplatz und profitierte im 19. Jahrhundert vom Aufschwung durch Industrie und Fremdenverkehr, die noch heute die Hauptsäulen der Wirtschaft darstellen.
Die Fläche des 2.4 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Nordostufer des Genfersees (rund 2 km Seeuferlinie). Der Hauptteil des Gemeindebodens wird von der Schwemmebene der Veveyse eingenommen, die nördliche Grenze liegt am Fuss des Mont Pèlerin im Bereich des Baches Ruisseau de Bergère. In einem schmalen Zipfel erstreckt sich das Gebiet entlang des Tals der Veveyse bis auf die Geländeterrasse La Veyre, auf der mit 500 m ü. M. der höchste Punkt von Vevey erreicht wird. Östlich an die Schwemmebene schliessen die sanft geneigten Hänge der Waadtländer Riviera an, wobei die Grenze durch die äusseren Wohngebiete verläuft und die obersten Villensiedlungen bereits zur Nachbargemeinde Saint-Légier-La Chiésaz gehören. Nach Südosten reicht der Gemeindeboden bis zum Rebhügel Crêt Richard, und der Bachlauf der Ognona bildet eine natürliche Abgrenzung gegen La Tour-de-Peilz. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 89 % auf Siedlungen, 6 % auf Wald und Gehölze, 4 % auf Landwirtschaft und etwas mehr als 1 % war unproduktives Land.
Zu Vevey gehören ein Teil des ehemaligen Weilers Clies (450 m ü. M.) und die Siedlung Gilamont (454 m ü. M.) an der südlichen Talflanke der Veveyse. Nachbargemeinden von Vevey sind Corseaux, Corsier-sur-Vevey, Saint-Légier-La Chiésaz und La Tour-de-Peilz.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 5201 |
| 1900 | 11781 |
| 1910 | 13664 |
| 1930 | 13036 |
| 1950 | 14264 |
| 1960 | 16269 |
| 1970 | 17957 |
| 1980 | 16139 |
| 1990 | 15968 |
| 2000 | 16202 |
Noch im 18. Jahrhundert war Vevey agrarisch geprägt. Hier wurden die landwirtschaftlichen Produkte des Umlandes weiterverarbeitet und in den Handel gebracht. Das Gewerbe umfasste zu dieser Zeit Tabak- und Tuchmanufakturen, Hutmachereien, Gerbereien, aber auch Marmorwerkstätten und Uhrmacherei, die zunächst in Heimarbeit verrichtet wurde.
Vevey Stadt.jpg Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt rasch zu einem Industriestandort, und im weiteren Verlauf des Jahrhunderts vollzog sich der Strukturwandel hin zu Grossunternehmen. In diese Zeit fallen beispielsweise die Gründung der ersten Sparkasse des Kantons Waadt (1814), die Eröffnung der Ateliers de constructions mécaniques de Vevey (1842) und die Gründung der Tabakwarenfabrik Ormond & Rinsoz SA (1848). Vevey wurde ein bedeutendes Zentrum der Schokoladenindustrie: unter François-Louis Cailler wurde 1819 die erste Schokoladenfabrik der Schweiz gegründet. Henri Nestlé schuf sich hier einen Namen mit der Entdeckung eines Produktionsverfahrens für Milchpulver (1867), und 1875 gelang Daniel Peter die Herstellung von Milchschokolade. Im Jahr 1867 wurde die Nestlé SA gegründet, die sich seit 1929 nach der Übernahme der Firma Cailler auf die Schokoladenproduktion konzentrierte und später nach weiteren Firmenübernahmen ihren Marktbereich auf weitere Nahrungsmittelindustriezweige ausdehnte.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts kam es mehrmals zu Krisen, so während der 1930er Jahre in der Uhrenindustrie und während des Zweiten Weltkrieges im Tourismus. Als Folge davon fand eine Diversifikation in vielen Wirtschaftsbereichen statt. Auch die Rezession von 1974 und 1975 traf die Industrie hart, führte zu zahlreichen Betriebsschliessungen und letztlich zu einer Abnahme der Bevölkerung um rund 2000 Personen innerhalb von 10 Jahren.
Heute gibt es in Vevey rund 11000 Arbeitsplätze. Mit 0.5 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, ist die Landwirtschaft bedeutungslos geworden. Etwa 15 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 85 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).
Bedeutendster Betrieb ist noch heute die Nestlé SA, einer der grössten Nahrungsmittelkonzerne der Welt mit Hauptsitz in Vevey. Daneben gibt es zahlreiche weitere Unternehmen im Bereich der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der pharmazeutischen Industrie, des Druckerei- und Verlagswesens, des Apparatebaus, sowie der Feinmechanik und Mikrotechnik. Ferner ist Vevey Sitz von Banken und Versicherungen, der Stadt- und Bezirksverwaltung. Die Stadt verfügt über zwei Regionalspitäler, nämlich das Hôpital de la Providence (seit 1933) und das Hôpital du Samaritain (seit 1956).
Am 2. April 1861 wurde der Abschnitt Lausanne-Villeneuve der Bahnlinie von Lausanne nach Sion mit einem Bahnhof in Vevey eröffnet. Der Bahnhof Vevey entwickelte sich zu einem regionalen Verkehrsknotenpunkt mit der Einweihung der Schmalspurbahnlinie nach Blonay (am 1. Oktober 1902) respektive nach Châtel-Saint-Denis (von 1904 bis 1969 in Betrieb), der Verbindung nach Puidoux-Chexbres (am 2. Mai 1904, Normalspur auf der heute der Train des Vignes verkehrt) und der Eröffnung der Standseilbahn Vevey-Mont Pèlerin im Jahr 1900.
Ab 1888 verkehrte entlang des Seeufers die Tramway Vevey-Montreux-Chillon-Villeneuve, eine elektrische Strassenbahn. Sie war die erste elektrisch betriebene Bahn der Schweiz und wurde 1957 durch eine Trolleybuslinie ersetzt, welche heute von der Gesellschaft Transports publics Vevey-Montreux-Chillon-Villeneuve (VMCV) betrieben wird. Diese Gesellschaft ist für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr zuständig, sowohl für das Stadtbusnetz als auch für die Linie nach Châtel-Saint-Denis (Ersatz für die ehemalige Schmalspurbahn).
In der Römerzeit lag Vevey an der wichtigen Heerstrasse vom Grossen Sankt Bernhard entlang des Ostufers des Genfersees nach Aventicum (Avenches). Ein Seitenzweig der Strasse führte nach Lausanne. An dieser Strassenverzweigung entwickelte sich ein kleines Städtchen, von dem archäologisch allerdings nur wenig bekannt ist. Auf römischen Strassenverzeichnissen war der Ort unter dem Namen Vibisco, auf der Peutingerschen Tafel als Vivisco aufgeführt. Weitere lateinische Namen waren Bibiscum und Viviacum. Der Ortsname stammt vom latinisierten Namen des keltischen Stamms der Vivisci ab.
Die nächste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im 5. Jahrhundert unter dem Namen Bibiscon und bezeugt auch in dieser Übergangszeit eine Siedlung. Aus dem Mittelalter sind die Bezeichnungen Viviscum (1011), Vivesium (1017), Vivois (1163), Vives (1177), Vivex (im 12. Jahrhundert) und Viveis (1225) überliefert.
Der Fischerflecken gehörte um das Jahr 1000 zum Königreich Hochburgund. Auf dem Gemeindegebiet hatten aber auch das Lausanner Domkapitel, die Abtei Saint-Maurice, die Chorherren vom Grossen Sankt Bernhard und der Bischof von Sion reichen Grundbesitz. Im Jahr 1011 übertrug König Rudolf III. von Burgund seine Rechte über Vevey dem Bischof von Lausanne. Diese Herrschaftsrechte erkaufte sich 1250 Peter von Savoyen und gab sie als Lehen an die Herren von Blonay und von Oron weiter. Der Ort entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Handelsplatz am Genfersee. Im Lauf des 14. Jahrhunderts organisierten sich die Bürger von Vevey, erhielten 1356 von der savoyischen Oberhoheit erste Freiheiten zugesprochen und bildeten ab 1370 eine Gemeindeverwaltung.
Vevey Saint-Martin.jpg Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 gelangte Vevey unter die Herrschaft der Berner. Diese gründeten die Vogtei Chillon, die seit 1735, als der Landvogt die Stadt Vevey dem Schloss Chillon als Residenz vorzog, den Namen Vogtei Vevey trug. Diese Vogtei umfasste das Gebiet des heutigen Bezirks Vevey, ausser die Teile nördlich der Veveyse, die der Vogtei Lausanne angehörten; dafür war auch Villeneuve der Vogtei Vevey zugeteilt.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte die Stadt von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde sie Hauptort des Bezirks Vevey. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Vevey zu einem bedeutenden Industriezentrum, und dank seiner attraktiven Lage und des milden Klimas auch zu einem Fremdenverkehrsort. Deshalb nahm die Bevölkerung rasch zu, und die Stadt stiess schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an ihre engen Gemeindegrenzen. 1892 wurden daher die am Stadtrand von Vevey auf dem Schwemmkegel der Veveyse gelegenen Quartiere Arabie, Plan-Dessous, Plan-Dessus, Sous-Crêts, Corsets und Faubourg-Saint-Antoine von Corsier-sur-Vevey abgetrennt und nach Vevey eingegliedert. Eine weitere Grenzbereinigung wurde 1931 vorgenommen, als das Gebiet von Gilamont von Saint-Légier-La Chiésaz an Vevey abgetreten wurde.
Das Hôtel de Ville (Rathaus) wurde 1709-10 im Stil Louis XV. erbaut und 1751 umgestaltet. Nahebei steht die Tour Saint-Jean, ein mittelalterlicher Turm aus dem frühen 14. Jahrhundert, der ursprünglich zur Kapelle des Spitals Vieux-Mazel gehörte. Im Cour-au-Chantre, einem 1746 errichteten Stadtpalais, ist heute die Präfektur untergebracht. Das Schloss von Vevey wurde im 16. Jahrhundert an der Stelle einer mittelalterlichen Burg erbaut und im 18. Jahrhundert verändert, bevor die Berner Landvögte hier Sitz nahmen. Heute befinden sich im Schloss das Musée historique de Vevey und das Musée de la vigne et du vin.
In der Altstadt sind einige charakteristische Bürger- und Patrizierhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten. Westlich an die Altstadt schliesst die Grande Place an, Schauplatz des Winzerfestes und normalerweise - wenn nicht gerade für Festivitäten oder einen Markt genutzt – von Autos belegt. An diesem Platz stehen die Grenette, ein ehemaliges Kornhaus von 1808, das 1830 erbaute Casino und das im neugotischen Stil errichtete Château de l'Aile (auch Couvreu genannt und heute in Privatbesitz).
Am nordwestlichen Stadteingang steht der verglaste Skelettbau des Nestlé-Verwaltungsgebäudes, das 1958-60 nach Plänen des Architekten Jean Tschumi errichtet wurde.
Vevey zeichnet sich ferner durch die 1830 angelegte Uferpromenade und mehrere Stadtparks aus, beispielsweise der Parc de l'Arabie an der Veveyse, der Jardin du Rivage und der Jardin Roussi am südöstlichen Stadteingang.
Charles Chaplin verbrachte seine letzten Jahre in einer Villa bei Vevey. Heute steht zu seinem Gedenken in Vevey vor dem Alimentarium von Nestlé am Seeufer eine berühmte kleine Statue, Chaplin in einer seiner bekannten Posen darstellend.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Waadt | Schweizer Gemeinde
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