Die Vestische Straßenbahnen GmbH (kurz Vestische) betreibt einen großen Teil des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis Recklinghausen, der Stadt Bottrop und dem nördlichen Teil der Stadt Gelsenkirchen. Der Name der Gesellschaft leitet sich vom ehemaligen Vest Recklinghausen ab.
Der Sitz der Verwaltung sowie der Hauptbetriebshof befinden sich in Herten, ein weiterer Betriebshof befindet sich in Bottrop.
Am 10. Mai 1901 wurde die Strecke zwischen Recklinghausen-Steintor über Hochlar, Disteln, Herten und Crange nach Wanne eröffnet. Die 12,8 Kilometer lange Strecke lag zu einem Drittel in der Straße und zu zwei Drittel in Seitenlage neben der Straße.
Ab dem Jahr 1907 übernahm die Gesellschaft den Bau und Betriebsführung für die Straßenbahnen der Stadt Recklinghausen. Man wollte somit das Netz zwischen den Orten Bottrop, Herten und Recklinghausen verdichten und gleichzeitig sicherstellen, das alles auf ein und demselben System basierte. Die Straßenbahn Recklinghausen-Herten-Wanne eröffnete in den folgenden Jahren die Strecken:
Somit gab es 1910 zwei getrennte Netze: das Ostnetz mit 30,9 Kilometern Streckenlänge und das Westnetz mit 18,1 Kilometern Streckenlänge. Diese wurden von je einer Direktion in Bottrop und einer Direktion in Herten verwaltet. Die Wagen des gesamten Unternehmens wurden gemeinsam als Fahrzeuge der Straßenbahnen Recklinghausen geführt. Im Jahr 1913 wurden schließlich beide Direktionen in Herten zusammengefasst.
Ab 1913 wurden folgende Strecken eröffnet.
In dieser Zeit begann auch der Güterverkehr, der bis 1924 durchgeführt wurde. Die jährliche Menge an beförderten Gütern lag zwischen 5000 und 6000 Tonnen. Für diesen Zweck wurden extra drei E-Loks angeschafft. Zudem wurde eine in Besitz befindliche Dampflok und eine Benzollok für den Güterverkehr eingesetzt.
Auch in den Jahren der Hyperinflation wurden weitere Stecken eröffnet.
Am 2. Juni 1923 wurde die Betriebsführung der Straßenbahn Herne-Baukau-Recklinghausen durch die Vestischen Kleinbahn GmbH übernommen. Auch der Bau neuer Strecken wurde in den folgenden Jahren weiter vorangetrieben
Mit dem Bau der Strecke in Gladbeck stießen die beiden Netze aneinander. Eine Verbindung über die Gleise der Reichsbahn wurde allerdings nicht hergestellt. Somit musste der Wagenaustausch zwischen den beiden Teilnetzen wie bisher über die Strecken der BOGESTRA erfolgen. Mit dem Bau dieser insgesamt 25,6 Kilometer und dem Kauf der sich noch im Besitz der Stadt Recklinghausen befindlichen Strecke von Recklinghausen nach Röllinghausen waren die Geldmittel des Landkreises erschöpft. Somit konnte man die als notwendig angesehenen Streckenerweiterungen nicht mehr vornehmen. Um die schon in Bau befindlichen Strecken doch noch vollenden zu können, entschloss man sich zu einem ungewöhnlichen Schritt, man nahm Dollaranleihen auf. Somit konnten bis 1930 folgende begonnenen Strecken realisiert werden:
1930 betrieb man auf diesem ausgedehnten Netz insgesamt 19 Linien. Diese hatten eine Linienlänge von insgesamt 235,4 Kilometern Länge. Insgesamt hatte man ein Streckennetz von 180 Kilometern Länge, wovon 54 Kilometer zweigleisig waren. Auf diesem Netz beförderte man zwischen 8,9 Millionen (1938) und 17,1 Millionen (1933) Fahrgäste. 1934 kamen zwei weitere Strecken hinzu. Am 15. Februar wurde die 6,8 Kilometer lange Strecke zwischen Recklinghausen und dem Bahnhof Süd und am 24. August die 2,1 Kilometer lange Strecke zwischen Boy und Horst eröffnet. Dieses weit gespannte Netz hatte auch zwei für diese Zeit extrem lange Linien: die Linie 2 von Hüls über Recklinghausen und Erkenschwick nach Datteln war 21 Kilometer lang und die Linie 3 von Datteln über Henrichenburg, Recklinghausen und Marl nach Dorsten 36,4 Kilometer.
Am 1. Februar 1936 wurde von den Oberhausener Straßenbahnen die Strecke von Bottrop nach Sterkrade übernommen. Die Straßenbahn Herne-Baukau-Recklinghausen ging am 28. Oktober 1939 in den Besitz der Vestischen Kleinbahn GmbH über. An die BOGESTRA musste die Strecke zwischen Buer und Schalke und in Horst am 15. August 1939 verkauft werden. Ein Versuch, im Gegenzug die Strecke Buer nach Horst zu erhalten, gelang nicht. Im Jahr 1939 genehmigte die Reichsbahn die Verlegung von Gleisen über den Bahnübergang in Gladbeck, allerdings ohne Oberleitungen. Somit war man nicht mehr darauf angewiesen, Wagen über das Netz der BOGESTRA zu befördern. Auf dem Gelände der Chemischen Werke Hüls wurden zwischen März und Mai 1939 3,3 Kilometer Gleise verlegt.
Zu diesem Zeitpunkt betrieb man auch mit den benachbarten Gesellschaften einige Gemeinschaftslinien. Mit den Oberhausener Straßenbahnen gab es zwei Linien von Bottrop aus. Auch mit der Westfälische Straßenbahn hatte man eine gemeinsame Linie. So befuhr man zusammen mit der BOGESTRA zwei Linien von Gladbeck nach Gelsenkirchen und eine Linie von Recklinghausen über Marl nach Gelsenkirchen.
Am 7. Februar 1940 wechselte die Vestische Kleinbahn GmbH ihren Namen und aus ihr wurde die Vestische Straßenbahnen GmbH. 1941 begann man, wie im Zweiten Weltkrieg üblich, mit dem Transport von Gütern. Durch eine spezielle Einsatztruppe wurden auch die kriegsbedingen Reparaturen am Streckennetz schnell durchgeführt, so dass der Verkehr nie sehr lange unterbrochen wurde. Erst als 1945 die Front näher rückte, wurde am 27. März der Verkehr eingestellt.
In dem Bestreben des Landes Nordrhein-Westfalen, ein gemeinsames Stadtbahnnetz im Ruhrgebiet zu schaffen, war auch die Vestische Straßenbahnen GmbH mit eingeschlossen. Auf ihrem Gebiet sollten die Strecken von Gelsenkirchen über Buer, Hassel, Polsum, Marl und Sinsen nach Recklinghausen, von Horst nach Gladbeck, von Buer über Herten nach Recklinghausen und von Bochum über Herne nach Recklinghausen verlaufen. Von diesen geplanten Stadtbahnen wurde aber keine Strecke gebaut, obwohl die Verlängerung der U35 von Herne nach Recklinghausen immer wieder in der Presse auftaucht.
Die letzten Straßenbahnlinien der Vestischen (teilweise Gemeinschaftsverkehr) im Jahr 1973:
Linie | Linienweg
|
| 1 | Recklinghausen Nordcharweg - Recklinghausen Hbf. - Herten - Gelsenkirchen-Resse - Buer - Hassel - Polsum Ehrenmal |
| 8 | Recklinghausen Hbf. - Herne Bhf. - Bochum Riemke - Bochum Rathaus - Weitmar - Linden - Hattingen Reschop |
| 10 | Bhf. Marl-Sinsen - Recklinghausen Hbf. - Herten - Gelsenkirchen-Resse - Buer - Gladbeck - Bottrop-Eigen - Bottrop Pferdemarkt - Oberhausen-Osterfeld Harkortstraße |
| 17 | Bottrop Knappschaftskrankenhaus - Bottrop Pferdemarkt - Bottrop-Eigen - Gladbeck - Gelsenkirchen-Horst Essener Straße |
| 18 | Recklinghausen Hbf. - Herne Bhf. - Bochum Riemke - Bochum Rathaus - Weitmar - Linden - Dahlhausen Bhf. |
Der Straßenbahnbetrieb wurde am 3. Oktober 1982 mit der Aufgabe des letzten Streckenteils Recklinghausen Hbf. - Herne Bhf. der Gemeinschaftslinie 305 (Vestische / Bogestra) eingestellt. Seitdem ist die Vestische ein reiner Busbetrieb. NeoplanVestischeRecklinghausenNearDortmund,NW,GER.jpg Die Vestische gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr seit dessen Gründung 1980 an.
Heute erbringt das Unternehmen mit ca. 250 eigenen Bussen sowie mit Fahrzeugen von mehreren Subunternehmen eine jährliche Betriebsleistung von gut 20 Mio. Betriebskilometern. Sie hat 1048 Mitarbeiter (stand 2000), die betriebliche Aufwendungen betrugen im Jahr 2000 140,471 Millionen DM bei einem Aufwanddeckungsgrad von 71,51%. Die Vestische gehört zu den größten Nahverkehrsunternehmen in Deutschland, die ihre Leistungen ausschließlich mit Bussen erbringen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Struktur ihres Bedienungsgebietes sind auch die Linien sehr unterschiedlich. Einen wichtigen Bestandteil des Netzes bilden die verschiedenen Schnellbuslinien (Städteschnellbus, CityExpress), die fast alle Städte im nördlichen Ruhrgebiet miteinander verbinden und insbesondere die Städte in der Region ohne eigenen Schienenanschluss mit dem SPNV verknüpfen.
Straßenbahnbetrieb | Verkehrsgesellschaft | Unternehmen (Nordrhein-Westfalen) | Verkehr_(Ruhrgebiet) | Herten
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