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Der Vertrag von Shimonoseki (chin.马关条约, pinyin: Maguan Tiáoyuē; jap. 下関条約, Shimonoseki Jōyaku) vom 17. April 1895 beendete den Chinesisch-Japanischen Krieg und wird wegen seiner einseitigen Belastungen für das unterlegene China zu den sog. Ungleichen Verträgen gerechnet.

Vorgeschichte

Vertrag-Shimonoseki.jpg Nachdem Japan den acht Monate währenden Krieg dank überlegener Militärtechnologie und einer höheren Moral seiner Truppen für sich entscheiden konnte und im Frühjahr 1895 schließlich die Mandschurei sowie Teile Shandongs besetzte, kapitulierten die chinesischen Streitkräfte und suchten um Frieden nach. Am 20. März wurden in der japanischen Hafenstadt Shimonoseki entsprechende Verhandlungen aufgenommen. Bereits am 24. März wurden sie infolge des Attentats eines japanischen Nationalisten auf den chinesischen Chefunterhändler Li Hongzhang unterbrochen und erst am 10. April wieder aufgenommen. Am 17. April unterzeichneten schließlich die Grafen Ito Hirobomi und Mutsu Munemitsu einerseits und die von dem amerikanischen Diplomaten John A. Foster beratenen Qing-Beamten Li Hong Zhang und Li Qing Fong andererseits in der Shunpanro-Halle das Vertragswerk.

Inhalt

Der Vertrag sah insbesondere die Abtretung Taiwans, der Pescadores-Inseln sowie der Halbinsel Liaodong in der Mandschurei an Japan vor. Außerdem sollte China die „volle und umfassende Souveränität und Autonomie Koreas“ anerkennen, was angesichts der herrschenden geopolitischen Situation den vormaligen chinesischen Vasallenstaat faktisch zu einem Protektorat Japans machte. Außerdem verpflichtete sich China zur Öffnung von vier weiteren Vertragshäfen (u.a. Chongqing am oberen Yangzi) für den bilateralen Handel mit Japan; in deren Umgebung sollte Japan überdies das Recht zur Errichtung von Fabriken und Industrieunternehmen haben.

Dazu war schließlich eine Kriegsentschädigung von 200 Mio. Tael vorgesehen – die dreifache Summe der Jahreseinkünfte der Qing-Regierung.

Es wird vermutet, dass die Belastungen für China noch härter ausgefallen wären, wenn nicht das Attentat auf Li Hong Zhang die Stimmung in der Weltöffentlichkeit zugunsten Chinas beeinflusst hätte.

Folgen

Im unmittelbaren Anschluss an die Unterzeichnung des Vertrags von Shimoseki kam es zu heftigen Protesten unter den chinesischen Intellektuellen. Zum Ausgleich für den beträchtlichen Gebietsverluste und Finanzabflüsse wurden grundlegende wirtschaftliche und politische Reformen gefordert, was die Position der ohnehin schon angeschlagenen Qing-Dynastie noch mehr schwächte. Die Bewegung beeinflusste schließlich auch die von Kaiser Guangxu gegen den Willen seiner mächtigen Tante Cixi ausgerufenen sogenannte Hundert-Tage-Reform von 1898, die leider ohne Erfolg blieb.

Unter den chinesischen Intellektuellen gab es auch solche, die Japan nach dem Sieg als Vorbild sahen, insbesondere nachdem es auch gegen Russland im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 siegreich blieb. Versuche, China nach dem Vorbild der Meiji-Restauration zu modernisieren, scheiterten jedoch weitgehend. Über 10.000 chinesische Studenten gingen nach Tokio, um westliches und auch bereits kommunistisches Gedankengut kennenzulernen. Die japanische Hauptstadt sollte so eine Keimzelle der sich anbahnenden chinesischen Revolution werden.

Die mit dem Vertrag verbundene immense Stärkung der Position Japans rief sehr bald die in China engagierten europäischen Fremdmächte auf den Plan: Bereits im November 1895 zwangen sie das Inselreich zum Verzicht auf die Abtretung der Liaodong-Halbinsel gegen eine Erhöhung der Kriegsentschädigung auf 230 Mio. Tael. (Intervention von Shimonoseki oder Triple-Intervention). In den folgenden Jahren nahmen sie die in Shimonoseki erzwungenen Gebietsabtretungen zum Vorbild für eigene Annexionsbestrebungen: So fielen zwischen 1897 und 1899 etwa Qingdao an Deutschland, Weihai an England, Liaodong und Lüshun an Russland sowie die Region Zhanjiang in Guangdong an Frankreich.

Der Vertrag legte die Grundlage für eine dauerhafte Etablierung Japans an der unmittelbaren Peripherie Chinas. Er leistete damit insbesondere auch der japanischen Aggression in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Vorschub, die zunächst zur Besetzung der Mandschurei (Mandschurei-Krise und schließlich zum Ausbruch des zweiten japanisch-chinesischen Kriegs und dem daraus folgenden Zweiten Weltkriegs in Ostasien führen sollte.

Siehe auch


Weblinks


Qing-Dynastie | Ungleiche Verträge (China) | Außenpolitik Japans | Japanische Geschichte | Koreanische Geschichte | 1895

Treaty of Shimonoseki | Tratado de Shimonoseki | Shimonosekin sopimus | 下関条約 | Verdrag van Shimonoseki | Симоносекский договор | 马关条约

 

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